Die Frau steht in der Küche, rührt in der Schüssel voll Elan,
beginnt, etwas zu kochen, für sich und ihren Mann.
Er muss so lange arbeiten, ihr Herz tut ihr fast weh,
wenn sie daran denkt, als ertränke sie in einem See
voller Schmerz und Tränen, voller Sehnsucht und Träume,
doch das einzige, was sie durch das Fenster sieht, sind alte Bäume.
Es ist schon dunkel und von draußen leuchtet fahl der Mond herein.
Die Frau steht am Herd und schrubbt die Platte mühsam rein.
Der Schwamm gleitet über die Fläche aus Glaskeramik,
die Gedanken in ihrem Kopf entwickeln eine ganz ähnliche Dynamik.
Sie fragt sich, wann ihr Liebster endlich denn nach Hause kommt,
und wie sie an ihn denkt, beginnt ihr Herz beginnt zu kopfen promt.
Kurz schaut sie noch hinüber zu dem Weißwein und dem Buch,
und lächelt schon beinahe über den armseligen Versuch,
die Gedanken abzulenken, was ja doch nie funktioniert,
es kommt so gut wie nie vor, dass sie ihm Nachdenken pausiert.
Dann der Weißwein, weiß sie nicht, wie schädlich das jetzt ist?
Sie fühlt sich ihrem Kind gegenüber schon wie ein Sadist.
Zum Glück hat sie nichts getrunken, hat in letzter Sekunde nachgedacht,
widmet sich jetzt lieber den Fischen und bewundert ihre Farbenpracht.
Fische füttern, das gehört jetzt auch zu ihren Aufgaben,
seit sie zu Hause ist, ja schon seit ein paar Tagen.
„Stress dich nicht“, hat er gesagt, ich verdiene ja genug,
dann gab er ihr einen Kuss und verschwand in seinem Anzug.
Verblüfft stöhnt sie auf, es ist schon zehn nach zehn,
wird es nicht langsam Zeit? Sie will ihn endlich sehn.
Er arbeitet viel zu lang, muss sich ja um die Firma kümmern,
muss darauf achten, dass er sie nicht lässt verkümmern.
Er sagt, sie kann ruhig dann beim Kind zu Hause bleiben,
muss sich nicht zwischen Familie und Beruf aufreiben.
Sanft streichelt sie ihren Bauch, sie weiß ja,
er arbeitet auch für sie, er ist immer für sie da.
Ein Kind ist schließlich nicht billig, weil es doch so vieles braucht,
so kann sie es ihm doch nicht übel nehmen, dass er so spät erst auftaucht.
Schon ist sie wieder beruhigt, die Gedanken, die sie hatte,
sind weggespült und sie fühlt sich an wie eingepackt in Watte.
So wohlig warm ist ihr und sie beschließt, schon mal zu essen,
immerhin hat das Kind in ihrem Bauch auch Hunger, das darf sie nicht vergessen.
Im Hintergrund sieht man den Topf, gefüllt mit dampfender Suppe,
sie hat sich vorgenommen, richtig kochen zu lernen, nicht nur Nudelsuppe.
Ja, ein richtiges Festmahl will sie kochen können,
schließlich will sie ihm nach der Arbeit etwas Gutes gönnen.
Ein Blick aus dem Fenster zeigt ihr seinen Wagen,
da kommt er auch schon, sie sieht ihn den Aktenkoffer tragen.
Schon steht sie auf und geht hinüber zu dem Suppentopf,
und die Gedanken schlagen Purzelbäume in ihrem Kopf.
So sehr freut sie sich, dass er gleich durch diese Türe wird einmaschieren,
dann kann sie ihm die frisch gekochte Suppe gleich servieren.
Schon nimmt sie eine Schale, doch plötzlich spürt sie hinter sich,
so warm, angenehm und behaglich,
sie spürt ihn, er umarmt sie und streichelt ihren Bauch,
und sie weiß, er fühlt es auch,
das Zappeln und Strampeln ihres Kindes,
viele Stöße gegen ihren Bauch sind es.
Er nimmt sie sanft an den Schultern und dreht sie herum,
er lächelt sie an und küsst sie kurzum.
Dann widmet er sich ihrem Bäuchlein,
streichelt es ganz leicht und fein.
„Na, wie geht es euch beiden?“,
„Jetzt, wo du hier bist, sind wir zu beneiden.“
Er lacht und bettet sie dann auf seinem Schoß,
sie lässt sich fallen, ist für den Moment wunschlos,
so glücklich fühlt sie sich, denn er ist da.
„Alles okay?“, fragt er. „Ja!“
Denn jetzt hat er Zeit, kümmert sich ganz allein um sie.
Sie fühlt sich so geborgen und so fröhlich wie noch nie.