• Ich wollte mit dieser Story eigentlich warten, bis LorenhillCity zu Ende ist, aber die Story spukt mir die ganze Zeit im Kopf herum. Daher kann ich einfach nicht anders, als jetzt damit anzufangen. LorenhillCity geht natürlich wie gewohnt weiter.









    Willkommen in meiner Welt! Man könnte fast sagen, sie ist perfekt. Ich habe ein riesiges Traumhaus, gehöre zu den führenden Architekten der Umgebung, das Geld auf meinem Konto reicht noch für die nächsten 10 Jahre und eine Putzfrau kümmert sich um den Dreck, den ich mache.



    Da kommt sie auch schon, immer mit einem Lächeln auf dem Gesicht, um mich zu begrüßen. Eine höfliche Frau, das muss man ihr lassen. Sie erledigt ihre Arbeit ordentlich und meist macht sie sogar noch mehr, als nötig. Man könnte sie fast als meine persönliche Assistentin bezeichnen. Außerdem ist sie vertrauenswürdig, noch nie hat auch nur eine Kleinigkeit meiner Wertgegenstände gefehlt, obwohl ich diese bei Gott nicht gut verstecke.






    Ehrlich gesagt habe ich sie aber hauptsächlich wegen ihrer hinreißenden Figur und ihrem freizügigen Kleidungsstil eingestellt. Auch jetzt füllt es mir schwer, meinen Blick zu kontrollieren und er wandert automatisch an den Rand ihrer Netzstrümpfe. In meinem Kopf spinnen sich schon wieder alle möglichen Fantasien zusammen, bis mich die Türglocke zurück in die Realität holt. Wie üblich eilt Miranda, meine Putzfrau auch schon hinaus, um die Tür zu öffnen. Ich wohne allein, denn so muss ich mit niemandem zurechtkommen, doch ich lade auch häufig Gäste ein.






    Stacy, meine Verlobte betritt das Zimmer. Nur für den Fall, dass ihr blind seid: Stacy ist Model. „Hast du mal wieder deinen Schlüssel vergessen?“, frage ich sie, obwohl ich die Antwort ohnehin schon weiß. Stacy gehört zu den schusseligsten und unordentlichsten Personen, die mir je begegnet sind. Damit übertrifft sie schon beinahe mich.







    Sie lächelt nur entschuldigend und wie erwartet, stürzt sie sich auf mich und beginnt, mich zu küssen. Ja, meine Welt ist ziemlich schön. Man könnte fast sagen, sie ist perfekt. Solange es nicht Nacht ist.

  • Oh,noch eine Story (:
    Auch toll geworden.Nur die Bilder sind manchmal etwas zu krass bearbeitet ;/
    weniger ist manchmal mehr ;)


    Aber ich werde dran bleiben.Mal gucken,was mit ihr passiert,wenn Nacht ist. Vielleicht etwas mit der Putzfrau,weil die ja am Anfang schon 'etwas' ausdrücklich beschrieben wurde.


    Auf jeden Fall,tolle Geschichte,schonmal!

  • Sieh an ,es geht also um eine Frau,die zwei andere Frauen begehrt.Zuerst dachte ich, ein typischer Macho,der auf die Putzfrau scharf ist,aber gut,da hatte ich das Eingangsbild nicht im Kopf. Gefält mir übrigens sehr gut, nur ein Wort und das Blut, das heruntertropft.Die Nahaufnahme mit den Netzstrümpfen ist auch gelungen. Ich tippe mal darauf, dass in der Nacht immer was schlimmes passiert, vielleicht eine Geschichte a la Dr. Jeykill und Dr.Hyde ,also irgendeine Verwandlung . Bin schon gespannt.

  • Nachts...
    Sind alle Katzen grau. ^^ Nichts für ungut, aber das war mein erster Gedanke, als ich den Titel gelesen hab.

    Fängt schonmal vielversprechend und interessant an.

    Mal ehrlich: Jeder von uns hat zuerst geglaubt, dass du aus der Sicht eines Mannes schreibst, vor allem wegen der anzüglichen Gedanken des Hausmädchens gegenüber und wegen der Verlobten.

    Also, entweder sie ist ein Wesen der Nacht (Vampir, Werwolf etc.) oder sie hat eine krankhafte Nyktophobie (Angst vor der Dunkelheit), aber ob's wirklich so verhältnismäßig harmlos ist. Vielleicht ist Stacy ja auch das 'Monster' oder jemand anderes in ihrem Bekanntenkreis. Viel kann man noch nicht sagen.

    Hübsches Haus übrigens.

    Ich lese auf jeden Fall weiter, die Story lass ich mir nicht entgehen!

    Schreib weiter!
    Liebe Grüße

    Deine Appolonia

  • Gelungene Einleitung :D Ich glaub jeder dachte zuerst an nen Mann. Das hast echt toll hinbekommen! An der story bleib ich auch dran. Scheint interessant zu werden :D

    Ich glaub ja eher nicht an nen Werwolf, denn dann isses ja nur 1mal im Monat. Auch Vampir schließ ich jetz mal aus. Ich tippe eher auf irgendwas, was nachts immer zu ihr kommt. Bin sehr gespannt :D

  • @♥$t@r♥
    Danke für dein Lob. Du erwartest hoffentlich nicht, dass ich dir deine Frage jetzt schon beantworte? :p
    Nein, nein, da musst du schon selbst weiterlesen;)


    Anubis.*
    Ooooch ich bearbeite meine Bilder doch so gerne! Ich hoffe, es stört dich nicht zu sehr, aber 1. macht es mir wahnsinnigen Spaß und 2. benutze ich es manchmal als Stilmittel, um z.B. Veränderungen in der Zeit auszudrücken.
    Schön, dass du vorhast, meine Geschichte weiter zu lesen!


    @Dirgis
    Ich kenne die Geschichte von Dr. Jeykill und Dr.Hyde leider nicht, nur so vom Namen her. Ja, das mit dem Macho war auch das Bild, das ich ein wenig erwecken wollte. Schön, dass ich dich verwirren konnte x)


    Appolonia
    Noch jemand, den ich verwirrt habe. Schön x)
    Ich denk mal, der Mond erweckt als Assoziation immer gleich mal den Werwolf, aber wer weiß, ob das auch hier so ist ;)
    Ich liebe es, wie du immer alle möglichen Thesen aufstellst!
    Danke für dein Lob!


    Wuuzah
    Ja, wie schon gesagt, mit der Einleitung wollte ich euch ein wenig verwirren. Du bist mit deinen Vermutungen übrigens bis jetzt am Nähesten dran *mundzuhaltdamiticheuchnichtzuvielverrat*


    @all
    Danke für so viele Kommentare schon nach dem Prolog! In wenigen Minuten kommt das 1. Kapitel online.

  • </br></br></br></br>Wie aus dem Nichts gekommen stand Ruth in meinem Zimmer, an die Wand gelehnt mit dieser gespielten Lässigkeit, die ihr eigen war. Doch ihre Fingernägel, die sich an der abgeblätterten Holztäfelung festkrallten, verrieten sie. Sie war ganz und gar nicht ruhig. In ihr tobte ein Sturm. Sie kam selten grundlos in mein Zimmer, eigentlich kam sie überhaupt selten in mein Zimmer. Wenn sie es tat, dann, weil sie reden wollte, weil sie Rat erhofft oder einfach nur zu ihrer eigenen Beruhigung. Aber niemals, weil sie mich mochte. Sondern immer, weil sie mich brauchte. </br></br></br></br> Ich streckte mich auf meinem kratzigen Bettbezug aus und blickte sie erwartend an. „Na, was gibt´s?“, fragte ich. „Glaubst du an Engel?“, fragte sie mich. „Ich weiß nicht…“, erwiderte ich, unschlüssig, was sie mit dieser Frage bezwecken wollte. „Was, wenn es Engel gibt, die unter uns Menschen leben, aber nicht wissen, dass sie Engel sind?“, bohrte Ruth weiter. Wieder konnte ich ihr keine Antwort auf die Frage geben. Ich wusste einfach nicht, worauf sie hinaus wollte. „Jane, wo finde ich einen Schutzengel?“, fragte sie schließlich und in ihrer Stimme lag eine Spur Verzweiflung, nur eine Spur, aber deutlich genug, dass ich sie heraushörte. </br></br> </br></br>Manchmal schien sie in einer anderen Welt zu leben. Auch jetzt waren ihre Augen wie abgerückt und schienen in die Ferne zu blicken, auch, wenn dort nichts war, als eine kahle Holztäfelung. Ich beneidete sie fast um diese Fähigkeit, dieses Entrückt-Sein, denn es war eine Möglichkeit, der Gegenwart und der starren Hierarchie in unserer Familie zu entkommen. Ich beneidete sie auch um die Kraft, sich aufzulehnen und zu rebellieren. Ich beneidete sie darum, wie sie sich anzog und schminkte. Aber meistens hatte ich Mitleid mit ihr. Ich wusste, dass ihr Leben kein einfaches war, wahrscheinlich noch bedrückender als mein eigenes. Das wurde mir klar, während ich beobachtete, wie sie langsam die Wand entlang herabrutschte und schließlich auf dem Boden kauerte.</br></br></br></br> „Wozu brauchst du einen Schutzengel?“, fragte ich vorsichtig, nachdem ich mich zu ihr gesetzt und den Arm um sie gelegt hatte. Ich hoffte, ihr durch diese Geste Halt zu geben oder Wärme oder so etwas Ähnliches zumindest. „Weil ich jemanden brauche, der mich beschützt. Ich habe doch niemanden, der mich beschützen kann.“ „Wovor brauchst du denn Schutz?“ Doch anstelle einer Antwort starrte sie nur gedankenverloren ins Leere. Wieder einmal wusste ich nicht, wie ich sie behandeln sollte. „Wieso betest du nicht? Bete doch zu einem Engel.“, schlug ich ihr vor und es erschien mir wie eine nutzlose Phrase, die ich nur sagte, um irgendetwas zu sagen. „Das geht nicht. Gott hasst mich.“, murmelte sie. „So ein Unsinn. Wieso sollte Gott dich hassen? Gott liebt doch alle Menschen.“ „Ich habe gesündigt.“ </br></br> </br></br>Schweißgebadet wache ich auf. Mein Herz schlägt so unglaublich schnell, ich komme kaum noch mit dem Atmen nach. Ich hasse es, zu träumen, denn ich träume ausschließlich von meiner Vergangenheit. Teilweise so realistisch, dass es kaum von der Wirklichkeit unterscheiden kann, teilweise in bizarren Verzerrungen. Doch jedes Mal kenne ich die Situationen, die ich träume bereits aus meinem Leben, besser gesagt, aus meiner Kindheit und Jugendzeit. Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals etwas anderes geträumt zu haben. Um mich zu beruhigen, beschließe ich, aufzustehen und ein Glas Wasser zu trinken. </br></br></br></br> Doch kaum habe ich mein Bett verlassen, höre ich auch schon wieder ihre Stimme. „Jaaaaaaaaaneeeeeeeeeee“, flüstert sie, kaum hörbar, wie ein Windhauch. Manchmal frage ich mich, ob es nur eine Einbildung ist. Vielleicht ist es nur die Einsamkeit. Doch momentan erscheint mir diese vernünftige Erklärung wie ein Märchen, das man kleinen Kindern erzählt, um sie zu beruhigen. Die nackte Panik packt mich und ich kann meinen Körper nicht mehr kontrollieren. Ängstlich rolle ich mich auf dem Boden zusammen, jeder Teil meines Körpers beginnt unkontrolliert zu zittern. „Lass ich in Ruhe!“, flüstere ich zurück, doch es klingt nicht so stark, wie ich es beabsichtigte sondern verzweifelt und bettelnd. Nachts wach zu sein ist schlimmer als zu träumen. Zum Glück wird mein Geist von der Übermüdung wieder zurück in den Schlaf gerissen. </br></br></br></br> „Ruth, dein Vater und ich machen uns Sorgen um dich. Das ist jetzt schon das Zweite Mal, dass du zu spät nach Hause kommst.“ Mutter sprach mit ernster Stimme, wie immer, wenn sie eine ihrer Erziehungsmethoden ankündigte. Ich war erleichtert, dass sie sie diesmal an Ruth ausließ und nicht an mir. „Wir werden dieses Verhalten nicht mehr länger dulden. Du hast bis Ende der Woche Hausarrest. Und solltest du uns danach nicht ändern, werden wir zu drastischeren Maßnahmen greifen.“, betonte sie mit Nachdruck. Ruth wagte es nicht, Mutter in die Augen zu blicken.

  • </br></br>„Vor allem möchten wir, dass du deinen Kleidungsstil änderst. Sieh dich doch nur an! Diese kurzen Röcke gehören sich nicht für ein anständiges Mädchen! Möchtest du so enden wie diese Wendy?“, fügte sie hinzu. „Nein, Mutter“, erwiderte Ruth beinahe tonlos, noch immer dem Blick der Mutter ausweichend. Über Wendy redeten die meisten Menschen in unserem Dorf verachtend. Sie zog sich freizügig an, pflegte ständig wechselnde Beziehungen zu Männern und man sah sie auch nie in der Kirche. „Mit der muss etwas nicht stimmen“, vermutete Mutter, „sie ist ein Mensch der Sünde. Gott will sie nicht in seiner Kirche haben.“ </br></br> </br></br>„Wenn du dauernd so herumläufst, wirst du nie einen anständigen Mann finden. Höchstens ein paar unanständige Wüstlinge werden sich für dich interessieren“, fuhr Mutter fort, an Ruth gewandt. „Und du möchtest doch nicht als alte Jungfer enden?“, fragte sie beissend. Ruth schüttelte den Kopf. Wie ich vermutete, konnte sie zu diesem Zeitpunkt bereits ausschließen, als alter Jungfer zu enden, aber das sollte Mutter besser nicht erfahren. „Geh jetzt auf dein Zimmer und denk über dein Verhalten nach.“ Wortlos verließ sie den Raum. </br></br> </br></br>Benommen liege ich auf dem harten Holzboden. Die Erinnerungen schmerzen noch immer, obwohl seither so viele Jahre vergangen sind. Manchmal denke ich, ich sollte mit Stacy zusammen ziehen. Vielleicht würde es mich beruhigen, wenn ich wüsste, dass jemand da ist, der mich beruhigen könnte, jemand, der mich verstehen würde. Ich hasse meine Träume, doch noch mehr hasse ich es, nachts wach zu sein.</br></br>----------------</br></br>So, das war das 1. Kapitel. Freue mich wie immer über Kommentare!

  • Da hast du uns ja schnell aufgeklärt,was nachts passiert. Mit meiner Vermutung lag ich ja völlig daneben.Es sind schlimme Albträume ,die sie heimsuchen. Ruth ist ja ausgesprochen hübsch ,aber ich vermute mal,dass mit ihr etwas Schreckliches in der Vergangenheit passiert ist.Vielleicht haben ihr sogar die Eltern, die scheints übermässig fromm,ja bigott und verklemmt waren ,etwas angetan und Jane fühlt sich irgendwie schuldig am Schicksal der Schwester,sonst würden sie dieTräume wohl nicht so peinigen.Eventuell wäre es wirklich eine gute Idee mit Stacy zusammenzuziehen.Du hast eine ganz tolle Stimmung geschaffen in den Traumbildern,wenn Ruth sie aufsucht.

  • Wow, ein tolles Kapitel, mitreissend geschrieben und vor allem regt es zu neuen Theorien an... ^^ Wie du weißt, spekuliere ich gern...

    *räusper*

    A: Wir wissen endlich, wie unsere Erzählerin heißt. Unsere liebe Jane. Und dass sie eine Schwester hat/hatte, Ruth.

    B: Ihre Familie wohnt(e) eher in ländlicher Gegend, ist sehr religiös und wohl nicht besonders wohlhabend (Janes eher ramponiertes Zimmer und eine recht karge Einrichtung im Esszimmer).

    C: Mit Ruth muss etwas passiert sein, etwas Schlimmes, Traumatisierendes.
    Meine Theorie:
    Ruth war bei einer ihrer Liebeleien (mein Gedanke zu ihrer Aussage, sie habe gesündigt) etwas unvorsichtig und wurde schwanger, hat sich dann entweder selbst umgebracht, aus Angst vor den Eltern und den Leuten mit ihrem Geschwätz oder sie starb bei der Abtreibung, zu der sie die Eltern gedrängt hatten (OK, die Story scheint ja in der heutigen Zeit zu spielen, das Risiko ist eher gering, aber wer weiß... Dinge können echt dumm laufen).
    Vielleicht fühlt sich Jane ja von ihr verfolgt, weil sie ihr damals gar nicht oder zu wenig beigestanden hat. Früher scheint die Gute wohl aber eher ein Mauerblümchen gewesen zu sein, die brave, fromme Tochter.

    Spannend!
    Bin schon richtig gespannt auf die nächste Fortsetzung!

    Shalom

    Deine Appolonia

  • @Dirgis:
    Mal keine voreiligen Schlüsse ziehen! Es geht nicht nur um Träume, obwohl diese einer der Hauptbestandteile der Story sind.
    Zu deinen anderen Vermutungen werd ich jetzt mal nichts sagen, will ja nicht vorgreifen.


    Appolonia :
    Ich liebe deine ausführlichen Kommentare :applaus.
    Mit A, B und C hast du so im großen und ganzen recht, in wie weit genau, besonders mit deiner Theorie will ich jetzt aber noch nicht sagen.


    @ ♥$t@r♥:
    Hmm, naja, ich will die Geschichte jetzt nicht so richtig auf ein Genre festmachen und für eine richtige Gruselgeschichte habe ich wohl zu wenig Erfahrung mit Gruselgeschichten, also da fehlt mir etwas die Inspiration aus Büchern und Filmen. Es geht in die Richtung, aber so wirklich als Gruselgeschichte würde ich es nicht bezeichnen.


    @all:
    Danke für eure Kommentare und schön, dass euch die (Traum)bilder gefallen! In wenigen Minuten gibt es die nächste Fortsetzung.







  • Verträumt sah ich aus dem Fenster. Zwar konnte ich durch die angelaufene Scheibe nicht viel sehen, doch das störte mich nicht. Es ging mir nicht darum, was ich sah, sondern darum, was ich fühlte. Die große, weite Welt da draußen, von der Mutter mir ständig einhämmerte, sie sei gefährlich. Aber ich wusste, dass sie es nicht war. Für mich bedeutete sie Freiheit, Ausbruch, ja, ein anderes Leben. Ein Leben, in dem ich glücklich sein konnte, in dem ich ich selbst sein konnte. Ich wollte nichts, als weg von hier. Deshalb lernte ich verbissen wie eine Irre für die Schule, denn für mich war eine hohe Bildung die einzige Möglichkeit, diesem elenden Leben zu entkommen. Die anderen hielten mich für eine Streberin, auf manche wirkte ich wohl auch etwas gefühllos, in jedem Fall niemand, mit dem es sich lohnte, befreundet zu sein. Aber das störte mich nicht weiter. Ich konzentrierte mich auf die Zukunft, nicht auf die Gegenwart.






    Plötzlich wurde ich durch ein Knarren aus meinen Gedanken gerissen. Ich blickte unter mein Bett, von wo das Geräusch gekommen war und entdeckte zwischen den hölzernen Bettpfosten meine Schwester. Ihre Augen waren leblos in die Ferne gerichtet. Weiß der Geier, wie sie sie es geschafft hatte, dort hin zu kommen, ohne meine Aufmerksamkeit zu erregen. „Um Himmels Willen Ruth, was machst du unter meinem Bett?“, fragte ich sie. „Ich verstecke mich.“ „Verstecken? Vor wem denn?“ „Unter dem Bett findet sie mich nicht. Da lässt sie mich in Ruhe.“ „Ruth, wer denn, verdammt?“ „Ich habe solche Angst vor ihr.“ Ich wurde wütend auf sie, eine Wut, die aus der Frustration entstand, die ich empfand, da sie mir nie auf meine Fragen antwortete. Manchmal konnte ich gut damit umgehen, aber heute hegte ich einen richtigen Zorn gegen sie.






    Gewaltsam zerrte ich sie auf mein Bett und wunderte mich dabei, wie leicht und schwach sie war. „Was ist denn nur los mit dir? Sag es mir doch endlich! Antworte doch!“ Doch sie schlang nur ihre Arme um die Knie und fixierte den Fußboden. „Wie soll ich dir denn helfen?“, fragte ich und mein Zorn schlug in Verzweiflung um. „Das kannst du nicht. Niemand kann mir helfen. Niemand kann mich beschützen“, sagte sie, mit einem Hauch Bitterkeit in ihrer Stimme. Ich verstand sie nicht. In der Schule war sie so fröhlich, so offen, ein richtiger Sonnenschein und jeder mochte sie. Zu Hause dagegen wirkte sie wie tot, apathisch, gerade so, als würde sie nichts von der Welt um sie herum mitbekommen.






    „Seid ihr immer noch wach? Sagt mal, spinnt ihr eigentlich? Morgen ist Schule!“ Vater war ins Zimmer gestürmt und brüllte uns an, mit einer Stimme wie ein Presslufthammer. Seine Gesten wirkten einschüchternd auf uns beide. „Wisst ihr eigentlich, wie spät es ist? Allerhöchste Zeit zum Schlafen! Und setzt euch gefälligst nicht mit den Schuhen auf das Bett!“ Dann erblickte er das Jugendmagazin auf meinem Nachtkästchen. Er hob es hoch, durchblätterte es kurz und begann dann, unter einem neuerlichen Wutanfall, die Seiten heraus zu reissen. „Wie oft habe ich euch schon gesagt, ihr sollt diese Zeitschriften nicht lesen? Da steht nur Unsinn drinnen! Seht euch das mal an, diese ganzen leicht bekleideten Mädchen, diese Ratgeber, wie man sich den Männern präsentiert, das ist doch nichts für euch!“






    Er warf die Reste in den Papiereimer. „So etwas will ich nie wieder sehen! Und Ruth, du hast dir wohl davon schon das Hirn verblenden lassen! Sieh dich nur an, wie du herumläufst, aufgetakelt wie eine, wie eine…ich kann es gar nicht aussprechen! Du solltest dich wirklich schämen!“ Wie so oft in solchen Momenten hatte ich das Gefühl, Ruth verteidigen zu müssen, doch wie jedes Mal brachte ich kein Wort heraus. Nicht einmal einen trotzigen Gesichtsausdruck bekam ich hin. Wortlos ging ich in das Bad, um mich fertig zum Schlafengehen zu machen.






    Ich kralle die Fingernägel in den sündteuren Parkettboden, wage es nicht die Augen zu öffnen. Ich höre sie nicht, ich sehe sie nicht, ich rieche sie nicht. Aber ich weiß, dass sie da ist. Ich spüre es, es ist eindeutig und so sehr ich auch versuche, sie mir auszureden, bin ich doch der Überzeugung, dass sie real ist. Sie ist da. Es gibt keinen Ausweg. Es gibt kein Entkommen. Bis zum Sonnenaufgang sind es noch mindestens 3 Stunden, das weiß ich, ohne auf die Uhr zu schauen. Und erneutes Einschlafen ist unmöglich, jetzt, wo sie da ist.






    Mechanisch öffne ich die Augen, ohne es wirklich zu wollen. Ich erkenne Füße, rissige, weiß-graue Haut und schmutzige Zehennägel. Jetzt habe ich Gewissheit, wirkliche Gewissheit, ich kann keine Ausreden mehr suchen. Sie hat es sich auf meinem Bett bequem gemacht, entspannt sitzt sie da und lässt die Beine baumeln, als wäre sie kein schreckliches Ungeheuer, sondern ein unschuldiges Schulmädchen. Sie scheint sich auf das, was kommt zu freuen.






    (ein Bild kommt noch)





  • Ich wage es aufzublicken, direkt in ihre Augen, die leer sind und doch so angsteinflößend. Ich versuche, in ihnen zu lesen, was sie vorhat, doch sie blicken mich nur an wie jedes Mal, böse und zornig. Ich beginne, sie anzuflehen, zu betteln, mit wachsender Verzweiflung. Doch ich weiß, dass es ohnehin keinen Sinn hat. Sie ist da und vor Morgengrauen wird sie nicht wieder gehen. Es gibt nichts, was es lindern könnte, nichts, was es schneller vergehen lassen könnte, nichts, was es auch nur in irgendeiner Weise abschwächen könnte. Niemand kann mir helfen. Niemand kann mich beschützen.





    -------------
    Das wars mal wieder. Freue mich über jegliche Kommentare!

  • Ich bleib dabei ,dass Ruth ums Leben kam und jetzt vielleicht eine Art Zombie ist,der die Schwester heimsucht jede Nacht,weil sie ihr die Schuld an ihremTod gibt.Hoffentlich hat der Vater ein böses Ende genommen,das ist ja ein Irrer.Was das wohl für ein Leben für die Mutter war,schliesslich war sie ja auch eine Frau mit weiblichen Bedürfnissen.Oft sind ja solche Ehemänner im Geheimen ziemliche Saukerle,die ihre perversen Vorlieben bei Prostituierten ausleben.Obs wohl bei ihm auch sowar.Ziemlich rätselhafte Familie,wissen tut man eigentlich noch gar nichts.

  • OK - mein Kommentar kommt MEHR als nur spät.

    Ich bitte vielmals um Vergebung!

    Die arme Ruth, fühlt sich daheim eingesperrt und bedrängt... Dieser leere Blick, als sie unterm Bett liegt... Puh.

    Janes Familie ist auch genauso religiös, wie ich dachte.
    Ich glaube kaum, dass sie so begeistert sind, dass Jane eine gleichgeschlechtliche Beziehung pflegt. Aber wahrscheinlich hat sich das Mädel schon lange von ihnen abgekapselt.
    Vielleicht war ein Ereignis mit Ruth der endgültige Auslöser.

    Ich glaube nicht, dass das Wesen mit den leeren Augen - ich hab echt Gänsehaut bekommen, super Bilder - Ruth ist.
    Eher das selbe Wesen, vor dem sich Ruth im Rückblick versteckt hat.

    Eine wütende Urahnin? Ein Racheengel?
    Ich frage mich gerade, ob deine Geschichte etwas mit Fantasy zu tun hat.
    Aber vielleicht ist dieser Horror ja eingebildet, in diesem Falle wäre es nur indirekt Fantasy...
    Eher Fantasie.
    Die Rückblicke sind ja - soweit ich es verstanden habe, verbesser mich, falls ich mich irre - Träume, dieses weiße Wesen empfindet sie ja als bitterkalte Realität.

    Bin richtig gespannt, wie's weitergeht und was da alles zwischen Ruth und Jane so passiert ist!

    Mach weiter so

    Liebe Grüße

    Deine Appolonia

  • @Dirgis: Jaja, die Mutter. Die ist auch nicht ganz ohne, aber dazu später mehr x)
    Mit deiner Meinung über die perversen Saukerle gebe ich dir recht, dazu auch später noch mehr x)


    @ ♥$t@r♥: Danke für dein Lob. Schön, dass dir die Bilder gefallen.


    Appolonia : Dir ist vergeben x)
    Stimmt, die Familie ist/wäre kaum begeistert davon. Aber Jane hat sich ja emotional eigentlich schon in den Rückblenden von ihrer Familie abgekapselt, sie empfindet kaum noch etwas für ihre Eltern.
    Ich möchte meine Story eigentlich nicht so richtig auf ein Genre festlegen, vor allem nicht auf Fantasy, weil meine vorigen 2 Storys bereits sehr Fantasylastig waren, aber ganz realistisch geht es natürlich auch nicht x)
    Ja, Träume sind nur die Rückblicke.


    @all: Danke für eure Kommentare. Wie ihr euch sicher schon denken könnt, gibt´s gleich die Fortsetzung.