• Eins vorweg: Ich habe sehr lange keine Storys mehr geschrieben, aber vor einer Weile hatte ich wieder Lust und dann ist das hier zustande gekommen. Ein zweites Kapitel ist auch schon in Arbeit, vielleicht gefällt es ja irgendjemandem? :) Einen richtigen Namen habe ich auch noch nicht, vielleicht liefere ich ihn noch nach.
    Ich hoffe man kann es so lesen, ansonsten bitte kritisieren ^^ Damit ich die Schriftart/Schriftgröße ändern kann.


    Kapitel 1


    Verwirrt blinzelte Steven in die Dunkelheit hinein. Er schien sich noch immer in seinem Bett zu befinden, doch das Zimmer sah nicht mehr so aus wie sonst. Alles schien auf unerklärliche Weise gealtert und verwittert zu sein. Auch die Möbel waren nicht mehr die selben. Zögernd richtete er sich auf. Er war komplett angezogen, Steven glaubte sich zu erinnern, dass er in der letzten Nacht einfach so vor Müdigkeit ins Bett gefallen war.
    Steven versuchte in der Dunkelheit den Schalter seiner Nachttischlampe zu finden, doch er griff ins Leere. „Was zum...? Wo bin ich?“, flüsterte er zu sich selbst. In den letzten Tagen wurde er wirklich immer verrückter. Er hatte sogar angefangen mit sich selber zu reden. Früher hatte er das niemals getan. Alles nur wegen dieser verdammten Wohnung. Seit genau vier Tagen saß er jetzt hier fest und konnte nicht mehr nach draußen – die Wohnungstür ließ sich nicht öffnen, was auch immer er versuchte. Sogar die Fenster waren wie zugenagelt. Auf sein Klopfen und Rufen reagierte niemand. Sogar das Telefon war tot.
    Vorsichtig ging er zu der Tür seines Schlafzimmers um in das Wohnzimmer zu gelangen. Gerade als er die Hand an den Türknauf legte, ertönte ein seltsames Kratzen, welches aus dem Wohnzimmer zu kommen schien. Steven schluckte. Er war nicht alleine, das stand fest.
    So leise wie möglich öffnete er die Tür und schlich durch den schmalen Gang in sein Wohnzimmer mit Einbauküche. Die Wohnung war wirklich sehr klein, aber für eine Person optimal. Stevens Augen hatten sich mittlerweile an die Dunkelheit gewöhnt, jedoch wagte er kaum zu atmen. Er konnte deutlich spüren, dass hier etwas nicht in Ordnung war. Jedoch war niemand zu sehen... auch hier schien alles nicht mehr so zu sein, wie es vorher gewesen war: Die Küche war seltsam verdreckt und verkommen; Essensreste und schmutziges Geschirr türmten sich in der Spüle. Jemand musste sich hier eingenistet und das alles gemacht haben, während er geschlafen hatte. Langsam war er sich auch nicht mehr so sicher, ob er wirklich erst letzte Nacht ins Bett gegangen war. Wie sollte er sicher sein, dass er nicht schon viel länger geschlafen hatte? Vielleicht hatte dieser Eindringling ihn irgendwie ruhig gestellt und ... Steven seufzte und schüttelte den Kopf. Ein Grinsen huschte über seine Lippen.


    „Nein, jetzt wirst du wirklich verrückt...“, murmelte er und warf einen Blick zur Tür, die wahrscheinlich noch immer fest verschlossen war. Steven entschloss sich, einfach einen Versuch zu wagen: Vielleicht ging die Tür jetzt auf? Gerade als er losgehen wollte, ertönte ein markerschütternder Schrei, der fast sein Herz stehen bleiben ließ. Aus der Wand genau neben ihm fing der Putz an zu bröckeln, kreidebleiche Hände bahnten sich ihren Weg durch ein kleines Loch. Durch all den Staub musste Steven husten und kniff die Augen zusammen. „Wer ist da!?“, rief er. Mittlerweile waren Arme zu erkennen, jetzt ein Kopf mit gierigen, blutroten Augen. Etwas kam aus der Wand gekrochen und war gleich bei ihm! Steven musste etwas tun. Er rannte zur Küche und suchte nach irgendwas, womit er sich verteidigen konnte, vielleicht ein Messer oder so. Doch die Schubladen klemmten. Das Ding hatte sich mittlerweile vollständig durch das Loch gewunden und kam immer näher.


    Das letzte was er spürte war, wie das Ding die Hände an seine Kehle legte. Dann wurde er ohnmächtig.
    Als Steven die Augen wieder öffnete, wurde er vom durch das Fenster scheinende Sonnenlicht geblendet. Soweit er das erkennen konnte, schien alles wieder normal zu sein: Er lag in seinem Schlafzimmer auf dem Bett, so als wäre nie etwas gewesen. Seine Kleidung klebte an der Haut, er war ziemlich nassgeschwitzt. „Diese verdammten Albträume. Jede Nacht träume ich diesen Mist...“ Mit einem Stöhnen richtete er sich auf und ging ins Wohnzimmer. Auch hier war alles so wie sonst auch. Als erstes ging er dann unter die Dusche, mit diesen klebenden Klamotten fühlte er sich einfach schrecklich.


    Er richtete sein Gesicht dem Wasserstrahl entgegen und genoss das heiße Wasser. Vielleicht würde er danach klarer denken können. Als er fertig war, zog er noch schnell neue Sachen an und ging er wieder ins Wohnzimmer. Eigentlich sollte er langsam mal etwas essen. Doch vorher ... er warf einen Blick auf die Wohnungstür. Er musste es einfach versuchen. Langsam ging er zur Tür, legte die Hand an den Knauf und holte tief Luft. Mit einem Knarren öffnete sie sich und er blickte auf die Tür der gegenüberliegenden Wohnung. Steven konnte es kaum fassen, die Tür ließ sich ohne Probleme öffnen. Seit vier Tagen war er doch hier eingesperrt gewesen und jetzt das. Irgendjemand musste sich einen makaberen Scherz mit ihm erlaubt haben, etwas anderes konnte er sich nicht vorstellen. Vielleicht war es diese junge Frau von gegenüber, die sah ihn immer so komisch an. Er zuckte mit den Schultern und beschloss, jetzt endlich wieder zur Arbeit zu gehen. Wenn ihn seine Chefin noch nicht gefeuert hatte, dann war sie sicherlich sehr verärgert. Seit vier Tagen war er weder zur Arbeit erschienen noch hatte er sich gemeldet. Als er die Wohnungstür hinter sich zuzog und zweimal abschloss nahm sich Steven fest vor, seine Nachbarin später zur Rede zu stellen. Denn das würde er sich nicht gefallen lassen. Eilig überquerte er die Straße auf dem Weg zur U-Bahn Station, die unmittelbar in der Nähe lag. Immerhin wohnte Steven in einer Großstadt, wo man überall bequem mit der U-Bahn hingelangen konnte. Ein eigenes Auto war hier eigentlich überflüssig, dennoch waren die Straßen dicht befahren.


    In der U-Bahn hatte er das Gefühl, von allen Leuten schief angesehen zu werden. Hatte er irgendwas am Mundwinkel oder so? Er versuchte es nicht zu beachten, aber während der ganzen Fahrt spürte er die Blicke der Leute auf sich. Bildete er sich das nur ein? „Glotzt nicht so.“, murmelte er. Eine alte Frau neben ihm blickte von ihrer Zeitung auf. „Entschuldigung?“ Steven schüttelte nur den Kopf und starrte auf den Boden.
    Nach drei Stationen war er endlich im richtigen Stadtteil angekommen und konnte aussteigen. Irgendwie würdigte ihn jetzt niemand auch nur eines Blickes. Wahrscheinlich hatte er sich das wirklich nur eigebildet. Mann, langsam wurde er wirklich verrückt – was vier Tage alleine in einer Wohnung doch ausmachen konnten...
    Lustlos stieg er die Treppen der U-Bahn Station hinauf in die belebte Gegend, in der sich sein Arbeitsplatz befand. Dieses Viertel gehörte zu den eher wohlhabenderen Gegenden, ganz im Gegensatz zu dem Ort, wo sich seine Wohnung befand. Auf seinem Weg kam er an einigen anderen Läden vorbei, sah Schuhgeschäfte in denen sich die Verkäufer mit schwierigen Kundinnen herumschlagen mussten, jede Menge Schaufensterpuppen mit den aktuellsten Klamotten und einige Restaurants, die jedoch erst im Laufe des Tages öffneten.
    Kurze Zeit später hatte er auch schon das Café erreicht, in dem er halbtags arbeitete. Eigentlich war er Student an der Kunsthochschule, doch gerade waren Semesterferien und demnach natürlich keine Vorlesungen. Und irgendwie musste man ja auch sein Studium finanzieren.


    Reiche Eltern hatte Steven nicht, sein Vater war Alkoholiker gewesen und hatte es zu nichts gebracht. Seine Mutter hatte ihn zusammen mit Steven schon früh verlassen. Solange Steven denken konnte, hatte seine Mutter ihn immer in Schutz genommen und alles für ihn getan. Den ganzen Tag hatte sie für einen Hungerlohn in einem Krankenhaus als Aushilfe geschuftet und das hatte sie nun davon: Einen Schlaganfall. Seit dem war sie an ein Bett im Pflegeheim gefesselt, welches sie alleine nicht mehr verlassen konnte. Zudem litt sie an Alzheimer, was dazu führte, dass sie ihren eigenen Sohn nicht mehr erkannte und ihn für einen Pfleger hielt. Das war einer der Gründe, warum Steven seine Mutter nur noch selten besuchte.
    Das Café an sich war eigentlich nicht besonders groß – es hatte rötlich gestrichene Wände und die dazu passenden Sitzgelegenheiten mit roten Kissen. Jeder Tisch besaß ein kleines Glas mit einer Kerze, die man anzünden konnte, wenn es dunkel wurde. Auf den ersten Blick schien es also eher ein Stripclub als ein Café zu sein, in dem man seinen Kaffee, Latte Macchiato oder Cappuccino schlürfen konnte.


    „Steven, da bist du ja endlich!“ Die Stimme einer Frau riss ihn aus seinen Gedanken. Es war Tracey, die Besitzerin dieses Cafés und gleichzeitig Stevens Chefin. „Du kannst froh sein, dass du noch nicht gefeuert bist! Was denkste dir eigentlich? Na los, hopp. Ich brauch jemanden in der Küche. Der Laden wird gleich geöffnet und morgens ist das immer ruckzuck rappelvoll hier. Worauf wartest du!?“ Tracey war eine rundliche Frau in den 50ern. Sie trug eine Brille und hatte rotgefärbte Haare, die sich nicht sonderlich mit der roten Umgebung vertrugen. Ihre ursprüngliche Haarfarbe kannte Steven nicht, jedoch stand ihr das Rot überhaupt nicht.


    Steven nickte einfach nur. „Ich komme ja schon.“ Doch Tracey redete weiter auf ihn ein. „Willste mir nicht mal sagen was los war? Wo zum Teufel warst du die letzten VIER Tage?“
    Ach ja, er musste ihr wohl oder übel irgendeine Erklärung abliefern, daran hatte er nicht gedacht. „Sorry, ich war krank und ...“ Tracey schüttelte den Kopf. „Ach, is mir egal. Los, in die Küche!“ Das hatte Tracey öfter: Sie stellte jemandem eine Frage und interessierte sich dann doch nicht mehr für die Antwort. Steven beschloss, sie nicht noch weiter zu verärgern und machte sich auf den Weg in die Küche.
    Um 19:30 Uhr hatte er endlich Feierabend. Steven hatte das Gefühl, dass Tracey ihn absichtlich so lange hatte arbeiten lassen. Sie war eine ziemlich rachsüchtige Person, doch eigentlich machte das nichts. Irgendwie war er dann doch froh wieder unter Leuten gewesen zu sein. Außerdem hatte er nicht das Gefühl gehabt, dass die Leute im Café ihn komisch ansahen, im Gegensatz zur U-Bahn. Ungefähr eine halbe Stunde später stand Steven wieder vor seiner Haustür und warf einen Blick über die Schulter auf die Tür seiner Nachbarin. Er sollte jetzt wirklich mit ihr reden. Steven drehte sich um und klingelte. Von drinnen war nichts zu hören. Er klopfte. Immernoch nichts. „Vielleicht ist sie nicht da...“ Doch dann öffnete sich die Tür. „Oh, hallo!“, sagte die junge Frau freundlich. Für einen kurzen Moment war Steven wie aus dem Konzept gebracht. Die schlanke Frau mit den schwarzen Haaren und grüne Augen faszinierte ihn irgendwie. „H-Hallo.“, erwiderte er knapp. Weshalb war er nochmal gekommen? Die Frau warf ihm einen leicht verwirrten Blick zu. „Ich habe Sie ja ewig nicht gesehen. Warum haben Sie nie aufgemacht? Seit vier Tagen versuche ich schon, Ihnen ein Päckchen zu bringen.“


    „Ein Päckchen? Sie haben doch nie...“ Hatte sie wirklich bei ihm geklingelt? Seit vier Tagen hatte sich niemand um ihn gekümmert und er war eingesperrt gewesen. Hatte er sich das etwa nur eingebildet? Jetzt wurde er wirklich verrückt. Steven beschloss, ihr lieber nichts davon zu sagen. Die Frau nickte, drehte sich kurz um und drückte ihm dann ein Päckchen in die Hand. „Das ist vor vier Tagen angekommen. Der Postbote hat Sturm geklingelt, aber Sie haben nicht reagiert. Dann habe ich es angenommen. Na ja...“
    Er strich kurz über das Päckchen in seinen Händen. Es war nicht sonderlich schwer und einen Absender konnte er auf den ersten Blick auch nicht erkennen. „Danke ... wie heißen Sie eigentlich?“ Irgendwie kam Steven sich dämlich vor sie nach ihrem Namen zu fragen, denn er wohnte jetzt schon seit einiger Zeit in diesem Haus.
    Glücklicherweise schien sie überhaupt nicht verärgert zu sein, denn sie lächelte.


    „Ich bin Eileen.“ Steven erwiderte ihr Lächeln. „Steven.“ „Ich weiß. Ich...-“ Aus ihrer Wohnung ertönte ein Ringen. „Mist, das Telefon. Freut mich, dass wir mal miteinander geredet haben, Steven. Aber jetzt ist leider ein ungünstiger Moment... man sieht sich!“ Sie machte die Tür wieder hinter sich zu. Steven kramte seinen Schlüssel heraus und drehte ihn zweimal im Schloss herum. Behutsam legte er das Päckchen auf den Wohnzimmertisch und hockte sich auf den Boden. Langsam öffnete er es und erblickte nur jede Menge kleine Papierschnipsel. Steven griff mit einer Hand hinein und wühlte darin herum. Auf dem Boden des Päckchens bekam er endlich etwas zu fassen und zog einen dünnen Briefumschlag heraus. Das sollte es nun gewesen sein? Wer machte sich solch einen Aufwand für einen einfachen Brief, den man auch mit der normalen Post hätte schicken könnten. Steven kippte das Päckchen um und die Schnipsel verteilten sich auf der Glasplatte des Tisches. Nichts. Nur Papierschnipsel und dieser Brief.


    To be continued.

    [SIZE="1"][COLOR="black"][CENTER]Man hat halt oft so eine Sehnsucht in sich -- aber dann kehrt man zurück mit gebrochenen Flügeln und das Leben geht weiter, als wär man nie dabei gewesen --
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  • Also mir gefällt es schon mal ganz gut. :up


    Ich bin auch schon sehr auf das 2. Kapitel gespannt. Vor allem, was es mit dem seltsamen Päckchen und dem Brief auf sich hat.
    Und dieser schreckliche Albtraum, wenn es denn auch einer war, denn schließlich war er ja wirklich aus irgendeinem (bisher noch ungeklärten) Grund vier Tage eingeschlossen. Und scheinbar durfte das Telefon auch außerhalb seines Traumes nicht funktioniert haben (:kopfkratz falls er überhaupt eines hat). Wer weiß, was da noch so in Stevens Wohnung hinter verschlossenen Türen und Fenstern abgeht. Jedenfalls hast du mich sehr neugierig gemacht.