The Girl next door (Fortsetzungsgeschichte)

  • Hallo meine Lieben,vor langer Zeit war ich hier im Forum sehr aktiv und habe auch mehrere Fotostories gepostet. Seit damals sind viele Jahre vergangen, ich habe keine aktuelle Sims-Version mehr..."trage" aber immer noch Geschichten in mir.
    Eine dieser Geschichten ist "The Girl next door". In meinem Blog habe ich sie schon einmal angefangen zu posten, doch dann kam das Leben dazwischen und das ganze ist eingeschlafen.
    Keine Ahnung, ob überhaupt noch jemand in diesem Thread etwas liest, aber die Geschichte will einfach nicht aus meinem Kopf verschwinden. Deswegen wage ich hier noch einmal einen neuen Versuch und freue mich über Feedback.

    Infos
    vorweg:
    1) Diese Geschichte wird aus mehreren Teilen bestehen.
    2) Es ist, wie alle meine Geschichten, eine Liebesgeschichte.
    3) Es wird mehrere Handlungsstränge und Personen geben, deren Schicksale miteinander verknüpft sein werden.

    The Girl next door

    Sein Leben verlief in geregelten Bahnen. Jede einzelne Stunde jedes einzelnen Tages war in einem Netz aus Aufgaben, Pflichten und wenigen Augenblicken erdrückenden Nichtstuns verwoben und wiederholte sich wie in einer Endlosschleife Stunde für Stunde, Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat...in einer nicht enden wollenden Kette gleichbleibender Ereignisse.
    Ein einzelnes Ereignis jedoch stach hervor und obgleich es sich selbst ebenfalls in minutiöser Genauigkeit immer und immer wieder abspielte, so war es doch die eine Konstante in seinem Leben die ihn niemals langweilte. Jeden Morgen, stets um 7:30 Uhr, niemals früher - niemals später und ungeachtet des Wetters trat das Mädchen von nebenan auf die Veranda, stets noch in ihrer Schlafkleidung und entzückend zerzausten Haaren. Immer hielt sie einen Becher mit dampfendem Inhalt - er hatte den starken Verdacht, dass es sich um Kaffee handelte - in der Hand. Anmutig setzte sie sich auf oberste Stufe der hölzernen Treppe, die hinab in den Garten führte und starrte gedankenverloren in die Ferne, ganz so als wartete sie auf irgendetwas...irgendwen. Niemals lächelte sie. Nach zehn Minuten erhob sie sich, oftmals seufzend, und verschwand im Haus.
    Immer wieder schwor er sich, sie am nächsten Morgen nicht mehr zu beobachten, nicht mehr in ihre Privatsphäre vorzudringen und doch fand er sich jeden Morgen am Fenster stehend und unruhig ihre Ankunft erwartend - magisch angezogen wie eine Motte vom Licht. So als wäre es gestern gewesen und nicht schon vor zwei Jahren, erinnerte er sich oftmals an den ersten Morgen an dem er sie gesehen hatte.
    Er hatte eine mehr oder weniger schlaflose Nacht hinter sich gehabt. Immer noch war er zornig über die Grausamkeit des Schicksals, dass ihm erst seinen Vater genommen und ihn dann, sozusagen im Handgepäck seiner Mutter, in dieses provinzielle Kleinstadtkaff mitten im Nirgendwo verschlagen hatte. Und obwohl er verstand, dass seine Mutter zurück in ihre Heimat, den Ort ihrer glücklichen Kinderjahre, wollte, um ihr gebrochenes Herz zu besänftigen so hatte er es doch nicht geschafft, seinen Zorn darüber, dass dafür ER seine Heimat verlassen musste, zu verbergen. Stattdessen war er, sofort nachdem die letzte Kiste seiner wenigen Habseligkeiten aus dem Umzugswagen geladen war, türenknallend in sein neues Zimmer verschwunden und hatte sich in einer grauen Wolke aus Zorn und Selbstmitleid verzogen. Das Klopfen an seiner Tür hatte er ebenso ignoriert wie den köstlichen Duft seines Lieblingsessen. Stattdessen lag er auf seiner Matratze, starrte ins Nichts und fühlte sich leer. Irgendwann nach Mitternacht war er schließlich in einen unruhigen, von Albträumen durchwebten Schlaf hinabglitten.
    Gerädert und mit steifen Nacken wachte er jedoch, ganz untypisch und entgegen seiner Langschläfergewohnheiten, in den frühen Morgenstunden des nächsten Tages auf. Im ersten Moment orientierungslos blickte er sich in seinem Zimmer um, warf einen raschen Blick auf seine Armbanduhr und stöhnt laut auf. 07.30 Uhr. Normalerweise schlief er um diese Zeit noch oder aber ging erst ins Bett. Fluchend warf er sich zurück auf die Matratze und versuchte, noch ein wenig zu schlafen. Bereits nach kurzer Zeit bemerkte er jedoch, wie hoffnungslos dieses Vorhaben war. Es war einfach zu still. Er war das Leben in der Großstadt gewöhnt und vermisste schmerzlich die immerwährende Geräuschkulissen des dahinfliessenden Verkehrs, die Sirenen der Polizei- und Rettungswagen und das Stimmengewirr der Fußgänger. Hier jedoch drang nur leiser Vogelgesang durch das offene Fenster in sein Zimmer und die Vorhänge bewegten sich sanft im Luftzug des frühen Morgens.
    Schließlich gab er jede Hoffnung auf Schlaf auf und schlurfte gähnend über die eiskalten Dielen zum Fenster. Missmutig schob er die Vorhänge beseite und warf einen desinteressierten Blick nach Draussen. Der Himmel war grau und nebelverhangen, der Herbst, der am gestrigen Tage noch in all seiner leuchtenden Pracht gezeigt hatte, war nun trüb und unfreundlich. Der winzige Garten, der zu ihrem neuen Haus gehörte war mit Unkraut und Gestrüpp überwuchert und ungepflegt. Seine ohnehin nicht gerade berauschend gute Laune verschlechterte sich noch mehr, denn er ahnte wer dies in Ordnung bringen würde müssen. Verächtlich warf er einen Blick auf den gepflegt „verwilderten“ Bauerngarten des Nachbarhauses, der an eine alte, verwitterte Veranda angrenzte die wiederum zu einem kleinen aber sehr hübschen Haus gehörte. Seufzend wollte sich gerade vom Fenster abwenden, als er aus seinen Augenwinkeln eine Bewegung auf der Veranda des Nachbarhauses bemerkte.


    Fortsetzung folgt


    LG Satine
    Nicht wegen der Schriftart/Schriftgröße wundern, der nächste Post wird hoffentlich wieder normal!

    [CENTER]"[SIZE=3]Do not go gentle into that good night - rage, rage against the dying of the light"[/SIZE] Dylan Thomas[/CENTER]

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  • Keine Ahnung, ob das hier überhaupt großartig jemand liest...und wenn ja, wie es euch gefällt?!
    Jedenfalls kommt hier der nächste Teil....

    Dort unten war jemand! Neugierig geworden, beugte er sich ein Stückchen vor. Es handelte sich um ein Mädchen, dass so ungefähr in seinem Alter sein musste. Ganz sicher war sich jedoch nicht, denn sie trug, wie er verwundert feststellte ein altmodisches, weites Nachthemd, in welchem sich nichtmal seine exzentrische Großmutter väterlicherseits gezeigt hätte. Darüber hinaus hatte sich die Fremde einen unförmigen, braunen Herrenmantel über die Schultern gelegt, der nicht nur eine ,sondern mehrere Nummern zu groß war und aussah, als wäre er bereits vor über hundert Jahren aus der Mode gewesen.
    Trotz diesem mehr als fragwürdigen modischen Statement war unschwer zu erkennen, wie zierlich und zart ihre Figur war. Als das Mädchen anmutig die Veranda überquerte, fühlte er sich unwillkürlich an eine Tänzerin erinnert, die zu einer ihm unbekannten Musik dort unten über die Holzdielen der Veranda tanzte - die zierlichen, nackten Füße so sanft aufsetzend, dass es beinahe so aussah als würde sie schweben.
    Seltsam fasziniert beobachtete er, wie sich auf der ersten Stufe der Verandatreppe niederließ, ihre Füße unter den Saum des Nachthemdes schob und eine Tasse mit dampfendem Inhalt, die er erst jetzt bemerkte, an ihre Lippen führte. Ihr intelligentes, ernstes Gesicht mit hohen Wangenknochen und einem sanft geschwungenen Mund wurde von wilden, ungezähmten braunen Locken eingerahmt, die ihr zerzaust über die Schultern fielen - was ihr irritierenderweise das Aussehen einer verschlafenen Elfe verlieh.
    Und obwohl er ihr, wäre sie ihm auf der Straße begegnet, wahrscheinlich keinerlei Beachtung geschenkt hätte- sie war so gar nicht der Typ Mädchen, dass ihn normalerweise dazu verleitete noch einen zweiten Blick zu riskieren -so konnte er jetzt doch nicht seine brauen Augen von ihr lassen. Gedankenverloren sah er ihr dabei zu, wie sie in die dampfende Flüssigkeit blies, um danach einen kleinen Schluck zu nehmen, während ihre Augen beinahe sehnsüchtig in die Ferne starrten. Ihre Umgebung oder gar ihn nahm sie offensichtlich überhaupt nicht war.
    Er überlegte gerade, ob er sich bemerkbar machen sollte, als plötzlich hinter ihm eine Stimme ertönte.
    „Na so eine Überraschung, du bist ja schon wach.“Erschrocken über das untererwartete Auftauchen seiner Mutter fuhr er herum und knallte mit seiner Stirn gegen den offenen Fensterflügel. Stöhnend rieb er sich den Kopf, während seine Mutter, laut Entschuldigungen rufend ins angrenzende Bad eilte - wohl, um ihn einen kalten Waschlappen zu holen.
    Benommen und mit dröhnendem Schädel warf er einen Blick aus dem Fenster, doch die Unbekannte war verschwunden.

    Gegen Mittag sehnte er sich fast wieder danach, seinen Kopf gegen das Fenster zu knallen. Denn alles, wirklich alles, war besser als die stumpfsinnige, mühsame Arbeit, zu der ihn seine Mutter nach einem schweigsamen Frühstück verdonnert hatte: Umzugskartons nach Zimmern oder Gegenständen sortieren, an ihren jeweiligen Bestimmungsort transportieren, danach auspacken und ihr beim Einräumen zur Hand zu gehen.
    Dies wäre ja alles nicht so schlimm gewesen, hätte er dies nicht in einem Haus getan, in dem er nicht leben wollte, nicht lebensollte - und wenn seine Mutter nicht, entgegen ihrer sonst so organisierten Art, sämtliche Kisten und Kartons völlig kopflos und bunt zusammengewürfelt eingepackt und zudem auch noch falsch oder gar nicht beschriftet hätte. So fand er sich bald in der unerfreulichen Lage jeden Karton im Grunde Stück für Stück durchsehen zu müssen und die Gegenstände einzeln an ihre Bestimmungsorte zu tragen, zu ziehen oder, falls seine Mutter gerade mal nicht hinsah, zu kicken und treten.
    Gerade als er sich bei dem tröstenden Gedanken ertappte, dass es nun wirklich nicht mehr schlimmer kommen könnte, klingelte es an der Haustür.

    Fortsetzung folgt....!


    Über Feedback würde ich mich freuen!
    LGSantine

    [CENTER]"[SIZE=3]Do not go gentle into that good night - rage, rage against the dying of the light"[/SIZE] Dylan Thomas[/CENTER]

  • Danke für die Fortsetzung :)


    Wie alt der (junge?) Mann wohl ist, dass er zusammen mit seiner Mutter umzieht? Es scheint zumindest nicht so, als ob er einen geregelten Tagesablauf mit festen Arbeitszeiten oder Schule hätte, wenn er regelmässig erst um 07.30 Uhr ins Bett geht. :D Ich kann mir zwar schon vorstellen, dass es etwas mit dem fehlenden Vater zu tun hat, aber trotzdem...


    Erstaunlich finde ich auch, dass er über längere Zeit immer wieder das Mädchen bei ihrem "Ritual" beobachtet. Dass ihm das nicht langweilig wird? Oder dann soll er sie doch ansprechen, wenn sie so faszinierend ist (Spanner! ;) ).


    Ich bin mal auf die Fortsetzung gespannt, ich nehme nämlich nicht an, dass da jetzt das Mädchen vor der Tür steht, wäre doch zu einfach. Ausserdem müsste er sie dann wirklich schon etwas besser kennen, als man aus der Erzählung herauslesen kann.

  • Erstmal Danke an alle Leser.

    raya :
    Danke für das Commi! Hab mich total darüber gefreut!! Einige deiner Fragen werden heute geklärt. Es wird auch noch geklärt, warum er in letzter Zeit so unregelmäßige "Lebensgewohnheiten" hatte, versprochen. Sicher ist, dass ihn die Sache mit seinem Vater aus der Bahn geworfen hat. Was für eine Sache das genau war, dazu kommen wir noch *grins* Und was das Mädchen angeht, er ist kein Stalker - versprochen!


    Weiter geht's:

    Überrascht richtete seine Mutter sich auf und warf ihm einen Blick zu der deutlich machte, dass nur weil sie eine Pause einlegte, er dies noch lange nicht tun konnte. Nicht zum ersten Mal bemerkte er, wie schlecht sie aussah. Ihre ungekämmten Haare umrahmten ein ungeschminktes, müdes Gesicht, mit dunklen Augenringen und verheulten Augen. In den letzten Wochen hatte sie deutlich an Gewicht verloren und ihm fiel auf, dass ihre Kleider ihr zu groß waren.
    Schlechtes Gewissen, Schuld und Schmerz begannen in seinem Bauch zu brodeln. Seine Mutter litt ebenso wie er, aber anstatt ihr zu helfen, machte er alles durch seine Launen und sein Verhalten nur noch schlimmer.
    „Mum, ich...“ setzte er an, doch seine Mutter unterbrach ihn mit einer abwehrenden Handbewegung, schenkte ihm ein schwaches Lächeln und deutete erst auf die Tür, dann auf die Kisten. Danach verließ sie, sich hektisch mit allen Fingern die Haare durchkämmend, die Küche und überließ ihn und die Kisten mit Küchenuntensilien ihrem Schicksal.


    Kaum hatte seine Mutter das Zimmer verlassen, zog er die Hände aus dem Karton mit dem Besteck, angelte sich eine Coke aus dem geradezu peinlich leeren, nur mit ihren Reisevorräten gefüllten Kühlschrank und machte es sich auf dem einzigen freien Abschnitt der Arbeitsplatte gemütlich. Missmutig warf er einen Blick über das Chaos. Es würde noch Tage dauern, bis sie überall im Haus alle Kisten ausgeräumt und beseitigt hatten. Bis jetzt hatten sie es gerade mal geschafft, die für die Küche vorgesehen Kisten zu finden und auszuräumen.
    Der Rest des Erdgeschosses war im Grunde nur ein einziges, geschickt abgetrenntes Zimmer. Wenn man durch die Haustür eintrat stand man in einem geräumigen Raum, der sowohl als Esszimmer -zur Straße hin- als auch als Wohnzimmer -mit Blick auf den verwilderten Garten- diente, im Moment aber nur sämtliche Kisten beherbergte, die sich sogar auf der gewundenen Treppe stapelten, die ins Erdgeschoss und zu den Schlafzimmern von ihm und seiner Mutter, ihrem Arbeitszimmer und dem winzigen Bad führte.
    Bis nach oben hatten sie sich bedauernswerterweise noch nicht vorgearbeitet, mit Ausnahme seines Zimmer, denn seine Mutter hatte darauf bestanden, direkt nach ihrer Ankunft seine Möbel und Kisten in sein Zimmer zu bringen. Daher war sein Zimmer im Grunde das einzige im ganzen Haus, in dem zumindest schon alle dafür vorgesehen Kisten standen und das schon ansatzweise eingerichtet war, wie er mit einer Welle der Dankbarkeit gegenüber seiner Mutter bemerkte.
    Direkt gegenüber der Eingangstür ging es per Schwingtür in die zugegebenermaßen gemütliche Küche, die ihrerseits eine Tür auf die Veranda hinter dem Haus aufwies, die in den verwilderten Garten führte. Dieser grenzte wiederum an das Nachbargrundstück, auf dem das seltsame Mädchen lebte.
    In diesem Augenblick betraten seine Mutter und eine ihm völlig fremde eine Frau, etwa im Alter seiner Mutter und adrett in einem pastellfarbenen Outfit wie frisch von Golfplatz gekleidet, die Küche. Die Unbekannte, die wie es aussah eine riesige Schüssel Kartoffelauflauf in der Hand trug sah sich neugierig um.
    „Du musst die Unordnung hier einfach übersehen,“ meinte seine Mutter gerade lächelnd und wandte sich dann ihm zu, einen warnenden Ausdruck in den Augen.
    „Susanne, Mrs. Davis, wohnt gegenüber. Sie war so nett und hat uns etwas zu essen vorbeigebracht. Ich kenne sie noch von früher. Wir sind zusammen zur Schule gegangen“
    „Als kleinen Willkommensgruß sozusagen.“ flötete Mrs. Davis dazwischen und er konnte sie bereits jetzt nicht ausstehen.
    „Wir wollen doch alle, dass sich unsere liebe Barbie hier wieder ganz wie zu Hause fühlt.“
    Barbie? Irritiert hob er die Augenbrauen und starrte seine Mutter an. Solange er sich erinnern konnte, hatte jeder seine Mutter nur Barbara genannt und nichtmal sein Vater hatte je einen Kosenamen für sie verwendet. Und dann ausgerechnet Barbie? Seine durchorganisierte, gepflegte Mutter, die mit beiden Beinen im Leben stand, halbtags als Ärztin arbeitete und ihr Leben mit Post-It‘s organisierte? Lachhaft.
    „Das dürfte bei so netten Leuten wie Dir nicht schwerfallen.“ beeilte sich seine Mutter zu versichern, nahm ihr die schwere Schüssel ab und reichte sie an ihn weiter.
    „Das ist mein Sohn Matt. Er wird nach den Ferien hier in die Schule gehen.“
    Mrs Davis richtete ihren prüfenden Blick auf ihn und er hatte das unangenehme Gefühl, als betrachte sie ein ausgesprochen interessantes Insekt durch eine Lupe.
    „In welche Klasse gehst du denn ?“
    Eine peinliche Pause entstand, da er es vorzog lieber den Auflauf im Kühlschrank zu verstauen, anstatt zu antworten.
    „In die Elfte.“ Er hörte der Stimme seiner Mutter an, dass sie der Nachbarin einen entschuldigenden „Du - weißt - ja - wie - sie - in - diesem - Alter - sind“ - Blick zuwarf.
    „Oh, genau wie meine Abigail. Sie ist im Moment noch in ihrem Sommercamp, aber wenn sie nächste Woche zurückkommt, dann werde ich sie mal zu dir rüberschicken. Sie zeigt dir sicher gerne unsere schöne Stadt.“
    Einen Augenblick lang war er versucht, Mrs. Davis zu sagen, wo genau sie und ihre Tochter sich seinetwegen ihre schöne Stadt hinstecken konnten, aber aus Rücksicht auf seine Mutter, nickte er stattdessen mürrisch und lehnte sich gegen die Arbeitsfläche und verschränkte abweisend seine Arme.
    „Und wenn du sich erstmal hier eingerichtet hast, meine Liebe, dann werden wir eine Begrüßungsparty für dich ausrichten! Ich trommle die ganze alte Truppe zusammen. Die Nachricht deiner Rückkehr hat sich wie ein Lauffeuer verbreitet. Das wäre doch gelacht, wenn du sich hier nicht ganz schnell wieder zu Hause fühlen würdest.“
    „Das wäre wirklich schön,“ erwiderte seine Mutter freundlich lächelnd. „Leben denn alle noch hier? Ist niemand weggezogen?“
    „Nein, nicht jeder hatte solche große berufliche Ambitionen wie du, Herzchen.“
    An ihrer Stimme konnte Matt mehr als deutlich hören, wie wenig Mrs. Davis von den beruflichen Ambitionen seiner Mutter hielt, auch wenn sie noch so freundlich klang. Seiner Mutter schien es ähnlich zu gehen, denn ihr Lächeln bekam einen seltsamen Zug um den Mund.
    „So, ich werde euch nun wieder allein lassen. Richte doch bitte auch deinem Mann herzliche Grüße aus. Ich bin schon sehr gespannt auf den Mann, für den Barbie ihre Heimat verlassen hat. Wir sind schon alle ganz gespannt darauf, ihn kennenzulernen!“
    „Das dürfte schwierig werden,“ warf Matt bitter ein, „denn der Mistkerl ist immer noch in Chicago.“
    Ohne sich um den entsetzen Blick seiner Nachbarin oder dem erschrockenen seiner Mutter zu kümmern, verließ er die Küche.
    Fortsetzung folgt!
    Freu mich wie immer über Rückmeldung....!!
    LG
    Santine

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  • Auch heute wieder eine Fortsetzung, allerdings nur eine kurze!Hoffe, irgendwer liest die Geschichte überhaupt!

    Wie es sich herausstellte, war Mrs. Davis nur die Vorhut einer waren Flut an Nachbarinnen und alten Freundinnen seiner Mum, die im Laufe des Tages in das kleine Haus einfielen. Schon bald tummelten sich Aufläufe, Pasteten, kalten Braten, Salate sowie diverse Kuchen und Torten in ihrem Kühlschrank und schätzungsweise sieben Töchter, zehn Söhne und acht Nichten und Neffen würden ihm in den nächsten Tagen ihre Aufwartung machen, um ihn ebenfalls hier am gottverdammten Ende der Welt willkommen zu heißen. Als ob er darauf Wert legte, hier Freundschaften zu schließen oder gar Wurzeln zu fassen. Zwei Jahre und er würde verschwinden. Zurück nach Chicago, zurück zu seinen Freunden, zurück in die Zivilisation!
    Hätte es seiner Mutter nicht das Herz gebrochen, auch noch ihn zu verlieren, er wäre dort geblieben. Nicht bei seinem Vater, nie im Leben, aber bei Freunden oder zu Not in einer eigenen Wohnung, auch wenn seine Mutter das niemals zugelassen hätte. Er war 17, praktisch erwachsen und mehr als alt genug, sich um sich selbst zu kümmern.
    Doch zuerst, dass wusste er, musste er sich um seine Mum kümmern. Und so war er mit hierher in dieses Vorstadtnest gekommen - missmutig, wiederwillig und grimmig, aber er war hier - und räumte immer noch diese verfluchten Umzugskisten aus.
    Die dauernden Besuche hatten sämtliche Arbeit praktisch zum Erliegen gebracht, was ihm allerdings durchaus gelegen kam. So hatte seine Mutter keine Gelegenheit gehabt, ihn wegen der Bemerkung über seinen Vater zur Rede zu Stellen. Denn dies war eine Diskussion, auf die er verzichten konnte! Sobald seine Mum mal wieder durch das Klingeln der Haustür abgelenkt war, schlängelte er sich an den Umzugskartons vorbei nach oben in sein Zimmer.
    Wie aus einem inneren Reflex heraus, trat er ans Fenster und warf einen Blick auf die Veranda des Nachbarhauses. Nun, im langsam schwindenden Tageslicht, konnte er erkennen, dass eine gemütliche Sitzgruppe rechts neben der Türe platziert war, aus der heute Morgen das Mädchen gekommen sein musste. Links davon stand ein altmodischer, hundertprozentig selbst gemachter Schaukelstuhl, nicht weit von den Stufen eben jener Treppe, die in den Garten führte und auf der das Mädchen von Nebenan noch vor wenigen Stunden gesessen hatte. Nun lag die Veranda verwaist da und auch aus der Rest des zweistöckigen Hauses den er von seinem Fenster aus sehen konnte, wirkte verschlafen. Im ersten Stock schien ein Badezimmer zu sein, denn dort war ein großes Milchglasfenster angebracht. Nebenan musste das Wohnzimmer liegen, denn durch die großen Sprossenfenster konnte er ein Sofa erkennen, welches vor einem großen, offenen Kamin platziert war. Am anderen Ende seines Blickwinkels meinte er außerdem, ein Klavier zu sehen. Um was für ein Zimmer es sich im zweiten Stock handelte, seinem mehr oder weniger gegenüber, konnte er jedoch nicht sagen, da der Blick ins Innere des Zimmers durch einen schweren Vorhang versperrt war.
    Eine Weile versuchte er sich zu erinnern, ob auch die Bewohner dieses Hauses zu den heutigen Besuchern gehört hatten, bis er sich schließlich schulterzuckend umdrehte und in seiner Reisetasche nach seinen Laufschuhen und der alten Jogginghose zu kramen begann. Er sehnte sich danach zu laufen und wenn er dabei einen Blick auf die Nachbarschaft werfen konnte, so würde es auch nicht schaden, denn auch wenn es ihm nicht gefiel, er saß hier erstmal fest.Frisch umgezogen in schwarzer Jogginghose und einem alten, grauem Kapuzenpullover, über den er sich sein geliebtes „The Ramones“ Shirt gestülpt hatte , denn wenn schon negativ aufallen dann immerhin mit Stil, schnappte er sich seinen iPod.
    Leise verließ er sein Zimmer, huschte, an der Küche und somit an seiner Mutter vorbei, nach draussen. und atmete tief ein. Kühle Herbstluft schlug ihm entgegen und die Blätter raschelten unter seinen Füßen als er über die Treppe hinab und durch den Vorgarten hinaus auf die Straße ging. Routiniert machte er ein paar schnelle Dehnübungen, steckte sich die Kopfhörer in die Ohren und zum Klang seines Lieblingssongs ließ der sich von seinen Füßen die Straße hinabtragen, der untergehenden Sonne entgegen.


    Fs folgt!
    Feedback wäre toll :)
    LGSantine

    [CENTER]"[SIZE=3]Do not go gentle into that good night - rage, rage against the dying of the light"[/SIZE] Dylan Thomas[/CENTER]

  • Aha, 17 also und noch Schüler. Und der Vater nicht tot.


    Seine Mutter scheint sich wohl auch ziemlich verändert zu haben, als sie nach Chicago gegangen ist. Aber vielleicht wollte sie auch raus aus dem kleinen Ort, was neues erleben. Und irgendwie bin ich mir nicht sicher, ob ich diese Nachbarn sympatisch finden soll. Wirkt ein bisschen so, als ob alle Hausfrauen wären und den ganzen Tag nichts besseres zu tun haben, als kochen, backen etc. (Erinnern mich ein bisschen an die Damen aus Desperate Houswives oder Suburgatory, irgendwie amüsante Leute aber auch etwas unheimlich. ;) )


    Über Matt kann ich noch nicht viel sagen, scheint mir ein netter Kerl zu sein, dem alles gerade über den Kopf gewachsen ist. Vater nicht mehr da, Mutter auch "nicht wirklich da" (ist ja irgendwie auch verständlich), in eine neue Gegend gezogen, in die er nicht wirklich wollte und keine Freunde hat, die im Halt geben können... kein Wunder ist er mürrisch. Ich glaube aber auch, dass seine Mutter Verständnis dafür hat. Ich hoffe nur, dass er das jetzt nicht ewig durchzieht, sonst macht er sich selber einsam. Nette Menschen mit ähnlichen Interessen, wie er sie hat, gibt es in dieser Kleinstadt sicher auch.


    Freue mich auf die nächste Fortsetzung.

  • Guten Abend,
    zum Wochenende poste ich nochmal schnell eine neue Fortsetzung.


    Danke aber erstmal an alle stillen Leser - sofern es euch gibt - und natürlich an raya! Freu mich total über deine Kommis und das Feedback. So macht es richtig Spaß, zu schreiben :)

    raya :
    Der Ort ist tatsächliche ne Mischung Suburgatory (Liebe diese Show *grins*), Stars Hollow (aus Gilmore Girls) und einer Prise Stepford - zumindest hat es bis jetzt den Anschein. Und was Matt angeht, mal sehen, wie sich dein Blick auf ihn vielleicht noch ändert. Freu mich schon, was du zu sagen hast!


    Weiter geht's:


    Matt hatte kaum die Haustür geöffnet, als die Hölle losbrach.
    „Wo bist du gewesen?“ Die Stimme seiner Mutter klang zornig und laut in der Dunkelheit. Sie hatte kein Licht angeschaltet und ihn so, beabsichtigt oder nicht, in trügerischer Sicherheit gewiegt, als er das stille, dunkle, ihm immer noch fremde Haus betrat.
    Der Lauf hatte ihn ausgepowert, aber noch mehr hatte er ihn entsetzt. Die Kleinstadt war wirklich genau so, wie er es sich in seinen schlimmsten Albträumen ausgemalt hatte. Perfekte Häuser mit gepflegten Gärten, ein Footballfeld, das offenkundig aktiv genutzt wurde, eine uramerikanische Hauptstraße an der sich malerische Geschäfte tummelten: ein Diner, dass nicht etwa retro war, sondern wirklich seit den Fünfzigern betrieben wurde, wie ein Schild im Schaufenster stolz verkündete; eine altmodische Eisenwarenhandlung, deren Existenzberechtigung ihm mehr als schleierhaft erschien; ein winziges Kino, welches exakt zwei Filme bewarb, deren Namen er noch nie gehört hatte und von denen er sich ziemlich sicher war, dass sie bereits vor der Geburt seiner Mutter gedreht worden waren; sowie einen Supermarkt, der, einem kurzen Blick durch das Schaufenster zu urteilen nach, ein ungefähr so breitgefächertes Angebot aufwies, wie das Kino.
    Alles hier war zu friedlich, zu malerisch und zu idyllisch, so dass er eine wachsende Panik in sich aufsteigen fühlte. Und so rannte er schneller und schneller, ohne auf die verwunderten Blicke zu achten, die ihm die Einwohner des Ortes zuwarfen.
    Als er endlich wieder in seiner Straße angekommen war - er hatte es tatsächlich geschafft, sich in dem Nest zu verlaufen - wollte er nur noch duschen und dann in sein Bett. Vielleicht zeigte sich das Schicksal oder irgendeine höhere Macht gnädig und wenn er am nächsten Morgen aufwachte, wäre alles nur ein Traum gewesen - und er wieder in Chicago, umgeben von den Geräuschen der pulsierenden Großstadt, all ihren großartigen Szeneclubs, gemütlichen Kneipen, multikulturellen Imbisswagen, grandiosen sportlichen und kulturellen Angeboten und zweifelhaften, zwielichtigen Ecken und Vierteln, in denen er einige der besten Nächte seines Lebens verbracht hatte.

    Seine Augen hatte sich noch nicht richtig an die Dunkelheit des Hauses gewöhnt, aber er konnte seiner Mutter erkennen, die auf einem der Umzugskartons saß - klein und zerbrechlich, ein grauer Schatten inmitten von Dunkelheit.
    „Wo bist du gewesen?“ wiederholte seine Mutter erneut, stand auf und schaltete, während sie auf ihn zutrat das Deckenlicht ein. Im grellen Schein der Glühbirne, baute sie sich vor ihm auf, wie eine Rachegöttin und funkelte ihn an. Das sie inzwischen einen Kopf kleiner war als er schmälerte den Effekt bedauerlicherweise kein bisschen.
    „Mum, reg dich ab. Ich war nur ein wenig Laufen.“
    „Reg dich ab? Reg dich ab? Du warst über zwei Stunden verschwunden. Einfach weg, ohne ein Lebenszeichen und ich soll mich abregen ?“ Ihre Stimme wurde lauter, doch auch in Matt erwachte nun der Kampfgeist.
    „Komm schon, was soll mir denn hier passieren, hmm?“ Verbittert sah er auf seine Mum herab. „Schau dich doch einmal hier um. Wir leben Mitten im amerikanischen Traum. Jeder kennt jeden und wahrscheinlich ist auch jeder mit jedem verwandt. Ich nehme an, das schlimmste Verbrechen, welches jemals hier begangen wurde war, als jemand seinen Rasen nicht rechtzeitig gemäht hat. Das einzige was mir hier passieren kann, ist, dass ich vor Langeweile sterbe. War ich eben mal eine Weile weg, was ist denn schon dabei?“
    „Matt,“ erwiderte seine Mum, und ihre Stimme hatte auf einmal jede Kraft verloren. Sie sank förmlich in sich zusammen und lies sich auf einen der unzähligen Umzugskartons sinken. Erschöpft vergrub sie ihr Gesicht in den Händen.
    „Matt, wir waren uns doch einig - niemals wieder. Du hast es mir versprochen! Auf dem Handy warst du nicht zu erreichen, nirgends eine Nachricht....du hast mir versprochen, dass du nicht mehr einfach verschwindest und ich...,“ Sie holte tief Luft und Matt stellte erschüttert fest, dass sie mit den Tränen rang, „...und ich nicht weiß, wo du bist oder mit wem du unterwegs bist. Du hast versprochen, dass du nicht mehr einfach so verschwindest. Nicht nach dem letzten Mal.“
    Eine Welle von Schuldgefühle schwappte über Matt zusammen und drohte, ihn in den Abgrund zu ziehen.
    „Mum,hör zu, ich...“ setzte er an, doch seine Mutter sprach weiter, leise und stockend, ganz so als hätte sie ihn nicht gehört.
    „Ich schaffe dass nicht mehr, Matt. Nicht zu wissen, wo du bist, wann und ob du wieder nach Hause kommst. Wir wollten hier einen Neuanfang, du und ich. Mir ist bewusst, dass es schwer für dich ist, Chicago zu verlassen, aber.....“ Wieder stockte sie, dann sah sie ihn an und Matts Herz schmerzte so sehr, dass er Angst hatte, es würde stehenbleiben. Noch nie hatte er seine Mutter so verzweifelt gesehen...und er hatte sie in den letzten Monaten, als ihr aller Leben um sie herum einstürzte wie ein Kartenhaus, bereits am Rande der Verzweiflung erlebt.
    „Dein Vater hat angerufen.“
    Matt, der sich gerade zu seiner Mutter hinabbeugen wollte, erstarrte.
    „Er hat angerufen, weil er dich sprechen wollte. Mal wieder. Er hat gemerkt, dass etwas nicht stimmt, dass ich nicht weiß, wo du steckst. Er war nicht sehr erfreut darüber.“ Langsam erhob sich seine Mutter. „Ich weiss, du sprichst nicht mit ihm, aber ruf ihn an. Sag ihm, dass du wieder zu Hause bist. Ruf ihn an, sonst....ruf ihn einfach an, hinterlasse ihm eine Nachricht, irgendwas. Du weisst, wozu er sonst in der Lage ist.“ Sie seufzte leise. „Ich bin müde, ich denke ich gehe ins Bett. Falls du hungrig bist, der Kühlschrank ist voll. Bis morgen.“

    Sie sah ihn ein letztes Mal traurig an, drückte ihm etwas in die Hand und stieg, ohne sich noch einmal umzudrehen, die Treppe nach oben.
    Während er ihre Schlafzimmertür ins Schloss fallen hörte, starrte er gelähmt auf den Gegenstand, den seine Mutter ihm mit zittrigen Fingern in die Hand gedrückt hatte.

    Er betrachte sein Handy und die die blinkende Zahl auf dem Display: fünfzehn unbeantwortete Anrufe.

    Fs folgt!
    (Es kann allerdings bis Mitte der Woche dauern!)
    Freu mich sehr über Feedback und Kommentare!
    LG
    Santine

    [CENTER]"[SIZE=3]Do not go gentle into that good night - rage, rage against the dying of the light"[/SIZE] Dylan Thomas[/CENTER]

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  • Ich mag Suburgatory auch, insbesondere die Art von Tessa (die ich hier teilweise auch etwas wiedererkenne :D ).


    Hm, er ist also schon mehrmals abgehauen, ohne etwas zu sagen oder sich zu melden. Ich frage mich, weshalb. Beziehungsweise, warum die Mutter bei zwei Stunden so ein Drama macht. Da muss ja ziemlich was vorgefallen sein. Oder ob es am Verhalten des Vaters liegt?


    Sein Vater ist mir unheimlich. Momentan halte ich ihn für einen ziemlich strengen und ehrgeizigen Menschen, der Fehler/falsches Verhalten nicht toleriert (mal schauen, ob ich richtig liege ;) ). Diese Bedrohung, die in den Sätzen der Mutter mitschwingen... Ich bin gespannt, was der Grund war bzw. was sein Vater getan hat, dass die beiden Chicago verlassen haben.

  • Man nehme einen unerwarteten freien Mittag, eine gute Tasse Tee und voila, anders als angekündigt kommt hier schon die nächste Fortsetzung.
    Ist viel länger geworden, als gedacht, aber ich denke, dass ist schon in Ordnung :D


    raya : Tessa wäre auf jeden Fall Matts Traumfrau. Schade, dass sie schon Ryan hat ( Den liebe ich über alles, er ist genial!) Was genau Matt alles ausgefressen hat und was es mit seinem Vater auf sich hat, wirst du noch erfahren. Heute allerdings wird erstmal eine neue Person vorgestellt. Bin gespannt, wie sie dir gefällt. Freu mich zu hören, was du von ihr hälst!


    Weiter geht's:
    Abigails blonder Pferdeschwanz wippte im Takt ihrer Schritte, als sie die Straße überquerte und auf das Haus der neuen Nachbarn zuging. Abwesend blies sie eine Kaugummiblase, während sie auf die Haustür zuschritt, den Blick auf das Display ihres Mobiltelefons gerichtet. Bevor sie klingelte und darauf wartete, dass sich im Inneren des Haus etwas regte, schrieb sie rasch eine Nachricht an ihre Freundin Kensi.
    Ob es wohl wirklich stimmte, dass Luke sich während der Ferien von Brit getrennt hatte? Da war man mal ein paar Wochen weg und schon änderte sich die gesamte gesellschaftliche Dynamik der Schule. Unfassbar! Andererseits konnte sie dies, wenn sie die Sache geschickt anging, durchaus zu ihrem Vorteil nutzen.

    Sie hörte Schritte, die sich der Tür näherten und so steckte sie bedauernd ihr Handy in die hintere Tasche ihrer engen Jeans und überprüfte rasch ihr Spiegelbild in der Reflektion der Fensterscheibe neben der Haustür. Ihre Jeans saßen wie angegossen und betonten ihre schlanke Figur ebenso gut wie der süße, pinke Pullover, den sie sich erst letzte Woche gekauft hatte. Das Makeup betonte ihr hübsches Gesicht und durch den hohen Pferdeschwanz kamen ihre Wangenknochen besonders zur Geltung. Zufrieden zwinkerte sie ihrer Spiegelung zu, setzte ihr strahlenstes Lächeln auf und wandte sich der Person zu, die so eben die Türe öffnete und sie fragend ansah.
    Das musste offenbar Mrs. Robertson sein, die Jugendfreundin ihrer Mutter. Ihre Mum hatte nicht übertrieben, als sie ihr erzählt hatte, wie erschöpft und zerbrechlich die Frau aussah. Doch trotz dem nachlässig gebundenenPferdeschwanz, den alten Jeans und dem verwaschenen, riesigen Männersweatshirt - wer trug sowas nur freiwillig? - den dunklen Augenringen und der zarten, fast zu dünnen Figur, konnte Abigail erkennen, dass diese Frau, wenn sie richtig frisiert, geschminkt und ausgeruht gewesen wäre, für ihr Alter sehr hübsch hätte sein können.
    „Kann ich dir helfen?“ fragte die Frau freundlich und sah sie an.
    „Hi! Sie müssen Mrs. Robertson sein. Ich bin Abigail Davis, die Tochter von Susanne.“
    „Freut mich, dich kennenzulernen, Abigail. Mit dir hätte ich allerdings gar nicht so früh gerechnet. Deine Mutter erzählte mir, du wärst noch bis Ende der Woche in einem Cheercamp.“
    „Oh, da war ich auch und es war einfach fantastisch. Tolle Leute, gute Stimmung und jede Menge Spaß. Leider hatten wir dann einen Grippeausbruch, eine richtige Epidemiewelle war das, und so wurde das Camp eine Woche früher beendet, denn, ich meine, Hallo, wer will schon die Grippe? Ich jedenfalls nicht und deswegen bin ich hier. Also, bei ihnen und ihrem Sohn, um mich vorzustellen und um ihn zu fragen, ob er eventuell Lust hat, mich in die Schule zu begleiten? Ich muss hin, weil alle von meinem Team sich treffen, außerdem muss ich im Sekretariat etwas erledigen. Mrs Ehle, die Sekretärin ist nämlich schon wieder da un ihre Tochter Lindy hat ein Baby bekommen. Ein süßes Ding. Naja egal..jedenfalls dachte ich, also meine Mutter eigentlich, ich frage ihren Sohn ob er mitkommt und sich jetzt schon anmelden will. Dann hat er am ersten Schultag nicht so einen Stress und kennt schon das Gebäude und auch einige wichtige Leute. Mich zum Beispiel.“
    Abigail lächelte freundlich und sah Mrs. Robertson, die ein wenig erschlagen von all den Informationen zu schein schien, abwartend an.
    „Wie nett von dir. Ich mir sicher, Matt wird sich freu...“ Hier unterbrach sich Mrs. Robertson und sah beinahe ein wenig verlegen aus. „Am besten wird es sein, ich rufe ihn einfach, dann kannst du dich ihm selber vorstellen.“ Sie drehte sich um.
    „Matt....? Matt, komm doch mal bitte.“
    Neugierig spähte Abigail an Mrs. Robertson vorbei. Da kam er also, der Neue.
    Ihrer Mutter nach zu urteilen, war er auf jeden Fall anders, als alle die Jungs aus ihrer Stadt, und zwar nicht im positiven Sinne. Schon auf den ersten Blick erkannte sie, dass er definitiv nicht so aussah, wie ihre Klassenkameraden oder Freunde.

    Prüfend betrachtete sie ihn, seine strubbeligen, hellbraunen Haare, die ein wenig zu lang waren und ihm in die braunen Augen hingen. Überhaupt hatte er einen netten, durchdringenden Schlafzimmerblick, der durchaus attraktiv hätte sein können, wenn er nur ein bisschen freundlicher und weniger mürrisch, vor allem aber weniger prüfend auf sie herabgesehen hätte.
    Sein Shirt ; von einer ihr unbekannten Band - Dingos ate my baby - die mit Sicherheit keine Sau kannte und genau deswegen wahrscheinlich sowas von ultrahip war, dass er alle bemitleidete, die noch nie von dieser musikalischen Offenbarung gehört hatten; lag eng an seinem sportlichen Oberkörper an. Aber fit und durchtrainiert waren hier eigentlich die meisten Jungs,(schon allein aufgrund der wenigen Freizeitmöglichkeiten war Sport das ziemlich einzige, was sie in ihrer Freizeit tun konnten) also war sein toller Oberkörper kein Anblick, der ihr schwache Knie verursacht hätte. Er trug fadenscheinige, zerschlissene Jeans, die über den linken Knie bereits ein Loch hatten und alte, richtig abgenutzte Chucks rundeten das Gesamtbild ab.

    Offenbar hielt er sich für die Wiedergeburt von James Dean oder so, denn er strahlte diese Aura eines mürrischen, rebellischen Einzelgängers aus und schon in diesem Moment war Abigail klar, dass er jede Menge Ärger machen würde. Sie konnte es kaum erwarten.
    „Hi, ich bin Abigail Davis. Ich gehe wie du nach den Ferien in elfte Klasse.“
    „Die Tochter von Susanne“, fügte seine Mutter erklärend hinzu und Abigail sah, wie sie ihren Sohn anstieß, als dieser keine Anstalten machte, etwas zu erwidern.
    „Matt.“ Seine Stimme war dunkel, ein wenig heiser und klang erwachsener, als Abigail es erwartet hätte.
    Er sagte nichts weiter, sondern betrachte sie mit hochgezogenen Augenbrauen und auch sie konnte nicht sagen,dass sie sonderlich begeistert von ihm gewesen wäre. Mrs. Robertson wandte sich an ihren Sohn, erklärte ihm den Grund für Abigails Besuch und ihr Angebot, ihn mit in die Schule zu nehmen.
    Abigail konnte deutlich den Widerwillen und die Abneigung erkennen, die nach den Worten seiner Mutter in seinen Augen aufblitzten. Er wollte nicht mir Ihr losziehen, soviel war sicher. Nicht, dass das sie besonders scharf darauf gewesen wäre, diesem Ausbund an Fröhlichkeit an der Backe zu haben.
    Umso überraschter war sie daher, als er zwar nichts sagte, aber nickte und zurück ins Haus verschwand, um seine Unterlagen von der alten Schule zu holen.

    „Also, war wirklich nett sie kennenzulernen Mrs. Robertson. Ich hoffe“, Abigail warf einen zweifelnden Blick auf das Chaos an Kisten, Möbeln und sonstigem Kram hinter ihrer Nachbarin, „ sie werden sich bald so richtig heimisch hier bei uns fühlen.“
    Sie musterte das vollgestopfte Auto, dass in der offenen Garage parkte. Ihr war schon unklar, wie die zierliche Mrs. Robertson da hinein gepasst hatte, aber wie sich Matt da hineingezwängt haben musste, wollte sie sich gar nicht erst vorstellen.
    Mit ihrem besten Cheerleaderlächeln wandte sich an Matt, der aus der Türe neben sie in die Strahlen der Herbstsonne trat. Er war noch größer es zuerst den Anschein gehabt hatte, auf jeden Fall über 180 cm und es ärgerte sie unerklärlicherweise, dass sie trotz ihrer Highheels immer noch kleiner war als er.

    „Also, wir können dann. Ich würde vorschlagen, wir nehmen mein Auto. Eures ist ja offentsichtlich noch nicht ausgeräumt. Und da ich hier kein zweites Auto sehe, nehme ich nicht an, dass du einen anderen fahrbaren Untersatz zu Verfügung hast. Damit bleiben dir mehrere Möglichkeiten, wie du in Zukunft zur Schule kommst. Entweder du läufst, aber davon würde ich dir abraten, denn ich meine, wer bitte läuft denn schon? Du kannst selbstverständlich auch mit dem Bus fahren. Gruselig, sag ich da nur. Natürlich könntest du auch Glück haben und eine ausgezeichnete Fahrerin finden, die dich in die Schule mitnimmt, aber...“
    „Bike.“ fiel ihr Matt ins Wort.
    „Bitte?“ Sie sah verständnislos an.
    Offensichtlich schwer genervt von ihrer Begriffsstutzigkeit, wieder holte er er langsam: „Bike. Ich habe ein Bike. Eine Geländemaschine. Damit wird es schon gehen. Sie ist nur noch nicht,“ er deutete wage in Richtung der chaotischen Garage, „....erreichbar im Augenblick. Also ja, lass uns dein Auto nehmen. Nur noch einen Moment.“

    Erstaunt beobachtete sie, wie sich Matt zu seiner Mutter umdrehte, die in der offenen Tür lehnte und ihren Austausch beobachtet hatte.
    „Ich habe keine Ahnung, wie lange ich weg bin, Mum. Aber ich denke nicht, dass ich länger als zwei Stunden weg sein werde. Falls doch rufe ich an. Und wenn irgendetwas ist, ich habe mein Handy dabei und eingeschaltet, in Ordnung?“ Seine Stimme klang so unsicher, dass Abigail sich einen kurzen Moment lang fragte, ob sie ihn vielleicht falsch eingeschätzt hatte. War er etwa ein verweichlichtest Muttersöhnchen?
    Mrs. Robertson nickte, schenkte Ihnen ein kurzes Lächeln und schloss die Tür, nicht ohne sich vorher von Abigail zu verabschieden und ihr zu Danken, dass sie ihren Sohn ein wenig ins Freie lockte.

    Dieser drehte sich mit rollenden Augen zu ihr um und der flüchtige Eindruck des Muttersöhnchens verschwand.
    Nein, er war ganz eindeutig eher der missverstandene Großstadtrebell dachte sie und verkniff sich ein Grinsen.

    „Dann lass uns gehen. Da drüben steht mein Auto. Ja, das kleine rosafarbene. Ist es nicht süß? Ich liebe es. Naja, jedenfalls ist es toll, ein eigenes Auto zu haben, denn der Bus ist wie gesagt, einfach gru-se-lig Du wirst schnell merken, jeder der auf der Schule etwas zählt, kommt mit einem eigenen Auto.“ Unablässig plappernd marschierte sie zielstrebig auf ihr Auto zu. Matt folgte ihr durchaus weniger enthusiastisch, aber sein gemurmeltes "Lieber Gott steh mir bei!" hatte sie sich sicher nur eingebildet.


    Fortsetzung folgt!
    (Dieses Mal vielleicht aber wirklich erst in ein paar Tagen!)
    Feedback wäre, wie immer, toll!
    LG
    Santine


    Ps: Bonuspunkte für alle, die wissen, vorher die ultrahippe Band (rein fiktive!!) stammt.


    [CENTER]"[SIZE=3]Do not go gentle into that good night - rage, rage against the dying of the light"[/SIZE] Dylan Thomas[/CENTER]

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  • Also ich mag Abigail :D Sie scheint zwar etwas oberflächlich zu sein, aber ich denke, sie kann eine richtig nette Person sein. Sie erinnert mich ein bisschen an Caroline aus Vampire Diaries, diese fröhliche Art und einen Mund, der seeehr gerne etwas von sich gibt. Und natürlich muss so eine Person Cheerleaderin sein! :D


    Bin mal gespannt, auf was für Leute Matt sich sonst noch "vorbereiten" muss oder ob Abigail ihn doch nur kurz in der Schule abstellt und sich denkt, dass er nicht gut für ihren Ruf ist und in dann links liegen lässt (was ich mir zwar irgendwie nicht so vorstellen kann).


    Und den Bonuspunkt krieg ich nicht, ich hab keine Ahnung von irgendwelchen Bands. ;)

    *hust* Es hat zwei, drei Flüchtigkeitsfehler drin (Buchstaben/Wörter die vergessen/falsch geschrieben wurden). Stören nicht allzu sehr, sind mir aber aufgefallen.

  • Einen schönen Mittag wünsche ich euch.
    Fast wieder geschafft, bald ist Wochenende!
    Tut mir leid, für die Rechtschreibfehler im letzten Post. Ich lese immer alles mehrfach, aber irgendwie bin ich da ein wenig betriebsblind. Ich hoffe, diese Fortsetzung ist wieder besser lesbar.



    raya : Vampire Diaries hab ich irgendwie nie wirklich verfolgt, aber Caroline ist diese Blonde, oder? Ich mag Abigail auch, aber ob sie wirklich so eine typische Cheerleaderin ist bleibt abzuwarten ;)


    Weiter geht es, irgendwie ist es mehr geworden, als gedacht:


    „Und dass ist der Sportplatz“, beendete Abigail ihre Führung. Sie hatte Matt alles, wirklich alles, vom Lehrerzimmer über den Materialraum bis zur geheimen Raucherecke der Oberstufe, gezeigt. Nicht, dass dies sehr lange gedauert hätte, denn im Vergleich zu seiner alten Schule war diese hier geradezu winzig. Dennoch wagte er zu bezweifeln, ob er am ersten Schultag alle seine Klassenräume auf Anhieb finden würde. Das konnte aber auch daran liegen, dass er Abigails Geplapper nur mit halbem Ohr zugehört hatte und innerlich die Minuten zählte, bis er sie endlich los wurde.
    „Abigail.“
    Mehrere Stimmen wurden laut und Matt sah eine kleine Gruppe von Mädchen auf sie zukommen. Sie waren allesamt schlank, hübsch und völlig überdreht - keine Frage, dies mussten einige der Cheerleaderinnen sein, mit denen Abigail sich treffen wollte. Schon fielen sich die Mädchen um den Hals und begrüßten einander stürmisch. Offenbar sahen sie sich das erste Mal seit mehreren Wochen wieder.
    Im allgemeinen Getümmel und Stimmengewirr lag jedoch seine Chance! Dies könnte die perfekte Möglichkeit zur Flucht sein, auf die er gewartet hatte.

    „Also, ich geh dann mal ins Sekretariat.“ Er sah Abigail an, wobei er ihre kichernden Freundinnen ignorierte. „Danke, für die Führung.“
    Leider schien es so, als wollte Abigail ihn nicht so leicht vom Haken lassen.
    „Wohin denn so eilig? Lass mich dir erstmal meine engsten Freundinnen vorstellen,“ rief sie schnell und schob ihn energisch zwischen die vier Mädchen, die ihn neugierig musterten.
    „Das Mädchen mit den niedlichen braunen Zöpfen ist Stacy, unsere Zwillinge Amy und Debby und diese schwarzhaarige Süße ist Kensi. Die, die da hinten steht und mit unserer Trainerin, Coach Meyers, spricht ist Brit. Normalerweise ist sie nicht so zurückhaltend, aber wie man hört ist gerade mit Luke, ihrem Freund und Kapitän des Footballteams, Schluss und daher hat sie vielleicht die Nase voll von Jungs, also nimm es ihr nicht übel, falls sie sich nicht für dich interessieren sollte.“

    Er würde ihr die Füße küssen, sollte sie ihn in Ruhe lassen!
    Abigails Aussage über die Trennung wurde von vierfachem Nicken sowie schwärmerischem Seufzen begleitet und Matt hatte den Eindruck, dass die Mädchen nicht gerade zu Tode betrübt über die Trennung ihrer Teamkameradin waren. Dieser Footballtyp, er hatte den Namen schon wieder vergessen, schien wohl sehr beliebt zu sein.
    Leider war er aber wohl noch interessanter als die Trennung, denn Abigail wandte ihre Aufmerksamkeit wieder ihm zu.

    „Und hier, Ladies, haben wir Matt. Frisch eingetroffen aus dem fernen Chicago, wohnt er samt seiner Mum bei uns in der Straße. Seine Mum war übrigens früher die beste Freundin meiner Mutter, wir sind also durch das Schicksal geradezu miteinander verbunden!“
    Hierbei grinste sie Matt an, der diese Meinung so gar nicht teilte, aber bislang keine Chance gehabt hatte, auch nur ein Wort zu sagen.
    „Sie wohnen im ehemaligen Haus der Ingersons. Ja Stacy, dass hübsche grüne. Matt geht wie wir in die Elfte, ist siebzehn Jahre alt, ein sehr angenehmer Beifahrer - stellt euch vor, er hat kein einziges Mal über meinen Fahrstil gemeckert, wenn ich da an Luke denke oder Jeff, die behaupten ja immer ich würde fahren, als sei ich auf der Flucht! Naja, egal, jedenfalls geht er ab dem neuen Schuljahr hier auf die Schule....und Mädels, haltet euch fest, er fährt ein Bike!“
    Diese Aussage wurde mit begeistertem Quietschen quittiert, während Matt Abigail sprachlos anstarrte. Diese sah mehr als zufrieden mit sich aus und ihm dämmerte, dass sie durch die Bekanntschaft mit ihm sicherlich gerade ein wenig interessanter geworden war.
    „Und, wie gefällt es dir hier in Amerika?“ wollte eine der Zwillinge wissen.
    „Ähm...“ Matt war sich nicht sicher, ob sie die Frage ernst gemeint hatte und sah sein Gegenüber verwirrt an.
    „Amy, Liebes, Chicago liegt auch in Amerika“, antwortete Abigail rasch und grinste Matt entschuldigend an. „Amy hat es nicht so mit Geografie.“
    „Oder sonst irgendwas“ murmelte eines der anderen Mädchen leise, tarnte es aber geschickt als Hustenanfall.
    „Wie dem auch sei,“ fuhr Abigail fort, nicht ohne dem immer noch hustenden Mädchen einen strengen Blick zuzuwerfen, „ihr müsst mir versprechen, dass ihr alle Matt herzlich willkommen heisst.“
    „Oh, da mach dir mal keine Sorgen“, antwortete das braunhaarige Mädchen und zwinkerte Matt zu. „Wir werden schon dafür sorgen, dass er sich hier ganz schnell wohl fühlt.“
    Matt, der sich zunehmend unwohl fühlte, überlegte krampfhaft, wie er sich aus dem Staub machen konnte. Sicher, er hätte sich einfach umdrehen und davonlaufen können, aber so eine Art von erstem Eindruck wollte selbst er nicht vermitteln.
    „Hast du denn schon jemanden kennengelernt, Matt? Außer uns natürlich?“ fragte eine von Abigails Freundinnen kichernd.
    Er war sich nicht sicher, ob es Stacy oder Amy war. Oder Debby? Irgendwas mit y am Ende.

    Er öffnete den Mund, zögerte dann aber. Eigentlich hatte er von dem Mädchen nebenan erzählen wollen, aber irgendetwas hielt ihn davon ab.
    Was ging es diese Gänse an, wen er kannte? Außerdem kannte er sie ja gar nicht. Er war nur seltsam fasziniert von ihr, was bei genauerer Betrachtung auch nicht gerade etwas war, was er erzählen wollte.
    Was hätte er auch sagen sollen? Dass er sie, seit er vor 2 Tagen eingezogen war, bisher jeden Morgen von seinem Fenster aus beobachtete?
    Er legte keinen großen Wert darauf, was diese Mädchen von ihm hielten, aber wie ein Spanner sollte er trotz allem nicht rüberkommen.
    Nicht, dass er einer war! Es war einfach nur so, dass dieses fremde Mädchen etwas an sich hatte, dass ihn faszinierte. Ob es die Art war, wie sie sich bewegte oder die Sehnsucht, die sie ausstrahlte? Vielleicht hatte der Umzug in dieses Nest aber auch einfach dazu geführt, dass er den Verstand verlor!
    Anders konnte er es sich nicht erklären, warum er heute morgen um halb Acht wieder an seinem Fenster gestanden und in den Garten gegenüber geschaut hatte. Wie am Tag zuvor, war sie auf die Veranda getreten, hatte sich auf die oberste Stufe gesetzt, ein dampfendes Getränk aus ihrer Tasse getrunken und in die Ferne gestarrt. Und wie am Tag zuvor, hatte er sich nicht bemerkbar gemacht, sondern ihr einfach nur zugesehen. Sogar er selbst musste sich eingestehen, dass dies durchaus seltsam, wenn nicht sogar, um Abigail zu zitieren, gru-se-lig war.

    „Nein,“ erwiderte er daher und versuchte, ein möglich desinteressiertes Gesicht zu machen. Der prüfende Blick, mit dem Abigail ihn musterte, entging ihm.
    In diesem Augenblick ertönte vom anderen Ende des Sportplatzes das schrille Geräusch einer Trillerpfeife.
    „Oh, Coach Meyers will wohl, dass wir kommen.“
    Am liebsten wäre Matt quer über den Sportplatz gerannt und hätte die Trainerin umarmt, rettete sie ihn doch vor weiteren Fragen...und Abigail.
    „Viel Spaß beim Training. Macht‘s gut.“
    Er sah Abigail und Mädchen an, nickte der kleinen Gruppe zu und machte sich auf den Weg, wobei er den Impuls unterdrückte, einfach loszurennen.
    Doch er hatte kaum zwei Schritte geschafft, als er Abigails Stimme hörte.

    „Matt, wenn du fertig bist, komm einfach wieder her. Wir brauchen nicht lange heute, nur eine kurze Besprechung. Ich nehm dich mit nach Hause.“
    Nur über seine Leiche!
    „Nicht nötig. Ich laufe.“ rief er über seine Schulter ohne sich umzudrehen oder auf das entsetzte Aufkeuchen ihrer hohlbirnigen Freundinnen zu achten.
    „Ach komm schon Matt, tu mir den Gefallen.“ Sie holte ihn mit wenigen Schritten ein und senkte ihre Stimme. „Meine Mum flippt aus, wenn sie mitkriegt, dass ich dich auf dem Rückweg nicht wieder mitgenommen habe. Und es gibt nichts in dieser Stadt, was meine Mum nicht mitkriegt.“
    Klar, Ärger mit ihrer Mum. Natürlich! Sie hielt ihn wohl für bescheuert?
    Ihm war völlig klar, dass weder dies, noch eine echte Sympathie ihm gegenüber der Grund für ihre Beharrlichkeit war. Vielmehr wollte sie vor ihren Teamkameradinnen damit angeben, dass sie den Neuen nicht nur kannte, sondern praktisch schon so vertraut mit ihm war, dass sie ihn durch die Gegend kutschierte.
    Denn, was brachte ihr in so einer langweiligen Kleinstadt wohl mehr Punkte ein, als diejenige zu sein, die den Neuen mit allen anderen bekannt machte?

    „Außerdem,“ fuhr Abigail fort und in ihren Augen lag ein berechnender Glanz, „außerdem wärst du dann pünktlich zu Hause. Das hast du deiner Mum ja vorhin versprochen.“
    Matt dachte an den gestrigen Abend, den Streit mit seiner Mutter, und den schweigsamen Vormittag, als seine Mum alle Versuche einer Entschuldigung abgeblockt hatte. Er dachte daran, wie einfach es wäre, sie zumindest ein bisschen glücklich zu machen, wenn er heute pünktlich nach Hause kam.
    „Meinetwegen.“ antwortete er mürrisch.
    Begeistert klatsche Abigail in ihre Hände.
    „Mädels,“ rief sie fröhlich und hüpfte förmlich zu ihren Freundinnen zurück, „Mädels, ratet mal, wer nachher mit uns zurück fährt?“
    Zornig sah Matt ihr nach. So war das nicht abgemacht gewesen!
    Da ging sie hin, zusammen mit ihren dämlichen Freundinnen, die kicherten und ohne Zweifel über ihn tuschelten, und aus irgendeinem Grund kam er sich so vor, als wäre er geradewegs in eine Falle getappt.
    Er beschloss, sich lieber auf den Weg zum Sekretariat zu machen, ehe er die Beherrschung verlor und ausflippte. Er schaffte jedoch wieder nur zwei Schritte, da ertönte erneut ihre Stimme.
    „Matt! Matt, hör zu, du musst....“
    Um Himmels willen, was wollte sie denn immer noch von ihm?
    Entnervt drehte er sich um und konnte nicht verhindern, dass sein Ton nicht besonders freundlich klang: „Was willst du denn noch?“
    Völlig unbeeindruckt grinste Abigail ihn an.
    „Zum Sekretariat geht es in die andere Richtung.“


    FS folgt!
    Feedback wäre riesig!!!
    LG
    Santine


    Tut mir leid, dass sich einige Male die Schriftgröße im Text ändert. Ich kämpfe noch mit dem Eingabeformular und habe es irgendwie nicht hinbekommen!

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  • Hallo ihr Lieben,
    habe weder Euch noch die Story vergessen, aber im Moment ist es in meinem Privatleben mehr als hektisch.
    Tut mir schrecklich leid, Euch noch ein bisschen warten lassen zu müssen, aber im Laufe der kommenden Woche geht es weiter....!
    Nicht böse sein...geht leider im Moment nicht anders.
    Ich wünsche Euch einen schönen, sonnigen (Mutter-)tag!
    LG
    Santine

    [CENTER]"[SIZE=3]Do not go gentle into that good night - rage, rage against the dying of the light"[/SIZE] Dylan Thomas[/CENTER]

  • Hallo ihr Lieben,


    ich bitte euch nochmals um Verzeihung für die lange Wartezeit. Ich hoffe, es wird in Zukunft wieder etwas schneller bei mir gehen. Aber, um John Lennon zu zitieren: Life is what happens to you, while you are busy making other plans!

    raya : :rosen Danke für die netten Worte! Und ja, auf Abigail muss man achten! Da kommt noch so einiges.... *grins*

    Einige Tage später saß Abigail nach Ende des Trainings in ihrem Auto, wartete auf die immer ewig in der Umkleide brauchende Kensi und beobachtete zufrieden die Szene, die sich drei Autos weiter abspielte.

    Brit und Luke diskutierten heftig miteinander und Lukes genervtem und Brits wütendem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, schien es ganz so, als wäre ihre Trennung wirklich eine endgültige Angelegenheit. Gerüchteweise war der Grund Brits ewige Eifersucht gewesen, die allerdings bei Luke sicherlich nicht unbegründet war. Immerhin war er der gut aussehende Kapitän des Footballteams, groß, sportlich und auch noch sehr charmant, was ihn bei allen Mädchen sehr beliebt machte.
    Und genau aus diesem Grund musste sie nun schnell, aber überlegt, vorgehen. Denn sicher würden sich nun jede Menge Mädchen Luke an den Hals werfen - daher musste sie diejenige sein, die sich aus der Masse abhob. Und was wäre dafür besser geeignet, als das Mädchen zu sein, dass den Neuen in der Schule bei den richtigen und wichtigen Leuten vorstellte?! Matt war mit Sicherheit ihr Schlüssel zum Erfolg, egal ob es um ihr Ansehen oder Luke ging.
    Einen Moment lang erschrak sie über sich selbst. Doch dann dachte sie daran, dass sie es satt hatte, ein Nichts zu sein. Das nette, süße Mädchen von nebenan, an die sich in zwei Jahren keiner mehr erinnern würde. Nicht an sie, oh nein, aber an Tommy, ihren großen Bruder. Tommy, der ehemalige Star des Footballteams; Tommy, der Abschlussballkönig; Tommy, der Jahrgangsbeste und Redner der Abschlussfeier; Tommy, der weit weg am coolen, renomierten Dartmouth College studierte; Tommy, der unerreichbare Star der Familie!
    Sie hatte es so satt, von allen nur als die kleine Schwester von Tommy gesehen zu werden. Sie hatte es so satt, dass sich keiner für ihre Gedanken, ihre Gefühle, ihre Sicht der Dinge interessierte. Sie war immer nur das hübsche Gesicht im Hintergrund, dass man gerne ansah, aber sofort wieder vergaß. Mit dem richtigen Freund jedoch, hätte sie endlich eine Stimme, die man hören - eine Stimme, an die man sich erinnern würde!
    Lautes Türknallen riss sie aus ihren Gedanken. Brit hatte offenbar endgültig genug von Luke, denn sie fuhr gerade mit quietschenden Reifen davon und ließ Luke in einer Wolke aus Staub zurück.
    Dies könnte eine Chance sein! Sie könnte Luke anbieten, ihn mitzunehmen. Schließlich hatte sie dies schon öfter getan und was wäre schon dabei? Außerdem wäre es die ideale Gelegenheit beiläufig Matt ins Gespräch einfließen zu lassen. Rasch warf sie einen Blick in den Rückspiegel, kontrollierte ob ihr Makeup noch in Ordnung war und wollte gerade die Türe öffnen, um Luke zu rufen, als neben ihm ein Auto hielt und Dylan, einer seiner Mannschaftskameraden ihn ansprach. Noch bevor sie reagieren konnte, war Luke in das Auto gestiegen und auf und davon.
    Als Kensi schließlich etliche Minuten später endlich auftauchte, hatte sie Neuigkeiten im Gepäck.
    „Mein Leben ist vorbei,“ rief sie mit dramatischer Stimme, warf ihre Sporttasche achtlos auf den Rücksitz und ließ sich auf den Beifahrersitz fallen. „Rate mal, was ich gerade eben erfahren habe!“ Ohne Abigail die Chance zu einer Erwiderung zu lassen, fuhr sie mit düsterer Miene fort.
    „Die Sommerferien-Abschluss-Party ist offiziell abgesagt. Inzwischen hat die Hälfte des Footballteams diese starke Erkältung und liegt flach, ebenso der Großteil der Basketballmannschaft und wer weiß ich nicht noch alles...“
    „Ja, meine Mum hat mir gestern erzählt, dass Matt und seine Mutter auch krank sind“, warf Abigail ein und fuhr langsam vom Parkplatz, doch Kensi beachtete den Einwurf nicht weiter.
    „Außerdem hat John‘s Vater Streit mit seinem Bruder oder so, jedenfalls bekommen wir aus diesem Grund auch das Grundstück am See nicht und dann ist da noch die Sache mit Brit und Luke. Stell dir vor, Brit hat ernsthaft vorgeschlagen, dass wir als Cheerleader die Party boykottieren und nicht hingehen sollen! “
    „Im Ernst? Dass hat sie verlangt? “
    „Im Ernst! Die hat doch einen Schaden! Als ob es unsere Schuld wäre, wenn sie ihren Mann nicht halten kann! Was glaubt sie eigentlich, wer sie ist? Ihr Glück, dass die Party nicht stattfindet. Wenn du mich fragst, es hätte eine offene Rebellion gegeben. Aber zurück zum eigentlichen Problem : die Party! Ich fasse es nicht, dass sie dieses Jahr nicht stattfindet. Ich hab den ganzen Sommer damit verbracht, mein Outfit zu planen.“
    „Ist wirklich schade,“ antwortete Abigail bedauernd. Allerdings weniger, weil die Party ausfiel, sondern vielmehr, weil die Party - traditionell am letzten Wochenende der Sommerferien - eine erstklassige Gelegenheit gewesen wäre, Matt allen vorzustellen. Dann kam ihr der Gedanken, dass Matt ja krank in seinem Bett lag und wahrscheinlich gar nicht zu der Party hätte kommen können und schlagartig verbesserte sich ihre Laune wieder.
    Während sie die jammernde Kensi nach Hause fuhr, beschloss sie, den Vorschlag ihrer Mutter aufzugreifen und ihren kranken Nachbarn später einen Topf stärkender Hühnersuppe vorbeizubringen.


    FS folgt!
    Eventuelle Fehler bitte ich zu entschuldigen, dass nächste Mal bleibt mir mehr Zeit zur Kontrolle!
    Feedback ist wunderbar....!!
    LG
    Santine

    [CENTER]"[SIZE=3]Do not go gentle into that good night - rage, rage against the dying of the light"[/SIZE] Dylan Thomas[/CENTER]

  • Eine sehr gute Freundin, diese Abigail. Wobei das im Kopf der restlichen Cheerleaderinnen wohl auch nicht anders aussieht. Ich meine, klar, schon traurig, immer nur als "Schwester von Tommy" abgestempelt zu werden, aber ernsthaft?! Glaubt sie wirklich, dass sie dann heraussticht? Wohl kaum, sie würde eher "die Freundin von Luke" werden, ich bin mir nicht sicher, ob sie das glücklicher machen wird...


    Und warum sollte Matt ihr da helfen können? :misstrau Ich kann ihre Gedanken nicht ganz nachvollziehen...

  • Endlich Freitag, endlich Wochenende....!
    Und pünktlich zu diesem freudigen Ereignis habe ich eine extralange Fortsetzung im Gepäck


    Erstmal aber wieder Danke an alle (stillen) Leser.

    raya :
    Abigail ist eigentlich schon eine gute Freundin, aber um zu bekommen, was sie meint zu brauchen, würde sie alles tun. Wobei ich dir völlig recht gebe. Mit einem populären Freund, wäre sie eben nicht mehr "die Schwester von..." sondern "die Freundin von...". Ich denke allerdings nicht, dass ihr das klar ist. Sie ist viel zu sehr darauf bedacht, bei Matt anzukommen, damit sie ihn wiederum allen vorstellen kann - was sie dann - ihrer Ansicht nach - cooler macht. Frauen :rolleyes *grins*


    Weiter geht's:


    Beinahe hätte er es geschafft.
    Als er zehn Minuten vor Unterrichtsbeginn mit seiner Maschine auf dem Parkplatz hielt, war er fest entschlossen, den Tag so unauffällig wie möglich zu verbringen. Das hieß vor allem, keine Abigail.

    Dadurch, dass er die letzte Woche krank gewesen war, hatte er sie weder gesehen noch gehört - allerdings auch sonst keinen Menschen außer seiner Mutter. Was ihm allerdings nur recht gewesen war. Er wollte einfach nur seine Ruhe haben und um dass zu schaffen, musste er Abigail aus dem Weg gehen.
    Ihr rosarotes Auto parkte drei Reihen weiter, aber von ihr war zum Glück nichts zu sehen. Bevor er seinen Helm abzog, warf er vorsichtshalber noch einen raschen Blick in die Schülermenge, doch er sah weder den blonden Albtraum noch eine ihre nervtötenden Freundinnen.
    Allerdings konnte er auch nirgends die leuchtend roten Haare des Mädchens von Nebenan erkennen, die er heute morgen in der Sonne hatte funkeln sehen, während sie auf der Veranda saß. Sie war bereits komplett angezogen gewesen, also war er davon ausgegangen, dass sie ebenfalls in die Schule gehen würde.
    Vielleicht war sie einfach nur noch nicht hier. Dabei fiel ihm auf, dass er keine Ahnung hatte, ob die Fremde überhaupt ein Auto hatte?
    Wurde sie abgeholt?
    Oder fuhr sie vielleicht, obwohl dass wohl sowas wie ein gesellschaftliches Todesurteil war, mit dem Bus?
    Er nahm sich fest vor, nach ihr Ausschau zu halten...und am nächsten Morgen aufzupassen, wann sie das Haus verließ.

    Rasch zog er seinen Helm ab und ohne auf das Getuschel und die neugieren Blicke der anderen Schüler zu achten, überquerte er den Parkplatz und betrat das Schulgebäude.
    Er schaffte es bis zu seinem Spind.
    Gerade als er dessen Tür geschlossen hatte und einen Blick auf den Stundenplan warf - wo war nochmal der Klassenraum von Mrs. Blake?- holte ihn die Realität wieder ein.

    „Guten Morgen, Matt.“ Abigail hatte ihn gefunden. „Ist dass dein berühmtes Bike?“ Sie deutete fröhlich aus einem der Flurfenster in Richtung Parkplatz. Und natürlich...von hier aus hatte man den perfekten Blick .Sie musste auf der Lauer gelegen haben, damit er ihr nur ja nicht entwischte.
    „Sieht ja nicht nach viel aus, diese Kiste. Aber naja, egal. Immer noch besser als der Bus. Schön, dass es dir besser geht. Wäre doch bescheuert gewesen, gleich den ersten Tag zu verpassen, oder? Du bist mir doch wegen neulich nicht mehr böse, oder? Kensi, Amy und Stacy fanden es übrigens total schade, dass du im Auto so schweigsam warst. Obwohl, Amy steht ja auf den mysteriösen Typ. Also, falls du Interesse hast, da wäre sicher was zu holen. Sie ist da auch nicht so wählerisch, die Gute.“
    „Ähm, also...“ Setzte Matt an, brach aber wieder ab. Was sollte er dazu auch sagen? Er hoffte nur, dass sie sich diese absurde Idee gleich wieder aus dem Kopf schlug.
    Vergnügt hakte sich Abigail, diese hohle Nuss, bei ihm unter und zog ihn mit sich.
    „Na dann komm mal mit,“ plapperte sie munter drauf los. „Ich werde dich jetzt erstmal allen vorstellen. Es hat sich in Windeseile herumgesprochen, dass wir einen neuen Schüler haben. Ich bin mir sicher, die anderen sterben schon vor Neugierde, dich kennen zu lernen. Wäre doch gelacht, wenn du bis zu Mittag nicht der beliebteste Schüler der Schule bist...“
    Abrupt blieb Matt stehen.
    „Nun hör mal gut zu, Abigail. Ich habe keine Lust, allen vorgestellt zu werden. Ich habe keine Lust, der beliebteste Schüler zu sein. Mag schon sein, dass ich hier seit tausend Jahren das erste neue Gesicht an der Schule bin, aber ich habe nicht vor, mich wie ein Hündchen von dir durch das Schulhaus führen zu lassen, nur weil es dir hilft, auf der Beliebtheitsskala nach oben zu klettern.“
    „Ups, erwischt!“, dachte Abigail und versuchte, ein möglichst unschuldiges Gesicht zu machen.
    Einen Augenblick lang schien er nachzudenken, dann fügte er grummelnd hinzu „Wir sind hier nicht in Forks und ich bin nicht Bella Swan, verdammt noch mal.“

    Im selben Augenblick als die Worte seinen Mund verließen, bemerkte Matt den kolossalen Fehler, den er soeben begangen hatte. Und offensichtlich hatte auch sein Gegenüber ihn bemerkt, denn auf Abigails Gesicht breitete sich ein hinterhältiges, breites Grinsen aus.
    „Bella Swan? Forks? So so. Also, als Twilight - Fan hätte ich dich nicht eingeschätzt, Matt. Alle Achtung! Warte ab, bis ich das den anderen Cheerleadern erzähle. Die Mädchen werden dir zu Füßen liegen, man wir Oden und Heldenepen über dich dichten. Über Matt Robertson, den schweigsamen, muffeligen Jungen, der Twilight liebte.“
    Sprachlos starrte Matt sie an, völlig verblüfft über ihre Antwort. Oden? Heldenepen? Bis vor einer Sekunde war er eigentlich davon ausgegangen, dass Abigail schon mit dem Binden ihrer Schnürsenkel voll und ganz geistig ausgefüllt war. Dann aber dämmerte ihm, was sie noch gesagt hatte.
    „Du wirst doch nicht....“ setzte er schwach an, doch Abigail zwinkerte ihm lediglich grinsend zu.
    „Ich wünsche dir einen schönen Tag, Edward!“, rief sie lachend, winkte ihm noch einmal über die Schulter zu und verschwand in der Schülermenge, die sich in inzwischen auf dem Schulflur angesammelt hatte.
    „Twilight, hmm?“ ertönte eine amüsierte, tiefe Stimme hinter him.
    Langsam drehte Matt sich um und blickte in das grinsende Gesicht eines großen, strohblonden Jungen, der in seinem Alter sein musste und lässig an seinem Spind lehnte.
    Einen Augenblick lang lag Matt eine abweisende Bemerkung auf den Lippen, aber es schien nicht so, als wäre der Junge irgendwie darauf aus, einen Streit mit ihm anfangen zu wollen.
    Außerdem war es früh, er war müde und er hatte schlichtweg keine Lust, seinem eigenen Klischee des einzelgängerischen Fremden zu entsprechen.
    „Ach scheiße, meine Exfreundin war verrückt nach diesem Schwachsinn,“ antwortete Matt daher und konnte sich ein kleines Grinsen nicht verkneifen, als er an Stella dachte. „Sie hat mich endlos lang damit zugetextet. Aber weil sie immer ganz begeistert war, dass ich‘s mir ohne zu meckern angehört hab und, hmm, ihre Dankbarkeit durchaus zufriedenstellend ähm...ausgedrückt hat, hab ich‘s über mich ergehen lassen. Keine Ahnung, was ich mir dabei gedacht habe, so einen Stuss hier loszulassen.“
    „Kann ich dir auch nicht sagen, aber ich fühle mit dir. Ich habe drei Schwestern - bei uns gab es zeitweise kein anderes Gesprächsthema mehr.“ Er lachte und streckte Matt die Hand entgegen.
    „Du musst Matt sein. Tut mir übrigens leid dich enttäuschen zu müssen, aber du bist nicht der erste Neue seit tausend Jahren. Ich bin mir ziemlich sicher, dass in unserer Ortschronik eine Familie erwähnt wird, die sich samt ihren zwölf Kindern im Jahre Achtzehnhundertirgendwas hier niedergelassen hat. Also, bilde dir nur nichts ein, wir sind hier fremde Gesichter gewöhnt.“ Er grinste Matte schelmisch an und Matt konnte nicht anders, er grinste zurück und schüttelte ihm die Hand.
    „Nett dich kennenzulernen....?“
    „Jake, aber alle nennen mich nur Fitz,“ erwiderte der Junge und warf einen Blick auf seinen Stundenplan. „Oh, du hast jetzt auch Englisch bei Mrs. Blake. Wenn du willst, bring ich dich hin.“
    „Klar,“ hörte sich Matt sagen und war beinahe ein wenig von sich selbst überrascht. Aber irgendetwas an Fitz gefiel ihm und er war auf jeden Fall eine bessere Begleitung als Abigail.
    „Na dann komm, geheimnisvoller Fremder“. Gemeinsam setzten sie sich in Bewegung. „Ich werde dein Steuermann in den unbekannten Gewässern hier sein. Eine Frage drängt sich aber geradezu noch auf!“
    „Ja...?“ Stirnrunzelnd sah Matt ihn an.
    „Team Edward oder Team Jacob?“



    FS folgt...!
    Ich mag diese Fortsetzung und hoffe, Euch gefällt sie auch.
    Es kann nun allerdings wieder rein wenig dauern, bis es weiter geht, aber sicher nicht vor Mittwoch!
    Ich wünsche allen ein schönes Pfingstwochenende!
    Lg
    Santine


    [CENTER]"[SIZE=3]Do not go gentle into that good night - rage, rage against the dying of the light"[/SIZE] Dylan Thomas[/CENTER]