Forumspiel "Alleinerziehend" Aufgaben Manja1981

  • Wir wohnen nun schon seit 2 Jahren in dieser Wohngegend und mir gefällt es nach wie vor hier. Wir haben kein riesiges Haus, wie die meisten unserer Freunde. Dafür haben sie auch nicht diese tollen Nachbarn und das schon familiäre Zusammenhalten.





    Ein großes Haus könnten wir uns beide schon leisten, denn wir haben beide gut bezahlte Jobs. Malte arbeitet als Entwickler einer großen Softwarefirma und ich arbeite als Sprechstundenhilfe einer angesehenen Frauenarztpraxis hier in der Nähe. Ich arbeite nur sechs Stunden pro Tag, damit noch genug Zeit für die Familie bleibt. In dieser Zeit kümmert sich unsere Nachbarin, gute Freundin und Tagesmutti Bettany liebevoll um unsere kleine Lilli.





    Wir haben gerade unseren dritten Hochzeitstag gemütlich in Zweisamkeit gefeiert und nächsten Monat wird Lilli schon zwei. Wie schnell die Zeit vergeht.
    Dabei dachte ich, dass ich nie einen Mann finden würde der mich mag so wie ich bin. Ich mit meinen roten Haaren, meinen vielen Sommersprossen im Gesicht und meinen furchtbaren Namen. Wie kann man sein Kind auch Elisabeth nennen? Mir war es jedenfalls immer peinlich ihn in der Schulzeit nennen zu müssen. Aber dann, wenn man es gar nicht vermutet und nicht danach sucht, findet man sie. Die Liebe.





    Malte lernte ich auf einen Junggesellenenabend meiner Freundin kennen. Ihn störten meine Sommersprossen nicht, sondern küsste jede einzelne zärtlich davon. Meine roten Haare gefielen ihm so sehr, dass ich sie seitdem öfters offen trage. Malte findet, dass ich damit aussehe wie die untergehende Sonne am Abend. Selbst meinen Namen fand er toll und nannte mit einfach nur Liz. Mir gefiel das alles sehr und ich war total verrückt nach ihm und er nach mir.





    Malte machte mir an unserem Jahrestag unseres ersten Abends einen romantischen Antrag. Wir sind in dasselbe Lokal von vor einem Jahr gegangen und er ließ sich mitten auf der Tanzfläche auf die Knie fallen und holte ein kleines rotes samtiges Kästchen heraus.
    Natürlich nahm ich seinen Heiratsantrag an und die Trauung fand ganz altmodisch in einer wunderschönen alten Kirche statt. Wir feierten mit unsern Freunden und Verwandten und es wurde ein unvergesslicher Augenblick für uns.
    Zu unserem perfekten Glück fehlte nur noch das trappeln kleiner Kinderfüße.
    Bereits nach wenigen Wochen unserer Hochzeit wurde ich schwanger. Ich hatte ein wunderschöne Zeit während der Schwangerschaft. Es lief alles ganz unkompliziert dank meiner Chefin.
    In der Regel laufen die Tage immer gleich ab.





    Morgens sitzen wir gemütlich am Frühstückstisch und nehmen zusammen das leckere Frühstück ein. Wir wechseln uns immer ab mit dem Essen machen. Wir sind schon ein eingespieltes Team. Anschließend fährt Malte mit dem Auto in die Firma und Lilli und ich winken ihm noch an der Tür hinterher. Anschließend bringe ich Lilli zu Tante Brittany rüber, wo auch schon die anderen Kinder auf sie sehnsüchtig warten.
    Ich selbst ging zu Fuß zur Praxis, die drei Straßen entfernt von unserer Wohnung lag.
    Nach Feierabend hole ich Lilli wieder ab, die manchmal gar nicht mit nach Hause möchte.
    Dann spielen wir bei uns zu Hause weiter und kümmere mich nebenbei etwas um den Haushalt. Wir könnten auch eine Putzfrau einstellen, aber ich mag es nicht wenn jemand fremdes in unserer Eigentumswohnung umher putzt. Das mache ich lieber alleine.





    Manchmal stehen Lilli und ich abends vor dem Fenster und warten sehnsüchtig auf das Familienoberhaupt. Dann ist Lilli gar nicht mehr zu bremsen und lasse sie dann runter, damit sie zu ihrem Papa in die Arme laufen kann.
    Abends sitzen wir wieder in unserer Küche zum Essen und dann ist auch schon Schlafenszeit für die kleine Lilli. Sie ist dann auch meistens sehr müde durch das viele spielen und schläft bereits bei den ersten Tönen des Schlafliedes ein. Malte streichelt ihr oft vorher noch mal über den Kopf und küsst sie sanft auf die Stirn. Er ist ein liebevoller Vater und Ehemann.





    Endlich Freizeit für die Eltern. Wir machen es uns dann oft auf der Couch gemütlich und tauschen unsere Geschehnisse von dem Arbeitstag aus oder schauen fern. Dabei kuscheln wir uns aneinander und manchmal versinken wir in atemberaubende Küsse.





    Viele hielten uns für die perfekte Familie. Aber ist das wirklich so?



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    Eure Manja

  • Heute war wieder ein Tag wie jeder andere.
    In der Praxis ging es wieder stressig zu, aber ich liebe meine Arbeit über alles. Gerade heute war wieder eine frisch gebackene Mutti mit ihrem süßen Baby vorbei gekommen, um sich noch mal für die nette Betreuung während der Schwangerschaft zu bedanken. Ich bin dann immer ganz entzückt von den Winzlingen und stelle mir dann vor, wie es ist noch mal Mama zu werden. Noch meinen Gedanken nachhängend drücke ich auf die Türklingel von Bettanys Heim. Sofort höre ein Gegacker und Gequitsche hinter der Tür. Lilli scheint mich schon zu erwarten. Die Tür geht auf und ich bücke mich, um meinen kleinen Sonnenschein in den Arm zu nehmen. Wie immer möchte sie mir alles auf einmal von ihrem schönen Tag berichten und es kommt wieder nur Kauderwelsch aus ihrem Munde. Lachend verabschiede ich mich von Bettany und wir gehen eine Tür weiter in unsere kleine Wohnung.





    Lilli möchte gleich weiter spielen und da es noch schönes Wetter draußen ist, setze ich sie in den Sandkasten hinterm Haus. In der Tür beobachte ich sie noch kurz wie sie anfängt einen Kuchen aus Sand zu machen.
    Jetzt wird es aber höchste Zeit für den Haushalt. Ich habe mir heute viel vorgenommen. Ich muss wieder eine Grundreinigung ins Haus bekommen, denn die letzten Tage sind wir oft unterwegs gewesen. Das schöne Wetter mussten wir einfach ausnutzen und so kam der Haushalt zu kurz.
    Zuerst gehe ich nach oben und ziehe mir etwas anderes an. Ich nehme mein Freizeitdress aus dem Schrank und werfe es mir über. Er ist schon etwa ausgeschlabbert aber für den Hausputz ist es gerade richtig.
    Ich hole das Bügelbrett hervor und fange an zu bügeln.





    Zwischendurch muss ich aber schon das Abendessen vorbereiten und mich um Lilli kümmern.
    Als Mutter, Hausfrau und Ehefrau ist es oft nicht einfach allem gerecht zu werden. Gerade als ich verschwitzt durch das viele Bügeln, befleckt vom Abendessen machen und zerzaust vom ständigen hin und her laufen zwischen Herd und Sandkasten in der Küche stehe, höre ich den Schlüssel im Türschloss und Malte und eine, mir unbekannte, Frau kommen herein. Ich lege das Messer, mit dem ich gerade ein paar Sandwiches schmierte, beiseite und begrüße Malte mit einem kleinen flüchtigen Kuss.





    Er drückt mich kurz an sich und stellte dann die Frau als seine neue Assistentin vor.
    „Guten Abend. Ich bin Tanja Sohlt und freue mich sie kennen zu lernen.“
    Verwirrt drücke ich ihre Hand, die sie mir entgegen hält und nicke ihr zu.
    Sie sieht sehr gut aus. Sie hat lange blonde Haare die sehr schön ihr zartes Gesicht umringen und ist sehr elegant gekleidet.
    Mir hingegen ist es ziemlich peinlich, wie ich hier so vor ihr stand. Im Schlabber-Look mit bekleckertem T-Shirt und einer Jogginghose, in der ich einen dicken Hintern hatte.
    Ich sehe Malte mit einem verwunderten Ausdruck im Gesicht an.





    Er hingegen strahlt über das ganze Gesicht.
    Noch bevor ich vor Neugier platzen konnte, klärt mich Malte über unseren Besuch auf.
    „Ich wurde befördert und in eine höhere Abteilung versetzt und Tanja wurde mir als neue Assistentin und Dolmetscherin zur Seite gestellt.“
    „Oh, das ist ja wunderbar.“ freue ich mich nun auch und es ist mir etwas unangenehm, dass diese Frau uns bei diesem schönen Augenblick beobachtet.
    Nach einer Weile wendet sich die Dame an mein Ehemann. „Ok, Malte. Ich muss dann auch nach Hause meine Tasche packen und sehen uns dann morgen früh am Flughafen.“ ich setze wieder meinen verwirrten Gesichtsausdruck auf und sehe Tanja Sohlt, die durch die Haustür nach draußen tritt, nach.





    „Was hat das zu bedeuten?“ ich sehe zu Malte auf.
    „Ähm, da gibt es noch einen kleinen Haken. Ich muss für meine neue Stelle für ein Jahr ein Auslandspraktikum in Lake-Side absolvieren.“
    Uff. Das ist 19 Flugstunden von hier entfernt. Es dauert eine Weile bis es „Klick“ gemacht hat.
    „Dann … dann bist du für ein Jahr weg? Ich meine ganz weg? Richtig weg?“ stottere ich.
    „Ja, Liz. Ich möchte für uns ein besseres Leben, ein schönes Haus für uns kaufen und verreisen. Deshalb habe ich diese Möglichkeit für einen besseren Job auch in Erwägung gezogen und ihn sofort angenommen.“
    „Aber ich will kein Haus. Ich möchte nicht von hier weg. Mir gefällt es hier.“
    „Ach Liz.“ seufzt Malte und will mich in den Arm nehmen.





    Ich blocke seine Umarmung ab und baue mich vor ihm auf. Ich bin wütend darüber, dass er eine so wichtige Entscheidung, ohne vorher mit mir darüber gesprochen zu haben, gefällt hat.
    „Warum hast du nicht vorher mit mir darüber gesprochen? Ich verstehe dich nicht. Ich dachte immer, dass du auch mit unserer Lebenssituation zufrieden bist.“
    Enttäuschung macht sich bei mir breit und tränen füllen meine Augen.
    „Aber was ist, wenn wir ein zweites Kind bekommen. Hier ist einfach zu wenig platzt und das weißt du auch, Liz. Du sehnst dich auch nach einen schönen Urlaub. Seid wir uns kennen waren wir noch nicht einmal zusammen weg.“
    „Und die fünf Tage bei Tante Rachel zählen nicht.“ fügt Malte noch hinzu.
    Darauf weiß ich kein Gegenargument mehr und insgeheim weiß ich, dass er Recht hat.
    „Hast du dabei auch an Lilli und mich gedacht? Was wird aus uns?“





    „Glaubst du ich hätte den Job angenommen wenn ich nicht genau wüsste, dass ihr zu Recht kommt? Ich würde nie etwas tun was euch schaden könnte, Liz. Ihr beide seid mein ein und alles. Ich liebe euch.“
    Bei diesen Worten kullern dann endgültig die vielen aufgestauten Tränen meine Wange hinunter und ich lasse es dieses Mal zu, dass er mich in den Arm nimmt.
    So kommt es, dass wir Malte am nächsten Morgen mit hinaus begleiten. Das Auto ist mit Koffern gepackt und Tanja Sohlt sitzt ungeduldig hinter dem Lenkrad.
    Eine letzte Umarmung, eine letzte Berührung, ein letzter Kuss und Malte steigt ins Auto und fährt davon.





    Davon aus unserem Leben für ein volles ganzes Jahr ….




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    Eure Manja

  • Malte ist nun schon seit 2 Monaten weg. Der Alltag bleibt aber der Gleiche, nur dass Lilli abends vergeblich auf ihren Papa wartet. Es ist auch schwierig das einem zweijährigen Kind verständlich zu machen, dass der Papa für eine lange Zeit nicht nach Hause kommt. Und so kommen mir auch immer mehr Zweifel. Würde er zurückkommen? Würde Lilli ihn wieder erkennen? Würde alles wieder so sein wie früher?
    Bettany hilft mir in dieser Zeit sehr. Wir führen immer wieder tolle Gespräche, in denen sie mich immer wieder aufbaut und mir Mut macht.





    Ich erzähle ihr auch, dass es mir finanziell nicht so gut geht. Malte will mir zwar ab und an Geld zukommen lassen, aber leider klappt das alles nicht so recht und so bin ich auf mich alleine gestellt. Bald ist unser Erspartes aufgebraucht und allein mein Gehalt reicht nicht aus, um unsere monatlichen Kosten zu decken. Malte will ich meine Sorgen ersparen, da ich weiß, dass es ihm genauso schwer ergeht, da er von uns getrennt ist. Außerdem hat er sehr viel zu tun und arbeitet fast zwölf Stunden pro Tag.
    Ich weiß einfach nicht mehr weiter und freue mich umso mehr, dass Bettany die Lösung für mein Problem parat hat.





    „Wie wäre es, wenn Lilli und du für die letzten zehn Monate zu mir zieht und eure Wohnung solange vermieten würdet.“
    Zuerst stutze ich über ihren Vorschlag. Soll ich ihn annehmen? Würde es ihr nicht zu viel werden? Aber was bleibt mir anderes übrig? Unsere Wohnung kann ich nicht, ohne überhaupt mit Malte darüber gesprochen zu haben, einfach so verkaufen. Außerdem ist er in zehn Monaten wieder da und dann würde es sowieso wieder Berg auf gehen. Da bin ich mir ganz sicher.
    Somit nehme ich Bettanys Angebot an und schon am nächsten Wochenende ziehe ich mit unseren wichtigsten Sachen zu Bettany in die Wohnung. Ich habe im Keller noch ein paar alte Kartons gefunden, die ich mit unseren Krims befülle.





    Beim Umzug hilft mir ein netter junger Mann aus der Nachbarschaft, der auf der Suche nach einer Zwischenwohnung ist, da sein eigenes Heim grundrenoviert wird. Er zieht bei uns für diese kurze Zeit ein und bin über seine Hilfe sehr froh, da die Kartons doch sehr schwer sind.
    Doch unsere kleine Lilli mutiert zum Schrei- und Bockkind. Sie ist in einer dieser Phasen, wo die Kinder die Grenzen der Eltern bis zum äußersten austesten. Dies ist mir vor Bettany sehr unangenehm. Sie hat durch die langjährige Arbeit mit den Kindern schon viel Erfahrung mit diesen Situationen und hat daher Lilli ganz gut im Griff. Sie lenkt sie oft mit kleineren Spielen von ihren Wutausbrüchen ab.





    Doch sobald ich sie „abhole“ bzw. mit zu mir ins Zimmer nehme, bricht das Chaos aus. Sie will unbedingt ihren Willen durchsetzen und wenn ich es ihr verweigere, schreit sie wie am Spieß. Wie Bettany das mit uns aushält ist mir ein Rätsel.
    Auch abends, wenn ich Lilli ins Bett bringen will, weigert sie sich so sehr, dass ich schon beim Schlafanzug anziehen Probleme habe. Nachdem ich sie dann endlich mit unzähligen Ablenkungsmanövern ins Schlafzeug bugsiert habe, lege ich sie wie immer ins kuschelweiche Bettchen. Doch kaum drehe ich mich um, steht sie wie wild am Gitter und rüttelt daran und bekommt wieder eine Schreiattacke.





    Ihr fehlt sicher auch ihr Papa. Er hat ihr immer noch einen Gute-Nacht-Kuss gegeben oder in den Schlaf gewiegt. So bleibt mir nichts anderes übrig, als Lilli aus dem Bett zu nehmen und sie auf dem Arm in den Schlaf zu singen. Ich weiß, dass es nicht richtig ist und sich Lilli schnell daran gewöhnen wird und dann nur noch so ins Bett gebracht werden will, aber heute habe ich wieder einen anstrengenden Tag hinter mir und alles alleine managen ist doch hart. Ich möchte auch nicht Bettany damit belasten. Sie ist sicherlich auch froh, wenn sie mal ihre Füße hoch legen und sich entspannen konnte. Was sie auch sehr oft tut, wie sie mir mal erzählte.





    Abends, wenn ich alleine im Bett liege, fühle ich mich sehr einsam. Ich verspüre dabei oft den Drang, einfach Lilli aus dem Gitterbettchen zu nehmen und mit zu mir in mein Bett zu holen. Aber ich will nicht, dass sie sich daran gewöhnt und dann gar nicht mehr alleine schläft. Es ist nicht einfach alleine ein Kind groß zu ziehen und fühle mich dabei irgendwie von Malte im Stich gelassen, obwohl er eigentlich nur das Beste für uns will. Aber was war das Beste??






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    Eure Manja

  • Es sind einige Monate vergangen und Lilli und ich sind ein eingespieltes Team geworden. Die schwierige Phase scheint wohl erst mal vorbei zu seien. Sicher wird sie sich auch bald wieder einschleichen, aber im Moment läuft alles prima. Sie hört auf das was ich sage und ich nehme mir viel Zeit für sie. Wir gehen oft nach der Arbeit noch mal in den Park oder buddeln gemeinsam im Sandkasten. Oft nehme ich sie einfach in den Arm und bin glücklich, dass ich sie habe und wenn sie mir dann ein „Hab dich lieb, Mama“ ins Ohr flüstert, ist meine Freude grenzenlos.





    Dennoch habe ich abends, wenn ich alleine im Bett liege, immer öfters dieses komische Gefühl. Ich bin alleine und sehne mich nach Malte. Immer wieder kommt dieses Gefühl hoch im Stich gelassen zu sein. Er hat sich erste einmal gemeldet in dieser langen Zeit und manchmal denke ich, dass das mit der Versetzung nur ein Vorwand gewesen ist, um von uns weg zu kommen. Männer haben ja oft die Phase des Austobens und Frei seien zu können noch mal im fortgeschrittenen Alter. Ist das bei Malte auch so?
    Und dann ist da noch diese sehr gut aussehende Tanja Sohlt…





    Leider bleibt mir nicht sehr oft Zeit darüber nachzudenken, denn es quälen mich noch andere Sorgen. Das liebe Geld bereitet mir oft Kopfzerbrechen.
    Unser Haus frist uns auf. Immer wieder ging etwas kaputt. Es vergeht fast keine Woche, wo unser netter Untermieter Kai nicht vor der Tür steht und wieder berichtet, dass was nicht in Ordnung sei. Ob es die kaputte Wasserleitung im Bad ist oder die Balkontür, die nicht mehr schließt, jedes Mal etwas anderes. Ich mache Kai auch keinen Vorwurf. Er kann immerhin nichts dafür. Nein. Es ist mir eher etwas peinlich, dass er sich auch mit diesen Vorfällen rumschlagen muss. Er ist sehr nett und repariert oft die Sachen alleine, aber das Material dafür muss ich trotzdem kaufen und das ist alles sehr teuer.





    Allein die letzte Baumarkt-Rechnung beläuft sich auf fast tausend Euro. Ich bin froh, dass ich diese Rechnung in Raten zahlen kann. Ich hätte ansonsten gar nicht gewusst, wie ich es hätte sonst bezahlen sollen.
    Als kleine Entschädigung für die vielen Dinge, die Kai in unserer Wohnung repariert hat, lade ich ihn eines Abends zum Essen ein. Bettany ist zu ihren Freundinnen gegangen und somit ist das eine tolle Gelegenheit dafür mich zu bedanken.
    Lilli lege ich an diesem Abend pünktlich ins Bett und bin froh, dass sie sich sofort auf die Seite kuschelt und nicht lange später einschläft.





    Ich mache uns Nudeln in Käsesoße. Das kann ich mir gerade noch leisten und außerdem ist es was ich sehr gut konnte. Kai steht pünktlich um sieben vor der Tür. Ich begrüße ihn mit einer freundschaftlichen Umarmung und lasse ihn herein. Wir setzen uns an den runden Tisch in Bettanys kleiner Küche. Das Essen scheint ihm sehr zu schmecken und wir unterhalten uns über viele verschiedene Sachen. Kai lenkt mich für einen Abend von meinen Sorgen ab. Irgendwie kommen wir auch darauf zu sprechen und ich erzähle ihm meine Probleme mit Lilli, Malte, dem Haus und natürlich dem Geld.
    Er hört sich alles an und verstand meine Ängste.





    Die Zeit vergeht sehr schnell und als ich gähnend auf die Uhr schaue, erschrecke ich etwas. Kai steht sofort auf, denn auch er muss wieder rüber. Genauso wie ich muss auch er morgen wieder früh raus. Er hilft mir noch beim Abräumen und verabschiede mich anschließend von ihm. Er drückt mich an sich und flüstert mir ins Ohr, dass alles gut werden würde.
    „Und wenn du mich brauchst, bin ich für dich da.“
    Irgendwie beruhigen mich seine Worte und ich lächelte ihn an.
    Gerade als ich mich abwenden will, zieht mich Kai zu sich heran und küsst mich einfach.
    Ich bin so überrumpelt, dass ich mich gar nicht wehre. Als mich Kai wieder los lässt, sehen wir uns beide an.





    In seinen Augen sehe ich genauso viel Verwirrung, wie ich sie gerade fühle. Kai entschuldigt sich sofort und sucht nach einer Erklärung für diesen Kuss.
    „Liz, ich … es tut mir leid. Dein Lächeln hatte mich irgendwie verzaubert.“
    Verlegen kratz er sich am Kopf und sieht auf seine Füße.
    Er weiß natürlich, dass ich verheiratet bin und dass ich Malte nach wie vor liebe. Ich würde ihn nie betrügen und Kai ist sich dem bewusst.
    Ich beruhigte ihn und erkläre ihm, dass ich ebenfalls sehr überrascht darüber bin und nichts für ihn empfinde. Er atmet sichtlich auf und wie einigten uns darauf nicht weiter darüber zu sprechen und diese „Sache“ einfach vergessen …






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    Eure Manja

  • Einige Zeit später ...



    Heute ist es endlich soweit. Heute ist der erste Schultag für Lilli.
    Ich umarme sie noch, bevor sie in den großen gelben Bus steigt. Ich seufze leicht. Wie schnell doch die Zeit vergangen ist. Jetzt ist sie schon ein großes Mädchen und es fällt mir immer noch schwer los zu lassen. Wenn ich sie ansehe, erkenne ich oft Malte in ihr wieder. Dann werde ich schmerzlich an diese schlimme Zeit erinnert, in der er uns in Stich gelassen hat. Was für ein Schuft. Ich hätte nie gedacht, dass er zu so was fähig ist. Aber da sieht man mal wieder, wie schnell sich doch ein Mensch verändern kann.
    Aber ich habe mich auch verändert. Und äußerlich ist das auch nicht mehr zu übersehen.
    Der Bauch wirkt sich sehr störend auf den Alltag aus und das kleine Leben in mir gehört jetzt zu unserem Leben.





    Ich kann es immer noch nicht glauben. Es hat sich alles verändert. Wir wohnen seit einem Jahr in diesem tollen Haus. Mein Schatz hat es für uns gefunden und ich bin rundum zufrieden damit. Lilli hat sich schnell an die neue Umgebung gewöhnt und hat viele neue Freunde kennen gelernt.
    Mit einem Lächeln im Gesicht gehe ich in unser Haus zurück. Der Frühstückstisch ist noch gedeckt und wartet darauf abgeräumt zu werden. Ich mache mich ans Werk und stelle nebenbei den Wasserkocher an, denn Bettany dürfte jeden Moment da sein. Sie ist uns über die vielen Jahre sehr ans Herz gewachsen und gehört schon lange zu unserer Familie. Sie freut sich natürlich auch auf das Kind in meinem Bauch. Bettany wird natürlich unseren kleinen Schatz betreuen, wenn ich wieder zur Arbeit gehe.





    Ich stelle uns die zwei Tassen auf den Tisch und dann klingelt es auch schon an der Tür.
    Es ein wunderschöner Tag und die Sonnenstrahlen fallen ins Haus hinein, als ich die vordere Haustür öffne. Wir fallen uns in die Arme und Bettany bewundert meinen runden Bauch.
    „Bald ist es soweit, nicht wahr?“
    „Ja, noch zwei Wochen. Ich bin ja so aufgeregt.“
    „Das wäre ich an deiner Stelle auch. Aber du brauchst dir keine Sorgen zu machen. Bisher ist alles gut verlaufen. Da schaffst du den kleinen Rest auch noch.“
    Ich trank einen Schluck von dem Tee, der wohlig meinen Hals hinunter läuft.
    „Und wie läuft es mit Malte?“, wollte Bettany wissen.
    Ich seufze. „Malte hat wie immer nur die Arbeit im Kopf. Seit er von diesem Auslands-dings-bums wieder zurück ist, schuftet er wie ein Wolf. Jeden Tag. Und ich meine auch wirklich jeden Tag. Auch am Wochenende. Wie dieses Baby zustande gekommen ist, ist mir ein Rätsel.“ Wir lachen beide über meinen Witz, aber insgeheim wusste ich, dass es nicht zum Lachen ist.





    Malte ist tatsächlich nach den zwölf Monaten zurück zu uns gekommen. Aber die harte Arbeit hat ihn sehr verändert. Er ist nicht mehr der lebenslustige und spontane Mann, den ich vor langer Zeit kennen gelernt habe. Ich habe ihn natürlich darauf angesprochen, aber er will davon nichts wissen. Er antwortet nur, dass er möchte, dass wir finanziell abgesichert sind und ein schönes Leben haben. Leider ist es im Moment gar nicht schön, sondern eher einsam.
    Lilli bekommt von dem allem nicht so viel mit. Das ist auch gut so. Ansonsten würde ich auch andere Maßnahmen einleiten. Ein bisschen hoffe ich auch, dass wenn das Baby da ist, sich etwas verändern wird.
    Ich zeige Bettany das frisch eingerichtete Kinderzimmer und wir rätseln was es nun werden würde. Das habe ich bisher noch nicht erfahren und bei den letzten Untersuchungen wollte ich es dann auch nicht mehr wissen. Ich möchte mich überraschen lassen, denn eigentlich ist es ja egal, solange es gesund zur Welt kommt.





    Wir diskutieren noch eine Weile über den neuen Babyladen in der Stadt. Leider wurden wir von dem nervigen Telefon unterbrochen. Ich entschuldige mich bei Bettany und lasse sie in dem Kinderzimmer alleine.
    „Frau Kinnley?“, fragte mich eine junge Frauenstimme.
    „Ja, am Apparat.“
    „Ich bin Schwester Tina aus dem Stankt Moritz Krankenhaus. Es tut mir leid, ihnen sagen zu müssen, dass ihr Mann einen Autounfall hatte und dabei lebensgefährlich verletzt wurde.“
    Für einen kurzen Moment setzt mein Herzschlag aus und meine Stimme fängt an zu zittern, als ich nachfragte wie das passieren konnte. Darauf bekomme ich natürlich keine Antwort, dass würde sich besser vor Ort klären können. Ich lasse den Arm samt Telefon sinken und höre der Stimme aus dem Hörer nicht mehr zu.





    Wie eine Furie renne ich los und greife dabei nach meiner Handtasche. Brittany weihe ich mit einer Kurzfassung vom Telefongespräch ein und laufe weiter zum Auto.
    Mit quietschenden Reifen fahre ich die Einfahrt hinunter und sause in Richtung Krankenhaus davon.
    Nach etwa zwanzig Minuten komme ich endlich an. Ein Wunder, dass ich noch geschafft habe den Motor aus zu machen.
    Bei der Rezeption erfahre ich, dass Malte jeden Moment aus dem OP kommen soll und der zuständige Arzt gleich für mich zu sprechen sei. Während dessen setzte ich mich in den Wartebereich. Doch lange halte ich das nicht aus. Ich bin noch nie gut im Warten gewesen und stehe deshalb auf und gehe diesen langen kahlen weißen Gang auf und ab. Als sich nach einer Stunde immer noch nichts tut, werde ich zunehmend unruhiger. Es muss ihn wohl sehr schlimm erwischt haben, wenn sie so lange brauchen. Ist das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen? Viele schlimme Gedanken gehen durch meinen Kopf.





    Dann muss ich mich doch kurz hinsetzen, da ich den stechenden Schmerz in meinem Rücken nicht mehr aushalte. Ich hatte diesen schon die ganze Zeit über ignoriert und durch die Aufregung wird es immer schlimmer. Als ich dann wieder aufstehen wollte, um bei der Schwester an der Rezeption noch mal nachzufragen, lief warmes Wasser meine Beine entlang und mir wurde schwindelig.
    Gleich darauf kam eine Schwester auf mich zugelaufen und verständigt einen Arzt. Erst dann wird mir klar, was gerade mit mir passiert. Meine Fruchtblase ist geplatzt und ich bekomme das Baby. Ich war zu geschwächt um zu protestieren oder um nachzufragen wie es Malte geht.
    Die Schmerzmittel geben mir den Rest, aber dafür verläuft die Geburt relativ problemlos.
    Die Hebamme legt den kleinen Jungen in meine Arme und Tränen laufen über mein Gesicht. Es sind Tränen der Erleichterung und von Trauer.





    Danach sinke ich vor Erschöpfung zusammen. Ich muss wohl für einen Moment bewusstlos gewesen sein, denn als ich zu mir komme, steht ein Mann in meinem Zimmer. Zuerst denke ich es ist Malte, aber als meine Augen wieder klar sehen können erkenne ich ihn.
    „Was machst du denn hier?“, frage ich ihn erstaunt.
    „Ich habe es von Bettany gehört. Wie geht es dir?“
    Ich rappel mich vom Bett hoch und gehe mit Tränen in den Augen auf seine Arme zu. Kai tröstet mich liebevoll und drückt mich an sich. Ich lasse meine aufgestaute Angst und Ungewissheit bei ihm aus. Er sagt kein Wort und dafür bin ich ihm dankbar. So muss ich ihm nichts erklären und meinen Kummer in Worte fassen.





    Eine Schwester kommt herein und nimmt den kleinen Benjamin für eine Untersuchung mit sich. Ich will mich gerade ihr anschließen, als der Arzt in der Tür steht und mich sprechen will. Ich sehe zu Kai, der sich hinter mich stellt und mir Kraft gibt. Ein kleines Nicken zum Arzt bestätigt, dass ich bereit für seine Nachricht bin.
    „Frau Kinnley, es tut mir Leid, aber ihr Mann hat die Operation nicht überstanden. Wir haben alles getan was in unserer Macht stand, aber die Verletzungen durch den Unfall waren zu groß. Es tut mir aufrichtig Leid.“, entschuldigt sich der Arzt noch mal bei mir und verläst dann das Zimmer und zurück bleibt eine Witwe und zwei vaterlose Kinder.
    „Keine Angst Liz, ich werde immer für euch da sein. Ich liebe euch.“, flüstert Kai mir ins Ohr bevor ich erneut in einen Heulkrampf falle …



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    So, das war die letzte Aufgabe und ich hoffe es hat Euch ein wenig gefallen.
    Ich habe mit Absicht ein "offenes Ende" gewählt und möchte mich bei den vielen Lesern und die Karmaspenden bedanken.

    Eure Manja