Beiträge von Llynya

    Heute war es passenderweise:


    Taking care of Business - Bachmann Turner Overdrive


    Also nicht gerade das, was man hören will, wenn man eh schon keine Motivation zur Arbeit hat. :D

    Und so lief der Tag dann auch. Klar, könnte man jetzt sagen, dass die Einstellung schon schuld ist und man nur das bekommt was man erwartet hat, aber da es nicht immer so läuft... Ich mag mein morgendliches Ritual trotzdem. ;)

    Also, schon seit langer Zeit mache ich morgens immer so ein Fragespiel mit dem Radio. Ich stell immer die Frage "Was ist mein Lied des Tages?" und das nächste Lied, was ich bewusst mitbekomme wird es dann. Damit versuche ich immer abzuschätzen, wie der Tag so wird. Mag ich das Lied, wird es ein guter Tag, mag ich es nicht oder ist der Text zu nichtssagend, wird es ein doofer Tag. Stimmt natürlich nicht immer, aber ich mache es gerne und würde natürlich auch gerne wissen, was bei anderen so rauskommt. :S;)Häufig vergesse ich auch ganz schnell was es morgens gewesen ist, aber ich dachte mir gerade "vielleicht kann ich es hier ja festhalten".


    Also heute morgen hat mich mein Radio mit


    ACDC - Highway to hell


    beglückt. Fand ich natürlich gut, weil erstens ACDC und dann mag ich auch noch den Text. Und mein Tag heute war auch nicht so schlecht. Ich versuch halt immer noch so ein bisschen rein zu interpretieren, aber heute war es einfach nur ein guter Tag zu einem guten Lied. Auf dem Weg zur Hölle bin ich ja eh, warum also nicht die Autobahn nehmen. ^^

    Kommt darauf an, ob es gleich soweit ist. Ich will ja nix verraten. :saint:

    Auf jeden Fall kommt als nächstes mein Lieblingskapitel mit dem Titelgebenden Lied. :)

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    I see all the angry faces

    Afraid that could be you and me

    Talkin' about what might have been

    I'm thinkin' about what it used to be

    (Robert Tepper – No easy way out)





    „Und du glaubst wirklich, dass er uns helfen würde?“ Wir hatten uns auf die Treppen gesetzt und scheinbar hatte Annabelle vergessen, dass sie eigentlich schon wieder auf dem Weg nach Hause sein müsste.

    Ich nickte. „Ja, das denke ich schon. Das ist schließlich sein Job.“

    „Aber wie sollen wir ihn bezahlen? Ich meine, er will sicher Geld haben und das haben wir nicht. Es sei denn du hast hier ein Vermögen versteckt. Das würde allerdings all unsere Probleme lösen.“

    „Tut mir Leid, aber nein. Hier gibt es nichts außer Spinnweben und verfallene Möbel.“

    „Wehe wenn das nicht stimmt.“ Sie zwinkerte mir zu. „Das wäre sonst ein ganz schöner Vertrauensbruch.“





    Ich lachte. „Keine Sorge. Das ist die ganze Wahrheit über meine finanzielle Situation.“

    „Dann bleibt eben doch die Frage, wie schaffen wir es das dieser Assassine uns hilft.“ Sie stockte kurz bei dem Wort Assassine, aber das hielt sie nicht davon ab weiter zu sprechen. „Ich kann kaum auf dem Markt Lebensmittel einkaufen, weil kein Geld da ist. Wie soll ich dann genug davon aufbringen, um dem Mann seinen Dienst zu bezahlen?“

    „Vielleicht kann ich ihn überzeugen.“

    „Und wie? Denkst du, dass er nur aus reiner Gutherzigkeit helfen wird?“ Sie klang skeptisch.

    „Natürlich nicht. Ich dachte auch nicht unbedingt daran, ihn damit zu überreden. Ich dachte eher daran, dass ich ihm ein wenig Angst mache. Ich bin schließlich nicht wirklich ein Mensch.“

    „Meinst du ernsthaft, dass du das kannst? Ich weiß ja nicht, wie das gehen soll.“





    „Lass das nur meine Sorge sein. Ich habe da schon eine Idee.“ Eigentlich hatte ich ihn ja schon überzeugt, aber das musste sie ja nicht wissen. Für einen Moment hatte ich ein schlechtes Gewissen, für all die Lügen, die ich ihr erzählen musste. Aber dann bekämpfte ich das Gefühl. Ich hatte keine andere Wahl.

    „Aber ich will nicht, dass du dich in Schwierigkeiten bringst. Es reicht doch schon, dass ich in dieser Misere stecke.“ Sie sah mich ernst an und ich fühlte eine Welle der Zuneigung zu dieser Frau.

    „Was sollte er schon mit mir machen? Er kann mich nicht verletzen. Das ist einer der Vorteile an meinem Dasein.“ Ich brachte das Wort Geist nicht mehr über die Lippen.

    „Aber wer weiß, was er sonst noch machen kann.“ Der ernste Blick wich nicht aus ihrem Gesicht.





    „Mach dir bitte keine Sorgen. Ich werde vorsichtig sein und wenn ich nicht erfolgreich bin, dann lassen wir uns etwas anderes einfallen. Wir haben ja sowieso noch das Problem mit dem Hof.“

    Sie nickte. „Ja, dafür brauchen wir auch noch eine Lösung.“

    „Wir finden eine.“ Ich versuchte sie zu überzeugen.

    „Bestimmt. Aber es schadet bestimmt nicht, schon mal mit dem Mann zu sprechen. Vielleicht kann er uns ja auch gar nicht helfen oder er lehnt den Auftrag von vornherein ab.“





    „Das glaube ich nicht. Er scheint sehr professionell zu sein.“

    „Das mag wohl sein, aber wenn wir ihn nicht mit Geld bezahlen, wer weiß.“ Annabelle sah hinauf zum Himmel. „Ich bin schon viel zu lange hier. Ich muss jetzt wirklich gehen. Danke dir, dass du dich darum kümmerst.“ Sie gab mir einen Kuss auf die Wange und stand dann auf.

    „Das ist doch selbstverständlich. Sei vorsichtig und passe auf dich auf.“

    „Mach ich doch immer. Bis bald und melde dich, wenn du etwas Neues weißt.“

    „Natürlich. Bis dann.“ Ich sah ihr noch lange nach, auch nachdem sie schon längst zwischen den Bäumen verschwunden war.





    Ein paar Tage später fand unser recht ungewöhnliches Treffen statt. Sowohl Annabelle als auch Hugh hatten Zeit gefunden sich an einen neutralen Ort zu treffen. Ich war nervös und aufgeregt, weil sich die Beiden zum ersten Mal mit dem Wissen von einander trafen und ich konnte nur hoffen, dass Hugh kein Wort über meine wahre Natur verriet.

    „Einen wunderschönen guten Tag, die Herrschaften.“ Hugh klang spöttisch, als er die kleine Lichtung betrat. Aber inzwischen kannte ich ihn ein wenig und wusste, dass es nur seine Art war mit Kunden umzugehen. Nur nicht zu viel von sich selbst enthüllen und immer schön zeigen, dass er überlegen war.

    Da Hugh mich immer noch nicht sehen konnte, mussten wir ein wenig improvisieren. Ich hoffte nur, dass seine Instinkte ihn nicht verließen.





    „Hallo Hugh“, begrüßte ich ihn, während Annabelle neben mir schwieg. Ich war mir nicht sicher, ob sie nicht doch einen Rückzieher machen würde.

    „Lucien, schön dich zu sehen.“ Ich hörte die Ironie in seiner Stimme. „Und das ist also Annabelle. Ich muss sagen, ich hatte mir so etwas schon gedacht, als du mich im Turm überrascht hast.“

    „Warum?“ Annabelle klang eisig. Ich spürte ihr Misstrauen jemanden gegenüber, von dem sie wusste, dass er Menschen für Geld tötete.

    „Du hattest diesen verzweifelten Blick und ich wusste, dass du früher oder später diesen Weg einschlagen würdest. Ich mache diesen Beruf schon zu lange, um mich in Menschen zu irren. Allerdings hätte ich nicht so eine verrückte Geschichte erwartet.“

    Annabelle sah ihn skeptisch an. Ich konnte sehen, wie sie versuchte herauszufinden, wie viel Hugh wusste.

    „Er weiß alles. Es ging nicht anders. Ich musste ihm alles erzählen, sonst hätte er sich nicht bereit erklärt, uns hier zu treffen.“





    „Tja, und das war ein ganz schöner Schock für mich. Hat mein Weltbild ein wenig erschüttert. Aber da es hier ums Geschäft geht, ist selbst so eine Geistergeschichte nur nebensächlich.“ Hugh war wirklich ein Profi. „Also wie soll es ablaufen. Soweit ich es verstanden habe, kann Robert noch nicht gleich sterben.“

    Annabelle zuckte bei dem Wort sterben leicht zusammen, aber dann fasste sie sich .„Das ist richtig. Ich muss zuerst den Hof retten und leider muss Robert so lange noch am Leben bleiben.“ Annabelle hörte sich ebenfalls geschäftsmäßig an.

    „Hm, aber muss er dafür frei sein? Wenn sein Name das ist, was die Gläubiger davon abhält den Hof zu übernehmen, dann braucht es doch nicht wirklich viel mehr als ab und an ein Lebenszeichen von ihm, nicht wahr?“





    Das war ein neuer Gedanke. Auf die Idee waren weder Annabelle noch ich gekommen. Etwas verdutzt sahen wir Hugh an, der lächelte.

    „Darauf seid ihr wohl nicht gekommen. Tja, nicht immer ist jedes Problem sofort mit Mord zu lösen. Es gibt genug andere Dinge, die man mit unliebsamen Personen machen kann.“

    „Und wie soll das ablaufen? Ich mein, jemand muss ihn aus dem Weg räumen, sicher verwahren und immer wenn man sein Wort braucht, ihn immer wieder aus der Versenkung holen. Wie soll das funktionieren?“ Annabelle klang mehr als skeptisch und auch ich war etwas überrascht. Ich hatte nicht mit der Lösung gerechnet.

    „Ja, das erfordert etwas mehr als einen einfachen Mord. Aber um es kurz zu machen, auch ich habe noch eine Rechnung mit dem Bastard offen und mir würde es wirklich viel Spaß machen, ein wenig Zeit mit ihm zu verbringen.“ Da war Stahl in Hughs einzigem Auge. Er meinte es wirklich ernst.





    „Und was verlangt Ihr von uns, damit Ihr so einen großen Auftrag übernehmt? Ich kann nicht abschätzen, wie viel Zeit ich brauche um den Hof aus den Schulden zu bekommen.“

    „Das hat Euer freundlicher Geist schon übernommen. Nicht wahr... Lucien?“ Die Pause gefiel mir nicht, aber ich ließ mir nichts anmerken.

    „Ja, ich werde mich an unsere Abmachung halten.“ Ich sagte es in aller Deutlichkeit.

    „Was hast du ihm versprochen?“ Sie klang besorgt.

    „Das erkläre ich dir ein anderes Mal. Jetzt sollten wir uns auf Robert konzentrieren.“ Ich hoffte, sie würde erst mal nicht wieder nachfragen. Ich wusste zwar schon die Antwort auf diese Frage, aber ich wollte nicht, dass Hugh sie hörte. Es war mir zu Riskant.

    „Okay“, sie gab nach. „Wie habt Ihr Euch das Ganze vorgestellt. Wo wollt Ihr Robert lassen? Wie können wir an ihn herankommen, wenn wir ihn brauchen?“

    „Interessant, dass Ihr nicht fragt, wie ich ihn fassen werde. Nein, Ihr braucht auch nicht zu fragen. Ihr werdet mir einfach vertrauen müssen, dass ich meine Arbeit verstehe. Wo ich ihn verstecke? Nun, ich habe da schon einen schönen Platz für ihn gefunden. Und was das an Robert herankommen betrifft, Lucien kann mich kontaktieren. Darin ist er ja gut.“





    Hugh stand auf. „Lasst es mich einfach wissen, wenn ihr beide euch entschieden habt, ob ihr meine Hilfe wollt oder nicht.“ Er hielt sich an den Plan. Wir wollten ja nicht zu vertraut vor Annabelle erscheinen. Zu meinem Leidwesen musste sie denken, dass wir uns nur kurz kannten.

    „Das werden wir.“ Annabelles Stimme klang fest, aber ich spürte den leichten Zweifel dahinter. Sie war sich noch unsicher, das musste ich ändern. Hughs dunkle Gestalt verschwand innerhalb weniger Sekunden in dem Zwielicht des Waldes. Doch ich ging auf Nummer sicher, ehe ich das Wort an Annabelle wendete.

    „Nun, was denkst du?“

    „Ich weiß nicht. Es wäre zu schön um wahr zu sein, wenn das mit der Entführung wirklich funktionieren würde. Aber kann man dem Mann wirklich trauen? Er ist ein Mörder und nicht gerade vertrauenerweckend.“





    Ich rutschte auf dem Stein ein wenig näher an sie heran und legte den Arm um sie. „Ich denke schon, dass er ehrlich ist. Womöglich ist er der einzige ehrliche Mensch auf der Welt. Zumindest was seinen Beruf betrifft. Wenn er etwas verspricht, dann hält er das auch. Alles andere wäre sehr abträglich in seinem Geschäft.“

    Annabelle schmiegte sich in meine Umarmung. „Vielleicht hast du Recht. Trotzdem muss ich noch darüber nachdenken.“

    „Warst du schon so darauf bedacht, Robert umzubringen, dass es dich jetzt Überwindung kostet, es nicht zu tun?“ Ich musste diese Frage stellen. Ich musste wissen, ob ich sie schon verloren hatte oder nicht.

    „Nein, eigentlich nicht. Der Gedanke wirklich jemanden zu töten, selbst jemanden den ich so hasse wie Robert, missfällt mir total.“ Ich war beruhigt. Noch war sie meine Annabelle und kein mordlüsternes Monster. „Aber trotzdem muss ich noch eine Nacht darüber schlafen. Es ist eine schwere Entscheidung.“





    „Das kann ich verstehen.“ Ich zog sie auf meinen Schoß. „Aber du musst zugeben, dass es eine Möglichkeit ist, die wir ernsthaft in Betracht ziehen sollten. So bekommen wir hoffentlich Zeit genug, um genug Geld aufzutreiben.“

    Annabelle lachte mich an. „Ja, ich gebe es zu. Den Assassinen zu finden, war wirklich ein glücklicher Zufall.“ Sie stupste mich mit der Nase an. „Das hast du wirklich gut gemacht.“

    „Dann bist du also stolz auf mich?“

    Statt einer Antwort küsste sie mich. Lange.





    Wir hörten erst auf, als es anfing zu regnen. Wir hatten gar nicht bemerkt, dass die dunklen Wolken aufgezogen waren. Lachend lösten wir uns von einander.

    „Ich schätze mal, das ist ein Zeichen, dass wir gehen sollten.“ Ein wenig wehmütig klang ich schon, trotz der Tatsache, dass wir diesmal wirklich viel Zeit zusammen gehabt hatten.

    „Das denke ich auch.“ Annabelle stand auf und schaute zum Himmel. „Das sieht auch aus, als würde es gleich einen richtigen Wolkenbruch geben. Wir sollten schleunigst zusehen, dass wir einen Unterstand finden.“

    „Das haben wir nun davon, dass wir uns den entlegensten Platz überhaupt gesucht haben für unsere Verabredung.“

    „Woanders wäre es zu gefährlich gewesen und jetzt komm endlich. Dir macht der Regen vielleicht nichts aus, aber ich mag es nicht sonderlich klatschnass zu werden.“





    Der Regen wurde schlimmer und wir kämpften uns durch völlig durchnässte Unterholz. Es war kaum möglich, schnell zu gehen oder zu laufen. Doch nach einer Weile wurden die Bäume lichter und das Laufen wurde einfacher. Inzwischen stürzte das Wasser nur so auf uns herunter.

    Annabelle zog mich in eine bestimmte Richtung und ich folgte ihr ohne groß auf meine Umgebung zu achten. Kurze Zeit später erreichten wir einen alten Bauernhof mit einer offenen Scheune. Den trockenen Unterschlupf direkt vor Augen, rannten wir vollkommen durchnässt auf den Stall zu.


    *Fortsetzung folgt*

    Naja, wenn es nur um Roberts Ableben ginge, würde er wohl auch in Erwähgung ziehen Robert um die Ecke zu bringen. Aber Annabelle würde ja alles verlieren, wenn Robert nicht mehr ist. Sie würde den Hof verlieren, vielleicht sogar wegen Steuerschulden im Gefängnis landen oder einfach nur der Straße als leichtes Mädchen. Und dann kann Lucien ja nicht zulassen. ;)

    Das war der Plan hinter dem Bild. Ich musste vorhin auch kräftig lachen, als ich das gesehen habe. Ich hatte diesen Teil ja schon vor der Pause fertig und hab mich nicht mehr daran erinnert, dass ich das Bild gemacht hatte. :D


    Naja, Robert darf ja nicht vor seiner Zeit sterben, sonst gibt es ganz üble Konsequenzen für Lucien bis hin zur Auslöschung, weil es ja indirekt auf seinem Mist gewachsen ist. Er darf sich halt nicht in den Lauf des Lebens einmischen. Das ist die oberste Regel für den Tod. ;)

    Und was den Plan angeht... davon mehr in der nächsten Folge. 8)

    30



    You're the voice, try and understand it

    Make the noise and make it clear, oh, whoa

    We're not gonna sit in silence

    We're not gonna live with fear

    (John Farnham – You're the Voice)





    Es war getan. Der erste Schritt um ein noch größeres Unglück zu verhindern, als die schlimme Ehe mit dem royalen Mistkerl. Ich konnte wirklich nicht riskieren, dass ich Robert vor seiner Zeit holen muss. Natürlich wusste ich, dass auch Robert irgendwann sterben musste, aber der Zeitpunkt war noch in der Ferne.

    Es tat mir weh, dass sie leiden musste und ich nichts tun konnte, um den ungeliebten Mann aus Annabelles Leben verschwinden zu lassen. Auf jeden Fall nicht endgültig.

    Ich durfte auch nicht riskieren, dass Annabelle herausfand, wer ich wirklich bin. Es war mir klar, dass ich es nicht auf ewig verhindern konnte, dass sie mein Geheimnis herausfand, aber ich musste es so lange versuchen wie es ging.





    Doch zuerst musste ich dafür sorgen, dass der Plan aufging. Ich fing Annabelle auf dem Weg in den Stall ab. Ich wusste ja, dass Robert noch auf dem Weg nach Hause war und wir so ein wenig Zeit hatten. Nicht viel, aber hoffentlich genug.

    „Was machst du hier?“ Annabelle war nicht begeistert mich zu sehen, oder war es doch mehr Angst vorm dem Erwischt werden?

    „Keine Sorge, dein Mann ist noch eine Weile unterwegs.“ Ich versuchte sie zu beruhigen.

    „Woher weißt du das?“ Sie klang misstrauisch.

    „Vertrau mir.“ Ich lächelte sie an. „Setzen wir uns einen Moment, dann hast du den Weg im Blick, sollte er doch früher hier sein, als ich denke.“

    Wir setzten uns auf die Bank vor der Scheune und sofort stellte sich die Vertrautheit zwischen uns ein. Annabelles Anspannung legte sich und auch ich fühlte mich nicht mehr so unruhig.





    „Wie läuft es bei dir? Hast du schon eine Idee, wie du den Hof retten kannst?“ Ich war mehr als neugierig, denn während ich Vorbereitungen getroffen hatte, war sie sicher nicht untätig gewesen.

    „Nicht nur eine, sondern viele. Aber leider ist es nicht so einfach. Ich weiß noch nicht, wie ich es schaffen kann, dass die Gläubiger still halten. Es sind einfach so viele Schulden. Mein Vater hatte schon einen Haufen davon, aber seit Robert hier der Herr ist, sind sie geradezu explodiert. Er war ja noch nie sparsam, aber er wirft das Geld, was wir nicht haben, mit vollen Händen raus. Ich verstehe nicht, wo er das alles lässt, denn hier passiert einfach nichts. Das Stalltor fällt bald auseinander und das Dach ist auch undicht. Aber all das stört den Hausherrn ja nicht. Ich bin ja schuld, dass es kaputt ist, weil ich nicht besser auf die Sachen aufpasse.“ Sie seufzte und ich wollte nach ihrer Hand greifen, aber sie faltete die Hände und ich zog meine zurück.





    „Aber egal. Es spielt keine Rolle, was er mit dem Geld macht. Es würde ja auch nicht nichts nützen, wenn er das Geld für etwas Sinnvolles ausgeben würde. Solange wie er immer mehr Schulden macht, wird es fast unmöglich sein den Hof zu retten.“

    Ich sah sie an und hatte eine Idee. „Es hört sich vielleicht ein wenig abwegig an, aber was ist, wenn du den Hof aufgibst? Ich weiß, dass hört sich schlimm an, aber denk einmal darüber nach...“

    Sie sah mich an und ich wusste, dass ich einen Fehler gemacht hatte. „Bitte, es war nur eine Idee. Sei mir nicht böse, dass ich es vorgeschlagen habe.“





    „Nein, bin ich nicht. Ich habe selber schon daran gedacht. Aber ich kann mein Zuhause nicht aufgeben. Das kann ich einfach nicht. Ich liebe den Hof, die Tiere, den Garten, das Haus. Ohne das alles wäre ich nur noch ein halber Mensch.“ Sie sah mich eindringlich an.

    „Das verstehe ich.“ Ich gab ihr die Bestätigung, die sie brauchte. Auch wenn ich so die mir am Besten erscheinende Idee wieder verwerfen musste.

    „Hm“, machte ich dann. Ich musste ihr ja noch von dem Assassinen erzählen, doch die Worte waren schwer zu finden. Ich durfte jetzt keinen Fehler begehen. „Erinnerst du dich an den Tag, an dem du zum Turm gekommen bist um mich zu sehen?“

    „Ja, aber ich sehe nicht, warum du mich das jetzt gerade fragst.“ Sie sah mich fragend an und ich wurde nervös.

    „Nun ja, ich habe den Mann, den du da getroffen hast, ein wenig im Auge behalten. Schließlich hätte er eine Gefahr für dich sein können und womöglich Robert berichten können...“

    Sie nickte. „Ja. Darüber habe ich mir auch schon Gedanken gemacht. Gut, dass du dich darum gekümmert hast.“





    Mir wurde etwas leichter ums Herz. „Nun ja. Ich musste es einfach tun. Ich konnte ja nicht riskieren, dass du Ärger bekommst.“

    „Den bekomme ich doch immer, aber trotzdem danke für deine Besorgnis.“ Sie lächelte ihr bezauberndes Lächeln, was wie ich inzwischen wusste nur mir gehörte.

    „Es muss ein Ende haben.“ Ich sagte es mit fester Stimme, wohl wissend, dass ich im Moment nicht dazu beitrug.

    „Das wird es! Aber was ist jetzt mit dem Mann aus dem Turm? Du wolltest mir doch etwas über ihn erzählen.“

    „Stimmt, das wollte ich. Also hör zu...“, begann ich, aber dann wurde ich von Schritten unterbrochen. Gerade noch rechtzeitig warnte ich Annabelle vor ihrem Ehemann. Sie zuckte zusammen und tat nur eine Sekunde später so, als wäre sie allein.

    Nur nütze ihr das Nichts. Roberts schlechte Laune war sofort spürbar, kaum das er um die Hausecke gebogen kam. Er ging auf Annabelle zu und baute sich vor ihr auf.

    „Was treibst du hier draußen?“ Brüllte er sie an und sie nahm gleich eine Schutzhaltung ein.





    Aber es nützte nichts. Robert packte sie am Arm. Gab ihr noch nicht einmal Zeit zu antworten. „Du wirst gefälligst nicht hier in der Dunkelheit sitzen und nichts tun.“ Gewaltsam riss er sie von der Bank und sie konnte sich nicht wehren.

    „Ab ins Haus mit dir, du unnützes Stück.“ Wie eine Puppe schüttelte er sie und drängte sie in Richtung Haus. Annabelle stolperte über den Saum ihres Kleides und fiel zu Boden.

    „Du dumme Kuh. Kannst du noch nicht mal gehen oder was.“ Robert fluchte und trat noch einmal nach ihr, während sie noch am Boden lag.

    Hass wallte in mir auf, aber ich wusste, dass ich nicht eingreifen durfte. Ich konnte ihr nicht helfen.





    Das Einzige, was ich tun konnte, war zu gehen. Ich teleportierte mich weg und ließ sie allein. Ich musste es tun, aber es brach mir wieder einmal das Herz.

    Ich landete an einem einsamen Strand. Ich setzte mich in den klammen Sand und starrte auf das aufgewühlte Wasser. Die Brandung rauschte und das Wasser suchte sich seinen Weg über den Strand. Eine lange Weile tat ich nichts, als auf das Wasser zu sehen. Den Rhythmus der Wellen in mich aufzunehmen und meine Gedanken leer werden zu lassen. Ich durfte nicht darüber nachdenken, was ihr noch passieren würde, sonst würde ich verrückt werden.





    Die Nacht schritt voran und ich musste überlegen, was ich tun konnte. Mir war an diesem Abend so klar geworden, dass es so nicht weiter gehen konnte. Ich konnte zwar verhindern, dass Robert starb, aber ich musste dafür sorgen, dass er Annabelle nicht mehr weh tun konnte.

    Langsam formte sich eine Idee in meinem Kopf, aber dafür brauchte ich Hilfe. Ich selber konnte nichts tun, aber ich wusste, wenn ich fragen konnte.

    Ich stand auf und klopfte mir den Sand von der Kleidung. Es war schon sehr spät geworden. Selbst der Mond hatte sich schon so weit hinter den Horizont verzogen, dass er schon gar nicht mehr zu sehen war. Ich überlegte kurz und spielte ein wenig mit der Zeit herum. Nicht viel, nur bis zu dem Zeitpunkt als ich Annabelle verlassen hatte. Es erschien mir genug, dass Hugh inzwischen zu Hause sein müsste.





    Ich irrte mich nicht. Als ich seine Hütte betrat, war er gerade noch beschäftigt. Er hatte wohl selber ein wenig Wut im Bauch, so schnell wie er eine Liegestütz nach der anderen machte.

    „Habe ich heute nicht schon genug für dich getan.“ Selbst um mich vorwurfsvoll an zu schnauzen, hatte er noch genug Luft.

    „Es tut mir leid, aber wie du weißt, habe ich sonst niemanden an den ich mich wenden kann.“

    „Oh, der arme Tod. Keiner will mit ihm spielen.“ Er stieß sich noch einmal vom Boden ab und stand dann auf. Ein paar Schweißperlen glitzerten auf seiner Stirn, sonst sah man ihm die Anstrengung nicht an. Ich war ein wenig beeindruckt und nahm ihm deshalb seinen spöttischen Ton nicht übel. Er hatte ja Recht.





    „Na dann, schieße schon los. Was ist denn passiert, dass du mal wieder meine Hilfe brauchst?“ Verschwunden war der Spott von davor, verdrängt von Professionalität. Es wunderte mich ein wenig, wie schnell er bereit war mir Unterstützung anzubieten angesichts seines Berufes.

    Schnell erklärte ich ihm, was noch an dem Abend vorgefallen war. Ich verschwieg allerdings, dass ich ein wenig mit der Zeit gespielt hatte. Es war zwar nichts Schlimmes, aber ich wollte nicht noch mehr aufzeigen, wie anders ich war.

    „Ich habe ja Respekt vor dir, dass du dich so zurückhalten kannst, wenn es um deine Freundin geht. Ich könnte nicht einfach so dabeistehen, wenn ich an deiner Stelle wäre.“

    „Ich habe keine andere Wahl. Ich kann nicht eingreifen, weil es ihr dann noch mehr schaden würde. Das habe ich dir doch erklärt.“

    Er nickte. „Ja, ich habe es auch verstanden. Aber ganz ehrlich, mir wären alle Konsequenzen egal, wenn ich damit die Frau, die ich liebe, schützen kann.“





    „Dann bist du ein mutigerer Mann als ich.“

    Hugh lachte kurz auf und setze sich dann aufs Bett. Da er mich immer noch nicht sehen konnte, wusste er nicht immer in welche Richtung er schauen musste, wenn er mit mir sprach.

    „Also, du willst solche Übergriffe verhindern und doch dafür sorgen, dass Schweinepriester Robert überlebt.“

    Ich nickte. „Genauso habe ich es mir vorgestellt.“

    „Und ich soll mir jetzt eine Lösung ausdenken?“

    „Du hast mehr Erfahrung als ich in der Materie. Ich meine mit Menschen an sich. Ich existiere zwar schon sehr lange, aber ich kenne mich nur mit dem Tod aus und nicht mit dem Leben. In letzter Zeit habe ich mehr über sie gelernt als in den Jahrhunderten davor, aber ich weiß immer noch nicht genug über das tägliche Leben.“

    „Ich verstehe.“ Hugh gähnte und schnalzte dann mit der Zunge. „Ich werde versuchen mir etwas auszudenken. Versprechen kann ich nichts, aber denke darüber nach. Aber jetzt brauche ich erst einmal Schlaf.“





    Ich erkannte den Rauswurf und ließ den Assassinen alleine. Ich kehrte zum Turm zurück, weil ich mir dachte, dass Annabelle mich dort zuerst suchen würde. Ich hoffte, das mit ihr alles in Ordnung war und Robert die Grenzen nicht zu weit überschritten hatte.

    Es war ein langer Tag, denn ich traute mich nicht zu ihr zu gehen. Aus reiner Angst, dass Robert uns erwischen würde. Um nichts in der Welt wollte ich noch mehr Leid in ihrem Leben verursachen.

    Ich stand die ganze Zeit oben an den Zinnen und beobachtete den Weg. Mit jeder Minute, die verstrich, wurde ich nervöser. Mit jeder Stunde, die der Tag voranschritt, verschwand die Hoffnung immer mehr.

    Mit der Zeit fing ich an nervös auf und ab zu gehen, immer ein Auge auf den Streifen Stein zwischen dem Grün.





    Und als sie endlich den Weg entlang schritt, rannte ich ihr fast entgegen. Ich fasste sie zur Begrüßung nur leicht um die Hüften, vor Angst, dass ich ihr weh tun würde wenn ich sie zu fest umarmte. Sie spürte mein Zögern und lächelte ein schiefes Grinsen. „Es ist nicht so schlimm gewesen. Nachdem du gegangen bist, war es auch schon vorbei.“

    Kein Vorwurf, keine Beschwerde. „Ich musste gehen. Ich konnte es nicht mit ansehen. Es tut mir Leid.“

    Sie nickte. „Ich weiß. Ich kann nicht lange bleiben, ich wollte dich nur wissen lassen, dass ich in Ordnung bin.“

    „Danke!“ Ich war ihr wirklich Dankbar.

    „Und natürlich treibt mich die Neugier her. Du wolltest mir gestern doch noch was über den Mann erzählen, der hier war. Er ist doch jetzt nicht hier oder?“

    „Nein, ist er nicht. Wir sind allein.“





    Sie sah mich erwartungsvoll an und ich schluckte. „Dieser Mann heißt Hugh und er hat einen speziellen Beruf. Er ist ein bezahlter Mörder.“

    Stille.

    „Ich weiß, wie sich das anhört, aber ich bin mir sicher, dass er uns helfen kann.“

    Annabelle starrte mich an, als hätte ich plötzlich zwei Köpfe und ich konnte ihre entsetzen Gedanken fast hören, so sehr spiegelten sie sich in ihrem Gesicht wider. Doch dann verhärtete sich ihr Blick und ein Feuer begann in ihren Augen zu lodern.



    *Fortsetzung folgt*



    Aber ich habe noch ein kleines Beruhigungsbildchen für Euch: