Beiträge von Llynya

    Das sieht richtig cool aus. Da wird sie hoffentlich ordentlich wuchern. Und die Aloe soll da auch noch hin oder in eine andere Ecke?


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    Ich war heute mal wieder im Wald:


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    Das hier ist die Schwartau. Sieht doch echt beeindruckend aus. :D


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    Ente, Ente, Ente, Ente...


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    Und das hier gabs vorhin zu Essen. War saulecker:


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    Niemanden zu trauen ist immer gut! Vor allem nicht Storyschreibern. :evil:

    Oh, stimmt ja, Game of Thrones geht ja schon in die letzte Runde. Ich hab die letzte Staffel immer noch nicht gesehen. Wollte ich eigentlich schon lange gemacht haben. :D

    Boah, die Passionsfrüchte wuchern ja wie irre. =O

    Und die Orchidee ist echt hübsch. Ich hab auch so eine Ähnliche, aber die verblüht gerade. Sonst hätte ich sie auch mal geknipst.


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    Ich hab die Tage auch meinen Balkon geknipst:


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    Hier sieht man auch meinen schon riesigen Schnittlauch:


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    Und ich liebe Hornveilchen, bzw. auch Stiefmütterchen:


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    Ja, die arme Annabelle. Hat jetzt nur noch Robert. ;(

    Wer sagt denn, dass Robert jetzt nett zu ihr ist und das die Beiden dann zusammen bleiben würden? Ich denke, der Zug für eine glücklichere Ehe ist schon lange abgefahren. Und Hugh hat ja auch noch ein Hühnchen mit ihm zu rupfen. :evil:

    35


    Now she'll never know

    What anyone could tell her

    Now she'll never know what anyone can see

    Now she won't believe me ever again, completely

    (Marillion – Now She'll never know)





    Ich zog sie fest an mich und gab ihr einen leichten Kuss. „Ich schätze wir sollten lieber rein gehen, ehe wir wieder komplett nass werden.“

    Annabelle lachte. „Das war doch gar nicht so schlimm. Schließlich hat es ja zu etwas Guten geführt.“ Sie zwinkerte verschmitzt und ich lief rot an. „Aber du hast Recht, lass uns rein gehen.“ Sie löste die Umarmung und zog mich regelrecht in den Turm.

    Kaum innen angekommen, zog sich mich wieder an sich. „Du kannst heute ja gar nicht genug von mir bekommen“, meinte ich ein wenig irritiert. „Es ist so schön, dich in so guter Stimmung zu sehen.“

    „Ich bin einfach glücklich, wenn ich bei dir bin.“ Sie lächelte mich an, doch dann ging ihr Blick durch den Raum. „Aber vielleicht sollten wir mal darüber reden wie es hier so aussieht.“ Sie löste sich von mir und ging in dem zugegebenermaßen sehr schmutzigen Raum umher.





    Dabei strich sie über den Jahrhunderte alten Staub, der auf den wenigen intakten Möbeln lag. Mit dem Fuß wischte sie die in den Raum gewehten Blätter ein wenig zur Seite, nur um den abgenutzten, schmutzigen Boden frei zu legen.

    „Ist es denn wirklich so schwer mal einen Besen zu schwingen und hier ein wenig sauber zu machen?“

    Wollte sie jetzt wirklich mit mir über Hausarbeit reden? Ich war etwas überrascht von dem plötzlichen Themenwechsel.

    „Ernsthaft, gegen die alten Möbel kannst du ja nicht wirklich etwas machen. Aber ein wenig wohnlicher könntest du den Raum hier schon machen. Ich will gar nicht wissen, wie es sonst so in den oberen Stockwerken so aussieht.“ Sie wischte über den Hocker und ließ sich dann darauf nieder. „Noch ist das hier der einzige Ort, wo wir uns ungesehen treffen können und so geht es wirklich nicht. Ein wenig Hausarbeit kann dir schon nicht schaden.“

    Mit einem Mal verstand ich. Sie wollte einen schönen Ort haben, wo wir zusammen sein konnten. Ich kniete mich in Verbeugung vor ihr hin. „Mein Dame, Ihr habt Recht. Ich gelobe Besserung. Bei Eurem nächsten Besuch wird es hier blitzen vor Sauberkeit.“





    „Das will ich Euch auch geraten haben, werter Hausherr.“ Sie lachte und nahm meine Hände in ihre. „Es wäre wunderbar, wenn wir hier einen schönen Rückzugsplatz hätten. Und ganz ehrlich, du hättest wirklich schon mal eher darauf kommen können, hier mal sauber zu machen.“

    „Ich gelobe Besserung“, versprach ich ihr nochmals und diesmal war ich derjenige, der sie in die Arme schloss.

    „Sie mal da drüber, da könntest du vielleicht die alten Vorhänge entsorgen. Das sind doch nur noch Fetzen. Und hier sollte das Unkraut vernichtet werden, ehe es noch mehr von den Dielen kaputt macht. Und der Eimer da könnte auch mal entleert und sauber gemacht werden. Dann kannst du gleich anfangen den Boden zu schrubben. Vielleicht kriegt man ja den alten Schmutz doch noch ab.“

    Sie hörte gar nicht mehr auf mit ihren Vorschlägen, aber innerlich freute ich mich. Sie war wirklich begeistert von der Idee, dass ich den Hausmann spielte. Ich machte also ein saures Gesicht und ließ sie mich immer mehr Aufgaben finden, die ich bis zu unserem nächsten Treffen erledigen sollte. Doch dann bekam ich einen Auftrag, der alles verändern sollte.





    Noch während Annabelle von einem staubfreien Regal redete, musste ich gehen und ich musste es so machen, dass sie es nicht merkte. Ich wartete einen Moment, bis sie mir den Rücken zukehrte und verschwand zu meinem Einsatzort. Zu Annabelle würde ich in einem Bruchteil einer Sekunde wieder zurück kehren, schließlich hatte ich doch Einfluss auf die Zeit.

    Meine Arbeit führte mich an einen Ort, den ich inzwischen sehr gut kannte. Genauso wie ich die Person kannte, die ich holen musste: Annabelles Mutter.

    Ich hatte mich lange vor diesem Moment gefürchtet. Ich hätte lieber jemand anderen aus Annabelles Leben geholt, aber ich machte die Regeln ja nicht.





    Es würde schwer für Annabelle werden, aber ich konnte es nicht ändern. Ich musste meine Arbeit machen und ich konnte mir auch noch später über die Konsequenzen Gedanken machen. Ich kniete mich neben sie und in dem Moment wo sie ihr Leben aushauchte, fing ihre Essenz geschickt ein. Nur einen kurzen Moment dachte ich an die bitteren Worte von Asaliah, dass die Seelen vielleicht gar keinen Frieden finden würden auf der anderen Seite und das alles nur ein Spiel der Höheren Mächte war. Aber ich verweilte nur einen kurzen Bruchteil bei diesen düsteren Gedanken. Das hier war wichtiger. Ich speicherte Annabelles Mutters Seele für später, um sie dann wie von den Göttern befohlen frei zu lassen. Ich durfte mir keinen Fehler erlauben. Schließlich war dies die Frau, die Annabelle neben mir am nächsten stand.





    Mir grauste es vor dem Gedanken, dass Annabelle nach Hause kommen würde und ihre Mutter tot vorfand. Ich konnte mir kaum ausmalen, was es für sie bedeuten würde. Ganz zu schweigen von dem Schock, den geliebten Menschen leblos auf dem Boden liegend zu sehen.

    Und dann kam mir der noch erschreckendere Gedanke, dass Annabelle von jetzt an ganz allein mit Robert sein würde. Das niemand mehr da sein würde, der vielleicht ein schützendes Auge auf sie halten würde. Auch wenn ihre Mutter nie etwas getan hatte, um einzugreifen, war sie doch für ihre Tochter da gewesen, wenn Robert sie mal wieder misshandelt hatte. Mir wurde richtig übel, als ich realisierte was es bedeuten könnte, wenn Annabelle wirklich allein mit ihrem Ehegatten war und niemand mehr theoretisch eingreifen könnte, wenn Robert es zu weit trieb.





    Ich gab mir noch eine kurze Weile mich wieder zu sammeln. Die Bilder von einem wilden Robert mit mörderischen Absichten, wollten noch nicht aus meinem Kopf verschwinden. Aber ich musste wieder zurück zu Annabelle, die immer noch glücklich unsere Zukunft plante und noch keine Ahnung hatte, was sie Zuhause erwarten würde.

    Ich drehte an der Zeit und kehrte nur eine Sekunde nachdem ich Annabelle verlassen hatte, wieder zur ihr zurück. Sie hatte mir immer noch den Rücken zugewandt und fuhr mit dem Finger über den Staub auf dem Regal.

    „Ich freue mich schon, wenn hier alles glänzt.“ Sie drehte sich zu mir um und strahlte mich an. Ich lächelte ebenfalls etwas gezwungen und hatte die Hoffnung, dass sie es für eine Abneigung gegen Staubwischen halten würde und nicht für ein Zeichen, dass etwas nicht stimmte. Eine Weile ging es noch weiter mit den Verbesserungsvorschlägen von Annabelle, was meine Behausung anging und ich spielte so gut es ging mit.

    „Vielleicht solltest du dich langsam auf den Weg machen. Der Regen hat inzwischen aufgehört und es wird bald dunkel.“ Ich wollte eigentlich nicht, dass sie ging, aber ich konnte es auch nicht weiter aufschieben. Annabelle musste herausfinden, was mit ihrer Mutter geschehen war.





    „Ich will eigentlich gar nicht, aber du hast vermutlich Recht. Er wollte zwar nicht vor dem späten Abend zurück sein, aber man weiß ja nie.“ Annabelles Ausdruck wechselte von glücklich zu traurig innerhalb von diesen wenigen Worten. Ich lächelte sie aufmunternd an, auch wenn es mir schwer fiel. „Wir hätten eigentlich über Hughs Angebot reden sollen und nicht über Hausarbeit. Vielleicht musst du dich dann nicht mehr sorgen.“

    „Ich brauche noch Zeit. Ich kann ihm einfach noch nicht vertrauen. Ich kenne ihn schließlich nicht und weiß nicht, ob das der richtige Weg sein kann.“

    Ich nickte verständnisvoll. „Natürlich, aber lass dir nicht zu lange Zeit. Ich weiß nicht, wie lange es noch gilt.“

    „Ich gebe dir bald Bescheid. Und jetzt sollte ich wirklich los.“ Sie küsste mich zum Abschied und ich schaute ihrer Gestalt noch so lange nach, bis ich sie nicht mehr sehen konnte.





    Dann ging ich zurück in meinen Turm, verschloss die Tür und setzte mich an den Tisch um zu warten. Ich legte meinen Kopf auf meine Arme und dachte nach. Angestrengt. Über Hugh und Annabelle und Robert. Ich musste einen Weg finden, Annabelle zu überzeugen Hughs Angebot anzunehmen. Sie war jetzt einfach nicht mehr sicher zu Hause und Robert musste verschwinden, schnellstmöglich. Ich konnte es nur nicht Hugh alleine machen lassen. Die Entscheidung musste von Annabelle kommen.

    Ich wartete auf eine Eingebung was ich ihr sagen konnte, dass sie den Startschuss geben würde. Vielleicht war der Tod ihrer Mutter der endgültige Auslöser, dass sie Hughs Angebot annahm. Vielleicht reichte es aus. Ich stand wieder auf, ruhelos und wütend auf die vielen Vielleichts in meinem Leben.





    Ich wanderte unruhig in dem kleinen Raum umher. Ich musste die Zeit totschlagen, die Annabelle nach Hause brauchte. Es war ein blöder Einfall, aber ich wollte nicht, dass sie alleine war, wenn sie ihre Mutter fand. Sie durfte mich zwar nicht sehen, aber ich bezweifelte, dass sie nach mir Ausschau halten würde. Daher hielt ich es für sicher, wenn ich in Deckung bleiben würde. Sie würde mit anderen Dingen beschäftigt sein und ich könnte auf sie aufpassen, während ich versuchen würde ihr aus der Ferne Kraft für die nachfolgende Zeit zu schicken.

    Sie würde alle Kraft brauchen, um ihre Mutter zu beerdigen und mit den Folgen zurecht zu kommen. Und vielleicht den Anstoß kriegen, Hughs Vorschlag anzunehmen. Ich hoffte es zumindest.





    Als ich bei Annabelles Heim ankam, positionierte ich mich vor dem Küchenfenster. Ich wusste ja, wo ihre Mutter lag. Nach einer kurzen Weile kam Annabelle durch die Küchentür nach Hause und fand ihre Mutter.

    Ich konnte nichts tun. Mir tat es in der Seele weh sie so zu sehen, aber ich konnte nicht eingreifen. Nicht ohne zu offenbaren, dass ich davon gewusst hatte. Nicht ohne zu erklären, dass ich in diesem Moment noch die Seele ihrer Mutter in mir trug. Nicht ohne zu gestehen, dass ich der Tod bin.

    Ich schnappte nach Luft, als mir klar wurde, dass egal wie sehr ich Annabelle liebte, ich ihr niemals die Wahrheit offenbaren konnte. Selbst wenn sie mir die Lüge über mein vermeintliches Geisterdasein verzeihen würde, sie würde mir niemals vergeben, dass ich ihre Eltern geholt habe.





    Ich hörte Annabelle schluchzen, als ihr klar wurde, dass ihre Mutter nun auch für immer von ihr gegangen war.

    „Es tut mir Leid“, murmelte ich leise gegen die Glasscheibe. „Ich mache die Regeln nicht. Ich kann es nicht ändern, so gerne ich es auch wollte.“

    Sie gab noch einen halb erstickten Laut von sich und drehte sich dann in meine Richtung um, ganz so als hätte sie meinen leisen Worte gehört. Blitzschnell trat ich vom Fenster weg, in der Hoffnung, dass sie mich nicht gesehen hätte. Schwer atmend lehnte ich mich gegen die Hauswand. Ich durfte es nicht riskieren, dass sie mich doch noch sah.





    Dann hörte ich Schritte den Weg entlangkommen. Es musste Robert sein, der Hause kam. Ich kann nicht sagen, was mich veranlasste ihm zu folgen, aber ich hatte das Gefühl, dass es wichtig war. Also umrundete ich das Haus und folgte dem verhassten Kerl, als er den selben Weg nahm wie Annabelle noch so kurz davor. Anscheinend wollte er auch nicht durch die Haustür gehen, sondern bevorzugte ebenfalls die kleine Küchentür.

    Er runzelte die Stirn als er das erleuchtete Badezimmer sah. „Ich sollte den Weibern mal wieder eine Lektion erteilen, dass Geld nicht auf Bäumen wächst und Kerzen teuer sind. Vielleicht lassen sie dann nicht überall das Licht an. Irgendwann fackelt der Hof noch ab, weil die dummen Stücke mal wieder vergessen haben, die Kerzen auszupusten“, grummelte er vor sich hin, während er festen Schrittes den Hof überquerte.





    Er öffnete die Küchentür mit Schwung und war einen Moment sprachlos, als er die Situation in der Küche erfasste. Annabelle weinte immer noch und Roberts wütende Worte blieben ihm im Hals stecken. Er sah den leblosen Körper von Annabelles Mutter auf dem Boden und für einem Moment war selbst er von der Situation ergriffen. Er ging auf seine Frau zu und nahm sie sanft in den Arm.

    „Es tut mir Leid“, sagte er fast schon liebevoll. Ganz so als wäre er nicht der Mistkerl, sondern ein ganz normaler Ehemann, der seine Frau zu trösten versucht. Annabelle registrierte kaum, wer sie da in den Armen hielt. Sie ließ sich einfach stützen und es schien ihr nichts auszumachen, dass es Robert war, der sie fest drückte.





    Annabelle weinte eine Weile an seiner Schulter, während ich alles von draußen mit ansah, hilflos wie ich war. Robert hatte die Küchentür sperrangelweit offen gelassen, so dass ich einen guten Blick in die Küche hatte.

    „Mein Liebe, vielleicht solltest du dich hinlegen. Ich kümmer mich hier um alles.“ Sanft schob er sie in Richtung Flur, vorbei an ihrer Mutter. Mechanisch nickte Annabelle und mit ein bisschen Anschub von Robert verschwand sie aus meinem Sichtfeld.

    Ich ging ums Haus, wollte ebenfalls nicht mit ansehen, was Robert in der Küche tat. Annabelle hatte sich in ihren Kleidern auf das Bett gelegt, ihre Augen waren verquollen vom Weinen, als ihr Mann sich etwas später zu ihr gesellte.

    „Mach dir keine Sorgen“, meinte er und griff nach ihrem Arm. „Ab jetzt werde ich mich immer um dich kümmern. Du hast jetzt ja nur noch mich.“


    *Fortsetzung folgt*

    Ja, vielleicht fängt er so langsam damit an, aber der Lernprozess ist noch in Gange. :D

    Tja, was mit Robert passiert kann ich ja noch nicht verraten. :evil:

    War er auch nicht. Er ist ja auch als Tod nicht gerade der Netteste. Er ist immer noch egoistisch und nimmt nicht gerade viel Rücksicht auf Andere. Warum auch, bisher brauchte er das in seinem Job nicht. Nur jetzt wo er sich in die Menschenwelt einmischt, sollte er so langsam mal aufwachen. ;)


    Naja, Asaliah ist eben viel Netter als er und hat Flügel bekommen. ^^ Nee, sie hat Flügel, weil sie diese wollte. Das Erscheinungsbild durfte sie sich aussuchen.

    34


    As you search the embers

    Think what you've had, remember

    Hang on, don't you let go now

    You know, with every heartbeat, we love

    (Journey – Ask the lonely)





    „'Und wer glaubst du zu sein, dass du uns um diesen Gefallen zu bitten wagst?'

    'Ich bin euch immer treu ergeben gewesen. Habe immer meine Opfergaben an den heiligen Orten mit Freuden hinterlassen. Ich flehe euch an, gebt ihn mir zurück.' Meine Stimme zitterte und während ich im Sand kniete, schlugen die Wellen immer heftiger um mich herum. Der Himmel verdunkelte sich noch mehr, doch mitten in der Schwärze fing es an rot zu glühen.

    'Und warum glaubst, dass es uns kümmert?'

    Ich überlegte kurz. 'Weil ihr mit mir redet', entgegnete ich mit einer plötzlich einsetzenden Ruhe. Ich war mir sicher, dass das die richtige Antwort war.

    Es ertönte ein grollendes Lachen. 'Sie hat Feuer in sich', sagte eine weiblichere Stimme, während die erste Stimme immer noch lachte.

    'Dann geben wir ihr Feuer!' Mit diesen Worten wurde aus dem wütenden Rot am Himmel ein riesiger Feuerball, der direkt auf mich zu raste.





    Ich hatte keine Chance. Der Feuerball traf mich mit unglaublicher Wucht und schleuderte mich ein Stück zurück auf den Strand. Der Aufprall ließ die Luft aus meinen Lungen entweichen und ein fürchterliches Knacken ertönte aus meinem Körper. Doch ich spürte keinen wirklichen Schmerz. Ich lag mit geschlossenen Augen auf dem kühlen Sand, neben mir glühten noch vereinzelte Funken, doch ich selbst brannte nicht. Im Gegenteil. In mir breitete sich eine noch nie gekannte Kälte aus, beginnend direkt in meiner Brust wo mein gebrochenes Herz ruhte.

    'Du sagtest, dass du alles tun würdest, wenn wir dir deinen Liebsten zurück geben. Bist du bereit, dein Versprechen zu halten?' fragte die weibliche Stimme und mit leiser Stimme stimmte ich verzweifelt mit meiner inneren Stimme zu.





    'Dann mach dich bereit.' Mit diesen Worten traf mich etwas wie eine riesige Faust und Schmerz durchzuckte meinen Körper. Ich spürte, wie ich in die Luft gehoben wurde und wie sich die Luft um mich herum wie bei einem starken Gewitter anfühlte. Ich spürte wie mein Körper in die Luft gehoben wurde, aber ich konnte mich von selbst nicht rühren. Mich umgab eine Aura von Macht. Ich fühlte mich zusammengepresst und doch seltsam schwerelos. Es summte in jeder Faser meines Körpers und dann traf mich die Hitze, schmiedete meinen schwachen menschlichen Körper zu einem starken, unverletzlichen Gefäß göttlichen Willens. Meine Kleider verbrannten und ich wurde in diese weichen Gewänder gehüllt. Aber als ich dachte, dass es jetzt vorbei wäre, traf mich die nächste Welle unvorstellbarer Schmerzes. Ich verlor das Bewusstsein.





    Als ich wieder zu mir kam, war ich so, wie du mich hier vor dir siehst. Ich lag kopfüber im Sand, einen kurzen Moment noch zu schwach um aufzustehen. Doch ich wusste, dass es nur für kurze Zeit so sein würde. Ich spürte wie anders mein Körper jetzt war, wie viel Kraft jetzt in ihm steckte. Das Unwetter war vorbei und das Wasser hatte sich wieder beruhigt. Fast schon sanft umspülten die Wellen mich. Ich erhob mich langsam und blickte zum Himmel. Die Umwandlung hatte nicht nur meinen Körper, sondern auch meinen Geist verändert. Ich wusste ohne, dass man mir etwas erklärt hatte, was meine Aufgabe ab diesem Moment war. Trotz dessen war mir immer noch bewusst, worum ich die Götter gebeten hatte.

    'Du bist jetzt und für alle Ewigkeit unser Werkzeug. Du gehörst jetzt uns.'

    Ich nickte. 'Ich werde mein Versprechen halten, jetzt haltet eures.'

    Die Stimmen fingen an zu lachen. 'Das haben wir bereits. Er war nie unser zu geben.' Und mit diesen Worten verschwanden die Stimmen.





    Ich wusste, dass sie für mich für immer verschwunden waren. Und ich rätselte, was sie gemeint hatten.

    Doch mir blieb nicht viel Zeit zum Grübeln, es wartete Arbeit auf mich. Wochen vergingen und ich wusste immer noch nicht, was die Götter gemeint hatten, dass du nicht ihres zu geben warst. Also machte ich mich auf die Suche nach Antworten. Ich erspare dir jetzt, meine lange Irrfahrt, denn die Antwort war am Ende ganz Einfach: du warst nicht gestorben.“ Asaliah Stimme brach bei diesen letzten Worten. Doch ihre Augen brannten mit einer lang vergessenen Wut. Ich schwieg, weil ich nicht wusste, ob ich sprechen sollte oder nicht. Dann fuhr sie mit monotoner Stimme fort.

    „Ich fand dich in den Armen einer anderen Frau, glücklich und ohne Spuren von deiner Verletzung. In dem Moment wusste ich, dass du mich getäuscht hattest. Mir wurde klar, was die Götter gemeint hatten. Du hattest deinen Tod nur vorgetäuscht.





    Ich war wie gelähmt. Sah dir zu, wie liebevoll du diese Fremde in den Armen hieltst, sie küsste und wie verliebt du sie ansahst. Es tat weh, aber nicht so sehr, wie es noch vor meiner Verwandlung weh getan hätte. Mit meinem neuen Dasein wurden mir auch die heftigen Emotionen eines echten Menschen genommen. Ich verspürte nur noch eine große Traurigkeit, aber keine Wut. Die kam erst später.

    Als du dich von deiner neuen Frau verabschiedest hattest, tat ich das selbe mit dir. Ich sagte dir Lebewohl und verschwand für lange Zeit aus deinem Leben.“ Sie schwieg nun und ich wusste, dass ihre Geschichte fast zu Ende war.

    „Aber du bist nicht ganz aus meiner Gegenwart verschwunden.“ Es war nicht wirklich eine Frage, aber ich wollte den letzten Rest auch noch aus ihr hervorlocken.

    „Natürlich nicht, sonst wären wir jetzt nicht hier.“ Ihre Mundwinkel hoben sich zu einem winzigen Lächeln.





    „Es ist eine lange Zeit vergangen, seit dem ich dich an diesem Tag verlassen hatte. Aber ich konnte dich nicht vergessen. Immer wieder dachte ich an dich, doch ich hatte nicht den Mut nach dir zu suchen. Mit der Zeit verwandelte sich meine Traurigkeit in Wut und dann wieder in endlose Trauer. Mir wurde klar, dass du nie mir gehört hattest. Und im Laufe der Jahrhunderte begann ich dir zu verzeihen. Und ich habe dir verziehen, das musst du mir glauben.“ Ich versuchte zu nicken, nicht sicher was ich wirklich fühlte. Sie sah mich an und beendete dann ihre und meine Geschichte.

    „Lange Zeit dachte ich, dass du genauso gestorben bist, wie jeder andere Mensch und ich war froh, dass ich nicht diejenige war, die dich auf die andere Seite geführt hat. Umso überraschter war ich, als ich entdeckte, dass du genau wie ich geworden warst. Ich konnte es kaum glauben, es kam mir vor wie ein böser Traum. Ich versuchte die Götter zu kontaktieren, aber sie schwiegen eisern. Bis heute denke ich, dass sie dich nur zu dem gemacht haben, was du jetzt bist, um mich zu bestrafen.“





    „Warum denkst du das?“ Ich sah sie fragend an. So schlimm fand ich meine Existenz nicht, bis auf ein paar Ausnahmen war ich zufrieden mit dem was ich war.

    „Weil dieses Dasein als Werkzeug der Götter nichts ist, was ich jemanden wünsche. Weil ich mich immer noch daran erinnere wie es war mit dir. Weil ich dich immer noch liebe, egal wie sehr ich versuche es nicht zu tun.“ Den letzten Satz sagte sie leise, fast unhörbar.

    „Ich weiß nicht, was ich sagen soll.“

    „Dann sag nichts. Es gibt eh nichts, was du tun kannst. Es ist zu spät um noch irgendetwas zu ändern. Aber vielleicht verstehst du jetzt, warum man Menschen nicht trauen kann. Sie werden dich immer verraten, denn du bist selber ein Verräter. Nicht nur in deinem früheren Leben als Mensch, sondern auch in deiner jetzigen Gestalt.“

    Ich hob die Hand in Protest. „Ich habe keinerlei Erinnerung mehr daran und du hältst mir vor, dass ich dich betrogen habe. Du versuchst mich zu manipulieren und mir mein Glück zu nehmen, nur weil du behauptest, dass ich das Gleiche mit dir gemacht habe.“





    Ich wurde immer lauter und Asaliah zuckte zusammen. „Woher nimmst du dir das Recht mich jetzt noch einen Verräter zu nennen? Ja, ich habe mein Versprechen, mich von Annabelle fern zu halten gebrochen, aber sie war es die mich gesucht hatte. Nicht ich sie.“ Vor Wut sprang ich auf.

    „Du bist nicht deswegen ein Verräter. Du verrätst die Menschen, die Seelen, die du holst. Hast du schon mal darüber nachgedacht, dass es vielleicht gar keinen anderen Ort gibt, an den die Seelen gehen? Das uns die höheren Mächte nur in die Irre führen? Es gibt noch so vieles was du nicht weißt und auch nicht wissen willst. Und am Ende wirst du auch deine geliebte Annabelle verraten. Am Ende tun wir das alle mit den Menschen die wir lieben.“

    Auch Asaliah war aufgesprungen. Ihre Augen funkelten vor Wut, aber es lag auch die große Trauer von der sie gesprochen hatte darin. Ich ertrug ihren Blick nicht länger.

    „Du redest Unsinn. Du versucht nur wieder mich zu beeinflussen.“ Ich fasste einen Entschluss. „Aber das endet jetzt. Ich will dich nie wieder sehen. Bleib aus meinem Leben fern. Wenn du dich noch einmal einmischt, wirst du es bereuen.“





    Ich ließ sie stehen, ohne noch einmal zurück zu blicken. Immer noch voller Wut kam ich in meiner Zuflucht an. Ein paar vereinzelte Flocken fielen vom Himmel, aber sie schmolzen schnell in der relativ warmen Luft und kurze Zeit später war der Himmel wieder klar. Ich ließ mir Zeit auf dem Weg zu meinem See. Die Geschichte spielte sich noch einmal vor meinen Augen ab. Es klang unglaublich, aber ich wusste tief in mir drin, dass sie die Wahrheit erzählt hatte. Der Ärger über das Gespräch mit Asaliah verflog langsam und zurück blieben unzählige Fragen. Ich bereute meine letzten Worte allerdings keineswegs. Auch wenn ich keine Ahnung hatte, was ich tun würde, sollte ich sie noch einmal wieder sehen.





    Als ich an meinem Teich ankam, hatte sich die Wut vollkommen gelegt. Nur die Verwirrung war geblieben. Ich fragte mich, was passiert war als ich noch ein Mensch gewesen war. Hatte ich Asaliah wirklich geliebt und war ihre Version der Ereignisse nur ein Spiegel ihrer Emotionen? Oder war ich der Mistkerl, der seinen Tod vorgetäuscht hatte, um die ungeliebte Ehefrau los zu werden? Oder gab es noch eine andere Möglichkeit? War ich wirklich am Sterben gewesen und hatte wie durch ein Wunder überlebt und sie war es die gestorben und mich zurückgelassen hatte?

    Ich wusste es nicht. In meinen Erinnerungen war nichts zu finden, was mir einen Hinweis auf eine frühere Existenz als Mensch gab. Ich konnte noch nicht mal sagen, wann ich mir meiner selbst bewusst geworden bin. Ich war einfach.





    Ich setzte mich auf die kühlen Steine, den Rücken gegen dieselben gedrückt. Mein Kopf schmerzte von der Anstrengung die Wahrheit herauszufiltern.

    Und was meinte sie damit, dass ich Menschen verraten hatte. Ich hatte ihre Seelen auf die andere Seite geholt, genau wie es meine Aufgabe war. Ich hatte ihnen niemals etwas versprochen, sondern nur das erfüllt, was ihre Bestimmung gewesen ist. Ich habe nicht über sie gerichtet, das war die Aufgabe der höheren Mächte. Ich war nur der Überbringer, nur der Bote. Ich war weder für den Tod, noch für das verantwortlich, was auf der anderen Seite wartete. Ob es nun zum Guten oder zum Schlechten war. Ich war nicht verantwortlich und mit Sicherheit kein Verräter.

    Und doch war da dieser winzige Samen des Zweifels in mir gesät. Was wenn sie doch Recht hat?





    Eine Weile saß ich einfach nur da. Spielte mehrere Szenarien durch und kam doch zu keinem Ergebnis. Es gab zu viele offene Fragen. Zu viele verworrene Aussagen und nur wenig, was sich wirklich beweisen ließ.

    Nach einer Weile stand ich auf. Es brachte nichts, darüber nachzudenken. Es gab keine unmittelbare Lösung für das Rätsel meines Daseins. Es würde Warten müssen, bis sich die Möglichkeit ergab mehr zu erfahren und aus anderer Quelle als Asaliah.

    Verbittert darüber keine Antworten zu finden, dachte ich daran wie wunderbar der Morgen angefangen hatte und wie desaströs der Tag geendet hatte. Ich hatte die Nacht mit Annabelle verbracht und ich war so glücklich wie noch nie zuvor gewesen und dann hatte mir Asaliah das alles genommen mit ihrem Kuss und der wahnwitzigen Geschichte. Da war sie wieder, die Wut.





    Ich beschloss etwas gegen dieses Grübeln zu tun. Also machte ich mich wieder an meine eigentliche Arbeit, auch wenn die Frage nach dem Warum immer im Hintergrund meines Bewusstseins lauerte. Doch warum sollte ich den Zorn der Götter noch mehr auf mich beschwören, wenn ich doch laut Asaliah eh schon mit einem Bein vor der Auslöschung befand.

    Es tat mir seltsamerweise gut, etwas Produktives zu tun. Es erfüllte mich nicht mehr so mit Genugtuung wie früher einmal, aber es hielt mich auf Trab. Ich sah nichts Schlimmes mehr darin, die Seelen der Menschen auf die andere Seite zu befördern. So war es immer gewesen und so war es bestimmt.

    Doch alles Arbeiten half nicht gegen die Sehnsucht nach meiner Geliebten. Wann immer ich konnte, wartete ich am Turm auf sie.





    An einem regnerischen Tag kam sie endlich den Weg zum Turm hinauf. Sie sah gesund aus und ich war erleichtert. Also hatte Robert ihr in der letzten Zeit nichts mehr angetan.

    Mit einem Lächeln schritt ich ihr entgegen. Ich hob meine Hand, um ihre Wange zu berühren. „Ich dachte schon, du hättest mich vergessen“, flüsterte ich, überwältigt von der Erleichterung sie wohlauf zu sehen.

    „Niemals“, hauchte sie und schlang ihre Arme um mich.


    *Fortsetzung folgt*