Atemlose Stille (in collaboration with FunnyChrissy)

  • Die folgende FS besteht aus der Zusammenarbeit von FunnyChrissy und mir.
    Wir haben lange und ausführlich hin und her überlegt und herausgekommen ist das Werk "Atemlose Stille".


    FunnyChrissy schreibt den Text (nur an einer Stelle in Chapter zwei bisher, habe ich auch einen Absatz geschrieben)
    und ich mache die Bilder (eine Premiere sozusagen, da ich zuvor noch die eine FS oder dergleichen gemacht habe),
    habe die entsprechenden Personen erstellt.


    Wir hoffen das euch die Story - ebenso wie uns - ans Herz wächst.
    Wir sind für konstruktive Kritik jeder Zeit offen (schließlich wollen wir etwas lernen um besser werden zu können),
    freuen uns natürlich auch sehr über Lob.


    Nun Schluss mit weiteren langen Redenschwingen.
    Wir wünschen euch ~ Viel Spaß beim Lesen!




    © by FunnyChrissy and Eaver



    ~ *~ Kapitel One ~*~
    ~ the beginning ~


    Atemlose Stille – nichts regte sich. Es war, als würde die Welt still stehen. Als hätten die Vögel aufgehört zu singen und die Sonne wäre auf immer verschwunden. Das Rauschen des Windes war einer unheimlichen Ruhe gewichen. Selbst das monotone Ticken der alten Uhr war verstummt. Stille. Schweigen. Ewige Stille.
    Dabei war doch alles wie immer. Natürlich schien die Sonne noch. Als ebenso selbstverständlich sahen es wohl die Vögel an, ihr Liedchen zu trällern. Auch der Wind rauschte noch in den Bäumen. Diese dämliche Wanduhr tickte ebenfalls gleichmäßig vor sich hin. Aber sie nahm es einfach nicht mehr wahr. Sie hasste diese alltäglichen Geräusche. Sie hasste das fröhliche, unbeschwerte Lachen eines Menschen. Sie hasste, wie der Wind mit ihren Haaren spielte, sobald sie das Haus verließ. Sie hasste es. Aber am meisten hasste sie…………sich selbst.




    Genervt hielt sie sich die Ohren zu oder sie verkroch sich unter der Bettdecke, nachdem sie sämtliche Türen und Fenster verriegelt hatte. Sie wollte nichts von alledem hören. Hatte sie überhaupt das Recht, es noch zu hören? Hatte sie das Recht, diese Luft zu atmen? Das Recht, morgens aufzustehen und sich auf den Tag vorzubereiten? Oder einfach nur ein gutes Buch zu lesen? Über ein Missgeschick zu schmunzeln? Nein, sie hatte überhaupt keine Rechte mehr. Es war ohnehin alles so sinnlos geworden. Warum war sie überhaupt noch auf dieser Welt? Warum durfte sie nicht einfach gehen und Aija kam zurück….Wäre das nicht fair? Gerecht?




    Doch fragte das Leben danach? Nach Fairness? Gerechtigkeit? Diese Worte…so banal, albern und nichts sagend. Für sie bedeutete Gerechtigkeit nichts mehr. War es vielleicht gerecht, dass Aija sterben musste und sie noch lebte? War es fair, dass sie noch hier war und SIE nicht? NEIN! NEIN und nochmals NEIN! Warum nur musste es dazu kommen? Sie hätte sterben müssen, nicht Aija….ACH Aija!!! Wo bist du bloß? Warum kommst du nicht einfach nur zurück und sagst mir, dass alles ein böser Alptraum gewesen ist? Das es dich noch gibt…Solche Gedanken quälten sie tagaus und tagein, ließen sie nicht zur Ruhe kommen. Fragen, auf die es auch nach intensivsten Gedankengängen keine Antworten gab. Sie verliefen ergebnislos im Sande. Warum gab es diesen Menschen plötzlich nicht mehr? Es konnte nicht sein, es durfte nicht sein…WARUM???




    Aija gab es nicht mehr. Sie war tot. Gestorben durch ihre Schuld….Aija, welche gerade erst ihren 23. Geburtstag feiern wollte. Dieser Tag, welcher gleichzeitig auch ihr Todestag war. Aija – war sie nicht eine Bereicherung für jeden gewesen? Voller sprühender Ideen, selbstbewusst und hungrig nach Leben, nach Abenteuern und Aktion. Dieser lebensbejahende Mensch, Mittelpunkt jeder Party und eine Bereicherung im Leben eines Menschen wie Lena. War sie nicht gar eine Bereicherung für jedes Leben der Menschen, die um sie herum waren? Wie hatte Lena Aija bewundert für ihre Spontaneität, ihre Auffassungsgabe und die Kunst, aus allem das Maximale herauszuholen. Die es verstanden hatte, dem Augenblick alles abzugewinnen.




    Auch ihr, Lena, sagte man nach, ein guter Mensch zu sein. Oh ja, ein herzensguter Mensch. Sie sei immer besonnener gewesen als die quirlige Aija. Der ruhigere, vernünftigere Part der Freundinnen, der ruhende Pol…hieß es nicht so? Dafür hatte Lena nur ein Lachen übrig. Die Menschen hatten gut reden. Sie hatten doch keine Ahnung, keiner verstand was in ihr vorging. Jeder redete nur von „Unglück“ und „nicht zu verhindern gewesen“. Schwätzer – alles Schwätzer.




    Wieder diese Stimmen in ihrem Kopf. Hörten die überhaupt nie auf? „Hör mal, Lena. Hast du nie mitbekommen wie Aija dir mitgespielt hat? Sie hat dich doch nur ausgenutzt.“ Oder dieser noch grauenhaftere Satz: „Sie war der ständige Mittelpunkt, während du immer ein lästiges Anhängsel warst, wach endlich auf.“ Nein, genau DAS wollte sie nicht hören. Es war falsch, falsch, FALSCH, so FALSCH! Sie wussten doch alle nicht, wer Aija wirklich war. Sie war so besonders, so schön und so klug. Sie fehlte Lena an allen Ecken und Enden. Ohne sie war sie nur noch halb am Leben. Ein Teil war mit ihr gestorben. Es war einfach so…SIE, Lena, lebte. Während Aija gehen musste. Gehen in diese andere Welt, aus welcher sie nie zurückkommen würde. NIE! NIE NIE NIE! Dieses eine Wort brannte sich in Lenas Herzen fest. Hämmerte in ihrem Kopf, stundenlang, tagelang. Sie konnte vielleicht das Zwitschern der Vögel aussperren, dass Scheinen der Sonne verleugnen oder die Batterien der Uhr entfernen. Aber diese Gedanken konnte sie nicht einfach so abschalten. Es nutzte nichts. All dies, diese unerträgliche Situation, das Leben selbst hatte keinen Sinn mehr. Sollte sie nicht auch einfach sterben? Aber damit war niemanden geholfen. Nein, sie musste leiden. Leiden für Aijas Tod.




    Selbstquälerisch schloss sie erneut die Augen und ließ diesen schrecklichen Tag Revue passieren. Den Tag, an welchem sie an einem Menschen schuldig geworden war. Plötzlich erschien vor ihrem inneren Auge ein blaues Augenpaar, anklagend und voller Hass. Diese Augen schienen direkt danach zu gieren, ihr diese schwere Schuld immer wieder aufs Neue verdeutlichen zu wollen. Ergänzend dazu der vor Kummer, Leid und grenzenlosem Hass verzogene Mund, welcher ihr zu rief, immer und immer wieder: „Du miese Schlange. Sie hat dir vertraut, du warst alles für sie. Warum hast du sie umgebracht?“


    ~ End of Chapter One ~


  • @ Sweetness, vielen lieben Dank. Es ehrt uns sehr, dass dir die FS so gefällt.
    Den Text habe nicht ich, sondern FunnyChrissy geschrieben. Ich bin nur für die Bilder und des posten zuständig.
    Nur beim kommenden Chapter, habe ich etwas mit geschrieben.. Absatz Zwei ist von mir ;)


    So, dann folgt nun Chapter Two! Wir hoffen dass es euch (dir) gefällt. Have fun!




    ~ *~ Kapitel Two ~*~
    ~ Lena - ich kämpfe für dich!
    ~



    Es war mitten in der Nacht, als Lena plötzlich schweißgebadet erwachte. Im ersten Moment wusste sie nicht, wo sie sich überhaupt befand. Panisch blickte sie um sich und wollte nur eins…weg von diesem grausamen Ort. Sie wollte weglaufen, da erst begriff sie wo sie sich befand. Sie war nicht auf der Strasse, nicht an diesem grausamen Ort des Unglücks. Sie war zuhause, in ihrem Schlafzimmer. Nur langsam beruhigte sich ihr wie wild klopfendes Herz. Lena atmete dreimal tief durch und knipste die Nachttischlampe an. Wann würde das endlich aufhören? Obwohl sie es eigentlich verdient hatte, quälten sie diese Träume bis ins Innerste. Aufschluchzend barg sie ihren Kopf auf der schneeweißen Bettdecke! Sie hielt das einfach nicht mehr aus! WEG nur WEG schoss es durch ihren Kopf.




    Aufgelöst flüchtete Lena in ihr kleines Badezimmer, verschloss panisch die Badezimmertüre. Erinnerungen stürzten auf sie ein, Bilder, die sie seit Wochen versuchte zu verdrängen. Sie ergriffen all ihre Kräfte, sogen diese buchstäblich aus. Nur zu deutlich spürte sie, wie sie ihrer Energie beraubt wurde, fühlte sich schwach und nicht mehr sicher in ihrer selbst geschaffenen Welt. Dieser Welt, in welcher sie allein die Schuldige war! Sicherlich zollte der Schlafmangel der letzten Tage seinen Tribut, sodass sie immer wieder die Beherrschung über sich selbst und ihrem Körper verlor. Ihre Beine zitterten, schienen zu beben, knickten nur wenig später in sich zusammen. Gegen ihren Willen stürzte sie in ein tiefes Loch aus Dunkelheit. Irgendwie gefiel ihr diese Dunkelheit auch, musste sie dort doch keinen Schmerz und keine quälenden Selbstvorwürfe spüren. Hart glitt ihr Leib zu Boden, glich beinahe dem Sturz, den eine geliebte Person ihretwegen erleiden musste. Die Finsternis nahm zu, schlich sich in ihren Geist hinein. Es blieb eine gähnende, alles umfassende Leere. Doch eines spürte sie in diesen Momenten nie: Angst! Nicht zum Ersten Mal war ihr all dies geschehen, oft sackte sie bewusstlos zusammen. All dies wegen des einen Erlebnisses, welches ihr ganzes Leben und das anderer verändert hatte und es weiterhin tun würde.




    Mühselig versuchte Lena, ihre schweren Augenlider zu öffnen. Irgendetwas war in ihr Unterbewusstsein gedrungen, während eine weitere befreiende Ohnmacht von ihr Besitz ergriffen hatte. Wer oder was holte sie zurück aus dieser Leere, welche sich so wunderbar anfühlte? „Ich bin nicht zuhause,“ murmelte sie unzufrieden vor sich hin. Ihr war noch immer nicht bewusst, dass sie nach wie vor auf dem Boden des Badezimmers lag. Wütend blinzelte sie in Richtung des tragbaren Telefons, welches sich dadurch aber anscheinend nicht im Geringsten entmutigen ließ. Der Anrufer schien eine Engelsgeduld zu besitzen. Warum lag der Hörer überhaupt auf dem Waschbecken? Komisch, sie konnte sich nicht daran erinnern ihn jemals dorthin gelegt zu haben. Wurde sie jetzt auch noch verrückt?
    Lena hielt sich störrisch die Ohren zu. Aber auch das nützte nichts. Widerwillig erhob sie sich und wollte mit einer Geste die nicht vorhandene Bettdecke beiseite schlagen. Erst in diesem Augenblick erkannte sie, dass sie nicht in ihrem Bett lag. Wie auch – befand sie sich doch im Badezimmer. „Ja, bitte?“ Sie wusste selbst, wie unfreundlich und beinahe feindselig ihre Stimme klang. Doch wozu sollte sie sich bemühen freundlich zu sein, wenn sie dazu ohnehin keinen Drang verspürte?




    „Ach Gottchen, Lena! Du klingst wie der leibhaftige Tod! Sag bloss, du bist jetzt erst aufgestanden?“ Wie heiter diese Stimme klang. Ausgeschlafen, sonnig und heiter. Lena fröstelte unwillkürlich. „Sag mal, redest du nicht mehr mit mir? Bist du überhaupt noch dran?“ Jetzt klang die Stimme beinahe ängstlich, unsicher und fragend.
    Ein Seufzer antwortete der Anruferin. Danach erwiderte Lena in brummigen Ton: „Nele, wie oft hab ich schon gesagt, dass ich auf deine Anrufe keinen Wert lege?“
    Jetzt war von der sonnigen Laune der Anruferin nichts mehr übrig. Ihre Stimme zitterte leicht, als sie erwiderte: „Lena, warum sagst du so etwas? Ich bin deine Schwester. Alles was ich möchte ist, dir zu helfen.“



    „Nele, sei nicht schon wieder so melodramatisch. Ich hab es dir schon tausendmal gesagt. Ich brauche keine Hilfe.“ Wie kalt die geliebte Stimme klingen konnte! Nele fragte sich nachdenklich, ob sie überhaupt noch einen Platz in Lenas Herzen hatte. „Das sagst du andauernd. Aber es ist mir egal. Ich bin deine Schwester, wir sind doch eine Einheit, ein Team…“ Weiter kam Nele nicht, sie wurde prompt von ihrer Schwester unterbrochen. Ungeweinte Tränen schwangen ihr nun aus der Muschel entgegen. „Was willst du mit einer Mörderin als Schwester? Ich bin es nicht wert, geliebt zu werden.“
    Nele dachte nicht daran, sich verunsichern zu lassen. Resolut entgegnete sie: „Du tust dir selbst am meisten leid, merkst du das nicht? Komm endlich hervor aus deinem Schneckenhaus. Gott, Lena! Du bist nicht Schuld! Ich bin mir sicher, dass es nur ein Unfall war. Zugegeben, ein schlimmer und bedauernswerter. Aber du konntest nichts dagegen tun.“ „Nele, erspare mir das. Erspare mir auch deine nervigen Anrufe. Ich brauche dich nicht! Lass mich in Zukunft in Ruhe. Es ist und bleibt eine Tatsache: Ich bin eine Mörderin.“



    Zack, schon hatte sie aufgelegt. Nele seufzte abermals schwer. So konnte es einfach nicht weiter gehen! Lena war kurz davor, sich selbst zu zerstören. Sie bestrafte sich für diese Tat, welche sie ihrer Ansicht nach alleine zu verantworten hatte. Dabei wusste keiner so genau, was wirklich geschehen war. Fest stand durch die Spurensicherung eindeutig, dass Lena keine Schuld an dem Unglück trug. Auch Zeugen hatten unabhängig voneinander ausgesagt, dass es ein Unfall gewesen war! Nele war ratlos. Resigniert warf sie einen Blick in den Spiegel über dem Telefon. Ein meergrünes Augenpaar blitzte ihr daraus entgegen. Langes, dunkles Haar schmiegte sich weich um ihre Schultern. Früher war alles so einfach gewesen. Da hatte ihr schön geschwungener Mund noch herzhaft gelacht. Es war ein offenes, ansteckendes Lachen gewesen. Ein Lachen, dass sich auch in ihren Augen widerspiegelte. Sie war so ungezwungen gewesen. Frei, jung und ohne Verpflichtungen. Das Leben hatte für Nele immer einen grossen Spass dargestellt. Doch durch diesen verhängnisvollen Unfall Aijas hatte sich alles verändert. Lena, ihre grosse Schwester, war plötzlich das kleine Kind. Sie, Nele, hatte das Gefühl über Nacht erwachsen geworden zu sein. Alles war so unwichtig geworden. Discos, Partys, Spass…es bedeutete für sie nicht mehr das Geringste. Lena – ihr Leben lang war sie für Nele da gewesen. Nun musste Nele für sie da sein. Sie war kurz davor, Lena zu verlieren. Die Angst, dass sich diese etwas antun würde, war grösser als alles bisher da gewesene. Alles würde sie tun, um Lena zurück ins Leben zu führen. Sie schwor es sich in diesen Sekunden ganz fest…


    ~ End of Chapter Two ~


  • @ KleineMaus123, Dankeschön für deinen Kommentar, wir haben zu sehr darüber gefreut.
    Waurm Aija Tod ist wird sich in diesem Teil teilweise aufklären.
    Wir hoffen trotzdem dass du weiterhin die FS verfolgst und sie dir, sowie den anderen gefällt.


    @ Followingini, wir lieben Dank! Die Schriftgröße hab ich gleich geändert, so dass der Text nun größer und übersichtlich ist.


    @ [†]Nemesis[†], auch dir ein herzliches Dank.


    Nun geht es weiter. Wie hoffen dass euch der weitere Verlauf gefällt.. Viel Spaß beim lesen.




    ~ *~ Kapitel Three ~*~
    ~ Qualvolle Erinnerungen ~





    Tränenblind stolperte Lena die Strasse entlang. Die mitleidigen, fragenden und neugierigen Blicke der Passanten nahm sie nur am Rande wahr. Sie musste auch gar nicht auf den Weg achten. Sie kannte ihn in- und auswendig. Wie oft war sie mit Aija diese Strasse entlang geschlendert. Auch damals, an diesem grauenhaften Tag…wie stets wenn sie in diese Strassenecke einbog kehrten all die grausamen Erinnerungen zurück. Es war ein quälender Alptraum und hier erfasste Lena die aufgeladene Schuld stärker als an allen anderen Orten. Dennoch kam sie Tag für Tag hierher. Auch, um sich selbst damit zu quälen. Sie wollte leiden und den qualvollen Schmerz spüren. Es musste so sein, sie hatte es nicht anders verdient. Gedankenverloren strich sie über die Blumen in ihrer Hand. Dann hob sie den Blick und erblickte Aijas Lieblingscafe….und die Bilder stürmten mit aller Macht auf sie ein.




    Es war ein strahlend schöner Frühlingstag gewesen. Seid langem schien die Sonne endlich wieder von einem wolkenlosen Himmel. Es war zwar noch etwas kühl, aber die Seele schien richtig aufzuatmen nach dem langen, harten Winter.
    „Cool, jetzt gönnen wir uns ein Eis in unserem Lieblingskaffee.“ Aija strich sich mit der nur ihr eigenen Geste eine nicht vorhandene Haarsträhne aus der Stirn. Wie stets sass ihre Frisur wie angegossen. Sie sah einfach umwerfend schön aus.
    „Bist du irre? Aija, es hat gerade mal um die 15 Grad. Wir frieren uns doch den Allerwertesten ab. Noch dazu im Freien! Darüber denken wir im Sommer nochmals nach.“ Lena schüttelte über so viel Unvernunft demonstrativ ihren hübschen Kopf, dass die Kurzhaarfrisur regelrecht in Unordnung geriet.
    Aija allerdings entlockte das nur ein perlendes Lachen. „Ich möchte jetzt ein Eis und nicht im Sommer. Im Sommer kann jeder Eis essen. Ist doch lustig, sei kein Frosch.“
    Wie stets hatte Lenas Protest nicht das Mindeste genützt. Ergeben folgte sie ihrer Freundin auf die menschenleere Kaffeeterrasse am Fluss. Fröstelnd schlang sie ihre schlanken Arme um ihren Körper.




    Aija kicherte vergnügt. „Sei nicht so empfindlich. Ausserdem haben wir hier unsere Ruhe. Ich hab dir nämlich etwas Aufregendes, Megastarkes mitzuteilen.“
    Lena zog indigniert die Augenbrauen in die Höhe. Immer, wenn bei Aija etwas „Megastark“ war, brachte es gewisse Unannehmlichkeiten für Lena mit sich.
    „Du kennst doch diesen neuen Club am Rande der City. Er soll total angesagt sein. Da steppt der Bär. Genau dort werden wir zwei Hübschen heute Abend auftauchen.“ Diese Worte hatten beinahe etwas Dramatisches. Man könnte meinen, der Weltfrieden hinge von diesen ab. Lena rückte unbehaglich auf ihrem Stuhl hin und her.
    „Aija, du weißt genau das du dort nicht so ohne weiteres hinein kommst. Nur ausgewähltes Publikum ist dort gestattet. Woraus dieses Publikum besteht, brauche ich dir nicht zu sagen. Drogensüchtige und Kleinkriminelle! Was willst du ausgerechnet dort?“ Lenas Stimme klang ziemlich energisch. So, wie man es dieser zarten Person nicht zugetraut hätte.
    „Lenchen, jetzt mach daraus kein Drama. Der Club ist total in! Was denkst du, wie uns alle anderen beneiden wenn wir diese heiligen Räume betreten? Chris hat uns jederzeit freien Eintritt verschafft. Ist das nicht allererste Sahne?“ Aija rollte genießerisch mit den Augen.




    Lena glaubte, nicht richtig gehört zu haben. „Bist du verrückt? Was hast du immer noch mit diesem Chris zu schaffen? Du weißt, dass der nicht ganz stubenrein ist. Ich würde mich nicht wundern, wenn der einiges auf dem Kerbholz hat. Wenn du in diesen Club willst – bitte. Ohne mich!“
    Aija verzog wütend ihre schmalen, perfekt gezupften Brauen. „Jetzt sei nicht so spießig! Chris ist in Ordnung. Zugegeben, er sieht etwas wüst aus. Aber seid wann ist dir das Äussere so wichtig? Ich hätte nicht geglaubt, dass du in solch klein karierten Bahnen denkst. Du bist so langweilig. Nichts gönnst du mir.“ Damit sprang Aija auf und verließ schluchzend das Kaffee. Lena blieb nichts anders übrig, als ihrer Freundin zu folgen.
    „Aija, nun warte doch. Ich mache mir einfach nur Sorgen, dass ist alles. Bitte jetzt weine nicht.“ Wie stets hatte Aijas Nummer Wirkung gezeigt. Ihre Tränen hinterließen einen tiefen Eindruck bei Lena.
    „Ich hab es doch nicht böse gemeint, Süsse. Aber dieser Club ist einfach nicht das Richtige für uns. Komm schon, lass uns nicht mehr streiten.“ Lena musterte ihre Freundin aufmerksam.




    Diese dachte nicht daran, klein beizugeben. Lauernd erwiderte sie: „Also gut, vergessen wir das Ganze. Heute Abend um 20 Uhr werden wir im Club erwartet.“
    Lena schnaubte verärgert. „Ich komme nicht mit, diesbezüglich lass ich nicht mit mir reden!“ Verärgert blitzen ihre Augen in einem ungewöhnlich dunklen Farbton. Daran war zu erkennen, wie erzürnt Lena im Innersten war.
    Aija schmollte weiter. „Dann lass es doch. Ich brauche dich bestimmt nicht um glücklich zu sein. Hau doch ab, wenn du so langweilig bist.“
    Lena unterdrückte mühselig die aufsteigenden Tränen. Noch nie war ein Streit dermassen ausgeartet. Sei wollte sich auf gar keinen Fall mit ihrer Freundin entzweien! Alles, nur das nicht!




    Um dem Streit beizukommen, rannte Lena hinter Aija her. Diese dachte nicht daran, ihre Schritte zu verlangsamen.
    „Aija, bitte bleib stehen!“ Doch es nützt nichts, Aija schien tief gekränkt zu sein.
    Irgendwann jedoch schaffte es Lena, Aija am Arm zu fassen. Abrupt blieb diese daraufhin stehen. Was dann geschah, konnte Lena sich bis heute nicht verzeihen. Angriffslustig stand Aija vor Lena. So hatte diese ihre Freundin noch nie erlebt.
    „Wage es nicht, mich nochmals zu stossen.“ Ihre Augen bekamen einen beinahe harten Glanz.
    „Ich habe dich nicht gestossen, was soll das Aija?“ Lenas ganze Verwunderung kam in diesem Satz zum Ausdruck.
    „Du hast mich sehr wohl gestossen. Hast du wohl nicht gemerkt, was? Wolltest du mich umbringen, ja? Auf die Strasse schubsen?“ Aija schien nicht mehr Herr ihrer Worte zu sein.
    Lena zitterte am ganzen Körper. „Aija, warum sagst du das? Was ist bloss in dich gefahren? Warum sollte ich dich auf die Strasse stossen?“
    Wütend und voller Hass schauten Lena die bisher vertrauten Augen ins Gesicht. Dabei rempelte sie Lena an und ging weiter....direkt auf die Strassenkreuzung zu.




    Lena sah den Bus kommen. Aija schien diesen in ihrer Wut nicht zu bemerken. Atemlos und starr vor Schreck stand Lena ganz still. Dann ging plötzlich ein Ruck durch ihren Körper. So schnell sie konnte lief sie Aija hinterher und wollte sie zurückziehen. Sie bekam Aija auch zu fassen und zog an deren Arm.
    Doch anstatt Aija aus der Gefahrenzone zu bringen, lud sie schwere Schuld auf sich. Niemals in ihrem ganzen Leben würde sie den markerschütternden Schrei Aijas vergessen: „LENA! NEIN! NICHT! TUE ES NICHT!“
    In diesen Sekunden fiel Aija auf die Strasse. Danach war nur noch das Quietschen von Bremsen zu vernehmen. Es herrschte beinahe atemlose Stille für wenige Sekunden. Als Lena klar wurde, dass sie Aija gestossen hatte, brach sie beinahe lautlos zusammen.
    In diesen schrecklichsten Sekunden ihres Lebens wurde ihr vor der gnädigen Ohnmacht schlagartig bewusst: „Ich bin eine Mörderin!“


    ~ End of Chapter Three ~

  • @ Nerychan, wow.. dein Kommentar haut uns wirklich um. Unendlich lieben Dank! Wir werden ab sofort nur noch die deutsche version benutzen^^


    @ Lenya, auch dir ein ganz dickes danke...


    Ansonsten muss ich leider sagen, dass die Bilder zu diesem Teil mir leider nicht so gut gelungen sind. Wird sich allerdings ab dem nächsten Kapitel wieder ändern versprochen. ich hoffe ihr verzeiht mir die teilweise kahlen Bilder und das auf dem letzten Bild vorhandene zzzZZzz...


    KAPITEL 4
    MÖRDERIN!



    Immer noch zitternd stand Lena vor dem besagten Cafe. Wie lange wohl schon? Sie wusste es selbst nicht. Es war das Erste mal, dass sie es nicht packte die Blumen an dem dafür vorgesehen Ort abzulegen. Dort an der Strassenkreuzung, an welcher Lena ihre beste Freundin in den Tod gestossen hatte. Keinen Schritt konnte sie weiter in diese Richtung setzen. Es ging einfach nicht.
    Lena fing an zu rennen, weiter und weiter. Nur weg von diesem Ort, weg von diesen Erinnerungen, weg vom Ort des Geschehens. Unwillkürlich schlug sie dabei den Weg zum Friedhof ein. Atemlos blieb so vor dem Tor stehen und lehnte ihre überhitze Stirn an die kühlen Gitterstäbe. Sie brauchte jetzt diesen Ort der Ruhe.
    Schluchzend und am ganzen Körper bebend stand sie schließlich vor Ajas Grab. Es war ein mehr als protziger Grabstein, welcher Aijas letzte Ruhestätte schmückte. Er zeugte vom Reichtum der Familie. Unsicher blickte Lena auf den Blumenstrauss in ihren Händen. Sie wusste, hier war sie nicht erwünscht. Aber eine unsichtbare Macht hatte sie hierher gezogen. Sie nahm ihre ganze Kraft zusammen und legte die wunderschönen Nelken auf das Grab.




    „Was tust du hier?“ Erschrocken wandte sich Lena um und blickte in ein vor Hass sprühendes Augenpaar. Es gehörte Niko, Aijas Bruder!
    „Niko, bitte, lass mich Aijas Grab besuchen…“ Weiter kam sie nicht, Niko schnitt ihr mit einer Handbewegung das Wort ab. „Ich sage es dir nochmals, verschwinde! Du bist hier nicht erwünscht! Oder muss ich dich daran erinnern, wer Schuld daran ist das SIE HIER liegt?“
    Nein, dass musste er wirklich nicht. Lena wusste auch ohne seine ständigen Schuldzuweisungen, wie schwer die Last ihre Schultern nieder drückte. Mit einem Ruck riss er die Nelken vom Grab und schleuderte sie vor Lenas Füsse.
    „Niko, ich schwöre dir, ich wollte das nicht….“ Lenas Stimme zitterte wie Espenlaub. Tränen rannen wie Sturzbäche über ihr jetzt blasses Gesicht.
    „Das hättest du dir vorher überlegen müssen. Dafür ist es an diesem Punkt zu spät. MÖRDERIN!“
    „HALT SOFORT DIE KLAPPE!“ Energisch klang diese Stimme. Diese Worte waren leise ausgesprochen worden, wie es dem Ort angemessen war. Aber der Klang der feinen Mädchenstimme verlieh den Worten auch so die nötige Bedeutung.
    „Wie kannst du es wagen, meine Schwester so zu quälen?“ Blitze sprühten aus den Augen der klaren Mädchenaugen. Nele hatte sich zur ihrer vollen Grösse vor Niko aufgebaut. Der ganze Körper eine einzige Empörung.




    Niko schnaubte verächtlich. „Ah, der weibliche Schutzpatron. Das hilft deiner Schwester auch nicht weiter! Lass dir das gesagt sein. Sie ist und bleibt eine MÖRDERIN!“
    PATSCH, schon landete Neles Rechte scheppernd auf seiner Wange. Verdutzt und völlig verblüfft starrte Niko zuerst auf Nele und legte dann seine Hand auf die brennende Stelle. Deutlich zeichnete sich darauf ihre Handschrift ab.
    „Merk dir das für die Zukunft, du, du….“ Sie hielt knurrend inne. „Nur dieser heilige Ort verbietet mir das auszusprechen, was ich mir denke. Du weißt genauso gut wie ich, dass Lena vor dem Gericht schuldfrei gesprochen wurde. Es war ein bedauernswerter Unfall. Daran kann niemand etwas ändern.“
    Wieder vernahm man Nikos spöttische Stimme. „SCHULDFREI! Das ich nicht lache. Ihre Schuld konnte nur nicht zweifelsfrei bewiesen werden. Im Zweifel für den Angeklagten!!! So hieß es im Prozess. SO und NICHT anders.“ Seine Stimme wurde nun beinahe ein Flüstern: „Hast du überhaupt eine Ahnung wie es ist, die eigene Schwester auf dem OP Tisch zu haben und nichts tun zu können? Weißt du wie es ist, einen Teil von sich selbst beerdigen zu müssen? NEIN? Dann rede nicht so blöd daher.“
    Nele musterte Niko ohne die geringste Regung. Sie warf ihm einen undefinierbaren Blick zu und zog Lena mit sich. Diese ließ alles teilnahmslos mit sich geschehen.




    Zuhause angekommen, drückte Nele ihre Schwester auf das bequeme Sofa und bereitete einen starken Kaffee zu. Genau das brauchte Lena jetzt! Sonst würde sie noch zusammenklappen. Noch immer hatte Lena kein Wort gesprochen. Man sah ihr nicht an, woran sie gerade dachte. Sie schien weit weg zu sein. Nele seufzte schwer und hielt einfach nur ihre Hand. Mehr, dass wusste sie, konnte sie zu diesem Zeitpunkt nicht tun. Lena würde ohnehin nicht reagieren. Doch diesmal täuschte sich Nele. Auf einmal schluchzte Lena herzzerreissend und warf sich auf das Sofa.
    „GEH! Lass mich alleine.“ Ihre Stimme überschlug sich. Nele zog es das Herz zusammen.
    „Ich lass dich bestimmt nicht alleine. Da kannst du machen, was du willst. Lena, ich liebe dich! Ich möchte dir helfen, lass es doch endlich zu!“
    „Nele, was willst du mit einer Mörderin? Niko hat doch Recht! Das Gericht hat es damit begründet, dass meine Schuld nicht zweifellos nachgewiesen werden konnte. Dabei hätte ich nichts gegen ein Urteil einzuwenden gehabt. Ich wollte schuldig gesprochen werden, verstehst du? UND JETZT VERSCHWINDE ENDLICH! HAU AB!“
    Nele wusste, dass sie hier nichts mehr tun konnte. Sie erhob sich, Tränen verschleierten ihren Blick. „Ich werde nie aufhören, dich zu lieben. Melde dich bei mir, wenn du mich brauchst. Deine Worte kommen aus deiner vergifteten Seele. Irgendwann wirst du verstehen, was geschehen ist. Dann bin ich da. Immer. Egal was du jetzt sagst.“
    Tapfer drängte sie weiterhin ihre Tränen zurück und verließ das Haus. Jetzt war Lena alleine. Alleine mit sich und den Erinnerungen. Wenn sie doch wenigstens bei der Beerdigung dabei gewesen wäre. Doch es war nicht möglich gewesen. Bilder tauchten vor ihrem geistigen Auge auf. Quälend schloss sie diese und fiel in einen unruhigen Schlaf.




    [I]„VERSCHWINDE! Ich will dich hier nicht sehen! HAU AB, oder ich vergesse mich.“ Laut und deutlich hatte seine Stimme geklungen. Weithin schallte sie über den mit Menschen übervollen Friedhof. Jeder wollte Aija die letzte Ehre geben. Ihre Eltern waren sehr beliebt und angesehen gewesen. Diese Schmach hatte sie bis ins Mark getroffen. Alle hatten auf sie gestarrt. Am liebsten wäre sie an Aijas Stelle beerdigt worden.
    „Aber Niko….“ Dieser gab ihr keine Chance, zu Wort zu kommen. „Du bist hier nicht erwünscht. Verschwinde!“
    Als das Getuschel und Gemurmel immer lauter wurde, rannte Lena wie gehetzt aus dem Friedhof. Es wäre die Beerdigung ihrer Freundin gewesen. Diesen letzten Weg hatte sie nicht mit dieser gehen können. Es war ihr verboten worden. Von diesem Tag an erhielt sie beinahe täglich Briefe und Anrufe eindeutiger Art. Niko forderte sie darin auf, sich von Aijas Grab fernzuhalten. Immer und immer wieder beschuldigte er sie darin des Mordes. Keiner wusste von diesen Briefen. Nicht einmal Nele. Sie nahm es als Strafe ihrer Schuld hin. Sie fand es in Ordnung, wie es war. Niko hatte das Recht zu diesen Dingen. Ihr wurde niemals bewusst, dass auch er sich damit strafbar machte.




    Es kam Lena schwer an, niemals das Grab ihrer Freundin sehen zu dürfen. Niemals Blumen auf das Grab zu legen…aus diesem Grunde legte sie Tag für Tag Blumen am Gehsteig der Strassenkeuzung nieder. Es war die einzige Möglichkeit, Aija einen Gruss zu übermitteln. Oft sprach sie mitten auf der Strasse mit Aija. Menschen tippten sich dabei bezeichnend an die Stirn. Es war ihr egal. „Aija, verzeih mir. Ich wollte dich nicht stossen. Ich würde alles tun, könnte ich das rückgängig machen. Oh Aija, warum mussten wir uns so streiten? Warum hab ich das zugelassen? Warum habe ich nicht einfach eingelenkt und bin vernünftig geblieben? WARUM WARUM WARUM? Bitte, verzeih mir.“




    Unruhig wälzte sich Lena im Schlaf. All diese Bilder geisterten durch ihre Träume. Niemals würde sie jemals mehr ein normales Leben führen können.[/I]

  • @ Lenya, es freut einen wirklich sehr, wenn man merkt,
    welche Gedanken du dir um den weiteren Verlauf bzw. das Geschehene machst. Kiitos!


    Hier ein neues Kapitel.
    Ansonsten wünschen wir euch wie immer, viel fun, beim readen..



    KAPITEL 5
    ABSCHIED



    Lena war an einem Punkt angelangt, an welchem sie keine Kraft mehr schöpfen konnte. Woraus auch? Sie fühlte sich so leer wie noch nie seid diesem Unfall. Eine Woche war seid der Begegnung mit Niko auf dem Friedhof vergangen. Eine Woche, in welcher sie sich fast ausnahmslos in ihrem Bett verkrochen hatte. Gelegentliche Anrufe Neles hatte sie geflissentlich ignoriert. Sie wollte von niemanden etwas hören oder sehen. Sie wollte…STOP! Nicht weiterdenken. An diesem Punkt angelangt schüttelte Lena über sich selbst den Kopf. Nein, dass ging einfach nicht. Das konnte sie nicht tun. Ihre Schuld war noch nicht abgetragen. Würde sie überhaupt jemals abgetragen sein?
    Wieder das Klingeln des Telefons. Sie wusste, wenn sie Nele weiterhin ignorierte würde diese bald wieder auftauchen. Das jedoch wollte sie nicht. Also nahm sie seufzend den Hörer ab.
    „Nele, bitte lass mich zufrieden….“ Sie hörte ein hässliches Lachen am anderen Ende der Leitung.
    Eine verzerrte Stimme rauschte ihr aus dem Hörer entgegen. „Ich werde kommen, um dich zu holen! Nicht mehr lange und ich hole dich.“




    „Wer….wer….wer…ist da?“ Lena hatte Angstschweiss auf der Stirn. Passierte das alles wirklich? Oder war es ein böser Traum?
    „Hier ist Aijas Rächer. Ich werde dich holen.“
    Zitternd ließ Lena den Hörer fallen. Ein dröhnendes Lachen scholl ihr daraus entgegen.
    „NEIN! Ich will das alles nicht mehr! Ich kann nicht mehr! NIKO! Lass mich doch zufrieden.“
    Damit rannte sie panisch in ihr kleines Badezimmer und schloss sich darin ein. Wie von Sinnen öffnete sie das Fenster und sog tief die klare Luft in sich auf. Sie hatte das Gefühl nur so noch atmen zu können. Gehetzt schaute sie sich um. Wo sollte sie nur hin? Was konnte sie tun? An diesem Punkt überkam sie plötzlich eine grosse Ruhe. Sie wusste jetzt, was sie zu tun hatte. Der Zeitpunkt war gekommen, da gab es keine Verbote mehr. Entschlossen trat sie an den Badezimmerspiegel und öffnete das darunter befindliche Medizinschränkchen. Energisch öffnete sie dieses und nahm den darin befindlichen Damenrasierer heraus. Mit stoischer Ruhe entfernte sie die Rasierklinge und setzte sich damit in das hinterste Eck ihres Badezimmers.




    Eine grosse Ruhe überkam sie. Langsam und ruhig setze sie die Rasierklinge an die Pulsadern. Mit einem Ruck durchschnitt sie diese. Es tat nicht einmal weh. Als sie das ganze Blut strömen sah, vernahm sie deutlich in Gedanken die Stimme Neles: „Ich liebe dich doch! Ich brauche dich!“ In diesem Augenblick erwachte sie aus einer Trance. Erwachend starrte sie auf das ganze Blut. In diesem Moment spürte sie deutlich, dass sie nicht sterben wollte. So konnte es doch nicht enden! So sollte es nicht enden! Mit zitternden Knien stand sie auf und wollte nach dem Badezimmertuch greifen. Doch sie war zu schwach dazu. Lautlos sackte sie in sich zusammen. „HILFE!“ schrie sie noch mit allerletzter Kraft. Dann wurde es dunkel um sie. War dies das Ende?




    „Lena? Mach doch endlich auf.“ Nele drückte zum wiederholten Male auf die Haustürklingel. Doch nichts rührte sich. Das Haus blieb still, totenstill.
    Nele verspürte eine grosse Unruhe in sich aufsteigen. Hier stimmte etwas nicht, eine nicht zu erklärende Angst schnürte ihr die Kehle zu. Doch sie konnte diese Angst nicht genau bestimmen.
    Nun hörte sie deutlich einen schwachen Hilferuf. Es konnte keinen Zweifel geben, jemand schrie um Hilfe. Als ihr bewusst wurde, dass es sich dabei um ihre Schwester handelte, wurde ihr heiss und kalt zugleich. Was sollte sie tun? Wie kam sie bloss ins Haus?




    Panisch umrundete sie die kleine Wohnung und überprüfte alle Fenster. Grenzenlose Angst erfasste sie, als sie glaubte alle Fenster verschlossen zu sehen. Sie versuchte, ruhig zu bleiben und atmete tief durch. Da vernahm sie ein leises Geräusch. Sie hob den Blick und starrte sekundenlang auf das Badezimmerfenster. Es war gar nicht verschlossen! Der Wind hatte es nur zugeschlagen. Sportlich wie sie war, gelang es ihr ohne Probleme durch das Fenster in das angrenzende Badezimmer zu gelangen. Als sie ihre Schwester inmitten der Blutlache sah, erfasste sie ein tiefer Schmerz.
    „Oh Gott Lena, NEIN!“ Schluchzend fiel sie vor ihrer Schwester auf die Knie.
    „Lass mich nicht alleine, ich brauche dich doch! Du bist mein Leben, du darfst jetzt nicht gehen. LENA!“
    Ihr Herzschlag setze für einen kurzen Moment aus. Mit Lena verlor sie den wichtigsten Teil in ihrem Leben. Wie sollte es jetzt nur weiter gehen?


  • @ Nerychan, wir haben uns riesig über deinen Kommentar gefreut, vielen vielen dank.. eins kann ich dir auf jeden Fall versprechen, die Story wird weiter Elemente einer psychichen Achterbahn enthalten ;)


    @ Lenya, auch dir ein dickes danke. Ich weiß was du meinst. Ich benutze echt alle cheats die man so kennt, um denkblasen etc. auszuschalten und solche dinge, wie die herzchen die ja bedingt ganz niedlich sind, im bezug auf bilder machen bei einer fs eher störend sind und trotzdem gibt es sachen wie eben die herzen, die sich nicht ausschalten lassen *drop*


    @ cassio, schön das du zu unserer FS gefunden hast und sie dich so zu begeistern scheint. Was deine Vermutungen angeht, sage ich lieber nichts... nur eins: die Dinge scheinen nicht immer so, wie sie sind ;)


    So und nun das neue Chapter, ist diesmal etwas länger... viel spaß beim lesen und bilder anschauen ^^



    Kapitel 6 (Teil 1)
    ~ Ist es das, was du wolltest? ~



    „Bist du nun zufrieden?“ Neles Augen schossen Blitze. Sie schien nicht gewillt, sich so schnell abweisen zu lassen.
    Niko schien diese Tatsache nicht sonderlich zu berühren. „Was kann ich dafür, wenn sie sich gleich umbringt?“
    Nele erinnerte in diesen Sekunden an einen Vulkan, der kurz vor dem Ausbruch stand. „Deinetwegen hat sie diesen Schritt unternommen. Oder willst du etwa leugnen, sie am Telefon bedroht zu haben?“
    Niko schüttelte unwillig den Kopf. „Jetzt drehst du genauso durch wie deine Schwester. Ihr seid schon ein seltenes Gespann.“
    „Hör auf so unverschämt zu lügen! Hast du ihr nicht gesagt, du würdest sie holen? Leugne es nicht, ich glaube das was Lena mir gesagt hat.“ Nele dachte nicht daran, sich aus der Ruhe bringen zu lassen.
    „Spinnst du jetzt total? Es mag sein, dass ich sie nach der Beerdigung ein paar Mal angerufen hatte. Es mag auch sein, dass ich ihre Schuldgefühle dadurch geschürt habe. Aber es war mein gutes Recht! Aber hinter diesen anderen Drohanrufen bin nicht ich zu finden!“




    „Wer es glaubt…meinst du etwa, ich kaufe dir das ab?
    Vergiss es. Ist dir eigentlich klar, dass du beinahe selbst zum Mörder geworden wärst?“

    „Nele, jetzt mach aber mal halblang. Ich sage dir noch einmal, ich habe nichts mit den Anrufen zu tun. Des Weiteren kannst du mich deshalb bestimmt nicht als Mörder bezeichnen.“
    „Na gut, halten wir fest. Selbst wenn du es nicht gewesen wärst, ich betone WÄRST, so hast du sie Monatelang massiv unter Druck gesetzt. Ihr Schuld eingeredet und sogar den Besuch an Aijas Grad verboten. Verdammt noch eins, Niko! Glaubst du das bringt dir Aija zurück? Meinst du ernsthaft, sie wird dadurch wieder lebendig? Reicht es nicht, dass Aija gestorben ist? Muss auch noch Lena sterben? Was hast du davon wenn sie tot ist? Sag es mir, JETZT!“
    Niko schluckte schwer. So hatte wirklich noch niemand mit ihm gesprochen.




    „Antworte mir, was bringt es dir?“
    Sie krallte sich an seinem Arm fest und zwang ihn so, ihr in die Augen zu sehen.

    Er schien diesen Schmerz nicht zu spüren. Etwas anderes spürte er und das ließ sein Herz aufgeregt schlagen. Noch nie hatte er ein solch schönes Augenpaar gesehen. Diese ebenmässigen, anmutigen Gesichtszüge glichen denen eines Engels. „Bist du schön.“
    Nele glaubte, nicht richtig gehört zu haben. „Sag mal, was geht mit dir ab?“

    Sie wirkte so verblüfft, dass er unwillkürlich schmunzeln musste. Mit einer unendlich zärtlichen Geste strich er ihr eine Haarsträhne aus der Stirn.
    „Ich mein das ganz ernst, du bist eine wahnsinnig schöne Frau. Ich glaube, ich habe mich schon vor langer Zeit in dich verliebt. Aber gemerkt hab ich es erst heute.“ Nikos Augen schimmerten vor unterdrückter Sehnsucht.
    Nele war total perplex. „Wovon sprichst du? Findest du die Situation etwa passend, mir eine Liebesszene zu machen? Meine Schwester wäre beinahe gestorben und das wegen dir! Nenne mir einen vernünftigen Grund, weshalb ich deine Gefühle teilen sollte? Du bist doch krank im Kopf.“

    ~ geht noch weiter ~

  • Kapitel 6 (Teil 2)
    ~ Ist es das, was du wolltest? ~




    Nikos Augen funkelten. „Ich bin verrückt, ja. Verrückt nach dir, Schönheit.“ Damit beugte er sich über Nele und gab ihr einen Kuss auf die roten Lippen. Diese wollte sich zuerst heftig wehren, doch die Schmetterlinge in ihrem Bauch sprachen eine andere Sprache. Liebte sie ihn nicht auch schon, seid sie ein kleines Mädchen gewesen war?
    Vorsichtig, als könnte er den Moment zerstören, löste er sich von Nele. „Mein Goldengel, von nun an wird alles anders. Es tut mir leid, wie grausam ich zu deiner Schwester war. Mein Herz war so schwer wegen Aija…ich habe sie so sehr geliebt, meine kleine Schwester. Bitte verzeih mir. Ich schwöre dir, die Drohanrufe…ich war das nicht.“
    Nele sah in seine Augen und wusste, dass er die Wahrheit sprach. „Ich glaube dir. Nur alles andere musst du schon meiner Schwester sagen. Nicht mir.“
    Er nickte zustimmend. „Das werde ich, verlass dich drauf. Wenn du möchtest, sofort.“




    Übermütig rannten sie zum vor dem Haus parkenden Auto. Es dauerte lange, bis sie vor Lenas Haus ankamen. Immer wieder mussten sie anhalten, um sich in verzehrender Leidenschaft zu küssen.
    Dann standen sie vor Lenas Bett in deren Schlafzimmer. Blass lag die junge Frau in den Kissen. Sie hatte dunkle Ringe um die Augen. Sie sah wirklich aus, als wäre sie dem Tod gerade eben von der Schippe gesprungen.
    „Lena, Süsse, wie geht es dir? Stell dir vor, Niko möchte dir…“
    „RAUS!“ Lena richtete sich auf und funkelte Niko aus zusammengekniffenen Augen an.
    „Lena, lass dir doch erklären. Er möchte sich entschuldigen.“ Nele schaute unverwandt auf ihre Schwester.
    Diese allerdings schien das wenig zu berühren. „So, entschuldigen möchte er sich. Darauf pfeife ich. Monatelang redete er mir Schuldgefühle ein. Bedrohte mich am Telefon. Jetzt sehe ich ihn Händchen haltend mit meiner eigenen Schwester? Nele, wolltest du nicht immer für mich da sein? Warum tust du das?“
    Niko stupste seine neue Freundin an und flüsterte ihr ins Ohr: „Ich gehe besser und warte draussen auf dich mein Herz.“




    Nele schluckte schwer. Sie wartete, bis Niko das Zimmer verlassen hatte. „Niko hat sich entschuldigt, es tut ihm leid. Verstehe doch, er hat Aija verloren. Einen Teil von sich selbst. Er wusste nicht, was er sagt. Ich glaube ihm. Verzeih auch du ihm, dann wird es dir ebenfalls besser gehen. Vertraue ihm doch. Ich liebe ihn nämlich!“
    Lena lachte trocken auf. „Vertrauen? IHM? Nie! Ich dachte immer, ich könnte dir auch vertrauen. Von mir zu ihm gibt es keinen Weg. Monatelang habe ich mir eingeredet, Schuld zu sein. Habe mir das Leben selbst zur Hölle gemacht! Damit ist jetzt Schluss! Ich nehme mein Leben wieder selbst in die Hand. Dafür brauche ich ihn nicht. Nele, er spielt doch nur mit dir!“
    Nele atmete hörbar ein und aus. „Spinnst du? Niko liebt mich, dass wurde uns beiden endlich klar. Wir lieben uns schon lange heimlich und hatten nur nicht den Mut zueinander zu finden. Ich dachte, du hättest mehr Verständnis für mich.“




    „Verständnis…Wie sollte ich? Nele, dieser Mensch ist Schuld an allem was passiert ist. Ohne ihn hätte ich nie versucht mich umzubringen. Ohne ihn wäre ich nie an diesen Punkt gekommen. Und diesen Menschen liebst du? Er hat mich vom Friedhof gejagt, mir verboten Aijas letzten Weg mitzugehen. Wie kannst du ihn nur lieben?“
    Nele streckte trotzig ihr Kinn in die Höhe. „Ich gehöre zu Niko. Akzeptiere das. Verzeihe ihm und alles wird gut.
    „Er wird nicht aufhören mich zu bedrohen. Nie! Dafür ist sein Hass zu gross. Glaubst du, er legt diesen von heute auf morgen ab?“
    „Lena, er hat eingesehen das er falsch gehandelt hat. Denkst du auch nur einen Moment an mich? Meinst du, es ist leicht die eigene Schwester halbtot aufzufinden? Noch dazu in ihrem eigenen Blut? Glaubst du für mich ist das leicht? Niko hat das verstanden und bereut sein Verhalten zutiefst.“




    „Nele, ich erkenne dich nicht mehr wieder. Vor ein paar Stunden noch hast du ihn verflucht und verdammt. Jetzt liebst du ihn bis in alle Ewigkeiten? Das kann doch gar nicht sein. Nele, dass bist doch nicht du!“ Lenas Stimme war immer leiser geworden. „Ich weiss, dass ich deinem schnellen Handeln mein Leben verdanke. Ich werde dir das nie vergessen.“
    „Dann verzeih ihm endlich, bitte.“ Nele atmete schwer, was ihre tiefe Erregung verriet. „Gegen die Liebe ist kein Kraut gewachsen. Du musst dich entscheiden, mich gibt es nur mit Niko. Oder gar nicht. Wenn du ihn ablehnst, verlierst du auch mich.“
    Lena atmete tief durch. „Dann sei es so.“
    Stolz erhob Nele ihren hübschen Kopf und rauschte aus dem Haus. Hier hatte sie nichts mehr verloren.
    Zurück blieb eine gebrochene junge Frau, die sich aber eines ganz fest schwor: „Ich möchte leben, ich muss einfach. Niemals mehr mache ich eine solch grosse Dummheit. Oh Gott, gib mir die Kraft das auszuhalten. Aija hätte das alles nie gewollt.“


    ~ Kapitel 6 beendet ~

  • @ Lenya, ich denke dass das auch besser so ist ;) Danke für deinen Kommentar!


    Hier nun ein neues Chapter, wir hoffen dass es euch gefällt.

    Kapitel 7

    Nele - Warum?



    Seid Wochen schon hatte Lena nichts mehr von Nele gehört. Auch die Drohanrufe waren ausgeblieben. Was wiederum bewieß, dass es nur Niko gewesen sein konnte. Lena glaubte nicht an Zufälle. Zumindest nicht in diesem Zusammenhang! Ihr ganzes Leben hatte sich geändert. Sie spürte das mit jeder Faser ihres Herzens. Endlich war sie auch mutig genug, an Aijas Grab zu treten. Mutig genug, anderen in die Augen zu sehen und an ihre Unschuld zu glauben. Auf der Schwelle des Todes war ihr so manches klar geworden. Sicherlich trug sie eine moralische Schuld. Der Streit hätte niemals so ausarten dürfen. Aber praktisch gesehen war das alles nie zu verhindern gewesen. Das Schicksal hatte entschieden, damit mussten alle Beteiligten leben.
    Auch äusserlich sah man Lena den Wandel deutlich an. Sie war nicht mehr die verschüchterte Lena, welche sie brav überall untergeordnete. Sie stand ihre Frau und war deutlich selbstbewusster geworden. Offen und ungezwungen ging sie nun ihren Weg, verdeutlichte jedem das sie stark war! Stark genug für diese Welt.
    Sie trug endlich wieder schickere Klamotten, schminkte sich und fühlte sich ganz als junge Frau. Ehrlichen Herzens trauerte sie jetzt um die beste Freundin. Redete am Grab stundenlang mit ihr. Aber nicht mehr mit der alles umfassenden Schuld im Herzen. Sondern mit einer tiefen, ehrlichen Trauer.



    „Aija, das Leben ist schon schrecklich kompliziert. Zuerst verliere ich dich und dann auch noch Nele. Du hättest bestimmt gewusst, wie du mich zum Lachen bringst. Ich sehe deine funkelnden Augen vor mir. Sehe dein strahlendes Lächeln. Du warst so ungezwungen. Oftmals verstand ich dich nicht, wusste nicht was in dir vorgeht. Doch das warst einfach du. Verrückt und Chaotisch.“ Damit legte sie wieder einen gelben Strauss herrliche Nelken auf das gepflegte Grab.
    Plötzlich schaute sie auf zwei schlanke Beine, welche in schwarzen Leinenhosen steckten. Sie richtet sich auf und blickte in ein dunkles Augenpaar. Es waren Aijas Augen.
    „Guten Tag Frau Vuorinen. Ich weiss, ich sollte nicht hier sein. Verzeihen Sie bitte.“
    Damit drehte sich Lena um und wollte Aijas Mutter alleine lassen. Diese jedoch hielt sie zurück. „Unsinn Kindchen. Bitte bleiben Sie hier.“



    Lena blickte wieder in dieses gutmütige Augenpaar. Jetzt fiel ihr auch auf, dass sie zwar dieselbe Farbe hatten wie Aijas, aber sonst anders waren. In diesen fand man Güte, Wärme und Verständnis. Aijas Augen waren immer so trotzig gewesen, aufrührerisch. Komisch, warum fiel ihr das erst heute auf?
    „Wissen Sie, Fräulein Lena, es ist viel passiert. Aber ich wollte Ihnen gerne sagen, dass Sie daran keine Schuld tragen.“ Aijas Mutter musterte Lena voller tiefer Anteilnahme. „Geben Sie sich nicht länger die Schuld und lassen Sie meinen Stiefsohn reden. Ich verstehe ihn selbst nicht mehr. Er ist mir so fremd geworden.“
    “Frau Vuorinen, es tut mir dennoch von Herzen leid. Alles würde ich geben, wäre sie noch am Leben.“
    Die jung gebliebene Frau ihr gegenüber lächelte sanft. Entgegen ihrer Trauer trug sie frische Farben und beinahe jugendlich wirkende Klamotten. Äusserlich hatte sie sehr viel mit Aija gemeinsam. „Ich weiss, dass würden wir wohl alle. Möchten Sie mit mir kommen auf einen Cafe? Wir sollten uns mal ausgiebiger unterhalten.“
    Nur zu gern folgte Lena Aijas Mutter nach.



    Kurz darauf sassen sie sich in Aijas Lieblingscafe gegenüber, ausgerechnet auch noch auf der Terrasse. Diesmal war herrliches Sommerwetter, wie geschaffen dafür. Komischerweise empfand Lena dabei nichts Bedrückendes. Im Gegenteil, sie hatte das Gefühl Aija dadurch näher zu sein.
    „Es ist, als wäre sie hier.“ Versonnen streckte sie ihren Kopf gegen die Sonne und schloss die Augen. „Es war ihr Lieblingsplatz,“ fügte sie erklären für Frau Vuorinen hinzu.
    „Es ist wunderschön hier, nur glaube ich kaum dass meine Tochter diesen Platz auswählte. Sie hatte für diese Dinge keinen Blick. Gestehen Sie, eigentlich war es ihr Lieblingsplatz und Aija hat das nur so hingenommen?“
    Lena blinzelte verdutzt. „Frau Vuorinen….Ja, Sie haben Recht. Irgendwie war mir das noch nie so wirklich bewusst.“
    “Bitte, nennen Sie mich Kiia. Das ewige Frau Vuorinen klingt so steif. Sie gefallen mir, eigentlich schon immer. Ich wollte schon eine Ewigkeit mit Ihnen Kontakt aufnehmen. Aber da gab es so vieles, womit ich erst fertig werden musste. Aijas Tod war ein Schlag für mich. Ein sehr heftiger. Aber das Leben geht weiter. Sei war ein Irrwisch, in ihrem Kopf herrschte nur Chaos.“ Sie lächelte wieder.



    „Frau Vuorinen…äh….Kiia. Es bedeutet mir unheimlich viel, dass sie das Gespräch mit mir suchten. Somit ist auch noch das letzte bisschen Schuld von mir abgefallen. Es dauerte lange, bis ich mir bewusst wurde das ich nicht Schuld bin. Gewiss trifft mich eine moralische Schuld. Aber es war auch nicht zu verhindern.“ Lena hielt bei diesen Worten Kiias Blick stand.
    „Ich weiss, Kind. Ich weiss. Aija war mir schon lange entglitten. Eigentlich habe ich sie schon viel früher verloren. Wir hatten uns nicht mehr viel zu sagen, wissen Sie? Seid sie dieses Teufelszeug nahm, war mit ihr ohnehin nichts mehr anzufangen.“
    Lena schaute verwundert von ihrem Eisbecher auf. „Teufelszeug?“
    Kiia nickte verwundert. „Ja, wussten Sie das nicht? Aija nahm Drogen, schon ziemlich lange.“
    Lena begriff nicht, was sie soeben gehört hatte. Sie musste das Gehörte erst mal sacken lassen, als plötzlich ihr Handy anschlug.
    Sie nahm das Gespräch entgegen und entschuldigte sich kurz bei Kiia. Als sie zum Tisch zurückkehrte, war ihr Gesicht sehr blass. Mit einer Stimme, die nicht ihr zu gehören schien, wandte sie sich an Kiia: Es tut mir leid, ich muss weg. Es ist…Nele hatte einen Unfall. Sie ist tot.“

  • So hier ein neues Kapitel für euch! Zuvor aber auch von meiner Seite aus ein Dankeschön. Beide Kommentare haben mich sehr gefreut und vorallem überwältigt. FunnyChrissy hat ja eigentlich schon alles gesagt! Trotzdem danke, danke danke...


    P.S. Leider sind mir die Bilder mit den Photos nicht so gut gelungen,
    wenn nicht gleich misslungen.
    An dieser Stelle bitte ich um Verzeihung!


    Kapitel 8
    Nie mehr!


    „Nie mehr werde ich in deine strahlenden Augen sehen können. Dir nie mehr sagen, wie lieb ich dich doch hatte. Nele, warum musste das nur passieren?“ Tief erschüttert stand Lena erneut vor einem Grab. Das es ausgerechnet ihre lebensbejahende Schwester erwischen würde, ging ihr nicht in den Kopf.
    Immer noch hörte sie die Stimme des Arztes. „Sie musste nicht leiden, es ging sehr schnell. Fremdeinwirkung können wir zu diesem Zeitpunkt ausschließen.“
    „Sie glauben doch nicht im Ernst, dass sie so mir nichts dir nichts aus dem Fenster fiel?“ Lenas Stimme vibrierte.
    „Ich verstehe Ihren Schmerz, doch man fand weder Spuren von Gewaltanwendung noch sonstiges. Es tut mir leid.“
    Wie war es nur möglich, dass eine gesunde junge Frau einfach so aus dem Fenster fiel? Zufall? Nein, Lena glaubte nicht daran.
    „Wenn ich nur wüsste, was passiert ist. Nele, ich schwöre dir ich finde denjenigen der dafür verantwortlich ist.“ Lenas Gesicht zeigte wilde Entschlossenheit.




    Nein, sie glaubte nicht an einen Unfall. Warum hätte sich Nele so weit aus dem Fenster beugen sollen, um heraus zu fallen? Das war doch völlig aus der Luft gegriffen. Lena war sich sicher, dass hier nachgeholfen worden war. Wie, dass würde sie herausfinden. Sie schwor es sich in diesem Augenblick.
    „Ach Nele, nie mehr werden wir uns aussprechen und versöhnen können. Du warst doch meine Kleine…warum musste es unbedingt Niko sein?“ An diesem Punkt verzogen sich ihre Lippen zu einem schmalen Strich. NIKO!
    Wo war er gewesen? Auf der Beerdigung und auch in der Kirche hatte er sich nicht blicken lassen. Dabei wusste er genau, was passiert war. Er fand sie doch schließlich, rief sogar die Polizei und den Notarzt. Lena konnte sich dieses Verhalten nicht erklären.
    Traurig erhob sie sich und legte einen Strauss bunter Sommerblumen vor das schlichte Steinkreuz.




    Kurz darauf betrat sie die Wohnung ihrer Schwester. Als ihre nächste Angehörige war sie für die Auflösung zuständig. Das fiel ihr weiss Gott schwer. Lange genug hatte sie dies hinaus gezögert. Nun gab es kein Aufschieben mehr. Sie musste wissen, was an jenem Tag passierte. Vielleicht fand sie dort die Antworten.
    Manchmal fragte sie sich, warum sie so stark bleiben konnte. Woher nahm sie plötzlich diese Kraft? Lag es daran, weil sie nicht noch einmal aufgeben wollte? War ihre Seele so abgestumpft? Nein! Sie hatte ehrliche, aufrichtige Tränen um ihre Schwester geweint. Anders als damals bei Aija riss sie das Leben wieder mit. Nach einer gewissen Zeit der Trauer war ihr bewusst geworden, dass es weiter ging. Irgendwie…Diesmal jedenfalls gab es niemanden, der ihr die Schuld gab. Auch sie selbst sah davon ab. Was hätte sie auch tun sollen? Es war nicht zu verhindern gewesen.



    Wonach suchte sie eigentlich? Sie wusste es selbst nicht. Sie ging nicht davon aus, dass sie in einem geblümten Tagebuch die Antwort finden würde. So, wie es in vielen Filmen oft der Fall war. Nein, dies hier war das richtige Leben! Kein Film und auch sonst nichts. Die Realität!
    Tatsächlich fand sie auch nichts, dass eine befriedigende Antwort darstellte. Die Zimmer wirkten, als seien sie eben erst verlassen worden. Neles so typische Unordnung zeichnete sich deutlich ab.
    Plötzlich übermannte sie wieder die Trauer. Schluchzend schmiegte sie ihr Gesicht in eines der zahlreichen Stofftiere. Als sie sich die Tränen abwischen wollte, fiel das Taschentuch zu Boden. Sie bückte sich, um dieses aufzuheben. Dabei fiel ihr Blick unter das Bett auf einen scheinbar irgendwo abgerissenen Fetzen.




    Interessiert nahm sie diesen zur Hand und drehte ihn um. Sie erstarrte. Es war ein Foto Aijas! Auf der einen Seite sah man deutlich, dass es durchgeschnitten worden war. Wer oder was befand sich bloss auf der anderen Hälfte? Suchend glitt ihr Blick durch das Zimmer. Was suchte Aijas Foto im Zimmer ihrer Schwester? Warum war es durchgeschnitten worden?
    Intensiv durchforstete sie nun das Zimmer Neles. Doch die andere Hälfte blieb einfach verschwunden. Entweder hatte sie diese bei sich getragen oder schlicht weg vernichtet. Moment mal…vernichtet? Sie schielte auf den Aktenvernichter. Quatsch, so einfach war das bestimmt nicht! Aber warum nicht…war es nicht einen Versuch wert?
    Der Aktenvernichter enthielt gerade ein paar wenige Streifen. Diese waren deutlich als Fotopapier auszumachen. Sollte sie so viel Glück haben?




    Da half alles nichts. Sie musste ein wenig in ihre Kindheit zurückkehren und puzzeln. Dabei schweiften ihre Gedanken wieder ab. Nach Neles Tod war Kiia eine grosse Stütze für Lena gewesen. Immer an ihrer Seite und mittlerweile waren sie so etwas wie Freundinnen geworden. Es gab nichts, dass sie nicht teilten. Noch immer war Lena richtig verwirrt, dass Aija Drogen genommen hatte. Niemals war davon etwas zu erkennen gewesen. Sicher, oftmals wirkte sie direkt aufgekratzt. Aber das war einfach Aija – nie wäre Lena darauf gekommen das es einen anderen Grund dafür gab. Sie grübelte über ihrer Arbeit gebeugt angestrengt nach. Was wusste sie von ihrer Freundin überhaupt im Nachhinein? Wenn sie ehrlich zu sich selbst war, kam nicht sehr viel zusammen.




    Als ein Windstoss zum Fenster herein strömte und ihre Arbeit wieder vernichtete, seufzte sie brunnentief und schloss den Flügel. Erneut machte sie sich, diesmal hochkonzentriert, an die Arbeit. Sie gönnte sich keine Pause mehr, bis sie das Foto zusammen gebastelt hatte. Es war etwas schief geraten, aber genau konnte man die Person darauf ausmachen. Diese war mit rotem Stift umrandet. Über der Person waren mehrere kleine Blitze gezeichnet worden. Das konnte, dass durfte doch nicht sein. Lena erschrak bis ins Innerste. Gerade eben hatte sie sich gefragt, ob sie Aija überhaupt kannte. Doch wie fremd war ihr jetzt die eigene Schwester geworden?



  • Es geht weiter - wir wünschen euch viel Freude beim Lesen! ;) Eure FunnyChrissy mit Eaver


    KAPITEL 9


    TIEFER HASS





    Lena kämpfte, um ihre verlorene Fassung wieder zu gewinnen. Sie schluckte schwer und versuchte, ihrer Sinne Herr zu werden. Was sie gerade aufdeckte, war mehr als sie ertragen konnte. Wie gross war Neles Hass wohl gewesen? Und warum war dieser überhaupt vorhanden? Sie zermarterte sich den Kopf darüber unablässig, aber nirgends gab es eine Antwort auf all die tausend Fragen.
    Die andere Person auf dem Foto war niemand anderer als sie selbst gewesen – Lena. Nele musste sie gehasst haben. Doch warum? Was waren die Gründe? Auf der Rückseite des Fotos machte Lena mit viel Mühe den folgend Satz aus: „Ich hasse dich, Schwesterherz.“
    Konnte das alles überhaupt sein? Seid wann hasste Nele sie schon? Schon immer oder erst seid der Sache mit Niko? Sie musste mit jemanden darüber sprechen, jetzt sofort!




    Kurz darauf stand sie Kiia gegenüber. Ein Blick in das Gesicht der jungen Frau genügte dieser, um sie einfach in die Arme zu ziehen. Dort konnte sich Lena endlich ausweinen. Viel zu lange schon hatte sie so viel zurück gehalten. Es ging einfach nicht mehr. Kiia war eine Art Mutter für sie geworden. Sie spürte, ihr konnte sie wirklich rückhaltlos vertrauen.
    Als die ersten Tränen versiegt waren, kramte Lena das Foto aus der Tasche. Stocken erzählte sie Kiia von dem eben entdecken Geheimnis.
    “Warum hat sie mich nur so gehasst? Ich verstehe das nicht.“
    „Lena, bitte beruhige dich. Ich glaube nicht mal, dass sie dich hasste.“ Mütterlich tätschelte sie den Arm der jetzt wieder weinenden jungen Frau.
    „Warum dann dieses Foto? Der Text…sie muss mich doch gehasst haben. Ich kann mir das nicht anders erklären.“ Geräuschvoll schnäuzte sie sich in das von Kiia gereichte Taschentuch.
    „Vielleicht war es einfach nur kindlicher Trotz aus einer Situation heraus. Ich glaube, innerlich war Nele noch ein Kind. Ein Kind, dass sich in etwas hineingesteigert hat.“ Kiia hielt nach wie vor Lenas Hand.






    „Ach Kiia, ich weiss überhaupt nichts mehr. Alle Menschen, die ich glaubte zu kennen sind mir so fremd geworden. Und eine völlig Fremde so wie du ist mir so vertraut wie nichts im Leben. Das ist doch nicht normal.“ Sie unterstrich ihre Worte mit einer aufgeregten Handbewegung.
    Kiia schaute gerührt auf die junge Frau. „Mir ergeht es doch genauso. Seid Wochen hab ich nichts mehr von Niko gehört. Aija ist mir schon längst entglitten. Was er tut und wo er ist, weiss ich nicht. Du bist meinem Herzen sehr nahe. Wir brauchen einander, weißt du? Das Schicksal wusste das.“
    Lena lächelte tapfer. „Ohne dich wäre ich nicht mehr hier.“
    “Unsinn,“ widersprach die ältere Frau energisch. „Das redest du dir nur ein. Du bist so stark wie sonst keiner in deiner Situation. Sonst hättest du mich nie getroffen, sondern längst aufgegeben. Ich weiss, du warst mal kurz davor eine Dummheit zu begehen. Aber daran ist niemand Schuld als mein Herr Stiefsohn. Er hat es provoziert. Es war eine Kurzschlusshandlung. Nichts weiter.“




    [I]„Du bist anscheinend fest überzeugt, dass es wirklich Niko war, der mir drohte?“ Sie schluckte schwer. „Ja, dass glaube ich. Ich weiss es. So ist er. Ich wurde nie mit ihm fertig. Vielleicht war ich auch einfach nur eine schlechte Mutter. Ich weiss es nicht. Er tanzte mir auf der Nase herum. Als dann sein Vater uns verließ, war es noch schlimmer. Er tat, was er wollte.“


    „Du bist die beste Mutter, die sich ein Kind nur wünschen kann.“ Wieder ein verzagtes Lächeln. „Du bist wie sie – wie meine Mutter. Genauso gütig und warmherzig, mit einem Herzen aus purem Gold.“
    „Lenchen, dass hast du schön gesagt. Ich danke dir dafür.“ Jetzt wandte sie sich wieder dem Foto zu.
    „Ich würde dem keine allzugrosse Bedeutung beimessen. Es kann wirklich auf die Sache mit Niko hin geschehen sein. Nimm es dir nicht so zu Herzen.
    „Vielleicht hast du sogar Recht.“ Grübelnd knabberte Lena an einem butterweichen Keks. Sie nahm nicht mal wahr, was sie da gerade ass. Trotz ihrer Worte ließ sie das Entdecke nicht los.


    [/I]



    „Warum ziehst du nicht zu mir?“ Kiias Worte rissen sie aus ihrer Versunkenheit.
    „Wie meinst du?“ Fragend und übergross schauten Lenas Augen auf die mütterliche Frau.
    Diese schmunzelte. „Du hast mich genau verstanden. Mein Haus ist gross genug. Zieh zu mir. Dann haben wir beide Ansprache und ich wieder ein Töchterchen zum Verwöhnen. Kinder habe ich ohnehin keine mehr. Nein, widersprich mir jetzt nicht.“ Energisch wischte sie etwaige Einwände schon im Vorfeld vom Tisch. „Niko ist längst nicht mehr mein Kind. Ich hatte nie eine Beziehung zu ihm. Du bist mir mehr Tochter als alles andere. Bitte erfülle mir diesen Wunsch, der aus tiefstem Herzen stammt.“
    Gerührt umarmte Lena die Frau, welche ihr alles geworden war.
    „Nur zu gerne erfülle ich dir diesen Herzenswunsch. Ich fühle mich zuhause längst nicht mehr wohl. Bei dir kann ich insgesamt wieder Frieden finden.“


    Fest hielten sich beide umschlungen. Würde jetzt endlich alles gut werden? Was hielt das Schicksal für Lena noch bereit?

    [CENTER][SIZE=5]"Dein Gesicht lächelt - aber deine Seele weint!"[/SIZE][/CENTER]
    [CENTER][SIZE=3][/SIZE] [/CENTER]
    [CENTER][SIZE=3]Unsere Story:„Immortelle – Blume der Nacht!“ ONLINE! Innad und FunnyChrissy freuen sich auf Euch! [/SIZE][/CENTER]

  • Da das andere Forum anscheinend noch länger ausfällt, möchte ich unsere Leser auf dem Simsforum nicht länger warten lassen oder auf die Folter spannen. Ich denke, Eaver ist mir nicht böse und einverstanden. Der nächste Teil ist schon lange fertig und wir möchten euch diesen nicht vorenthalten.



    Viel Freude bei:



    [FONT=&quot]KAPITEL 10[/FONT]



    [FONT=&quot]ICH KRIEGE DICH[/FONT]



    [FONT=&quot][/FONT]



    [FONT=&quot]Als Lena nach diesem Gespräch zuhause ankam, klingelte das Telefon. Beschwingt nahm sie den Hörer ab, in der Annahme es sei Kiia.[/FONT]
    [FONT=&quot]„Hey Kiia, hast du was vergessen?“[/FONT]
    [FONT=&quot]“Ja, dich.“ Die Stimme, welche sie glaubte nie wieder hören zu müssen. Verzerrt und nicht zu erkennen. Sie wusste sofort – es war dieselbe wie damals.[/FONT]
    [FONT=&quot]„Was willst du Niko?“ Sie beschloss, den Anrufer herauszufordern.[/FONT]
    [FONT=&quot]Ein dröhnendes Lachen antwortete ihr. „Lass dir eines gesagt sein, ich kriege dich.“[/FONT]
    [FONT=&quot]Sie versuchte, nicht in Panik zu verfallen. „Lass mich zufrieden. Aija ist tot, Nele ist tot. Reicht dir das immer noch nicht?“[/FONT]
    [FONT=&quot]Wieder ein Lachen. Lena lief es kalt den Rücken hinunter. Nur jetzt keine Angst zeigen! Dann hatte er schon gewonnen.[/FONT]
    [FONT=&quot]„Was hab ich mit diesen Frauen zu schaffen? Ich will nur dich, Schönheit.“ Bei diesen Worten war sie sich ganz sicher…es konnte nur Niko sein. Schönheit…genauso und mit diesem besonderen Klang hatte er damals Nele genannt. Eine Verwechslung war ausgeschlossen.[/FONT]
    [FONT=&quot]„Also doch, Niko. Was willst du, werde endlich deutlich.“[/FONT]
    [FONT=&quot]„Rache! Und diese werde ich bekommen, verlass dich drauf. Noch etwas – ich bin nicht Niko. Ich kenne keinen Niko. Deswegen solltest du dennoch auf dich aufpassen. Wie schnell passiert ein bedauerlicher Unfall?“ Ein weiteres grässliches Lachen und der Anrufer hatte aufgelegt.[/FONT]


    [FONT=&quot]

    [/FONT]



    [I][FONT=&quot]Lena atmete tief ein uns aus. Dann wählte sie Kiias Nummer.


    [FONT=&quot]Diese war tief erschüttert. „Du musst die Polizei einschalten. Du bist sonst nicht mehr sicher. Wer auch immer das ist, er scheint es ernst zu meinen.“[/FONT]
    [FONT=&quot]“Kiia, nein, dass glaube ich nicht. Er hat bisher immer nur gedroht. Mehr nicht. Ich glaube nicht daran, dass er seine Worte wahr macht. Er möchte mir nur Angst machen.“ Sie schien wirklich nicht besonders besorgt zu sein. Die packende Angst war verschwunden.[/FONT]
    [FONT=&quot]„Lena, sei bitte vorsichtig und nicht zu sorglos. Versprich mir das, ja?“ Kiia war wirklich zutiefst besorgt.[/FONT]
    [FONT=&quot]Die junge Frau schmunzelte. „Es hat sich schon ewig keiner mehr Sorgen um mich gemacht. Das fühlt sich wirklich schön an. Aber du musst dir wirklich keine machen, ich pass schon auf mich auf.“[/FONT]
    [FONT=&quot]Damit verabschiedeten sich die Frauen und legten auf.[/FONT]



    [FONT=&quot][/FONT]


    [/FONT]
    [/I]


    [I][FONT=&quot]In der Tat ließ sich Lena durch den Anruf nicht einschüchtern. Niko hielt sie für verrückt, aber nicht gefährlich. Er war in ihren Augen ein harmloser Irrer. Mit ihren Worten am Telefon bezüglich des Todes von Aija und Nele hatte sie ihn herausfordern wollen. Dass er dahinter steckte, glaubte sie nicht. Aijas Tod war wirklich nur ein Unfall gewesen. Bei Nele wusste sie überhaupt nichts mehr. Sie empfand es als viel wichtiger heraus zu finden, warum dieser Hass existiert hatte. Auch wenn sie Kiia egenüber stets sehr sorglos tat, sie würde nicht eher ruhen bis dieses Geheimnis aufgedeckt war. Auch der geheimnisvolle Anrufer würde daran nichts ändern! NIE!


    [FONT=&quot]Im Anschluss an diese Gedanken machte sie sich ans Packen. Sie wollte so schnell wie möglich raus aus diesem Haus, welches voll gepackt war mit quälenden Erinnerungen. All das gehörte zu einem früheren Leben.[/FONT]





    [FONT=&quot]Viele Erinnerungsstücke an Nele fielen ihr bei dieser Tätigkeit in die Hände. Komischerweise riefen sie nicht die erwartete Trauer hervor. Bevor sie sich nicht im Klaren darüber war, warum dieser Hass existiert hatte, konnte sie nicht mehr ohne Vorbehalte an Nele denken. War es grausam, so zu fühlen? Sie war einfach total verunsichert und konnte nicht heraus aus ihrer Haut. Egal was sie finden und aufdecken würde, sie war bereit dazu.[/FONT]
    [FONT=&quot]Die Möbel würde sie allesamt der Nachmieterin zur Verfügung stellen. Sie brauchte nichts davon. Sie wollte komplett neu anfangen, nachdem sie bei Kiia untergeschlüpft war. Diese wusste nicht, wie intensiv Lena diese Nachforschungen verfolgte. Sie wollte Kiia nicht aufregen oder in erneute Sorgen stürzen. Aber es musste sein. Sie wollte wissen was passiert war. Bis dahin war es notwendig, sich ein neues Leben aufzubauen. Mit Hilfe Kiias würde das schon möglich sein. [/FONT]






    [FONT=&quot]Als die wichtigsten Erinnerungsstücke verpackt waren, ging sie aus dem Haus und fuhr zur der Wohnung ihrer Schwester. Dort angekommen, warteten schon die Möbelpacker auf sie. Sie hatte sich entschlossen, die Möbel zu verkaufen. Ein potentieller Käufer war schnell gefunden. Sie wollte nichts dem Zufall überlassen und ging mit dem nötigen Ernst an die Sache heran. Es warteten nur noch Kleinigkeiten, ausgeräumt zu werden. Während die starken Männer mit den Möbeln zu tun hatten, kümmerte sich Lena um die restlichen persönlichen Dinge im Schlafzimmer. Nirgends fand sie einen erneuten Hinweis, der sie weiter bringen würde. Es war wie verhext. Wo sollte sie bloss zu suchen anfangen?[/FONT]
    [FONT=&quot]In ihrer Versunkenheit bemerkte sie nicht, wie einer der Möbelpacker ihr bewundernde Blicke zuwarf. Dieser hieß Jens Lange und hatte in der Tat noch nie eine solch schöne Frau gesehen. Sie hatte etwas Besonderes an sich und Jens war fest entschlossen, dies zu ergründen.[/FONT]






    [FONT=&quot]Als alle Möbel verladen waren, näherte er sich mutig der jungen Frau. Er war sonst eher schüchtern, doch diesen Moment durfte er nicht ungenutzt verstreichen lassen.[/FONT]
    [FONT=&quot]„Frau Köster, es ist alles verladen.“ Diese schaute kurz auf und mitten hinein in ein tiefblaues Augenpaar. Ein solch intensives blau war ihr noch nie bei einem Menschen aufgefallen. Der Mann besass ein überaus sympathisches, männliches Gesicht und eine durchtrainierte Figur. Sein braunes Haar stand in einem interessanten Gegensatz zu den veilchenblauen Augen. Unwillkürlich klopfte ihr Herz schneller.[/FONT]
    [FONT=&quot]Sie räusperte sich kurz und griff nach ihrer Geldbörse. Sie reichte dem Mann einen grosszügigen Schein. „Ich danke Ihnen allen sehr für die tatkräftige Arbeit. Ich bin damit sehr zufrieden.“[/FONT]
    [FONT=&quot]Jens glaubte, wahnsinnig zu werden bei dieser aufregenden Stimme. Sein Herz hämmerte wie verrückt in seiner Brust. Jetzt oder nie![/FONT]
    [FONT=&quot]„Entschuldigen Sie, dass mag in Ihren Augen jetzt komisch sein. Aber ich würde Sie gern zum Abendessen einladen.“[/FONT]
    [FONT=&quot]Sie schmunzelte unwillkürlich. Er dachte, er wäre schon ein rechter Depp.[/FONT]






    [FONT=&quot]„Entschuldigen Sie nochmals, ich weiss das steht mir nicht zu. Ähm, ich gehe jetzt.“ Er stotterte wie ein Schuljunge. Das fand Lena ausserordentlich sympathisch. Auch das er zart errötete, schürte ihre Sympathie zusätzlich.[/FONT]
    [FONT=&quot]„Gerne, Sie können mich hier abholen.“ Im Schein der Nachmittagssonne, welche zum Fenster herein fiel, leuchtete ihr Haar wie Bronze.[/FONT]
    [FONT=&quot]„Wie, wie, wie bitte?“ Er glaube, zu träumen. Hatte sie wirklich und wahrhaftig Ja gesagt? [/FONT]
    [FONT=&quot]Sie schmunzelte noch intensiver. „Um wie viel Uhr kann ich mit Ihrem Erscheinen rechnen?“[/FONT]
    [FONT=&quot]Jetzt glitt ein Strahlen über sein ganzes Gesicht. „Ich werde pünktlich um 19 Uhr erscheinen.“[/FONT]
    [FONT=&quot]Damit trennten sich diese beiden Menschen, die sich auf solch eigentümliche Weise gefunden hatten.[/FONT]

    [/FONT][/I]


    [CENTER][SIZE=5]"Dein Gesicht lächelt - aber deine Seele weint!"[/SIZE][/CENTER]
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    [CENTER][SIZE=3]Unsere Story:„Immortelle – Blume der Nacht!“ ONLINE! Innad und FunnyChrissy freuen sich auf Euch! [/SIZE][/CENTER]

  • Soooooo..........es geht weiter mit Kapitel 11! Ich wünsche euch viel Freude damit!

    KAPITEL 11
    SCHMETTERLINGE





    Eng schmiegte sich Lena an den jungen Mann an ihrer Seite. Das Glück sprach ihr deutlich aus den strahlenden Augen.
    „Ach Jens, wie sehr ich dich doch liebe! Ich glaube, dass Schicksal hat uns zusammengeführt!“ Damit versanken die beiden jungen Menschen in einem innigen Kuss. Die Welt um sie herum schien aufzuhören, sich zu drehen. Es gab nur noch sie beide.
    „Meine Herzallerliebste. Meine einzige Liebe! Wie glücklich bin ich doch, dir begegnet zu sein! Kaum zu glauben, dass wir uns erst zwei Wochen kennen. Es kommt mir wie eine Ewigkeit vor.“ Zärtlich streichelte Jens dabei über die Wange seiner Liebsten.



    Diese strahlte ihn nur noch glücklicher an. „Mir geht es doch genauso. Seid ich dich kenne, flattern endlich wieder Schmetterlinge in meinem Bauch. So intensiv hab ich das nicht mal bei meiner ersten grossen Jugendliebe erlebt. Endlich kann ich wieder lachen und glücklich sein.“
    Sanft lächelte Jens im Schein der untergehenden Sonne. „Weißt du noch unser erstes Treffen? Ich war so schrecklich nervös, dass ich nicht klar denken konnte.“
    Lena lachte lauthals. „Und ob ich mich daran erinnere. Du hast kaum den Mund aufgebracht.“
    Er wurde tatsächlich etwas rot! „Ich muss schon schrecklich dumm ausgesehen haben.“
    “Kindskopf, gerade deshalb liebe ich dich doch. Weil du so bist, wie du bist.“ Damit legte sie ihren Kopf an die vertraute Schulter und erinnerte sich zurück.



    Auch sie war sehr aufgeregt gewesen bei diesem ersten Treffen. So keck sie auch zugesagt hatte, so verunsichert war sie in ihrem Innersten. Sein Auftreten hatte ihr imponiert. Ihn sehen und sich verlieben war also eins. Sie war über sich selbst erschrocken, wie schnell das alles gegangen war.
    Am Abend ihres ersten Treffens hatte er sie in ein romantisches Waldlokal entführt. Sie empfand ein tiefes Vertrauen diesem Menschen gegenüber. Seine Bewegungen verrieten viel Kraft und diese vermittelte ihr eine gewisse Geborgenheit. Wenn er bei ihr war, konnte ihr nichts passieren.
    In dem kleinen Lokal hatten sie bei einem guten Essen lockere Gespräche geführt. So einfach war es Lena noch nie erschienen, über ihr Leben zu sprechen. Voller Anteilnahme lauschte er ihren Worten.



    Zum Trost nahm er ihre kalte Hand in seine beiden warmen. Stromstösse jagten dabei durch Lenas Körper. Solch intensive Gefühle kannte sie noch gar nicht. Beglückt stellte sie fest, wie gut ihr diese Berührung tat.
    „Ach Jens, Sie sind so nett. Sie wissen gar nicht, wie gut mir das nach allem tut. Sie hat mir wirklich der Himmel geschickt.“
    Er lächelte warm. „Schön haben Sie das gesagt. Ich denke, wir mussten uns einfach begegnen. Wir tun einander gut.“
    Ihr Lächeln war wie ein taufrischer Frühlingsmorgen. „Warum sagen wir nicht einfach du zueinander, Jens? Wir sind doch fast im selben Alter. Oder erscheint Ihnen das zu frech von meiner Seite?“
    Er lachte lauthals. „Nicht die Spur, wünsche ich mir das doch genauso. Also dann, süsse kleine Lena. Auf du und du.“



    Sie tranken einander mit einem guten Glas Wein zu und musterten sich schließlich aufmerksam.
    „Ich glaube, es fehlt noch etwas.“ Damit stand er auf, zog sie in seine Arme und gab ihr einen Kuss. Weich und zärtlich fühlten sich seine Lippen auf ihren Mund an. Sie erschauerte unter der sanften Berührung, welche einem Streicheln gleich kam.
    „Ich wusste gar nicht, wie intensiv ein Bruderschaftskuss sein kann.“ Sie lächelte keck.
    „Wer sagt, dass es nur ein Bruderschaftskuss war?“ Wieder lächelten sie einander verschmitzt zu.
    Sie spielte gekonnt die Beleidigte. „Was fällt dir eigentlich ein, mich einfach so zu küssen?“
    Sein Lachen klang beinahe wie Musik in ihren Ohren. Eine Gänsehaut jagte dabei über ihren Rücken.
    „Wie, hat es dir etwa nicht gefallen?“ Er wirkte regelrecht erschüttert.
    Sie schlang ihm spontan die Arme um den Hals. „Dummer Kerl und ob es mir gefallen hat.“
    Er lachte hintergründig. „Jetzt habe ich dich genau da, wo ich dich haben wollte.“
    „Spitzbube,“ selig schmiegte sie sich an die breite Männerbrust.



    Ein Räuspern ließ beide auseinander fahren. Sie hatten völlig vergessen, dass sie nicht alleine in dem Lokal waren. Das ältere Pärchen vom Nebentisch schien sich dadurch gestört zu fühlen.
    Beide versuchten, ein Lachen ob der strengen Blicke zu unterdrücken. Sie murmelten ein „Entschuldigen Sie,“ und bezahlten rasch. Sie wollten jetzt einfach nur alleine sein. Obwohl sie sich kaum kannten, war die Vertrautheit direkt zu greifen.
    Hingebungsvoll und erfüllt mit tiefem Vertrauen erwiderte sie draussen im Wald die intensiven Küsse ihres Begleiters. Sie versanken in einem Strudel der Leidenschaft. Nur ein Käuzchen wurde Zeuge ihrer tiefen, aufrichtigen Liebe. Dort…mitten im Wald.


    [I]In der Erinnerung daran lächelte Lena noch immer selig. Zuhause war sie ziemlich erschrocken gewesen, wie weit sie sich beim ersten Treffen hervor gewagt hatte. Doch der Moment war das Entscheidende für sie gewesen. Nein, sie hatten noch nicht miteinander geschlafen. Jens drängte sie nicht und das rechnete sie diesem hoch an. Aber sie waren sich dennoch sehr nahe gekommen. So nahe, wie sie noch nie einem Mann gewesen war.Glücklich sein und endlich wieder den eigenen Herzschlag spüren – nur das alleine zählte für sie in diesem Augenblick. Bis heute bereute sie diese schnelle Entwicklung nicht. Durch Jens war sie wieder eine junge Frau mit Sehnsüchten und Träumen. Das Foto allerdings hatte sie nicht vergessen. Trotz seiner tiefen Liebe suchte sie weiterhin verbissen nach Hinweisen. Es war der einzige Punkt, welcher leichte Schatten auf ihr junges Glück warf. Jens fand, sie investierte zu viel Aufwand in eine solch lapidare Sache. Doch auch das hielt sie niemals davon ab, die Wahrheit zu finden…



    [I]Sie hatte keine Ahnung in dieser glücklichen Stunde, dass die Wahrheit nicht weit entfernt war.
    [/I]
    [/I]

    [CENTER][SIZE=5]"Dein Gesicht lächelt - aber deine Seele weint!"[/SIZE][/CENTER]
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    [CENTER][SIZE=3]Unsere Story:„Immortelle – Blume der Nacht!“ ONLINE! Innad und FunnyChrissy freuen sich auf Euch! [/SIZE][/CENTER]

  • So ihr lieben, es gibt endlich einen neuen Teil.
    Ich bedanke mich ebenfalls herzlich für eure Kommentare.
    Viel Spaß beim readen.
    Wir würden uns über positive Resolnanz, sowie konstruktive Kritik freuen.


    lg FunnyChrissy and Eaver


    KAPITEL 12 ~ Teil 1

    Rätselhafte Begegnung


    „Jens, ich habe keine Lust mit dir darüber zu diskutieren. Hilf mir lieber!“ Flehentlich waren die klaren Augen auf ihn gerichtet.
    Wütend erwiderte er: „Ich begreife nicht, wann du endlich aufhörst dieser fixen Idee hinter her zu rennen. Vergiss es doch einfach!“
    „Jens, verstehe mich doch! Ich kann das nicht vergessen. Zu bedeutungsvoll war diese Entdeckung für mich. Ich muss herausfinden, warum mich Nele so sehr hasste.“ Mit einem entschlossenen Blick schaute sie dem geliebten Mann in sein wutverzerrtes Gesicht. So hatte sie ihn noch nie erlebt.
    „Ich denke nicht daran, mit dir in diesen Club zu gehen. Du verschwendest unsere Zeit.“ Er senkte seine Stimme zu einem Flüstern. „Ich möchte nur mit dir zusammen sein. Lass die Vergangenheit ruhen, Lena, bitte!“




    Traurig blickte sie ihn an. „Jens, du weißt wie sehr ich dich lieb gewonnen habe. Aber nie kann ich mit dir glücklich sein, wenn mir dieser wichtige Teil im Leben fehlt.“

    Er hob theatralisch seine Hände. „Lena, wach doch endlich auf! Es waren banale Worte eines bockigen Kindes. Nele war einfach nur wegen irgendetwas enttäuscht. Das ist alles.“
    Ausdruckslos musterte sie den Mann neben sich. „Auf einmal bist du mir so fremd. Ich hatte dich anders eingeschätzt. Nele war nicht so. Sie hat nie etwas ohne Grund getan.“
    “Wie meinst du das, ich bin dir fremd? Nur weil ich deinen Wahn nicht unterstütze? Gott, Lena. Immer wenn es um Nele geht streiten wir uns. Merkst du nicht, dass sie unsere junge Beziehung schon jetzt zerstört?“



    Lena verspürte Bitterkeit. „Wie kann jemand, der gar nicht mehr lebt, eine Beziehung zerstören? Der einzige, der sie zerstört, bist du, Jens! Würdest du mich wirklich lieben, könnte ich auf deine Unterstützung zählen. Dann wüsstest du, wie wichtig das für mich ist.“
    Er atmete hörbar ein und aus. „So siehst du das also…warum bitte bist du dann noch mit mir zusammen?“

    Ihre Augen wurden feucht. „Du bist gemein, Jens. Ich versuche nur, dir zu erklären was in mir vorgeht. Du willst es wohl einfach nicht verstehen. Ich glaube, es war ein Fehler mich mit dir zu treffen. Es war schlicht der falsche Zeitpunkt.“
    Übergross waren nun seine Augen. „Das kann doch nicht dein Ernst sein! Diese tiefen Gefühle habe ich doch niemals geträumt! Lena, wir lieben uns doch! Ich liebe DICH!“
    Diese Worte schrie er fast.




    „Bitte hör auf zu schreien, ich verstehe dich auch so sehr gut.“ Ihre Stimme brach. Stockend erwiderte sie: „Aber in diesem Moment passt es einfach nicht. Ich muss erst herausfinden was passiert ist. Ich dachte, du hilfst mir. Da hab ich mich wohl getäuscht.“
    Traurig drehte sie sich um und wollte das Haus verlassen. Jens hielt sie mit einer ruckartigen Bewegung zurück.
    „Lena, bitte bleib bei mir! Wenn du jetzt gehst, ist alles zerstört. Es kann doch nicht sein, dass wir uns nach so kurzer Zeit schon verlieren. Was ist mit all dem, was wir gemeinsam geteilt haben? Hast du schon alles vergessen?“
    „Nichts habe ich vergessen. Gar nichts, Jens. Eben darum hatte ich mehr Verständnis und Hilfe erwartet. Machs gut.“
    Damit drehte sie sich endgültig um und ging. Finster blickte Jens ihr nach. „Mach doch, was du willst.“


    ~ geht noch weiter ~


  • Fest entschlossen wandte Lena nun ihre Schritte in Richtung des besagten Clubs. Sie hoffte, ohne Probleme Einlass zu bekommen. Chris Einladung würde hoffentlich auch jetzt noch gelten. Sie musste das Schicksal einfach heraus fordern. Wenn sie irgendwo Antworten bekam, dann nur dort! Wie es aussah, hatte Nele mit Aija Kontakt gehabt. Wie wäre sonst das Foto in ihre Wohnung gekommen? Sie musste es einfach herausfinden!
    Es waren gerade zehn Minuten Fussmarsch bis zu ihrem Ziel. Sie achtete nicht auf den Weg, sondern grübelte angestrengt vor sich hin. Aus diesem Grund entging ihr auch die dunkle Gestalt, welche ihr in gemessenem Abstand folgte.





    Vor dem Club angekommen, versuchte sie ruhig zu atmen. Auf keinen Fall durfte man ihr anmerken, wie aufgeregt sie war. Angewidert musterte sie die heruntergekommene Fassade. Kein Wunder, dass sie dieses Gebäude niemals betreten wollte. Aber es musste einfach sein. Sie ignorierte die neugierigen Blicke der finsteren Gestalten rings um. Jetzt galt es, jetzt oder nie.
    Entschlossen trat sie auf den Türsteher zu. „Guten Tag, Chris hat mich eingeladen. Ich hoffe, sein Wort gilt noch.“ Sie versuchte, ihrem Auftreten etwas Entschlossenes zu verleihen.
    „So, so. Chris hat Sie also eingeladen. Einen besseren Witz hab ich noch nie gehört. Habt ihr gehört, Chris hat sie eingeladen?!“ Damit gab er dem Typen neben sich einen Seitenhieb.
    Dieser stimmte in das dröhnende Lachen mit ein.
    „Es stimmt aber, fragen Sie ihn doch selbst. Mein Name ist Lena Köster. Bestimmt erwartet er mich.“
    Sie spielte mit dem Feuer, dass war ihr selbst klar.





    „Mach, dass du verschwindest. Chris hätte uns über neue Gäste informiert. Also verzieh dich, oder soll ich deutlicher werden?“ Damit gab er einem seiner Gefährten ein Zeichen. Dieser stellte sich in deutlicher Drohgebärde vor Lena.
    Diese zuckte erschrocken zusammen, als plötzlich eine energische Stimme alles übertönte: „Guido, lass deine Finger von der Dame.“
    Der mit Guido angesprochene setzte sofort einen Schritt zurück und verzog sich in den Hintergrund. Auch alle anderen verließen eingeschüchtert die Runde. Es war deutlich anzumerken, wie viel Respekt sie vor dieser Stimme allein hatten.
    „Die Dame ist mein Gast. Untersteht euch, sie auch nur anzufassen.“ Damit ging er auf Lena zu und reichte ihr seine kräftige Hand. „Grüss dich, Lena. Schön, dass du endlich mal vorbei schaust. Darf ich bitten?“
    Ein kokettes Lächeln begleitete diese Worte.





    Sie lächelte schüchtern zurück. „Dankeschön.“ Damit hackte sie sich bei ihm unter und betrat mit Chris den Club. Lenas stiller Verfolger, welcher sich in einem Gebüsch in der Nähe des Clubs aufhielt, zog sich daraufhin mit finsterem Gesichtsausdruck zurück.
    Es empfing Lena eine diffuse Beleuchtung. Der Raum wirkte düster und wenig anheimelnd. Zerschlissene Sofas und abgewetzte Tische zierten den wenig schmuckvollen Raum. Die dunklen Farben unterstrichen nur noch die bedrückende Atmosphäre. Laute Musik dröhnte aus den Lautsprechern. Finstere Gestalten bewegten sich in nicht zuzuordnenden Bewegungen zur Musik. Schmusende und beiweiten nicht nüchterne Pärchen knutschen in den dunklen Ecken. Lena war sichtlich erschrocken.
    Chris schien dies zu bemerken. Mit einer Handbewegung dirigierte er sie durch die Menge in einen Hinterraum. Dort schloss er sorgfältig die Türe und bot Lena einen Platz an. Galant rückte er ihr den Stuhl zurecht.




    Lena kam dieser Aufforderung nach und sah sich um. Der Raum strahlte nicht sehr viel Vertrauen aus. Aber deswegen war sie nicht hierher gekommen. Sie wartete, bis auch Chris sich gesetzt hatte und was nun wohl passieren würde. War das wirklich Aijas Welt gewesen?
    „Was kann ich für dich tun, Lena?“ Er musterte sie neugierig.
    Sie holte einmal tief Luft. „Ich wollte dich etwas fragen, wobei nur du mir helfen kannst. Du kanntest Aija?“
    Täuschte sie sich, oder nahm Chris’ Gesichtsausdruck etwas Verzweifeltes an?
    „Ja, ich kannte sie,“ vernahm sie seine dunkle Stimme. „Ich kannte sie besser als du denkst. Doch was willst du von mir?“
    Sie musterte den Mann eindringlich. Er wirkte gar nicht so finster, wie sie ihn sich vorgestellt hatte. Eher etwas verloren und einsam.
    Sie zog ein Foto aus ihrer Tasche. „Kennst du dieses junge Mädchen?“
    Verwundert betrachtete er das Foto. „Ja, dass ist Nele. Sie war oft hier. Woher kennst du eigentlich Nele? Ich hab sie schon ewig nicht gesehen.“




    „Das kannst du auch nicht. Nele lebt nicht mehr. Sie kam vor ein paar Wochen ums Leben.“ Lenas Stimme zitterte leicht. „Sie war meine Schwester.“
    Chris erschrak. „Sag das noch einmal – Nele ist tot? Das kann doch gar nicht sein, dass darf doch nicht sein!“
    Die ehrliche Anteilnahme und das tiefe Erschrecken in seiner Stimme verwirrten Lena nur noch mehr. „Chris, du musst mir helfen.“
    Er schaute ihr verwirrt in die Augen. „Wobei helfen?“
    Lena zog erneut ein Foto aus ihrer Tasche. Dies schob sie ihm zu. „Dieses Foto habe ich nach Neles Tod in ihrem Zimmer gefunden. Ich möchte wissen, warum sie mich so gehasst hat. Es muss doch einen Grund geben. Du kanntest sie anscheinend recht gut. Bitte sage mir, was du über sie weißt.“




    Er drehte verwirrt das Foto in seinen Händen hin und her. „Ich weiss nicht, was genau passiert ist. Aber eines weiß ich genau, Lena. Nele liebte dich mehr als alles andere auf der Welt. Wer auch immer das auf dieses Foto geschrieben hat, Nele war es gewiss nicht.“
    Lena glaubte, ihr Herz würde für einige Sekunden aussetzen zu schlagen. Wenn das wirklich stimmte…

  • Nerychan, wow, wir sind beide wirklich sehr überwältigt von deinem langen und ausführlichen Kommentar, haben uns ungeheuerlich gefreut. Vielen vielen Dank. Nun, Chris ist ein Thema für sich, nicht immer ist alles so, wie es ausschaut, als kleiner Tipp am Rande (vorallem im Zusammenhang mit deiner ersten Meinung zu Chris) ;) . Ein Lob an deine Kobinationsgabe, du liegst richtig. Chris kannte Nele, wusste das sie eine Schwester hat, nur nicht, das eben diese Lena ist, da Nele nie einen namen nannte. Tja der gute oder weniger gute Jens - wer weiß - hat sich eben so verhalten, wie es wahrscheinlich viele in einer solchen Situation tun würden. Ich persönlich - ohne die weiteren Geschehnisse zu betrachten - kann sein Verhalten nachvollziehen, nur nicht für Gute halten. Wie du schon meintest, Nele bräuchte im Augenblick jemanden, der sie stützt und ihr Liebe schenkt. Jedoch niemanden, der sie hindert, ihren inneren Frieden zu finden und genau das hat Jens versucht zu tun. Tja und schon waren wir böse und haben ihr Jens, der vielleicht noch zur Einsicht hätte kommen können, verjagdt...Zu deinen Theorien, wer es sein könnte, sage ich lieber nichts, sonst verrate ich noch etwas unbewusst und dann wäre die Story gleich weniger spannend und immerhin wollen wir ja, dass du noch lange die Chance hast zu Rätseln ;) Zum Abschluss noch vielen Dank für das Kompliment wg. der Bilder und es freut mich, dass dir Chris gefällt, da ich lange an ihm herumhantiert habe und noch immer - wie ich gestehen muss - nicht ganz zu frieden bin.


    Rivendell, auch dir herzlichen Dank. Das Lena etwas anderes an hat, ist gewollt. Denn das Kapitel ist in zwei Teile unterteilt - so wie der Text. Das treffen mit Jens und der Streit findet stunden zuvor statt, zwischendurch ist sie zu hause (was nicht textlich erwähnt wurde) und hat sich eben umgezogen ;) Es freut mich wirklich sehr, dass auch die Chris Augen gefallen.. ^^


    @ Lenya, dankeschön für deinen Kommentar. Nun, zwar sind Lena und Jens auseinander, aber vielleicht ändert sich dies ja nochmal und er wird sich bewusst, wie "dumm" er sich verhalten hat, vielleicht jedoch bemerkt er es nie.. das wissen wohl nur funnychrissy und ich genau *lach* Und ob Jens sie verfolgt hat oder nicht, wird sich gewiss auch irgendwann einmal heraus stellen, so lange müsst ihr euch in geduld üben :)

    Nachdem wir euch wieder haben warten lassen, gibt es einen neues Kapitel. Wie hoffen inständig dass es euch gefällt und freuen uns über eure Kommentare, ob Lob oder konstruktive Kritik, beides ist herzlichst erwünscht.


    Kapitel 13
    LASS ES WAHR SEIN!



    Tränen stürzten aus den Augen der jungen Frau. Sie konnte nicht mehr, dass war einfach alles zuviel. Endlich brach sich die tiefe Trauer Bahn. Viel zu lange war das blöde Foto in den Vordergrund gerückt. Lange Zeit dachte sie, nicht offen um die Schwester trauern zu können. Doch das Foto war nur Anlass gewesen, die tiefe Trauer zu verbergen. Nun brach alles aus ihr heraus.
    Chris erhob sich und nahm die schluchzende junge Frau in seine Arme. Lena ließ dies geschehen. Halt suchend schmiegte sie sich an ihn. „Beruhige dich, Lena. Ich werde alles tun, um dir zu helfen. Das verspreche ich dir. Nur höre auf zu weinen.“ Chris streichelte beruhigend über die bebenden Schultern.Wie erwachend löste sich Lena aus seinen Armen. „Entschuldige, ich weiss selbst nicht was in mich gefahren ist.Er lächelte schwach. „Dafür musst du dich nicht entschuldigen. Komm, wir gehen woanders hin. Hier lässt es sich nicht unbedingt über solch wichtige Dinge sprechen. Ich kenne einen Ort, da geht das besser.“




    Kurz darauf fand sich Lena in Chris Wohnung wieder. Diese war zwar sehr klein, aber zweckmässig und richtig gemütlich eingerichtet. Irgendwie passte das alles nicht zu dem Bild, welches sich Lena von Chris gemacht hatte. Er musterte sie unauffällig. „Überrascht?“ „Wie?“ Erschrocken zuckte Lena zusammen. War sie doch mit ihren Gedanken ganz woanders gewesen. Wieder lächelte er. „Ich denke mir, du hast ein ähnliches Chaos wie im Club erwartet, oder?“

    Errötend nickte Lena. Chris reichte ihr eine Tasse Kaffee mit den Worten: „Trink, dass wird dir gut tun. Ich hab mir sagen lassen, dass ich einen ganz passablen Kaffee koche.“Sie blickte stumm auf Chris und trank gehorsam in kleinen Schlucken. Tatsächlich kehrten ihre Lebensgeister zurück .„Chris, was weißt du über Nele?“


    „Sie war oft bei uns im Club. Ich habe sie einmal von der Strasse aufgelesen. Sie war völlig aufgelöst und stand total neben sich. Da brachte ich sie einfach zu mir nach Hause. Dort hat sie mir dann ihr Herz ausgeschüttet.“




    Lena rang ihre Hände. „Bitte, Chris. Sag mir alles was du weißt. Für mich ist das von allergrösster Wichtigkeit. Ich möchte wieder an meine Schwester glauben können. Möchte spüren, wie nah wir uns bis zum Schluss waren.“
    Chris schaute ihr abermals tief in die Augen. „Ich wusste nicht, dass sie deine Schwester ist. Obwohl sie viel Ähnlichkeit mit dir hatte. Sie hat nur immer von einer Schwester erzählt, aber nie deren Namen erwähnt. Sie erzählte mir, wie sehr sie sich schämte wegen ihres Verhaltens. Anscheinend gab es da einen Mann, in welchen sie sich verliebt hatte. Für diesen brach sie mit ihrer engsten Vertrauten – mit dir Lena! Als ich sie fand, war sie total aufgelöst. Sie bereute diese Entscheidung bitter. Brachte allerdings auch nicht den Mut auf, dich um Verzeihung zu bitten.“
    „Oh mein Gott, warum ist sie nicht einfach zu mir gekommen? Ich hätte ihr doch alles verziehen, hab ich sie doch immer tief geliebt. Meine kleine Nele…“


    ~ geht noch weiter ~




  • Tapfer blinzelte Lena die aufsteigenden Tränen zurück.
    „Sie glaubte, du würdest ihr nicht verzeihen. Sie wusste, wie tief sie dich verletzt hatte. Sie gab diese tiefe Verbundenheit zu dir wegen eines Strohfeuers auf, so jedenfalls bezeichnete sie das.“ Chris seufzte hörbar.
    „Ich begreife das alles nicht, ich dachte Niko wäre ihre grosse Liebe. Zumindest sagte sie das.“ Lena griff sich verwundert in ihr Haar.„Das war er auch nach wie vor. Sie hat mir nie die näheren Umstände genannt, nur das allerwichtigste. Nie hätte ich dich und Aija damit in Verbindung gebracht. Aber du solltest jedenfalls wissen, dass sie ihn auch zu diesem Zeitpunkt noch liebte. Aber der Bruch mit dir setzte ihr zu. Sie kam nie darüber hinweg. Das gefährdete wohl ihre Liebe zu Niko immer wieder aufs Neue. Er stellte sie gar oft vor die Wahl, sich zwischen ihm und dir zu entscheiden. Soweit ich weiss, hat sie ihm klar gesagt, dass sie sich an diesem Punkt immer für dich entscheiden würde. Immer, Lena! Doch sie rappelten sich auch schnell wieder zusammen. Doch Niko hat nie aufgehört, auf dir herum zu hacken. Es kam der Punkt, da wollte Nele endgültig weg. Es war anscheinend kurz vor ihrem Tod, als sie mir das sagte. Sie wollte weg von ihm, kam aber nach diesem Entschluss nie wieder hier her.“ Er schluckte krampfhaft. „Jetzt weiss ich auch warum, sie konnte es nicht. Aber da war noch irgendetwas, was tief in ihrer Seele versteckt war. Nie sprach sie darüber. Aber ich hab immer gespürt, dass sie mir nicht die ganze Wahrheit gesagt hat.“ Er schluckte abermals schwer.






    Lena schaute ihn an. „Dann hat er sie umgebracht….“


    Konsterniert musterte Chris die junge Frau. Diese begriff, dass sie ihm eine Erklärung schuldig war. Sie versuchte ihm in kurzen Sätzen dass Geschehen zu vermitteln. Auch ihren Selbstmordversuch verschwieg sie nicht. „Du hast verdammt viel durchgemacht, Lena. Aber das Niko sie umgebracht hat, halte ich für weit her geholt. Soweit ich sie verstanden habe, liebte er sie nicht weniger. Ich wurde einmal Zeuge eines Gesprächs zwischen ihm und ihr. An allem erkannte ich seine tiefe Liebe zu Nele. Aber sein Hass auf dich war wohl wegen Aija nach wie vor zu gross. Jetzt erst verstehe ich Zusammenhänge.“ Chris rieb sich gequält über die Augen. „Jetzt verstehe ich, was in Nele vor sich ging. Hätte ich doch nur geahnt, was dahinter steckt. Vielleicht wäre es zu verhindern gewesen.“




    Lena griff nach der Hand des Mannes. „Chris, du konntest nichts daran ändern. Niemand konnte das. Niko schon…“ Chris zog seine Hand zurück. „Lena, ich helfe dir gern Licht in das Dunkel zu bringen. Aber sei vorsichtig mit Schuldzuweisungen. Oftmals trifft man damit die Falschen und merkt erst ganz am Schluss, wie weh man den Menschen damit tut.“ Lena schaute Chris fragend an. „Meinst du?“ „Aber ja doch, Lena. Es mag sein, dass Niko seine Gründe hatte dir das Leben schwer zu machen. Aber was hätte er davon gehabt, Nele umzubringen?“ Er merkte nicht, wie zweideutig diese Feststellung war.
    „Na ja, eben um mir das Leben schwer zu machen. Wusste er doch, wie sehr wir einander liebten. Vielleicht ertrug er es nicht, ihre Liebe mit meiner zu teilen?“
    Chris griff sich erregt an die Wange. „So habe ich das natürlich noch nicht gesehen…..! Aber was willst du tun um genau das herauszufinden?“



    „Ganz einfach, indem ich ihn herausfordere. Irgendwann macht er gewiss einen Fehler. Wenn er mich immer wieder sehen muss und durch mich an sein Glück mit Nele erinnert wird, flippt er vielleicht mal aus.“ Sie rieb sich zufrieden die Hände.
    “Wie bitte willst du ihn an sein Glück erinnern? Ich komme da nicht ganz mit.“ Sein Gesicht glich einem einzigen Fragezeichen. “Na, mit deiner Hilfe mein Lieber! Wenn er uns immer wieder schmusend und turtelnd sieht, haut es ihm vielleicht eine Sicherung heraus.“ Sie sagte das, als wäre es das Selbstverständlichste auf der ganzen Welt. „WIE BITTE? Ich soll deinen Freund spielen?“„Wäre dir das so unangenehm? So widerlich kann ich doch gar nicht sein.“ Kokett drehte sie sich in den Hüften.Er lächelte schwach. „Nein, bist du auch nicht. Aber ich bin gebunden, gebunden an Aija!“Lena blickte ihn aus übergrossen Augen an. Was hatte er da gerade gesagt?



  • [FONT=&quot]Hier ein neuer Teil für euch.
    Viel spaß beim lesen.



    KAPITEL 14[/FONT]
    [FONT=&quot] ICH UND SIE[/FONT]


    [FONT=&quot][/FONT]


    [FONT=&quot] „Chris, antworte mir! Wie hast du das gemeint?“ Lenas Stimme zitterte vor Aufregung.[/FONT]
    [FONT=&quot] „Lena, bitte beruhige dich. Irgendwann musst du es mal erfahren. Aija und ich…wir waren zusammen. Lange Zeit.“ Gequält schloss er die Augen. „Ich habe sie sehr geliebt. Sie war so anders, voller Lebensfreude und Energie.“[/FONT]
    [FONT=&quot] Lena begriff, dass noch mehr dahinter steckte. „Willst du darüber sprechen?“[/FONT]
    [FONT=&quot] Verwundert blickte er Lena an. „Bist du nicht sauer?“[/FONT]
    [FONT=&quot] Sie lächelte. „Hab ich das Recht dazu? Du warst mit Aija zusammen, meiner besten Freundin. Ich verstehe nur nicht, warum sie mir das nie sagte.“[/FONT]
    [FONT=&quot] Er grinste. „Ich denke mal einfach deswegen, weil du mich nicht leiden konntest.“[/FONT]
    [FONT=&quot] Lena errötete. „Ähm…ich….Entschuldige. Es war blöd von mir jemanden zu verurteilen den ich gar nicht kenne. Aber ich hatte einfach Angst um sie. Über dich und den Club hörte man nie etwas Gutes.“[/FONT]
    [FONT=&quot] “Ich weiss,“ ging er darauf ein. „Der Club ist auch wirklich eine Verbrecherbude.“[/FONT]
    [FONT=&quot] Sie musterte ihn lange. „Das sagst du einfach so?“[/FONT]
    [FONT=&quot] Er nickte. „Ja, einfach so. Weißt du, dass mit Aija und mir war lange Zeit etwas Besonderes. Aber es ging auseinander, als sie von meiner Vergangenheit erfuhr. Von diesem Moment an war es nur noch eine Art Bekanntschaft. Sie…Na ja, warum sollte ich es dir verschweigen? Sie tröstete sich sehr schnell mit jemand anderem. Er war auch Mitglied in unserem Club. Eigentlich ein anständiger Bursche, nur etwas jung.“[/FONT]



    [FONT=&quot] [/FONT]


    [FONT=&quot]„Chris, dass verstehe ich nicht. Sie hat an ihrem Todestag noch von dir gesprochen. Das sie durch dich in diesen Club kommt. Aber da wart ihr doch schon auseinander?“ Sie musterte ihn fragend.[/FONT]
    [FONT=&quot] „Ja, dass stimmt schon. Wir haben beide beschlossen, dass wir normal miteinander umgehen möchten. Irgendwie. Sie brauchte mich für den Club, weißt du? Daher machte sie wohl diesen Vorschlag.“ Beinahe gefühllos klang seine Stimme jetzt.[/FONT]
    [FONT=&quot] „Chris, so wie du meinst war sie nicht. Sie konnte verrückt sein, teilweise exotisch und voller Abenteuerlust. Teilweise erinnerte sie mich an ein trotziges Kleinkind. Sie war einfach noch nicht erwachsen. Aber so kalt wie du denkst war sie nicht. Sie hatte so viele gute Seiten…“ Sie seufzte schwer.[/FONT]
    [FONT=&quot] „Lena, du musst sie nicht verteidigen. Meinst du, ich wäre so lange mit ihr zusammen gewesen wenn ich das nicht gewusst hätte? Aber dieser Kerl verdrehte ihr den Kopf. Und meine Vergangenheit erschreckte sie. Du wirst gewiss auch gleich wieder gehen, wenn du davon weißt. Jeder tut das.“ Seine Stimme verriet nicht, wie er sich dabei fühlte.[/FONT]



    [FONT=&quot][/FONT]


    [FONT=&quot] „Dann versuche es. Sage mir, was du getan hast.“ Sie schaute ihn so offen an, dass er alle Zweifel über Bord warf.[/FONT]
    [FONT=&quot] „Weißt du, es ist jetzt fast zehn Jahre her. Damals war ich gerade mal 20 Jahre jung. Ich geriet in die falschen Kreise. Bald darauf fing ich an, dass erste Mal Heroin zu nehmen. Ich fand daran nichts Verwerfliches. Zuhause erfuhr ich nie, was Liebe ist. Mein Vater schlug mich noch mit 17 teilweise krankenhausreif. Ich hielt das nicht mehr aus und lief davon. Dabei geriet ich eben an Erik.“ Er hielt kurz inne.[/FONT]
    [FONT=&quot] Lena legte ihm die Hand auf den Arm. „Sprich weiter.“[/FONT]
    [FONT=&quot] Ihre gütigen Augen machten es ihm leicht, seine Sprache wieder zu finden. „Erik nahm mich in seine Clique auf. Durch ihn kam ich auch an die Drogen. Eines Tages schlug er mir vor, bei einer todsicheren Sache mitzuwirken. Ich überlegte nicht lange. Wenn man dazu gehören wollte, musste man dabei sein. Wir brachen also in ein Privathaus ein. Eines dieser Luxusvillen. Er war sich sicher, es sei niemand zuhause. Doch dem war nicht so.“[/FONT]



    [FONT=&quot][/FONT]


    [FONT=&quot]Er stockte kurz und sprach dann unsicher weiter. „Auf einen Schlag überraschte uns der Hausherr. Erik stieß mich nur kurz an und meinte, ich sollte mich darum kümmern. Ich dachte, ich bin der tollste Hecht auf der Welt. Erik drückte mir seine Waffe in die Hand. Ich zögerte nicht lange und schoss. Einfach so. Ich schäme mich bis heute zutiefst dafür. Ich weiss nur noch, dass der Mann bewusstlos zusammen brach. Ich konnte danach kein Auge mehr zu tun. Tagelang fragte ich mich, was aus dem Mann geworden war. Du musst wissen, ich habe noch danach heimlich den Notarzt gerufen.“[/FONT]
    [FONT=&quot] Er war sich sicher, spätestens jetzt würde sie sich abwenden. Doch Lena schaute ihn einfach ermutigend an.[/FONT]
    [FONT=&quot] „Der Mann konnte, wie ich später in Erfahrung brachte, gerettet werden.“[/FONT]



    [FONT=&quot][/FONT]


    [FONT=&quot] „Aber warum verabscheute dich Aija dafür? Du hast doch deinen Fehler eingesehen und sofort wieder gut gemacht.“ Lena musterte ihn aufmerksam und voller tiefer Anteilnahme.[/FONT]
    [FONT=&quot] „Das war auch nicht der Grund. Erik erpresste mich damit. Ich hatte Angst, er würde mich der Polizei ausliefern. Also tat ich alles, was er sagte. Ich verticke Drogen an junge Leute. Ich trieb diese praktisch in die Abhängigkeit. Ich mache mir bis heute schwere Vorwürfe deswegen.“[/FONT]
    [FONT=&quot] „Chris, du warst jung und verzweifelt. Du wusstest dir nicht anders zu helfen. Sicher wäre es der einzige Weg gewesen, zu dieser Schuld zu stehen. Aber es ist nun mal passiert. Du kannst nur daraus lernen.“[/FONT]
    [FONT=&quot] Chris Augen schauten sie ungläubig an. „Ich dachte, du würdest mich dafür auch hassen?“[/FONT]
    [FONT=&quot] “Warum sollte ich das? Du hast einen Fehler gemacht, aber auch daraus gelernt. Man sieht es dir an, wie sehr du noch heute darunter leidest. Hör endlich auf, dich selbst zu quälen. Du hast genug gelitten, meinst du nicht auch? Bist du deswegen in diesem Club geblieben? Um dich selbst zu strafen?“[/FONT]



    [FONT=&quot][/FONT]


    [FONT=&quot]Er seufzte. „Irgendwie ja. Aber auch deshalb, um mir selbst das alles immer wieder vor Augen zu führen. Diese grenzenlose Schuld. Das war am einfachsten im Kreis der Menschen, die davon betroffen sind. Ich versuchte, diesen zu helfen. Irgendwie. Also blieb ich auch nach Eriks Festnahme in diesem Club. Ich wollte….“[/FONT]
    [FONT=&quot] „…dich damit selbst strafen. Deine Schuld abtragen,“ vollendete Lena seinen Satz.[/FONT]
    [FONT=&quot] „Woher weißt du das?“ Er war wirklich erstaunt.[/FONT]
    [FONT=&quot] „Ich kenne das Gefühl, hab es lange genug selbst durch gemacht. Ich hab auch lange geglaubt, schuld an Aijas Tod zu sein. Sehr lange! Hör auf, dich damit fertig zu machen. Es nützt nichts, lass dir das von jemanden gesagt sein der das Gefühl kennt. Du hast doch schon längst alles gut gemacht.“ Sie schaute ihn voller tiefer Anteilnahme an.[/FONT]
    [FONT=&quot] Dankbar ergriff er ihre Hand. „Du weißt gar nicht, was mir diese Worte bedeuten. Wenn du möchtest, helfe ich dir jetzt auch bei Niko.“[/FONT]
    [FONT=&quot] Sie strahlte ihn an. „Du spielst meinen Partner?“[/FONT]
    [FONT=&quot] Er nickte lächelnd. „Ja, dass tue ich….“[/FONT]

  • Abend, entschuldigt bitte die lange warte Zeit, ich habe es nicht eher geschafft die Bilder zu machen und gefallen tun sie mir auch nicht. Ich verspreche das der nächste Teil nicht mehr so lange auf sich warten lässt und ich die Bilder besser aussehen werden.


    KAPITEL 15


    GEFÄHRLICHES SPIEL







    Arm in Arm standen sie vor ihm. Scheinbar strahlend vor Liebe und Glück. Die Zufriedenheit leuchtete aus den Augen der beiden jungen Menschen. Verliebt lehnte sich die Frau an ihren Partner und küsste ihn innig. Kichernd wie zwei junge Teenager hielten sie einander an den Händen und schmusten unentwegt. Zärtlich rieb der Mann seine Wange an der ihren. Es war ein gewiss schönes Bild für alle, die selbst verliebt waren.


    Für ihn jedoch war es das nicht. Es war die Hölle, dies mit ansehen zu müssen. Niko zitterte am ganzen Körper. Seine Haltung verriet äusserste Anspannung. Er hätte gehen können, sich irgendwo verstecken. Die Party verlassen…doch er konnte es nicht. Zu wichtig war dieses Zusammentreffen wichtiger Leute für ihn. Sein ganzes Auftreten war von ihm durchgeplant gewesen. Jede Geste, jedes Wort lange einstudiert. Bisher hatte ihn seine übergrosse Selbstsicherheit nie verlassen. Jetzt gelang es ihm nur mit allergrösster Mühe, diese Fassade aufrecht zu erhalten.








    Er zog sich kurz in die Waschräume zurück. Dort lehnte er sich erschöpft an die Wand. Er atmete ein paar Mal tief ein und aus. Was wollte sie nur mit diesem Typen? Er war weder gutaussehend noch ein Vorzeigetyp. Was hatte dieser Kerl das er, Niko, nicht besass? Was fand eine Frau wie Lena nur an einem Mann wie diesem? Niko begriff es einfach nicht. Dennoch war es ganz offensichtlich. Die beiden waren schwer verliebt und augenscheinlich auch noch sehr glücklich.


    Gequält schloss Niko die Augen. In diesem Moment öffnete sich die Türe und ein junger, unauffälliger junger Mann trat zur Türe herein.


    „Da bist du ja, Alter. Deine Eltern sind schon ganz ungeduldig. Sag mal, versteckst du dich vor jemanden? Du siehst aus wie der leibhaftige Tod.“


    „Jan, genauso fühle ich mich auch.“ Niko seufzte brunnentief.


    „Niko, was zum Teufel ist los mit dir? Da draussen wartet die grösste Chance deines Lebens und du stehst hier herum wie jemand, dem das alles ganz egal ist.“
    “Du wirst lachen, dass ist es mir auch.“










    Höchst erstaunt und mit einem unruhigen Blick auf seine Uhr musterte Jan seinen besten Freund. „Du hast doch ein Rad ab. Hey, aufwachen Junge! Da draussen sind die wichtigsten Persönlichkeiten überhaupt versammelt, wenn es um den Posten des Klinikleiters geht! Niko, du kannst dir diese Stelle mit Leichtigkeit angeln. Aber dafür musst du endlich aufhören zu spinnen. Weißt du eigentlich, wie viele junge Ärzte dich darum beneiden? KLINIKLEITER! In der renommiertesten Klinik des ganzen Landes!“


    Niko schien diese Worte gar nicht gehört zu haben. „Jan, sie ist hier!“


    Dieser starrte seinen Freund an, als hätte er den Verstand verloren.


    „Wer, zum Teufel, ist hier? Niko, hat das nicht alles Zeit bis später?“
    “Nein,“ erwiderte dieser. „Hat es nicht. Ich kann da draussen nicht einen auf lässige Konversation machen, während sie in meiner Nähe ist. Sie macht mich wahnsinnig!“


    Jan ging endlich ein Licht auf. „Aha, du sprichst von Lena….“








    Nikos Kopf fuhr in die Höhe. „Verdammt, von wem denn sonst?“


    Jan tippte sich bedeutungsvoll an die Stirn. „Du denkst ausgerechnet jetzt an Frauen? Sorry Niko, aber es ist der schlechteste Zeitpunkt überhaupt dafür. Wie kommt diese Lena überhaupt hier her?“
    Niko zuckte mit den Schultern. „Woher soll ich das wissen? Vielleicht hat sie unter den Anwesenden Freunde, Bekannte oder Verwandte. Sie ist doch überall sehr beliebt.“
    “Hast du mir nicht mal erzählt, sie hätte sich seid diesem tragischen Unfall deiner Schwester von allen zurückgezogen?“ Noch einmal warf Jan einen nervösen, unauffälligen Blick auf seine Armbanduhr.
    “Sicher, stimmt schon. Damals. Aber sie hat sich wie eine Löwin wieder nach oben gekämpft. Ist sie nicht eine tolle Frau? Was sie alles in kurzer Zeit weg gesteckt hat…“
    Jan wurde immer verzweifelter. Wie konnte er das Gespräch nur schnell beenden? Ihm blieb wohl nichts anderes übrig, als auf Niko einzugehen.


    „Wo ist deine Lena überhaupt? Dann lerne ich diese Traumfrau auch mal kennen.“


    Niko schaute Jan tief bedrückt in die Augen. „Sie ist nicht alleine hier, verstehst du?“
    Nun endlich verstand Jan. „Ist sie etwa dieses hübsche Ding, welches mit dem komischen Kerl knutscht? Das ist deine Lena? Und ich dachte, du beobachtest die beiden nur, weil sie so ein seltsames Paar abgeben. Aber irgendwie auch ein schönes….“ Jan hätte sich dafür am liebsten auf die Zunge gebissen. Konnte er nicht einmal nachdenken bevor er etwas sagte?








    „Danke, dass hab ich jetzt gebraucht! Schöner Freund bist du.“ Niko schüttelte empört den Kopf.


    „Jetzt sei nicht beleidigt und benimm dich wie ein trotziges Kleinkind. Verdammt, besinn dich endlich auf diesen Moment. Lass Lena, Lena sein. Jeder Blinde sieht doch, wie verliebt sie ist. Da hast auch du keine Chance. Zudem, nimm es mir nicht übel, bist du daran selbst Schuld! Es war einfach bescheuert, wie du das alles angefangen hast.“
    Niko musterte stumm einen imaginären Punkt auf der gegenüberliegenden Wand.


    „Mag sein, dass es nicht gerade eine glorreiche Idee war. Aber es ändert nichts daran, dass ich sie über alles liebe.“
    Jan tippte sich bezeichnend an die Stirn. „Du hast ihr das Leben damals zur Hölle gemacht. Jeder hat gehört, wie du ihr verboten hast Aijas Grab zu besuchen. Eine komische Art der Liebe, meinst du nicht auch? Du bist einfach ein ausgemachter Hornochse. Anstatt dich auf sie zu besinnen, machst du dann ihrer Schwester einen Liebesantrag. Etwas Blöderes konnte dir nicht einfallen. Ich habe dir schon mal gesagt, wie armselig ich diese Aktion fand. Man, Nele war ein bezauberndes Ding. Sie brach für dich mit ihrer Schwester. Und du hast sie nur benutzt! Glaubst du allen ernstes, Lena würde dir das jemals verzeihen? Der Weg zu ihr ist für dich auf ewig versperrt.“








    Nikos Augen bekamen einen beinahe harten Glanz. „Das glaube ich nicht.“


    Jan schaute befremdet auf seinen Kumpel. „Wie meinst du das?“
    Sein Gegenüber lachte selbstgefällig. „Ich glaube, Lena hasst ihre Schwester. Sie wird nie genauer nachfragen, wie das zwischen mir und Nele war.“
    Jan fröstelte unwillkürlich. „Du hast dich schwer verändert, Alter. Ich erkenne dich nicht wieder. Wenn du Lena wirklich lieben würdest, dann würdest du jetzt anders sprechen. Dir ist echt nicht mehr zu helfen.“
    Damit drehte sich Jan um und verschwand. Zurück blieb Niko. Dieser straffte nun seine Schultern. Er würde sich Lena zurückholen, dessen war er sich sicher.


    „Warte nur, sie wird mich lieben. Dafür habe ich schon vorgesorgt…“




  • So ihr lieben, diese Woche gibt es gleich noch ein weiteres neues Kapitel. Dieses Mal ist es wieder etwas länger. Wir hoffen das es euch gefällt. Also viel spaß beim lesen!


    KAPITEL 16
    LENA



    Grinsend zwinkerte die junge Frau ihrem Partner zu.
    „Hast du gesehen? Den zerreißt es fast. Gut so! Lange dauert es nicht mehr und er macht einen Fehler.“ Lena wirkte sehr zufrieden mit sich.
    Chris lächelte scheu. „Ich glaube auch, dass er bald soweit ist. Aber findest du es nicht ziemlich hart, was wir hier tun? Immerhin war er mit Nele zusammen. Gewiss hat er sie sehr geliebt. Es muss schlimm sein, so an sein Glück erinnert zu werden. Ich möchte nicht zu weit gehen. Meinst du nicht, es ist langsam genug?“
    Lena wischte all seine Bedenken mit einer Handbewegung weg. „Ach was, mach dir keinen Kopf. Hätte er sie wirklich geliebt, wäre er auf der Beerdigung gewesen. Er ist verlogen und falsch!“

    Chris seufzte abgrundtief. Seid vier Wochen nun trieben sie jedes Wochenende dasselbe Spiel. Überall wo Niko zu finden war, fanden sich auch Lena und Chris ein. Scheinbar glücklich verliebt. Man merkte es dem jungen Mann an, wie sehr er unter diesem Glück litt.

    Tief in ihrem Herzen wusste Lena, dass es falsch war was sie da tat. Die Tränen in seinen Augen waren ihr nämlich nicht entgangen.




    Irgendwie tat er ihr auch leid. War sie nicht irgendwie schuld daran, dass er den Posten als Klinikleiter nicht bekommen hatte?
    Als er nämlich damals aus den Waschräumen zurückgekommen war, wirkte er fahrig und nervös. Er schenkte den anwesenden, wichtigen Persönlichkeiten nicht genug Aufmerksamkeit. Kurz gesagt, er hatte es voll versaut. Der Posten war seinem grössten Konkurrenten zugesprochen worden. Aber war es nicht sie, Lena, gewesen welche dies zu verschulden hatte?
    Nachdenklich strich sie sich nun eine Haarsträhne aus der Stirn. So deutlich wie heute war ihr das noch nie gewesen. Als Niko erneut aus dem Saal flüchtete, musste sie einfach handeln.
    „Chris, entschuldigst du mich kurz?“ Dieser nickte nur und setze sich seufzend in eine Ecke.




    Lange musste Lena in dem vom Vollmond erleuchteten Park nicht suchen. Sie fand Niko auf einer Bank sitzend vor. Er weinte bitterlich. Lena erschrak. Was hatte sie da nur angestellt?
    Sie setzte sich zögernd zu dem schluchzenden Mann. War er wirklich der, welcher ihr bis vor kurzem noch das Leben zur Hölle gemacht hatte? Er wirkte jetzt wie ein schutzloses, kleines Kind. Ein Kind, welches Trost brauchte.
    „Darf ich mich zu dir setzen?“ Niko blickte erschrocken auf.
    Er zuckte mit den Schultern. „Wenn du möchtest…“
    Lena setzte sich unsicher. „Niko, ich glaube wir müssen mal miteinander reden.“
    “Wieso, hast du nicht das was du wolltest? Ich habe keine Stelle mehr, immer mehr Menschen wenden sich von mir ab. Eben wurde mir deutlich gemacht, dass ich auf diesen Treffen nicht mehr gern gesehen bin. Ja, sieh mich nur an, Lena. Ich bin am Ende. Ich kann nicht mehr. Zufrieden?“



    Lena war blass geworden bei diesen Worten. „Du hast deine Stelle verloren? Oh bei Gott, dass wollte ich nicht.“
    Der immer noch weinende Mann rührte sie sehr. Mehr, als sie vor sich selbst zugeben wollte.
    „Kannst du mir sagen, was zum Teufel du dann wolltest? Vielleicht hab ich es auch nicht anders verdient. Bitte, du hattest deine Rache. Nun verschwinde.“
    Lena dachte nicht daran, diesen Worten Folge zu leisten. „Glaubst du, es steht dir zu so zu sprechen?“

    Er musterte sie mit gerunzelter Stirn.
    „Du brauchst gar nicht so zu schauen, Niko! Du hast dafür gesorgt, dass ich mich mit meiner Schwester überwerfe! Sie brach mit mir, um dir ihre Liebe zu schenken. Diese Liebe war tief und aufrichtig. Grösser als die Liebe zu mir, ihrer Schwester. Dann ist sie gestorben – keiner weiss was passiert ist. KEINER! Und dich scheint das nicht im Geringsten interessiert zu haben. Gib es zu, du warst es! Du hast sie umgebracht!“ Voller Hass baute sie sich nun vor Niko auf.




    Niko zitterte jetzt am ganzen Körper. Alles was in seinem Kopf vor sich gegangen war, verlor nun seine Bedeutung. Zu grausam war das, was seine über alles geliebte Lena gerade ausgesprochen hatte.
    „Ich habe Nele über alles geliebt, Lena. Sie war Zeit meines Lebens meine grosse Liebe. Schon in der Schulzeit gab es nur sie für mich.“ Seine Stimme klang so ehrlich und aufrichtig, dass Lena kurz zusammenzuckte. Sie hatte nicht den geringsten Zweifel an seinen Worten.
    „Was sagst du da?“ Sie war nun völlig perplex. „Warum sollte ich dir das glauben?“ Ihre Stimme klang nun doch etwas unsicher.
    „Ganz einfach, Nele war schwanger. Sie erwartete ein Kind, mein Kind Lena! Es war ein Kind der Liebe.“
    Lena wurde weiss wie eine Wand. „Du lügst, ohne mit der Wimper zu zucken. Pfui Teufel, was bist du nur für ein Mensch. Wäre sie schwanger gewesen, hätte der Arzt doch etwas davon gesagt. Für wie blöd hältst du mich eigentlich?“
    Niko musterte die Frau vor sich. „Es ist wahr! Glaube es mir, oder glaube es mir nicht. Ich war der behandelnde Arzt. Ich hielt es nicht mehr für nötig, diesen Umstand festzustellen als sie vor mir auf dem Op-Tisch lag. Als ihr Herz aufhörte zu schlagen……da war ich bei ihr, weißt du? ICH! Bloss, wo warst du?“
    Lena wurde blass. „Was meinst du damit?“




  • Er stand auf und legte einen Arm um die Schultern der verzweifelten jungen Frau. Sie ließ dies widerstandslos geschehen. „Du musst Nele verstehen, Lena. Sie hatte doch so viel für dich getan. War immer und überall an deiner Seite. Jede Sekunde…sie stellte ihr Glück für dich hinten an. Dann stand sie mir gegenüber….jetzt begann ihr Glück. Doch du hast es ihr nicht gegönnt. Das traf sie sehr tief. Daher wohl auch ihr begründeter Hass. Alles habe ich versucht, ihr diesen Hass auszureden. Ich wollte keinen Unfrieden.“
    Lena weinte nun bitterlich. All das war zuviel für die junge Frau. Niko nahm sie wie selbstverständlich in seine Arme. „Ihr Tod….daran trägt keiner Schuld. Sie stürzte aus dem Fenster. Ich musste es mit ansehen, verstehst du? Sie wollte einfach nur Gardinen aufhängen und kletterte auf diese wackelige Leiter….ich habe gesagt sie sollte das nicht tun. Doch sie hörte nicht auf mich. Als ich das Zimmer wieder betrat, um ihr diese Arbeit abzunehmen war es schon zu spät….da….Ich hätte es doch verhindern können. Erst jetzt verstehe ich was ich dir wegen Aija antat.“
    Seine Stimme brach.
    Lena schaute mit tränennassen Augen zu ihm auf. „Jetzt weiss ich endlich Bescheid. Endlich ist mir klar, was in Nele vorging.“



    Weinend schmiegten sich die beiden jungen Menschen aneinander. Lena fand als erste ihre Fassung wieder. „Niko, mach dir keine Vorwürfe. Ich hab das bei Aija getan, mach du jetzt nicht auch noch denselben Fehler. Wir haben beide viele Fehler gemacht. Fehler über Fehler. Jetzt müssen wir einfach nochmals von vorne anfangen.“ Sie bemerkte in ihrer Verzweiflung nicht das listige Funkeln in Nikos Augen. Niko strich Lena zärtlich eine Haarsträhne aus der Stirn. „Ja, Lena. Ganz von vorne. Vergiss was war. Nele wird davon nicht mehr lebendig. Tief in ihrem Herzen wusste sie, dass du sie liebst. Und tief in ihrem Herzen hat sie auch dich geliebt. Lass es uns vergessen. Ganz und gar. Lena, jetzt kann ich es dir endlich sagen. Ich liebe dich, ich liebe dich über alles. Jetzt habe ich einen allerletzten Wunsch im Leben.“
    Lena blickte hoch in Nikos vor Liebe glühende Augen. So spürte seine Liebe mit jeder Faser ihres Herzens. Doch ihr Herz schwieg.
    Sanft löste sie sich aus seinen Armen. „Niko, ich kann dir keine Liebe schenken. Da ist höchstens die Basis für eine tiefe Freundschaft. Ich weiss nicht, ob dir das genügt.“ Jetzt erst wurde sie sich seiner letzten Worte bewusst. „Was meinst du damit, du hättest nur noch einen allerletzten Wunsch im Leben?“
    Seine Antwort war ein wilder, ungestümer Kuss. Besitz ergreifend legten sich seine Lippen auf die ihren. Zuerst zögernd, dann immer leidenschaftlicher erwiderte Lena diese Liebesbezeugung. Was machte es da schon aus, dass sie sich die tiefe Liebe immer anders vorgestellt hatte? Gab es so etwas überhaupt, Liebe? War das nicht nur ein Gefühl, welches nur in einem ihrer Romane zu finden war? War eine tiefe Verlässlichkeit nicht viel wichtiger? Zählte nicht viel mehr, dass man sich aufeinander verlassen konnte? Fest wollte Lena daran glauben.




    „Ich will dich, Lena. Jetzt.“ Er hob Lena auf seine starken Arme und ließ sie in das weiche Gras gleiten. Lena war bis dahin noch völlig unberührt. Keinen Mann hatte sie je so weit an sich heran gelassen. Sie wollte das auch jetzt noch nicht. Dennoch ließ sie Niko gewähren. Sie hatte schwere Schuld auf sich geladen. Alles war ihm genommen worden, durch ihre Schuld. Niko war ganz unten, wegen ihr! Was lag da näher, als ihm seinen grössten Wunsch zu erfüllen? Dennoch schaffte sie es nicht, sich ihm hinzugeben.
    „Niko, hör auf. Bitte, ich kann das nicht. Dazu gehört Liebe. Ich liebe dich aber nicht.“ Enttäuscht zog sich Niko zurück. „Wenn ich dich darum bitte, würdest du dann mit mir schlafen? Lena, es ist mein allerletzter Wunsch an das Leben. Ich habe nicht mehr lange Zeit, weißt du….“
    Lena blickte Niko erschrocken in die Augen. „Was meinst du damit?“
    Er schluckte schwer. „Lena, ich habe nicht mehr lange zu leben. Ich weiss es schon ziemlich lange. Ich bin todkrank. Vielleicht habe ich es nicht anders verdient.“



    Lena zitterte. „Du bist was? Sag, dass das nicht wahr ist.“
    Niko zuckte mit seinen Schultern. „Ich habe mich damit abgefunden. Was zählten da schon Karriere und all diese Dinge? Nichts. Für mich zählst nur noch du.“
    “Niko, sag mir was dir fehlt….“
    Er blickte ihr tief in die Augen. „Krebs im Endstadium. Bitte frag nicht weiter nach. Ich möchte dir nicht schildern was in meinem Körper los ist. Ich möchte einfach nur meine letzten Wochen auf dieser Welt genießen.“
    “Jetzt verstehe ich erst, warum dir dieser Posten in der Klinik so egal war. Warum du alles so kommentarlos hingenommen hast.“
    “Ja, Lena. Jetzt weißt du es. Ich bin froh, dass du es weißt. Sehr froh.“ Damit wollte er sich erheben. Doch Lena zog ihn zurück in das weiche Polster Moos.
    „Bleib bei mir Niko.“ Sie schluckte kurz. „Ich möchte dir hier und jetzt deinen letzten Wunsch erfüllen.“ Sie blickte in sein schmales Gesicht. Warum war ihr nicht schon vorher aufgefallen, wie krank er aussah? Vielleicht hatte sie es nicht sehen wollen?



    Ein Strahlen glitt über sein Gesicht. Zärtlich zog er Lena an sich und um ihn herum versank die Welt. Kein Mensch dieser Welt wusste, wie unglücklich Lena in diesem Moment war. Sie erfüllte einem Menschen seinen allergrössten, letzten Wunsch auf dieser Welt. Ihre eigenen Wünsche vergrub sie ganz tief in ihrem Herzen. Es war nicht mehr wichtig. Sie verdrängte alles, was sich nun vor ihr geistiges Auge schob. Sie gab sich in diesem Augenblick zum ersten Mal einen Mann hin.
    Als Niko erschöpft, aber glücklich neben ihr lag glitt eine Träne über ihre Wange. Wie viel anders hatte sie sich stets ihr erstes Mal vorgestellt. Niko war weder zärtlich noch vorsichtig gewesen. Es war sehr schmerzvoll für Lena geworden.
    Niko bemerkte den Schmerz der jungen Frau nicht. Glücklich nahm er sie in seine Arme. „Es war das Schönste, was ich je erleben durfte. Ich danke dir, mein Engel. Sag, möchtest du meine Frau werden? Bitte, sag nicht nein. Begleite mich die letzten Wochen meines Lebens, bis zu meinem Ende. Ich schwöre dir, du wirst es gut bei mir haben. Wenn ich schließlich gehen muss, dann mit der Gewissheit das du nicht unvermögend zurück bleibst. Du wirst gut versorgt sein, wenn meine Zeit vorbei ist. Das alleine zählt für mich.“


    Wie hätte Lena ihm diesen Wunsch abschlagen können? Daher antwortete sie, obwohl doch ihr Herz im Tiefschlaf lag, mit einem leisen: „Ja, ich will.“