• Och man... Arme Annabelle :( Ich bin hin- und hergerissen; natürlich wäre es sehr schön, wenn Robert jetzt etwas freundlicher zu ihr wäre, aber ich würde äußerst ungern sehn, dass die beiden zusammen bleiben, nur weil er ein einfach kleineres Übel wird ?(

  • Ja, die arme Annabelle. Hat jetzt nur noch Robert. ;(

    Wer sagt denn, dass Robert jetzt nett zu ihr ist und das die Beiden dann zusammen bleiben würden? Ich denke, der Zug für eine glücklichere Ehe ist schon lange abgefahren. Und Hugh hat ja auch noch ein Hühnchen mit ihm zu rupfen. :evil:

  • Niemanden zu trauen ist immer gut! Vor allem nicht Storyschreibern. :evil:

    Oh, stimmt ja, Game of Thrones geht ja schon in die letzte Runde. Ich hab die letzte Staffel immer noch nicht gesehen. Wollte ich eigentlich schon lange gemacht haben. :D

  • 36



    I see the bad moon risin'

    I see trouble on the way

    I see earthquakes and lightnin'

    I see bad times today

    (Creedence Clearwater Revival – Bad Moon Rising)





    „Und wie sieht es jetzt aus? Will deine Angebetete meine Hilfe oder nicht?“ Hugh hörte sich ungeduldig an, so als könnte er es gar nicht erwarten endlich zur Tat zu schreiten.

    „Sie hat sich noch nicht entschieden“, entgegnete ich. Wir saßen in Hughs Hütte und er war gerade dabei etwas zu Abend zu essen. Es war immer noch die selbe Nacht, die Nacht in der Annabelles Mutter gestorben war.

    „Was grübelt sie denn so lange? Es ist doch einfach und würde nicht auf sie zurück fallen.“

    „Sie hat gerade andere Sorgen.“ Ich machte eine kurze Pause und Hugh starte genervt in die Richtung wo er mich vermutete. „Ich musste heute ihre Mutter holen.“

    Einen Moment huschte etwas wie Mitleid über sein Gesicht, aber dann war es wieder verschwunden. „Noch ein Grund mehr schnell zu handeln. Der feine Mistkerl hat jetzt keinen Grund mehr sich zurück zu halten.“





    „Ich weiß. Aber ich weiß nicht, wie ich Annabelle in die richtige Richtung lenken kann. Sie trauert um ihre Mutter und ich kann ihr nicht helfen, weil ich eigentlich noch gar nicht wissen kann, dass ihre Mutter tot ist.“

    „Tja, wenn du ihr von Anfang an die Wahrheit gesagt hättest...“

    „Wie hätte ich das tun können? Sie ist nicht wie du. Sie hätte mir niemals geglaubt und jetzt kann ich die Wahrheit nicht mehr sagen.“

    „Dein Pech. Ich werde mein Angebot nicht ewig aufrecht erhalten.“

    „Ich werde mein Bestes geben, Annabelle zu überzeugen.“ Ich erhob mich, um zurück an meine Arbeit zu gehen.

    „Tu das. Und lass dir nicht ewig Zeit damit. Wenn ich nichts von dir höre, werde ich eigene Schritte einleiten und dann wird deine Freundin alles verlieren was ihr wichtig ist. Ich denke nicht, dass du das gerade jetzt willst.“





    Zwei Tage später wartete ich am Turm auf sie. Ich wusste, dass sie kommen würde, so sicher wie morgens die Sonne aufgeht. An ihrem Gang konnte ich schon von weitem erkennen, dass sie zutiefst traurig und wohl auch verletzt war. Ich eilte ihr entgegen und zog sie in meine Arme.

    „Meine Mutter ist tot“, schluchzte sie an meiner Schulter.

    'Ich weiß', entschlüpfte es mir fast. Ich rief mich zur Ordnung. Nichts durfte darauf hin deuten, dass ich davon bereits wusste.

    „Das tut mir Leid.“ Es klang lahm. Es drückte nicht im Mindesten aus, was ich ihr eigentlich sagen wollte. „Wie ist das passiert?“

    „Ihr Herz hat wohl einfach aufgehört zu schlagen. Als ich vor zwei Tagen nach Hause kam, fand ich sie in Küche.“ Ihre Stimme wurde immer leiser und ich fühlte ihre Tränen meine Kleidung durchnässen. Ich drückte sie noch fester an mich und sie schmiegte sich in meine Umarmung.





    Wir blieben eine Weile so stehen, so lange bis Annabelles Tränen versiegten. Dann zog ich sie auf die Treppe.

    „Drinnen sieht es immer noch nicht anders aus als das letzte Mal“, entschuldigte ich mich verlegen.

    „Das macht nichts. Hier draußen ist es so schön heute.“ Ihre Worten passten nicht zu ihrem Gesichtsausdruck. Ich sah sie besorgt an, aber sie winkte ab. „Sieh mich nicht so an. Ich weiß, wie schlimm ich aussehe.“ Annabelle senkte den Kopf, versuchte ihr blaues Auge mit ihren Haaren zu verstecken. Ich fragte mich, was zwischen Robert und ihr vorgefallen war, nachdem ich sie verlassen hatte, aber ich wagte nicht zu fragen. Wenn sie darüber reden wollte, dann würde sie von sich aus damit anfangen.

    „Du sieht immer wunderschön aus.“ Ich versuchte es mit Schmeichelei und es entlockte ihr ein winziges Heben ihrer Mundwinkel. Eine Weile saßen wir schweigend nebeneinander. Sie legte ihre Hand in meine und ich streichelte tröstend ihren Handrücken.





    „Als ich an dem Abend nach Hause kam, war es schon zu spät. Ich konnte nichts mehr für meine Mutter tun.“ Sagte sie nach einer Weile. „Ich weiß, es hört sich komisch an, aber für einen Moment dachte ich, dass du mich beobachtest. Aber das konnte ja nicht sein oder?“

    Sie hob den Blick ein wenig um mich anzusehen. Ich schüttelte den Kopf, brachte die Lüge nicht raus.

    „Das dachte ich mir.“ Wieder ging ihr Blick in die Ferne. „Ich wusste nicht was ich tun sollte und dann kam Robert nach Hause. Er...“ Sie stockte, als wollte sie nicht weiter erzählen. Dann straffte sie sich und fuhr fort: „Er nahm mich in den Arm und versprach sich um alles zu kümmern. Dann schickte er mich wie ein kleines Kind ins Bett.“ Sie sah mich bei den letzten Worten wieder an. Ich wusste nicht, was ich ihr sagen sollte, was ihr helfen könnte. Ich wusste, ich sollte sie auf den Weg bringen jetzt endlich Hughs Angebot anzunehmen, aber ich konnte es in dieser Situation nicht.





    Ich hob ihre Hand und führte sie zu meinen Lippen. „Er hat kein Recht dich so zu behandeln. Du bist“, ich schluckte „seine Frau und kein hilfloses Kind.“

    Sie lächelte und rückte näher an mich heran. „Ich weiß, aber er hat eigentlich in dem Moment das Richtige getan. Nur war die Art und Weise nicht in Ordnung. Ich konnte nicht damit umgehen meine Mutter so zu sehen. Egal wie sehr ich gegen ihre Entscheidung war, mich an Robert zu verscherbeln, so war sie mir in den letzten Monaten doch eine Unterstützung. Jetzt bin ich allein mit ihm.“

    Ich legte meinen Arm um sie. „Du bist nicht allein.“

    „Zuhause schon. Du kannst dort nicht sein und ich könnte den Gedanken nicht ertragen, dass du siehst wie er mich behandelt.“ Sie senkte beschämt den Kopf. Ich hob meine Hand an ihre Wange, streichelte sie zart, zwang sie so wieder zu mir zu schauen.

    „Ich sehe genug um mir schreckliche Sorgen um dich zu machen.“





    Annabelle entwand sich meinen Armen und stand unvermittelt auf. „Ich würde gerne ein wenig spazieren gehen.“

    Nur zu gerne entsprach ich ihren Wunsch. Wir schlugen den Pfad zum See ein, denn dahin zog es sie am Meisten, wenn sie Nachdenken musste. So gut kannte ich sie inzwischen. Wir redeten nicht auf dem Weg dahin. Immer wieder huschte mein Blick zu ihr hinüber. Ich war besorgt, konnte nicht wirklich ausmachen wohin ihre Gedanken wanderten. Sie sah so traurig und verletzlich aus, dass es mir schier das Herz brach. Ich wusste, dass sie unbedingt Hughs Angebot annehmen musste, wenn sie irgendwann die Chance haben wollte, wieder die Herrin über ihr Leben zu sein.





    „Mir ist übel“, sagte sie unvermittelt, blieb stehen und hielt sich die Hand vor den Mund.

    „Willst du dich setzen?“ Fragte ich besorgt, während sich meine Arme fast schon automatisch um sie legten, um sie zu stützen.

    „Nein, es geht schon. Es ist nur alles so hoffnungslos geworden. Immer wenn ich denke, dass es aufwärts geht, passiert etwas was alles noch schlimmer macht. Es scheint, als wenn die Götter dagegen sind, dass ich auch nur ein bisschen glücklich bin.“

    Ich schluckte, nicht sicher was ich dazu sagen sollte. Es schien wirklich so zu sein. „So darfst du nicht denken. Ich bin mir sicher, dass sich irgendwann alles zum Guten wendet.“

    „Und wann sollte das sein? Wenn ich alt und grau bin? Falls ich überhaupt so alt werde, denn mein Ehemann scheint es darauf anzulegen mich in ein frühes Grab zu prügeln.“ So bitter hatte ich schon lange nicht mehr gehört. Und ich konnte das verstehen.





    Ich beschloss die Chance zu nutzen. „Da ist immer noch Hughs Angebot...“

    Sie drehte sich zu mir. „Ich weiß nicht. Ich traue dem Mann nicht. Warum sollte er uns helfen? Was hast du ihm versprochen, damit er uns hilft?“

    „Das lass meine Sorge sein. Es ist einzig nur wichtig, dass er helfen kann.“

    Sie schüttelte den Kopf. „Nein, ist es nicht. Ich will nicht, dass du meinetwegen verpflichtet bist, diesem zwielichtigen Menschen etwas schuldig zu sein.“

    „So ist es nicht. Glaube mir. Ich habe ihm etwas versprochen zu tun, was nur ich tun kann und das ist nichts Verbotenes oder Schändliches. Es hat nichts mit seiner sonstigen Arbeit zu tun, aber ich habe ihm versprechen müssen, dass ich dir nichts davon erzähle. Einfach weil es ein persönliche Angelegenheit für ihn ist und er sein Privatleben vor seinen Auftraggebern geheim hält.“

    Sie sah mich zweifelnd an. „Und es bringt weder dich noch jemand anderen in Gefahr?“

    Jetzt schüttelte ich den Kopf. „Ich verspreche es dir.“





    Sie sah mir in die Augen, lange. Dann löste sie sich von mir und ihr Gesicht verzog zu einer Maske aus Hass, während ihre Hände sich zu Fäusten ballten. „Gut. Dann richte Hugh aus, dass ich sein Angebot annehme. Möge er Robert aus dem Weg schaffen, so dass ich den Hof und mich selbst retten kann.“

    Ich jubelte innerlich. „Das werde ich tun. Und jetzt lass uns an etwas anderes denken, als die Vergangenheit. Lass uns über diese Zukunft reden.“

    Und das taten wir für den Rest des Nachmittags. So lange bis es langsam dunkel wurde und Annabelle wieder nach Hause musste. Nach Hause, wo nur noch Robert auf sie warten würde. Aber nicht mehr lange, sagten wir uns zum Abschied. Nicht mehr lange würde Annabelle seine Anwesenheit fürchten müssen. Sie hatte endlich die Entscheidung getroffen, die sie befreien würde ohne ihr Gewissen mit einem Mord zu belasten.





    Ein paar Tage später hatte ich ein Treffen zwischen Annabelle und Hugh vermittelt. Es war nicht einfach gewesen, Annabelle aus Roberts Klauen zu befreien. Seit dem Tod ihrer Mutter hatte er begonnen sie noch mehr zu beobachten. Ihr noch mehr verboten aus dem Haus zu gehen. Aber er konnte ihr nicht verwehren, dass sie in die Kirche ging. Und so fand dieses Treffen an genau diesem Ort statt. So ungewöhnlich das auch war.

    Annabelle schritt forschen Schrittes den Weg zur Kirchentür entlang. Ich hatte sie am Tor abgefangen. Ihr Gesicht war von einer eisernen Entschlossenheit und unsere Begrüßung fiel kälter aus als gewöhnlich.





    Hugh erwartete uns bereits drinnen. Er war alleine dort, keiner der Priester war zu sehen. Er saß auf einer der kalten Bänke und starrte auf eines der großen Kreuze, die in dem großen Kirchenschiff verstreut waren. Er saß auf einer der vorderen Bänke, genau vor dem Altar und der Kanzel. Nichts deutete daraufhin, dass er unser Eintreten bemerkt hätte, obwohl wir natürlich nicht zu überhören waren.

    Annabelle setzte sich auf die Nachbarbank und ich mich neben sie. Und erst als sie anfing zu sprechen, drehte sich Hugh leicht zu uns um.

    „Ich nehme Euer Angebot an“, sagte sie nur und wartete seine Reaktion ab. Er nickte.

    „Das habe ich erwartet. Euch Beiden bleibt ja auch keine andere Wahl.“ Hughs Blick ging wieder auf den Altar vor uns.

    „Aber ich möchte noch ein paar Dinge wissen, ehe ich Euch endgültig verpflichte.“

    „Auch das habe ich erwartet. Schieß los.“





    „Was plant Ihr mit Robert zu tun, wenn Ihr ihn gefangen habt?“

    Hugh ließ sich Zeit mit der Antwort. „Das ist meine Sache. Ich sagte doch, dass ich auch noch eine Rechnung mit dem Bastard offen habe. Streng dein hübsches Köpfchen lieber mehr an, wie du deinen Hof retten willst. Das ist unsere Abmachung. Ich halte Robert lange genug fest, dass du deinen Hof behalten kannst. Wie du das anstellst ist deine Sache, meine wird es nur sein, deinen Ehegatten ab und an präsentabel für seine Gläubiger zu machen.“

    Annabelle lächelte. „Keine Sorge, ich denke ich weiß, wie ich meinen Hof behalten kann, ohne auf Robert angewiesen zu sein. Ich habe ebenso einen Plan wie ihr.“

    „Gut. Gibt es noch mehr was du wissen willst? Vielleicht wie ich gedenke den feinen Lord zu überwältigen? Oder wie ich ihn fest halten will?“

    „Das wäre nicht schlecht zu wissen“, fing Annabelle an, aber Hugh unterbrach sie.

    „Vergiss es. Vertrau einfach nur darauf, dass ich meine Arbeit mache. Ich denke eh, dass dein stummer Freund mich dabei beobachten wird, damit ich mich auch ja an unsere Abmachung halte.“





    Annabelle nickte. „Also gut, dann stelle ich darüber keine Fragen mehr.“ Sie stand auf und ging in den hinteren Teil der Kirche, wo die Kerzen von den Betenden angezündet wurden. Sie nahm sich selbst eine Kerze aus dem Fach und zündete sie an.

    „Für meine Mutter“, beantwortete sie die stumme Frage des Assassinen, der ihr lautlos gefolgt war.

    „Sie ist vor ein paar Tagen gestorben.“ Bei den Worten sah Hugh einen kurzen Moment dahin, wo er mich vermutete. Zum Glück hatte Annabelle diesen kurzen Austausch nicht bemerkt, da sie immer noch die Kerzen betrachtete.

    „Das tut mir Leid“, war Hughs einzige Reaktion.

    „Von Euch hört sich das seltsam an, wo Ihr doch mit dem Tod handelt. Was bedeutet Euch der Tod schon noch, wo Ihr so vielen Menschen selbigen gebracht habt. “

    Für einen Moment hallten diese anklagenden Worte in der Stille wider.





    „Du hast Recht. Ich handel mit dem Tod. Das heißt aber nicht, dass es mir nicht Leid tun kann, wenn jemand einen geliebten Menschen verliert.“

    „Wie lässt sich das mit Eurem Beruf vereinbaren? Habt Ihr eigentlich kein Herz oder warum übt Ihr solch einen Beruf aus?“ Ich spürte, dass diese Worte schon seit dem ersten Aufeinandertreffen der Beiden in ihr brannten. Sie hatte sich inzwischen zu Hugh umgedreht und sah ihn herausfordernd in sein eines Auge.

    „Was spielt das für eine Rolle? Ich bin der Einzige der dir helfen kann und ich denke wir sollten unseren Handel besiegeln, ehe ich es mir anders überlege.“ Hugh streckte ihr die Hand entgegen und nach einigem Zögern ergriff sie diese.

    „Irgendwann solltet Ihr Euch diese Fragen selber stellen, auch wenn Ihr die Antworten nicht hören wollt.“ Und mit diesen Worten ließ sie seine Hand los und ging in Richtung des Ausgangs. Ich folgte ihr, warf aber noch einen Blick auf Hugh. Er stand noch immer vor den Opferkerzen und starrte diese an.

    „Ich habe sehr wohl ein Herz.“


    *Fortsetzung folgt*