Lia - Aus dem Leben einer Hure

  • Kapitel 5 - Teil 1


    Am nächsten Morgen wachte ich von lauter Musik auf. Sie übertönte sogar die verhassten Vögel, was ja nicht schlecht war, andererseits war ich nach einer Nacht wie dieser am Morgen noch nicht in Stimmung für Rockmusik in Discolautstärke.
    „Mara”, schrie ich so laut ich konnte.
    „Stell den Mist aus!”
    Mara war die einzige von uns, die Rockmusik hörte, eigentlich war sie überhaupt die Einzige, die die Musikanlage auf diese unerträgliche Lautstärke drehte.
    Ich schmiss mein Kissen auf die Erde und schlich verschlafen aus meinem Zimmer.



    In der Küche tanzte Mara wie wild geworden auf dem Tisch.
    „Geht’s noch”, murmelte ich verschlafen und rieb mir die Augen.



    „Du hast sie doch nicht alle!”
    Ich ging zum Radio und drehte es leiser.
    „Heeey!”, rief Mara, scheinbar ein wenig enttäuscht und sprang elegant vom Tisch.
    „Was ist, schlechte Laune?”



    „Definitiv.”
    Ich blieb mitten im Raum stehen und sah das blonde Mädchen unentschlossen an.
    „Hier kann man auch nie in Ruhe schlafen.”
    „Hey, was ist, du bist doch sonst nicht so”, sagte Mara und setzte sich auf den Tisch. Sie war heute wieder genau so stark geschminkt wie jeden Tag und ihre grünen Augen funkelten mich an.



    „Ach weiß nicht, irgendwie geht es mir nicht so gut.”
    „Du musst mal wieder Spaß haben”, beschloss sie. „Ich wollte bald shoppen gehen. Komm doch mit. Biiiitte.”
    „Ach hm, weiß nicht. Was ist mit Vanessa?”
    Irgendwie war ich nicht in Shoppinglaune, auch wenn ich zugegebenermaßen lange nichts Neues mehr gekauft hatte.



    „Och, die untreue Tomate war ja gestern schon ohne mich. Komm schon Lia. Das bringt dich auf andere Gedanken, weißt du.”
    „Aber ich hab’ nachher noch nen Kunden.”
    „Ja ja, dann sind wir zurück. Mach dich chic und dann geht’s los.” ´



    Mara ließ sich nicht von ihrem Vorhaben abbringen und da ich sowieso nichts Besseres zu tun hatte und außerdem gerne Zeit mit ihr verbrachte, stimmte ich letztendlich zu. Ich verschwand wieder in meinem Zimmer um mich umzuziehen, und grade als ich die Tür hinter mir geschlossen hatte wurde das Haus wieder von lauter Rockmusik durchschallt.



    Mara und ich stiegen in ihr Auto, einen kleinen weißen VW Beatle, der sehr gut zu dem süßen Mädchen passte und fuhren los in Richtung Fußgängerzone, in der sich die ganzen Geschäfte befanden. Ich ging gerne shoppen, hatte es aber in letzter Zeit irgendwie ein bisschen vernachlässigt.
    Zum Glück war der morgendliche Berufsverkehr schon vorüber, und so waren die Straßen einigermaßen frei, jedenfalls leerer, als man es für Hamburg gewohnt war.



    Ich saß auf dem Beifahrersitz und sah Mara an, die auf eine irgendwie lässige Art das kleine Auto durch den Verkehr lenkte.
    „Arsch”, fluchte sie, als ihr jemand die Vorfahrt nahm.
    „Die fahren hier manchmal echt wie die Idioten. Nächstes Mal gehen wir zu Fuß.”
    Ich grinste und dachte mir meinen Teil.
    Als ich grade ein Gespräch anfangen wollte, bremste sie auf einmal so stark, dass ich in meinem Sitz nach vorne geworfen wurde, und fuhr dann einige Meter rückwärts.
    „Da war ein Parkplatz”, frohlockte sie, als wäre dieses ein weltbewegendes Ereignis.


  • „Ich habe noch nie direkt an der Straße parken können”, jubelte Mara förmlich, als sie versuchte, ihren Beatle in die viel zu kleine Parklücke zu quetschen.
    „Vor Parkhäusern hab’ ich irgendwie Angst.”
    Nach einigem hin und her stand das kleine Auto wirklich auf der winzigen freien Betonfläche und wir stiegen aus und gingen die letzten Meter zur Fußgängerzone. Mara verfiel in einen kindischen Hüpferlauf und schleuderte ihre Handtasche vor und zurück, dann hielt sie abrupt vor einem Schuhgeschäft an.
    „Die!”, schrie sie und klopfte mit dem Zeigefinger gegen das Schaufenster, wie ein kleines Kind. „Lia beeil dich, hier sind voll die Traumschuhe!”
    Ich verdrehte die Augen und stapfte der übermotivierten Mara hinterher zum Schaufenster.



    „Welche?”, fragte ich eher gleichgültig, auf die gut ein Dutzend Paar Frauenschuhe hinter dem Glas blickend.
    „Na die”, Mara deutete auf ein Paar roter sehr hoher Pumps mit Pfennigabsatz.
    „Bisschen nuttig, findest du nicht?” Ich sah sie an und wir beide mussten lachen.
    „Lass uns mal reingehen”, entschied Mara und dann standen wir auch schon mitten im Laden.
    „Hach, paradiesisch!”
    Mara schwärmte und man sah fast die kleinen Herzchen in ihren Augen. Sofort kramte sie ein sündhaft teures Paar Highheels aus einem Regal, probierte es an und stolzierte durch den Laden. „Ein bisschen bist du ja doch wie deine Schwester”, stichelte ich.
    „Bitte?! Überhaupt nicht, die hätte jetzt schon fünf Paar gekauft, ich gucke ja nur!”
    „Mhm, klar.”
    Angenervt ließ ich mich auf einem Anprobierhocker nieder, der zu allem Überfluss in der Form eines Damenschuhs designed war.



    Als ich mich lustlos umsah, erblickt ich plötzlich ein tolles paar Schuhe, so welche, wie ich schon immer gesucht hatte und nun natürlich unbedingt haben musste.



    Ich fühlte mich ein bisschen ertappt, aber jetzt war auch meine Shoppinglust geweckt. Sofort suchte ich mir die Traumschuhe in meiner Größe aus dem Regal und zog meine alten Stiefel aus. Meine schlechte Laune auf einmal wie weggeblasen.
    Frustshoppen half scheinbar tatsächlich.





    Wir gingen noch in viele weitere Geschäfte und waren beide total im Kaufrausch. Der Juwelier ‘Go for gold’ machte mit uns wahrscheinlich das Geschäft seines Lebens, denn mir kam es so vor, als kauften wir den ganzen Laden leer. Entsprechend gab es auch Rabatt, was uns natürlich sehr erfreute und zu weiteren spontanen Käufen anregte. Nach ein paar Stunden waren unsere Geldbörsen leer und unsere Hände voll mit Einkaufstaschen mit den tollsten neuen Errungenschaften und wir gingen müde aber sehr glücklich zurück zum Auto.
    Wir packten den armen Beatle mit den Taschen voll und ich entschied dann, zu Fuß zum Beverly und zum nächsten Kunden zu gehen, da ich noch etwas Zeit hatte und auch gerne noch etwas an der frischen Luft war.



    Und so schlenderte ich gemütlich durch die Straßen Hamburgs an diesem Mittwoch Mittag. Der Weg führte mich durch einen kleinen Park, in dem Kinder spielten, Leute mit ihren Hunden spazieren gingen und einige Jogger unermüdlich ihre Runden liefen. Erfrischender Wind wehte mir durch die Haare und das Zwitschern der Vögel empfand ich heute als willkommenes Hintergrundgeräusch und nicht als Störung. Als ich an einem See vorbeilief, blieb ich kurz stehen und beobachtete die Enten.



    Alles machte so einen friedlichen Eindruck, der See glitzerte im Sonnenlicht und die Bäume wogen sich sanft im Wind. Ab und zu lief ein Hund auf der Jagd nach einem geworfenem Stöckchen durch das Bild oder ich sah ein Eichhörnchen durch die Bäume springen, aber allgemein war es ein Augenblick der Stille, der mich an diesem See verweilen lies, fernab von allem Alltagsstress.
    Ich mochte es, wenn die Leute mich nicht besonders ansahen oder aber sich demonstrativ von mir wegdrehten, denn heute trug ich ganz normale mädchenhafte Klamotten und niemand sah mir meinen Job an. Ich war einer von ihnen, eine ganz normale junge Frau, die durch den Park ging. Ein Mensch.

  • Kapitel 5 - Teil 2


    Überpünktlich erschien ich beim Beverly und hatte noch genug Zeit, mich angebracht herzurichten und zu schminken. Ich traf mich mit Günther, einem durchschnittlichen Stammkunden.



    Als ich mich gestylt hatte und wieder in den Eingangsbereich des Hotels ging, in dem heute nicht Stupsi, sondern die andere Rezeptionistin, eine graue, streng aussehende ältere Frau ohne jegliche Besonderheiten saß, wartete er schon auf mich.



    Günther war Mitte vierzig, schüchtern und ein mittelständischer Familienvater ohne nennenswerte Probleme. Eigentlich der typische Kunde, auch wenn der normale Bürger bei dem Wort ‘Freier’ nicht an einen normalen Mann wie Günther denken würde. Ich mochte ihn, wenn man denn von mögen reden kann, denn er war kaum anspruchsvoll, bezählte immer ein bisschen mehr und war schnell wieder verschwunden. Ein Kunde wie man ihn sich wünschte also.
    Der Mann und ich verlangten den Zimmerschlüssel von der grauen Rezeptionistin, die uns wie immer einen herabwürdigenden Blick zuwarf und verschwanden im Hotelzimmer.



    Es war eine schnelle Routinearbeit, in der ich meine Seele mittels Gedankenkraft wieder ganz weit weg an einen Traumstrand beamte. Ich erinnere mich nicht an viele Details dieser gefühslosen Momente. Ich weiß nur, dass meine Seele tot zu sein schien.


    Eine halbe Stunde später befand ich mich auch schon wieder auf dem Heimweg.



    Der Wind war nun kälter und stärker geworden und in trotz meiner dickeren Klamotten wurde mir plötzlich sehr kalt. Graue Wolken hatten sich vor die Sonne geschoben und ließen den Tag trist und langweilig wirken.
    Ich schlang meine Arme und mich und ging ein wenig schneller. Der Wind blies einige Blätter von den Bäumen, die die Straße entlang wirbelten. Autos huschten vorbei, scheinbar ziellos, irgendwie sinnlos.



    Ich fühlte mich plötzlich unwohl und fehl am Platze und fing an in kleinen Schritten zu laufen, den Kopf gesenkt und gegen den Wind. Das schöne angenehme Gefühl von vor so kurzer Zeit war wie weggeblasen und ich fühlte mich irgendwie minderwertig, obwohl ich es mir nicht richtig erklären konnte. Nun begann es zu regnen, erst ein paar kalte Tropfen, dann immer mehr.


    Als ich nach einiger Zeit endlich die Haustür aufschloss und in den Hausflur stolperte, fühlte ich mich so gehetzt wie lange nicht mehr. Ich beschloss, mir ein heißes Bad mit Kerzen zu machen und mich erstmal eine Runde zu entspannen.



    In der WG war es ziemlich ruhig, scheinbar war niemand zu Hause. Ich genoss die Stille, legte leise Musik auf, machte Kerzen an und ließ ein Vollbad mit extra viel Schaum einlaufen. Ich erinnerte mich nicht daran, wann ich das letzte Mal gebadet hatte, es musste ewig her gewesen sein und so freute ich mich ganz besonders darauf.
    Ich genoss es, wie das heiße Wasser meine Haut umspülte.



    Irgendwie fühlte ich mich dreckig und so nahm ich einen Schwamm und wusch mich immer wieder ab, gab es aber dann irgendwann auf und lehnte mich einfach nur zurück und schloss die Augen. Ich beschloss, dass sie Welt da draußen mich mal kreuzweise konnte, ich würde mich ganz sicher nicht unterkriegen lassen.



    „And you can’t fight the tears that ain’t coming, or the moment of truth in your lies. When everything seems like the movies, you bleed just to know your alive”, sang ich leise das Lied auf der CD mit.
    „And I don´t want the world to see me, ‘cause I don’t think that they’d understand. When everything’s made to be broken, I just want you to know who I am...”

  • Tolle Forsetzung.
    Schreibstil und Bilder sind grandios!
    Ich freue mich auf mehr. ;)
    [ LG ]

    [INDENT][INDENT][INDENT][h=3]Nimm ein Kind bei der Hand
    und lass dich von ihm führen.
    Betrachte die Steine, die es aufhebt
    und höre zu, was es dir erzählt.
    Zur Belohnung zeigt es dir eine Welt,
    die du längst vergessen hast.
    [/h][/INDENT]
    [/INDENT]
    [/INDENT]

  • Der weisse VW Beetle ist ja echt süss.So einen hätte ich auch gern.Mara ist ja wohl schon ziemlich kindisch,kommts mir vor. Kein Wunder,dass Lia sich minderwertig und schmutzig fühlt nach einer solchen Arbeit,da würde sich wohl jede Frau so fühlen.Was ist das nur für ein Leben? Ob Prostituierte wirklich so viel Geld haben zum Ausgeben,die meisten wohl eher nicht.Aber eine schöne Unterwäsche hat sie bei ihrem Kunden getragen.

  • Danke ihr beiden!
    Das nächste Kapitel werde ich gleich reinstellen,w enn nichts dazwischen kommt.


    Nicci: Vielen Dank für dein Lob! Freut mich dass dir die Story gefällt und wünsche dir viel Spaß weiterhin!


    Shoshona:

    Zitat

    Der weisse VW Beetle ist ja echt süss.


    Ja, gell? ;)


    Zitat

    Mara ist ja wohl schon ziemlich kindisch,kommts mir vor.


    Genau so ist es. Gut, dass es rübergekommen ist :D


    Zitat

    Kein Wunder,dass Lia sich minderwertig und schmutzig fühlt nach einer solchen Arbeit,da würde sich wohl jede Frau so fühlen.Was ist das nur für ein Leben?


    Ja, denke auch, dass es leider normal ist bzw ist auf jeden Fall zu verstehen.


    Zitat

    Ob Prostituierte wirklich so viel Geld haben zum Ausgeben,die meisten wohl eher nicht.


    Nein, der Standard ist das nicht und Lia hatte auch nur so viel, weil sie vorher schon ewig nichts mehr ausgegeben hatte, weil sie kaum raus geht. Da hat sie einiges gespart.


    Zitat

    Aber eine schöne Unterwäsche hat sie bei ihrem Kunden getragen


    Freut mich, dass die dir gefallen hat, ich mag sie auch ;)

  • Kommen wir zu einem Kapitel, von dem mir ausnahmsweise mal die Bilder gefallen...
    es ist ziemlich lang und ich wünsche euch viel Spaß!


    Kapitel 6 - Teil 1



    Es war etwa 22 Uhr und ich lag auf der Couch, als die Tür aufflog und alle vier Mädchen hineinstürzten. Sie kicherten und lachten und schienen einen sehr lustigen Tag zusammen gehabt zu haben. Für einen kurzen Moment fühlte ich mich ausgeschlossen, dann aber schmiss Mara sich auch schon zu mir auf die Couch.



    „Wir waren in so einer neuen Bar”, keuchte sie aufgeregt.
    „Du hast echt was verpasst!”
    „Oh ja”, fuhr Vanessa fort, „die Bedienung, so eine geile Sau sag ich dir, o lala. Der Hintern…” „’Netter junger Mann’”, verbesserte Vera sie gespielt streng, „Nicht geile Sau.”
    „Das war ne geile Sau, glaub mir. Da musst du das nächste Mal mit hin, geile Cocktails haben die auch noch.” Mara kam aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus.
    „Lasst doch die arme Lia in Frieden”, rief Kira aus der Küche, kurz darauf ging irgendetwas scheppernd zu Boden und man hörte ein lautes Fluchen. Ich schmunzelte. Die Mädchen waren zurück und die stille Zeit war vorüber. War vielleicht aber auch ganz gut so.



    „Wir wollen gleich noch in die Disco. Ich frag dich gar nicht erst, du wirst mitkommen. Geht ja nicht an, dass du hier nur zu Hause rumhockst. Wir wollen taaanzen.“
    Mara stand auf , zog mich an meinem Arm hoch und tanzte herum.
    „Ach… Disco… ich hab grad erst gebadet, und dann dieser Rauch da…”
    „Versuch es gar nicht, du hast keine Chance”, zwinkerte Vera mir zu.
    „Wir gehen in das Butterfly, den Laden von Hugos Bruder. Und natürlich hat sie Recht, du kommst mit.”



    Mara hüpfte auf und ab wie ein Kind und es war nicht schwer zu erkennen, dass sie schon gut angeheitert war.
    „Wir suchen jetzt welche von deinen neuen Sachen aus”, trällerte sie und begutachtete meinen Körper.



    Bevor ich etwas erwidern konnte, zog sie mich in mein Zimmer, wo ich mich gleich aufs Bett fallen lies.



    Mara durchwühlte meine Einkaufstaschen und schmiss mir ein paar Sachen zu.
    „Das, und das…. Und dieses hier noch. Ach ja, und natürlich die Sandalen.”
    „Wirf die Schuhe nicht, sonst…” Doch es war auch schon zu spät und die Sandalen flogen gegen meine Wand, wo sie einen Kratzer hinterließen.



    „Stell dich nicht an”, verlangte Mara bevor ich überhaupt etwas sagen konnte.
    „Lalala, das wird so schön. Ich zieh’ meinen neuen Rock an. Hihihi, hoffentlich sind geile Typen da.”



    Mit diesen Worten hüpfte sie aus dem Zimmer und ich fiel stöhnend aufs Bett zurück. Dieses Mädchen war heute echt anstrengend. Aber ich hatte natürlich keine Wahl und ein bisschen ansteckend war Maras Laune ja auch, also zog ich mir die Sachen an, die sie ausgesucht hatte, was mich für meinen Geschmack ein wenig zu nackig aussehen lies. Zu der Hotpants und dem weißen Oberteil, das eigentlich nicht viel mehr Stoff hatte, als ein BH, zog ich mir die hellblauen, hohen Sandalen an, die Mara ausgesucht hatte.
    Dann kam Mara auch schon wieder ins Zimmer gestürmt.


  • „Du siehst so hot aus", kreischte sie. "Boah, wie gerne hätte ich deine Figur. Achja - und iiich will dich schminken!”.
    „Mara, du benimmst dich wie sechzehn.”
    „Na und, lass mich. Das macht mir gar nichts.”
    Ich hielt mir demonstrativ die Ohren zu, als sie begann aus vollem Leibe „Sweet little Sixteen” zu trällern. Was hatte ich nur angerichtet.


    -


    Kapitel 6 - Teil 2


    Nach etwa eineinhalb Stunden verließen wir alle die Wohnung, stolperten die Treppe hinunter und ernteten auf der Straße gleich einige kritische, aber auch einige bewundernde Blicke. Ich hatte mich im Spiegel zwar fast nicht wieder erkannt, schminkte ich mich doch normalerweise nicht so stark und auch mein Haar toupierte ich eigentlich nie, aber es war ja nur für einen Abend. Ich hoffte, dass ich mir in der Disco in diesem Outfit nicht allzu verloren vorkommen würde, denn das Butterfly war bekannt für seine eher freizügigen Besucher.



    „Ey, was geht”, rief Mara einigen Autofahrern zu, die auf unserem Weg zur Reeperbahn langsam an uns vorbeifuhren und uns aufmerksam musterten. Wir wirkten sicher wie ein Haufen verrückter Hühner, aber wenigstens waren wir schöne Hühner.



    Vera trug ihre langen roten Haare wie fast immer offen und obwohl ihr Oberteil hochgeschlossen war, wirkte es sehr sexy. Ihre schlichte Jeans betonte ihre langen Beine und allgemein machte sie eher einen edlen, als einen billigen Eindruck. Vanessa war wie immer nicht allzu aufdringlich gekleidet, hatte Mara sie doch heute mit ihrer Euphorie verschont und war über mich hergefallen. Maras kurzer Rock wurde natürlich noch durch Kiras getoppt, der wie immer schon mehr als grenzwertig war. Alle trugen wir hohe Stöckelschuhe, auf denen wir aber mittlerweile perfekt laufen konnten und einen Haufen Schmuck. Ich war gespannt auf die Blicke in der Disco und darauf, was der Abend so bringen würde.



    Mara lief voraus und grölte irgendwelche Partylieder, was Kira dazu brachte, sich die Hand vor den Kopf zu schlagen.
    „Nur, dass ihr es wisst”, merkte sie an, „sie ist nicht meine Schwester. Eigentlich kenne ich diese Person gar nicht, höchstens flüchtig…”
    „Mit so einem Griesgram will ich auch gar nicht verwandt sein”, gab Mara schnippisch zurück und ich fragte mich, wie sie Kira bei ihrem Gegröle hatte verstehen können.
    „Hört auf, euch anzuzicken”, mischte sich Vera übertrieben herrisch dazwischen, während sie sich eine Strähne aus dem Gesicht strich, „sonst kenne ich euch beide nicht mehr.”



    Nach kurzer Zeit kamen wir beim Butterfly an. Draußen vor der Disco herrschte die übliche Reeperbahnatmosphäre, hupende Autos fuhren vorbei, Mädchen wurden angebaggert und es herrschte ein allgemeines Getümmel. Wir drängelten uns durch die vielen Wartenden am Eingang und standen schon ein paar Minuten später in der Disco, die von lauter Technomusik und bunten Lichteffekten durchflutet wurde.



    Mara griff sofort nach Vanessas Hand und zog sie auf die Tanzfläche, während die anderen beiden Mädchen und ich uns den Weg durch die Menschenmassen bahnten, um uns erstmal einen groben Überblick zu verschaffen.
    Kira traf gleich auf einen Bekannten, mit dem sie sich verquatschte und Vera und ich beschlossen, uns an die Theke zu setzen.



    „Ich hätte nicht gedacht, dass es hier mitten in der Woche so voll ist”, schrie Vera mir ins Ohr, um die Musik zu übertönen.
    „Der Laden scheint echt gut zu laufen.”
    Ich nickte zustimmend und blickte mich in der Disco um. Die Tanzfläche war voll leicht bekleideter Mädchen, die teilweise ziemlich verquer zu den Technorhythmen hin und her sprangen. Mara tanzte bereits ausgelassen mit einem etwas steif wirkenden Anzugträger.


  • Ich beugte mich zu Vera herüber. „Was habt ihr ihr zu trinken gegeben? So ist sie doch sonst nicht.”
    „Sie fand die Bedienung in der Bar ja so toll und deswegen hat sie sich immer neuen Kram bestellt, um einen Grund zu haben, mit ihm zu reden.”
    „Ach so, ich verstehe”, grinste ich. Das Mädchen war wirklich verrückt.



    Noch ein paar Minuten beobachtete ich Maras ausgelassenen Tanzstil, bis Veras Freund Jay auf uns zukam und ihr überschwänglich um den Hals fiel. Es gab ein Küsschen links und ein Küsschen rechts und ich war echt angewidert. Jay war eine der wenigen Personen, die ich überhaupt nicht mochte und ich hoffte sehr, dass Vera seinen Schein auch bald durchblickte.



    „Hey Schnecke”, säuselte Jay und fing an, die rothaarige Frau zu betatschen.
    „Was sitzt’n hier so gelangweilt rum, das ist doch nichts für ein Mädchen wie dich. Komm, lass uns gehen, ich kenne schönere Plätze.”



    Jay packte Vera am Handgelenk und ohne ein Wort von ihr verschwanden die beiden in der Menge. Er passte schon rein äußerlich gar nicht zu Vera, nicht nur, dass er viel kleiner, ungepflegter und schmächtiger als sie war, allgemein gaben die beiden einfach ein schreckliches Bild zusammen ab.



    Aber auch grade sein schleimiger und doch so skrupelloser Charakter wirkte auf mich so abstoßend und gefährlich. Dazu kam ja noch seine Beschäftigung als Dealer, was das Ganze noch einmal doppelt so schlimm machte. Angeekelt drehte ich mich auf meinem Hocker um und wandte mich an den Barkeeper.
    „Einen Whisky bitte… doppelt!”



    Die Technobeats durchfuhren meinen Körper und ich hatte das Gefühl, sie würden meinen Herzschlag beeinflussen, während der DJ unermüdlich versuchte, die jungen Besucher zu noch munteren Tanzen zu bewegen. Die Lichtorgel und Discokugeln wurden nun von einer aufwändigen Lasershow unterstützt und eine Nebelmaschine sorgte für den letzten Schliff.
    Ich schüttete den Whisky herunter und drehte mich lustlos auf dem Barhocker hin und her, als mich plötzlich eine Männerstimme ansprach.



    „Hey du!”
    Ich drehte mich um und sah in zwei hellblaue Augen, die mich von oben bis unten neugierig musterten. „Ich bin Phil. Darf ich mich zu dir setzen?”
    Ich war gelangweilt, fühlte mich alleine und da ich mit der Gesellschaft der Mädchen wohl sowieso nicht mehr zu rechnen hatte, stimmte ich zu.
    Phil schien den Barkeeper zu kennen und orderte zwei Mixgetränke für uns, die er kostenlos bekam.
    „Du bist sehr hübsch”, wandte er sich dann wieder an mich.



    „Danke…” Ich merkte, wie ich ein bisschen rot wurde. Eigentlich war das nicht meine Art, aber Phil war nun wirklich sehr direkt.
    „Wie heißt du?”
    Eine Weile redete ich mit Phil typisches anspruchsloses Discogeschwafel. Der junge Mann war sicher niemand, mit dem man sich auf hohem Niveau unterhalten konnte, aber eine nette Abendbekanntschaft. Er hatte blonde kurze Haare, war etwas größer als ich und recht schlank und wirke auf mich wie ein typischer Discogänger auf Weiberfang. Trotzdem fühlte ich mich bei ihm erstaunlich wohl und nach einigen weiteren Mixgetränken begann ich sogar, die Lasten meines Alttags zu vergessen.


  • Ich fühlte mich begehrt. Lachte über Phils Witze, erzählte Halbwahrheiten über mich und genoss, dass er nicht wusste, wer ich war.
    Das Zeitgefühl verschwand irgendwann, auch dachte ich über meine Umgebung, meine dröhnenden Ohren und meine brennenden Augen nicht mehr nach.



    Und als mich Phil später am Abend fragte, ob ich mit nach draußen kommen würde, beschloss ich, es darauf ankommen zu lassen.
    Die Nacht war sternenklar und sehr kalt. Wie selbstverständlich nahm Phil meine Hand. Dem ersten Impuls, diese wegzuziehen, widerstand ich und so gingen wir einige Meter schweigend durch die Nacht.



    Ich wusste, was Phil wollte. Und da er wusste, dass ich es wusste, dauerte es nicht lange und wir verschwanden in eine kleine dunkle Gasse.



    Phil drückte mich an die kalte Steinmauer und ich konnte seinen Atem auf meinem Gesicht spüren. Es war nicht unangenehm, und doch konnte ich mit dieser Art, das scheinbare Opfer eines Aufreißertypens zu werden, nichts anfangen.
    War es denn so?



    Wollte ich es nicht auch? Sehnte ich mich nicht nach einem Mann? Einem jungen, hübschen, der mich wollte, weil er mich sympathisch fand und nicht, weil ich eine Hure war?
    Wir küssten uns, und im Alkoholrausch vergaß ich diese Gedanken.



    Dann fuhr er mit der Hand meinen Oberschenkel hinauf...

  • Die Disco hast du echt super gestaltet,tolle Bilder! Aber dass Lia sich so abschleppen lässt,sie wird ja von diesem Phil quasi auch wie eine Hure behandelt,merkt sie das nicht? Er füllt sie ab mit Alkohoil und schleift sie in eine dunkle Gasse,dass hat doch nichts mit echter Liebe und Zuuneigung zu tun,aber das kennt Lia wohl gar nicht mehr.Gefährlich könnte das ja auch werden,der Typ könnte ihr ja auch was antun.Wann trifft sie endlich den erfrischend anderen Black wieder? Der in ihr kein billliges Flittchen sieht.Mara ist ja sowas von nervig,mit so einer könnte ich mich ja gar nicht abgeben,oberflächliche Menschen sind mir sowieso ein Greuel.

  • Bombastische Fortsetzung!
    Die Disco ist genial gestaltet, die ganze Umgebung ist allererste Sahne!!
    Ich bin gespannt wie es mit Lia und dem Typen weitergeht, was wird aus Black?
    Ich bin sehr gespannt, wie immer. ;)
    Dein Schreibstil ist weltklasse und die ganze FS eine der besten die ich bisher gelesen habe, und glaub mir, dass waren so einige. ;)
    Einfach nur:
    TollTollToll.
    Freu mich auf die Fortsetzung!
    Grüsse..!

    [INDENT][INDENT][INDENT][h=3]Nimm ein Kind bei der Hand
    und lass dich von ihm führen.
    Betrachte die Steine, die es aufhebt
    und höre zu, was es dir erzählt.
    Zur Belohnung zeigt es dir eine Welt,
    die du längst vergessen hast.
    [/h][/INDENT]
    [/INDENT]
    [/INDENT]

  • Vielen Dank für eure Kommis und euer Lob, habe mich total gefreut :)




    In diesem leider etwas kurzen Kapitel erfahrt ihr mehr über Lias Vergangenheit.
    Das nächste Mal geht es dann endlich mit Black weiter. Ich würde mal behaupten, dass die Story jetzt 'so richtig los geht'.
    Viel Spaß!


    Kapitel 6 - Teil 3


    ....Dann fuhr er mit der Hand meinen Oberschenkel hinauf...
    Ich hielt sie fest.




    „Ich will das nicht”, sprach ich es aus, bevor ich es wirklich dachte.
    „Wir können woanders hingehen”, sagte Phil, ohne seine Hand von mir zu nehmen.
    „Nein, ich will nicht”, sagte ich irgendwie kleinlaut und doch bestimmt und schob den jungen Mann von mir weg.
    „Es tut mir Leid, es liegt nicht an dir.” Mit diesen Worten drehte ich mich um und ohne ihn noch mal anzusehen lief ich davon.



    Als ich am nächsten Morgen aufwachte, war mein Zimmer schon vom Sonnenlicht erhellt. Wie immer drang von draußen Vogelgezwitscher in den Raum. Mir war sehr kalt, irgendwie hatte ich mich nicht richtig zugedeckt, und dann fiel mir auf, dass ich noch die Klamotten des gestrigen Abends anhatte. Ohne mich umzuziehen oder abzuschminken war ich ins Bett gefallen, nachdem ich meine konfusen Gedanken in der Küche noch in einer viel zu großen Menge Alkohol zu ertränken versucht hatte.
    Ich setzte mich auf und mein Kopf dröhnte.
    „Oh Mist”, fluchte ich laut. Ich hatte mich überhaupt nicht unter Kontrolle gehabt gestern, wie konnte das nur passieren?
    Ich stand auf und obwohl mein Kopf sich anfühlte, als wollte er explodieren, schleppte ich mich ins Badezimmer und nahm eine eiskalte Dusche.



    ‚Was ist bloß los mit dir?’, meckerte ich über mich selbst. ‚Komm mal wieder klar!’
    Ich vergaß die Zeit, als das kalte Wasser auf meine Haare prasselte und meine Haut runter lief. Ich stand nur da und dachte an gar nichts, erst als meine Hände irgendwann schon völlig aufgeweicht waren, bemerkte ich, dass ich schon ewig duschen musste. Ich stellte das Wasser ab, stieg auf die kalten weißen Fliesen und setzte mich auf den Badewannenrand.



    Das kalte Nass perlte sich auf meiner Haut und ich begann zu zittern, nahm mir aber kein wärmendes Handtuch. Strähnen meiner dunklen Haare klebten auf meinem Gesicht und einige Wassertropfen bahnten sich ihren Weg von meinem Körper zum Boden. Langsam bildete sich an meinen Füßen eine kleine Pfütze. Ich krampfte meine Zehen zusammen, die Fliesen waren kalt. Ich fühlte mich mies und verloren, wurde mir aber nicht des richtigen Grundes bewusst. Eigentlich hatte ich Grund mich zu freuen, denn ich hatte heute einen freien Tag und konnte machen, wonach mit der Sinn stand. Aber was gab es schon noch zu machen?



    Es würde in einem Tag vorm Fernseher enden, wie immer. Nichts gab es zu tun, nichts zu erledigen, nichts zu bereden. Das Einzige, was immer wieder meine Gedanken durchflog war Black, und den sollte ich dringend aus meinem Kopf verbannen. Weil er meine Routine durchkreuzte. Die Routine war nötig.
    Ich wollte das nicht mehr. Ich wollte nicht, dass mein Leben aus Fernsehen und Disco bestand. Wollte nicht in meiner Freizeit dauernd an meinen Job erinnert werden, wie gestern in der Gasse. Es war doch viel mehr als ein Job. Ich wollte das nicht. Nicht mehr.
    Ich zitterte.



    Gelangweilt stocherte ich in meinen Cornflakes herum. Ich hatte mir weite Sportkleidung übergezigen. Eine nasse Spur auf dem Boden, vom Badezimmer in die Küche führend, verriet, dass ich keine Energie zum Abtrocknen gehabt hatte, aber diese zog nun langsam in den Fußboden ein und verschwand somit.
    Still, unauffällig.
    Es war ein grauer Tag und man hörte nichts weiter als die vorbeieilenden Autos draußen auf den Straßen, selbst die Vögel hatten ihren Gesang mittlerweile aufgegeben. Kälte umgab mich.
    Kälte, weil es Herbst wurde und niemand es für nötig hielt, die Heizung anzustellen, aber auch eine andere Art Kälte. Menschliche Kälte, Leere, um mich herum und tief in meinem Herzen. Es sollte aufhören, verschwinden. Ich überlegte, was ich mit meiner Zeit anfangen sollte. Sollte ich mir einen neuen Wintermantel kaufen? Vielleicht einen mit Fell, einen richtig guten. Oder sollte ich mal ins Sonnenstudio gehen, oder in ein Restaurant?



    Es gab doch immer so viele Ablenktipps, für Leute die sich langweilten. Aber ich wollte keinen Wintermantel. Ich wollte auch nicht ins Sonnenstudio und Restaurants waren nichts für mich. Ich hatte nun genug Geld, vielleicht sollte ich es spenden. Ob es reichen würde, meine Sünden zu bezahlen?
    Es war eine Sache, seinen Köper zu verkaufen, aber es ging auch an die Seele. Sie verkümmerte. Langsam, aber stetig, immer mehr. Schleichend, aber doch so schnell, so unaufhaltsam. Was würde ich machen, wenn nichts mehr übrig blieb? War das dann der Tod? Und ließ er sich noch aufhalten?
    Für einen Bruchteil einer Sekunde dachte ich an Drogen. Es war so einfach, welche zu bekommen, und sie sollten ja wirklich helfen, alles zu vergessen. Vielleicht ging es einfach nicht anders.

  • Ich dachte an meine Kindheit zurück, als ich als kleines Mädchen mit langen Zöpfen mit meinem jüngeren Bruder auf einer Wiese spielte. Hätte es nicht immer so bleiben können?



    Ich hatte das Auto zuerst wirklich nicht gesehen, welches ihn auf dem Heimweg anfuhr. War es trotzdem meine Schuld gewesen? Ich erinnerte mich an schreiende, heulende Menschen, viel Blut. Und eine große Leere. Ich hatte nicht einmal geweint, war es denn nicht schlimm für mich gewesen? Es gab mehr Streit, viel mehr Streit als Trauer als mein Bruder wenige Tage später starb.



    Es hatte doch niemand gewollt, er war noch so klein. Nichts war mehr wie vorher gewesen, Mutter weinte nur noch, ging nicht mehr zur Arbeit, wir mussten in eine kleine Wohnung ziehen, ohne Vater, er wollte nicht mehr bei uns sein. War es meine Schuld gewesen? Ein paar Jahre später zog ich aus. Sie hatten mir nicht mehr ins Gesicht sehen können.



    Vielleicht wäre alles anders gekommen, wenn wir nicht auf der Wiese gespielt hätten, oder wenn wir früher heimgegangen wären, wie Mutter es mir aufgetragen hatte. Wenn ich auf sie gehört hätte. Vielleicht hätten wir dann nicht so rennen müssen und wir hätten das Auto an der Straße gesehen. Vielleicht.
    Ob es anders gekommen wäre? Ob ich jetzt ein anderer Mensch wäre? Vielleicht hätte ich einen guten Beruf gefunden, wenn ich nicht schon mit sechzehn Jahren auf mich allein gestellt gewesen wäre. Vielleicht hätten meine Eltern mich unterstützt und ich hätte die Schule weiter machen können. Vielleicht hätten sie das. Dann würde ich jetzt nicht hier sitzen, vielleicht nicht. Vielleicht wäre ich dann glücklich.
    Es war meine Schuld.



    „Du wirst ihn heute treffen”, sagte ich laut zu mir selbst, dann stand ich entschlossen auf und schüttete die noch volle Schüssel Cornflakes in den Ausguss.
    „Du wirst ihn anrufen. Jetzt.”
    Meine Hände zitterten, als ich in meinem Handy nach Blacks Nummer suchte. Bevor ich es mir noch mal anders überlegen konnte, drückte ich die Wähltaste und schon nach dem zweiten Klingeln antwortete eine dunkle Männerstimme.



    „Hey Black, hier ist Lia. Ich würde mich gerne heute mit dir treffen… wenn du Zeit hast. Du hast doch Zeit, oder? Wenn nicht, ist das auch nicht schlimm, dann vielleicht morgen, oder…”
    „Ich habe Zeit”, unterbrach Black mich.
    „Um drei im Stadtpark, am alten Wasserturm. Ach ja; ich habe gewusst, dass du anrufst.”



    „Der Stadtpark ist so weit…”, fing ich an zu protestieren, doch schon tönte mir das monotone Piepen entgegen. Ohne genau zu wissen, was ich gerade getan hatte, und noch viel weniger warum, legte ich auf. Ich würde ihn also treffen.
    Um drei, im Stadtpark.


    Ich legte mich aufs Sofa und beschloss, erstmal meine Gedanken zu ordnen.



    Was wollte ich eigentlich von ihm und was erhoffte ich mir von diesem Treffen? Ich wusste es nicht. Ich wusste nur, dass ich so durcheinander war und mein Leben so sinnlos erschien, und Black, der Mann, der mir so viel Angst einjagte und doch so anziehend war, das Einzige in meinem Leben war, das nicht hinein passte in das ewige Graue, der nicht zu der Routine gehörte, sondern irgendwo von außen kam und eine gewisse Faszination mitbrachte. Ich kannte ihn doch nicht, aber irgendwie klammerte ich mich an die Vorstellung, dass er was Besonderes war und sich mein Leben durch ihn ändern konnte. Sicherlich war es eine verzweifelte Phantasie. Aber vielleicht bewahrte sie mich trotzdem vor dem seelischen Tod. Das war zumindest der Plan.

  • Jetzt hat sie also einen kompletten Zusammenbruch,das war ja irgendwann zu erwarten. Schön,dass du uns etwas über ihre Vorgeschichte erzählst.Kein Wunder,dass sie nach dieser traumatischen Kindheit irgendwie ihr Leben nicht in den Griff gekriegt hat.Ich find es gut,dass sie sich mit Black trifft,vielleicht kann er ihr helfen.Ich bin a fest überzeugt,dass sie ihr Leben noch ändern wird.

  • Es ist so unglaublich viel widersprüchliches an Lia. Obwohl sie eigentlich nichts gegen eine schnelle Nummer vor der Disko hat und sie den Typen sogar ganz nett findet läuft sie - mal - wieder davon.


    Sobald sich Probleme auf tun läuft sie weg, was ganz sicher auch mit dem Erlebnis in ihrer Kindheit zu tun hat. Sie kommt einfach nicht klar mit ihrem Leben, denn sie wurd viel zu früh von denen verlassen die sie eigentlich hätten beschützen müssen. Ihren Bruder zu verlieren war sehr traumatisch für sie, sie konnte ja nicht mal über dessen Verlust weinen und das bis heute. Das zeigt eindeutig das sie dieses Erlebnis immer noch nicht verarbeitet hat.


    Was sie unbedingt braucht ist professionelle Hilfe oder zumindest mal jemanden mit dem sie darüber reden könnte. Schon komisch das ihr sofort Black in den Sinn kommt. Allerdings denke ich nicht, das sie ihm irgendetwas über sich erzählen wird. Spätestens wenn sie vor ihm steht, werden sich diese Vorsätze in Luft auflösen.

    My Name Is Love - Nina Love

  • Ohh... ihre Kindheit war echt schlimm. Ihre eltern waren zu streng mit ihr, eigentlich kann sie ja nichts dafür.
    Ich hätte es super gefunden wenn Lia mit diesem Boy geschlafen hätte und dann schwanger wäre, aber du wirst dir sicher irgendetwas spannendes einfallen lassen!
    Wieder tolle bilder und toller Text!.

  • Schwanger beim ersten Mal mit einer Discobekanntschaft,das kann doch nicht dein Ernst sein! Das wäre ja eine mittlere Katastrophe,also mal ehrlich,das fändest du doch nicht wirklich toll.

  • Schwanger beim ersten Mal mit einer Discobekanntschaft,das kann doch nicht dein Ernst sein! Das wäre ja eine mittlere Katastrophe,also mal ehrlich,das fändest du doch nicht wirklich toll.




    Nein. Toll vl. nicht. Aber es wäre eine neuee Herausforderung. Es wäre spannend zum Lesen...

  • Da gib ich dir allerdings recht,für den Fortgang der Geschichte wäre es interessant geworden.