• @ Lenya
    Ja, der Tod schläft und ruht nicht. (Außer gerade, weil einfach zu viel um die Ohren und keine Ruhe für die FS. :rolleyes). Leicht ist sein Job nicht, aber einer muss ihn ja machen. :p


    Robert macht sich schon gut als Bösewicht, der hat einfach zu wenig gute Seiten an sich. Obwohl die Berichterstattung ja eigentlich nur einseitig ist. *hust* :D



  • I don't exist when you don't see me
    I don't exist when you're not here
    What the eye don't see won't break the heart
    You can make believe when we're apart
    But when you leave I disappear
    (The Sisters of Mercy – When you don't see me)





    Roberts dunkle Machenschaften irritierten mich. Ich fragte mich, was er von dem Assassinen wollte. Warum schickte er ihn zu seinem erklärten Feind, nur zum spionieren? Dazu war Hugh viel zu gut in seinem eigentlichen Beruf, um als einfacher Spion zu dienen. Nein, das letztendliche Ziel musste sein, dass Sir Georg starb. Doch noch war es nicht soweit und ich konnte auch noch nicht spüren, dass es bald soweit sein würde. Also musste Hugh dort etwas machen, was Robert in die Hände spielte. Doch was sollte das sein? Die ganze Geschichte gab mir Rätsel auf und lenkte mich in keiner Weise von meinem Problem ab.
    Sie fehlte mir. Das war einfach eine Tatsache und ich konnte mich nicht von dem Gedanken lösen, dass sie mich brauchte. Ob es ihr nun bewusst war oder auch nicht.




    Doch ich konnte nicht einfach zu ihr gehen, denn dank meiner Bemühungen würde sie mich immer wahrnehmen. Ein Segen und jetzt so langsam ein Fluch. Es schien schon irgendwie Ironie des Schicksals zu sein, dass ich mir jetzt fast wünschte, dass ich sie wieder nur beobachten könne.
    Doch tief in meinem Innern wusste ich, dass es nicht genug sein würde. Nach unserem Kuss, würde es nie mehr genug sein. Ich wollte sie sehen, mit ihr reden, sie wieder in meinen Armen halten, ihre Wärme spüren, ihr Lachen hören. Und sie vor allem wieder küssen.
    Doch es war nicht möglich. Es gab keine Möglichkeit, dass sie mich sehen wollte. Sonst wäre sie schon längst zum Turm gekommen.




    Die Zeit verstrich quälend langsam und in mir machte sich Sorge breit. Ich musste sie einfach sehen, nur kurz. Nur um zu sehen, dass es ihr gut ging. Dass Robert sie nicht zu sehr quälte.
    Also beschloss ich, dass es das Risiko wert sei und machte mich auf die Suche nach ihr. Sie war nicht schwer zu finden, gerade weil ich spüren konnte wo sie war. Oft verfluchte ich diesen mir eigenen Sinn, sagte er mir doch nur wo sich die Person befand und nicht, in welchen Zustand sie gerade war. Das ich Annabelle so aufspüren konnte, war eine Nebenwirkung von ihrem unfreiwilligen Fasttod. Dadurch war sie für mich jederzeit auffindbar, genauso wie es auch der Assassine geworden war. Ich hatte mich einfach zu intensiv mit ihnen befasst.




    Ich erkannte den Teich gleich wieder an dem Annabelle saß. Hier waren wir schon mal zusammen gewesen. Es schien bereits eine Ewigkeit her gewesen zu sein, doch es waren erst wenige Wochen. Hier hatte ich sie zum ersten Mal in meinen Armen gehalten, auch das schien lange her und doch erst gestern gewesen zu sein.
    Annabelle saß im hohen Gras und starrte in den Himmel, wo die schon recht herbstliche Sonne ihr Bestes gab den Tag zu einem Schönen zu machen. Ihre langen Haare hatte sie heute etwas mehr freien Lauf gelassen als sonst. Sie bewegten sich im leichten Wind und ich bildete mir ein, dass durch die Brise der intensive Geruch von Lavendel bei mir ankam.




    Ich wagte nicht näher an sie heran zu gehen. Aus Angst, dass sie mich wegschicken würde. Daher versuchte ich von meinem Beobachtungsposten soviel von ihrem Gesicht wie nur möglich zu erkennen. Aber das was ich sah, gefiel mir nicht. Sie hatte dicke Ringe unter den Augen, als wenn sie wenig geschlafen und viel geweint hatte. Es war offensichtlich, dass es ihr nicht gut ging und das sie einsam war. Sie hatte ja auch niemanden mehr, mit dem sie reden konnte. Und eine Stimme in meinem Kopf sagte mir, dass es meine Schuld war. Ich war dafür verantwortlich, dass sie jetzt alleine war. Weil ich mehr von ihr wollte, als sie mir geben konnte. Das hatte ich inzwischen begriffen, auch wenn es mir schwer fiel es zu akzeptieren.




    Ich konnte ihre Traurigkeit bis hierher spüren und wollte nichts lieber als zu ihr gehen, sie trösten und sie so lange halten, bis sie wieder lächelte. Aber nichts davon konnte ich tun. Ich war genauso hilflos wie sie, denn sie war diejenige die meine Hilfe nicht mehr wollte. Nicht, dass ich ihr helfen konnte, auch das hatte ich begriffen.
    Und trotzdem konnte ich nicht anders als immer noch zu hoffen, dass es wieder werden würde. Dass sie mich wieder sehen wollte und wir einen Weg fanden um zusammen zu sein. Denn trotz allem was sie mir an den Kopf geworfen hatte, wollte ich nur mit ihr zusammen sein. Und ich war mir sicher, dass sie es auch wollte, nur hatte sie Angst vor den Konsequenzen.




    Und vielleicht war ich derjenige, der den ersten Schritt machen musste. Vielleicht wartete sie darauf, dass ich sie überraschen würde. Vielleicht bereute sie ihre Worte und wollte, dass ich von mir aus zeigte, wie sehr ich wieder mit ihr zusammen sein wollte.
    Je mehr ich darüber nachdachte, umso mehr Sinn machte es. Sie war viel zu verängstigt um wieder zu mir zu kommen. Auch wenn Robert im Moment zu beschäftigt mit seinem Rachefeldzug war, hatte er bestimmt die Fesseln für seine Frau enger gelegt. Schließlich brauchte er sie ja für ein Dach über den Kopf solange er noch nicht wieder zurück in seinem Herrenhaus war.
    Und so trat ich aus meinem Beobachtungsposten heraus und schritt langsam auf Annabelle zu.




    Ich war gerade auf dem halben Weg zu ihr, als mir aufging wie selbstsüchtig diese Gedanken waren. Ich projizierte meine Sehnsucht nach ihr auf sie und das war nicht richtig. Ich musste damit aufhören und so schwer es mir auch fiel, endlich davon Abstand halten meinen zu wissen, was sie wollte. Wenn sie mich sehen wollte, dann wäre sie schon längst zum Turm gekommen. Schließlich wusste sie, wo sie mich finden konnte.
    Niedergeschlagen blieb ich stehen und hoffte, dass sie sich nicht genau in dem Augenblick umdrehen und mich sehen würde.
    Ich warf noch einen letzten flehenden Blick auf sie und teleportierte mich dann weg. Doch im letzten Flimmern ehe ich verschwand, sah ich wie sie den Kopf in meine Richtung neigte.




    Vielleicht war es diese Bewegung, die mich ablenkte, aber ich kam nicht an meinem Bestimmungsort an. Als sich mein Körper wieder materialisierte fand ich mich an einem mir völlig unbekannten Ort wieder. Ein wunderschöner Ort, aber trotzdem war ich mir sicher, dass ich noch nie hier gewesen war.
    Vor mir lag die endlose Weite des Ozeans und unter meinen Füßen spürte ich den von der Sonne aufgeheizten Sandstrand. Es standen ein paar vereinzelte Palmen am Strand und große Steine rahmten das Stück Strand ein. Das Geräusch der Wellen wirkte beruhigend und über mir kreisten ein paar vereinzelte Möwen. Ansonsten war der Ort komplett verlassen. Nicht eine Seele hielt sich hier auf. Es herrschte so eine friedvolle Atmosphäre und so beschloss ich zu bleiben und hier zu versuchen wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Ich ließ mich in den Sand fallen und starrte in die Wellen.




    Ich saß lange dort im Sand und dachte nach. Dachte an Annabelle und wie selbstsüchtig ich mir ihr gegenüber verhalten hatte. Und doch, selbst wenn ich alles wieder rückgängig machen könnte, wusste ich tief in mir drin, dass ich wieder so handeln würde. Ich liebte sie und mehr als alles andere wollte ich mit ihr zusammen sein. Doch es lag jetzt nicht mehr in meiner Hand, auch das war mir klar. Es tat weh, aber ich versuchte zu akzeptieren, dass es an ihr war den ersten Schritt zu machen.
    Ich war so versunken in meinem Dilemma, dass ich die leisen Schritte hinter mir erst hörte als sie schon fast neben mir war. Doch ehe ich mich umdrehen konnte, sprach sie mich auch schon an und ihre Stimme jagte mir einen Schauer über den Rücken. Sie war dunkel, rau und doch voller Wärme und Leidenschaft.




    „Willkommen, mein Freund“, sprach sie und setzte sich neben mich, ehe ich auch nur reagieren konnte. „Ich dachte mir, du könntest eine Auszeit gebrauchen.“ Sie lächelte mich an und ich starrte sie wie vom Donner gerührt an. Sie war wie ich! Blonde, lange Haare und eine Tätowierung um die Stirn. Aber das war es nicht, was sie zu meinesgleichen machte. Sie hatte die gleiche Aura wie ich und ich konnte spüren, dass sie genauso ein Tod war.
    „Wer bist du?“ fragte ich trotz das ich die Antwort schon kannte.
    „Das weißt du“, entgegnete sie gelassen. „Aber wenn du einen Namen willst, dann nenne mich Asaliah.“
    „Ich gehe davon aus, dass du mich hier hergeholt hast, oder?“
    „Ja.“
    „Warum?“ Ich war verwirrt. Normalerweise hielten wir uns voneinander fern. Kaum jemals geschah es, dass sich die Todesbringer trafen. Umso ungewöhnlicher war dieses Treffen und ihr Geständnis, dass sie mich mit Absicht hierher geholt hatte.
    „Weil du verwirrt bist und Hilfe brauchst.“ Ihre Stimme klang wie ein sanfter Sommerregen, voller Herzlichkeit und Trost.




    „Ich verstehe nicht...“ Ich sah sie fragend an, woher meinte sie das zu wissen.
    „Ganz genau, darum bist du hier.“ Sie deutete auf den Ozean vor uns. „Um zu verstehen.“
    „Nein, ich meine ich verstehe nicht, warum du das annimmst. Wie kommst du auf den Gedanken, dass ich Hilfe brauche?“
    „Weil ich dich gesehen und deine Verwirrung gespürt habe. Wir sind nicht verwirrt, wir führen nur aus, was uns aufgetragen wurde und halten uns aus den Angelegenheiten der Sterblichen raus. Was du allerdings nicht getan hast und jetzt steckst du in Schwierigkeiten.“ Asaliah klang traurig, als wüsste sie genau wovon sie sprach. „In großen Schwierigkeiten sogar.“
    „Wie kommst du darauf? Was weißt du alles? Und was meinst du mit großen Schwierigkeiten?“
    „Wie gesagt, ich habe dich gesehen und auch die Sterbliche. Und meine Schlüsse daraus gezogen, obwohl ich gerne die Geschichte dazu hören würde. Dann kann ich dir auch sagen, in welchen großen Schwierigkeiten du steckst.“ Sie sah mich durchdringend an und ihre großen blauen Augen blicken verständnisvoll in meine.




    Ich weiß nicht warum, aber ich begann zu erzählen. Wie ich Annabelle kennengelernt hatte und was seit dem geschehen war. Es tat erstaunlich gut mir alles von der Seele zu reden und als ich fertig war, hatte die Dunkelheit uns eingeholt. Asaliah hatte mich die ganze Zeit reden lassen und auch als ich geendet hatte, sagte sie nichts. Sie stand nur kurz auf und machte Feuer, während ich immer noch im Sand saß und diesen durch meine Finger rieseln lies. Ich fühlte mich erleichtert und hatte keine Eile mehr ihre Meinung zu meiner Geschichte zu hören.
    Das Schweigen breitete sich aus. Die einzigen Geräusche waren das Rauschen der Wellen und das knistern des Feuers.
    „Nun, das ist genau das was ich befürchtet hatte“, meinte Asaliah nach einer Weile traurig. „Du hast dich zu sehr in den Wirrungen der menschlichen Gefühlswelt verloren und kannst nicht mehr so objektiv an unsere Aufgabe herangehen. Dabei ist doch das gerade das Wichtigste für uns. Das was die Menschen Gleichgültigkeit nennen würden, das ist es doch was uns ausmacht und was unseren Alltag erträglich macht.“




    Asaliah lehnte sich ein Stück zurück und sah mich an. „Wir müssen uns von den Gefühlen der Menschen fern halten, damit wir nicht in Versuchung geraten unsere Pflichten zu vergessen oder gar versuchen die Regeln zu brechen. Wie nah du dem gekommen bist, ist dir doch auch schon klar geworden oder?“
    Ich nickte. „Ja, aber ich habe mich immer beherrschen können. Ich weiß, was ich tun darf und was mir verboten ist.“
    „Sicher? Ich bin es nicht.“ Sie schaute von mir weg und richtete den Blick in den Nachthimmel. Über uns leuchteten die Sterne viel heller als ich es gewohnt war.
    „Wie meinst du das?“
    „Ich bin mir nicht sicher, was ich tun darf und was nicht. Wo enden meine Kompetenzen und wo ziehen die höheren Mächte ihre Grenze?“
    „Warst du dir denn sicher, dass du mich hier her bringen durftest? Mich aus meinem Gebiet herauszuholen?“
    „Nein, ehrlich gesagt war ich es nicht, aber mein Instinkt sagte mir, dass ich einschreiten muss.“ Sie zwinkerte mir zu.




    „Und es ist auch nichts Schlimmes geschehen oder? Der Himmel ist nicht eingestürzt und wir sind beide noch hier. Das sagt uns doch, dass wir die Grenze nicht überschritten haben.“
    „Ja, aber dies hier ist nur eine Kleinigkeit im Vergleich dazu, was du gerade tust.“
    „Ich habe keine andere Wahl mehr. Egal, was auch passieren mag. Ich will nichts anderes mehr als mit Annabelle zusammen sein. Ich liebe sie.“
    „Und das sind die großen Schwierigkeiten von denen ich gesprochen habe.“ Asaliah seufzte. „Und ich habe Angst, dass ich viel zu spät eingegriffen habe.“


    *Fortsetzung folgt*

  • Uh, ich will aber nicht das sie eingreift! Der Tod und Gefühle, das ist doch viel zu schön! :rollauge
    Ausserdem wage ich zu behaupten, der engelsgleiche Tod dort (oder die Tod?), hat auch gefühlsmäßig gehandelt, warum sonst hätte sie Lucien zu sich geholt? Er hätte ihr eigentlich gleichgültig sein müssen. Oh, da könnte man nun reichlich spekulieren.
    Jedenfalls tut es einem ja in der Seele weh, wie der Arme sich quält. Annabell, gib dem armen Kerl ne Chance! Wenn Frau Engeltod nicht dazwischen fährt :angry ;)


    LG,
    Lenya

  • *Staub wegpuste* *hust, röchel, sterb*


    Sorry, dass es mal wieder so lange nicht weiterging, aber ich hatte bei dem Kapitel mal wieder einen Hänger beim Text. Bis zur Hälfte des Kapitel gings und dann war Schluss. Aber heute hat es jetzt doch endlich Klick gesagt und ich konnte die weiteren Bilder vertexten. Schon peinlich, dass die Bilder irgendwann im Mai entstanden sind und es bis jetzt gedauert hat, aber so ist es halt leider manchmal. :ugly


    Aber dafür geht es jetzt weiter und ich wünsch euch viel Spaß beim Lesen. :rosen



  • I spend so much time believing all the lies
    To keep the dream alive
    Now it makes me sad it makes me mad at truth
    For loving what was you
    (Billy Idol – Eyes without a face)





    Ich sah sie fragend an und wartete.
    „Und vielleicht hätte ich gar nicht mehr eingreifen sollen. Vielleicht hätte ich einfach warten sollen, denn früher oder später wirst du dein Ende finden, wenn du den Weg wie bisher weiterführst. Vielleicht hätte ich besser nicht versuchen sollen, dich aufzuhalten.“ Sie lächelte spitzbübisch. „Aber ich kann einfach nicht anders, ich muss es versuchen. Aber du kennst das Gefühl ja nur zu gut.“
    Ich nickte. „Ja, das kommt mir bekannt vor.“ Auch ich lächelte nun. Es war leicht mit Asaliah zu reden und zu lachen. Fast so einfach wie mit Annabelle. Doch ich wusste, dass alles was Asaliah mir versuchen würde zu sagen, nicht auf fruchtbaren Boden fallen würde. Ich wollte meinen eingeschlagenen Weg nicht ändern. Ich war davon überzeugt, dass ich es auch nicht mehr konnte.





    Ich lehnte mich ein wenig zurück. „Und was gedenkst du jetzt zu tun, wo du dich entschieden hast zu handeln?“
    Asaliah sah mich einen Moment scharf an, das Lächeln vollständig aus ihrem Gesicht verschwunden. Doch es währte nur kurz an, schnell kehrte die Wärme in ihrem Blick zurück und sie beugte sich ein wenig näher zu mir heran. „Ich werde versuchen, dir zu zeigen warum das Alles nie sein kann.“
    „Aber ich kenne die Gründe“, protestierte ich.
    „Das mag sein, aber du hast sie dir nicht genau angesehen. Ihnen nicht ins Gesicht geschaut und sie nicht mit eigenen Augen gesehen.“
    Ich dachte kurz nach. „Aber das stimmt nicht. Ich habe so viel über Annabelle nachgedacht und was das alles für Konsequenzen haben kann, wenn ich mich einmische. Ich denke, ich kenne die Gründe zur Genüge.“





    „Du magst sie ja kennen, aber ich rede von sehen.“ Sie sah mich eindringlich an, aber ich konnte mir nicht vorstellen, was sie meinte. Wie sollte ich mir etwas ansehen, was noch gar nicht geschehen war? Selbst wir konnten nicht so weit in die Zukunft greifen. Und doch machte Asaliah nicht den Eindruck, dass sie es anders als wörtlich meinte.
    „Wie meinst du das?“
    „Das wirst du sehen, wenn du mir vertraust?“ Sie ließ es als Frage klingen und ich erstarrte. Ich überlegte lange und sie ließ mir die Zeit. Vertraute ich ihr? Oder tat ich es nicht? Ich war mir nicht sicher, aber ich hatte ihr schon so viel von mir erzählt. Kam es jetzt noch darauf an?
    „Ich vertraue dir.“ Es war leise, aber ich sagte es.
    Asaliah nickte und stand auf. „Dann komm, ich werde dir jetzt versuchen die Augen zu öffnen.“





    Sie führte mich zu einem Spiegel, der vorher noch nicht da gewesen ist. Dessen war ich mir sicher. Ich sah sie fragend an und sie nickte.
    „Du hast Recht, aber ich brauche ihn, sonst kann es nicht funktionieren.“ Sie lächelte kurz, wurde dann aber wieder ernst. „Es ist ein wenig schwierig, aber wenn du die ganze Zeit meine Hand hältst wird es funktionieren. Bitte lass mich nicht los, egal was passiert.“
    Ich nickte. „Verstanden.“
    „Gut, dann wollen wir mal los.“ Mit den Worten griff sie nach meiner Hand. Ihre Haut fühlte sich kühl an, aber merkwürdig vertraut und passend. Als wenn unsere Hände dafür gemacht wären, einander zu halten. Erstaunt blickte ich sie an, aber ihr Gesicht war voller Konzentration auf das was auch immer sie vorhatte.
    „Bereit?“
    Ich nickte und sie schloss die Augen. Ich machte es ihr gleich und die Zeit schien sich zu drehen.





    Ich weiß nicht, was ich erwartet hatte, aber nicht, dass wir uns mitten in Annabelles Wohnstube wiederfinden würden. Unwillkürlich fing ich an zu lächeln, auch wenn ihr Gesichtsausdruck nichts Gutes zu verheißen schien. Dann fiel mir ein, dass Annabelle mich ja sehen könnte und ich zuckte zusammen.
    Doch Asaliah griff meine Hand noch fester. „Keine Sorge, solange du meine Hand hältst, kann sie dich weder sehen noch hören.“
    „Danke“, flüsterte ich und meinte es von ganzen Herzen.
    „Bedanke dich nicht zu früh. Wir sind nicht hier, damit du bei ihr sein kannst, sondern damit du verstehst, warum du aufhören musst.“
    Ich nickte zwar, aber ihre Worte kamen kaum bei mir an. Zu sehr genoss ich es wieder in Annabelles Nähe zu sein. Asaliah schien das zu ahnen, denn sie seufzte leise neben mir.





    Es dauerte nicht lange, dann stand Annabelle auf und ging ins Schlafzimmer. Ich wollte ihr nicht folgen, aber Asaliah war unerbittlich mit mir. Annabelle legte ihre Kleider ab, schlüpfte in ihr Nachtgewand, legte sich auf das Bett und wartete, während der engelhafte Tod und ich als Zuschauer daneben standen.
    „Muss das sein?“ fragte ich meine Begleiterin genervt.
    „Ja, muss es. Du sollst schließlich etwas hieraus lernen.“ Sie klang traurig, aber nicht wegen mir. Ich begriff, dass auch sie für Annabelle Mitleid empfand und so schluckte ich meinen beginnenden Ärger runter.
    Wir warteten nicht lange, da ging die Tür auf und Robert betrat das Schlafzimmer. Er war schon umgezogen und stieg sofort zu Annabelle ins Bett. Ich wollte mich abwenden, aber Asaliah zwang mich zuzuschauen.
    Robert nahm Annabelle in den Arm und küsste sie. Nicht so, wie ich gedacht hätte, sondern fast schon zärtlich. „So ist es brav“, raunte er mit einer leichten Drohung in der Stimme.





    Ich schluckte. Ich wollte das nicht sehen, aber Asaliahs Griff um meine Hand wurde noch stärker und es war mir unmöglich mich zu befreien. Ich wollte mich abwenden, aber sie schüttelte den Kopf. „Sieh genau hin“, befahl sie und ich fühlte ihre Macht, die der meinen so ähnlich war. Ich hatte keine Wahl. Ich konnte den Kopf nicht abwenden, die Augen nicht schließen.
    Robert packte Annabelle fester und der Kuss, den er ihr aufzwang wurde drängender. Er drückte Annabelle immer fester in die Kissen und legte sich mit all seinem Gewicht auf sie.
    Heiße Wut schoss durch meinen Körper und jetzt war ich es, der Asaliahs Hand versuchte zu zerquetschen. Und als Roberts Hand Annabelles Nachtgewand hochschob, hielt ich den Anblick nicht länger aus. Mit aller Kraft, die ich hatte löste ich meine Hand aus Asaliahs und im Bruchteil eines Moments teleportierte ich mich weg.





    Ich landete irgendwo im Nirgendwo und im strömenden Regen. Ich brauchte einen Moment um mich zu sammeln, doch Asaliah war mir schon gefolgt.
    „Das war noch nicht alles, was du sehen solltest.“ Sie klang streng, aber trotzdem mit einem Hauch von Mitleid. Ich war mir nur nicht sicher, ob es mir galt oder Annabelle.
    „Ich will nichts mehr sehen“, maulte ich.
    „Aber du musst.“ Sie war unerbittlich. „Und jetzt nimm gefälligst wieder meine Hand und lass uns zurückkehren. Wir waren noch nicht fertig.“
    „Nein.“ Ich ging ein paar Schritte von ihr weg und sah sie nicht an. Ich wollte nicht mehr.
    „Du hast gesagt, dass du mir vertraust. Und ich halte dich nicht für jemanden, der so etwas nur so leicht dahin sagt.“
    „Das bin ich auch nicht, aber das eben... es ist einfach zu viel für mich.“





    Ich setzte mich auf einen der umstürzten Bäume und Asaliah nahm neben mir Platz.
    „Ich weiß, dass es schwer ist, den geliebten Menschen mit jemand anderen zu sehen, aber genauso sieht ihre Realität aus. Sie gehört Robert und es ist sein Recht, sie so zu behandeln. So ist es und so wird es bis zum Ende ihres Lebens sein.“
    „Und genau das ist es, was ich nicht ertrage.“ Ich seufzte. „Genau deshalb habe ich alles auf mich genommen, nur um ihr ein wenig von der Liebe zu geben, die sie verdient.“
    „Aber du tust ihr damit im Endeffekt nur weh. Ihr schadet es mehr als es ihr an Freude bringt und du weißt auch genau warum. Du willst es dir nur nicht eingestehen.“
    „Weil sie dadurch erkennt, was sie alles mit Robert nicht hat“, flüsterte ich beklommen.
    Asaliah nickte. „ Und nicht nur das. Sie muss es vor Robert verstecken, denn was denkst du, was passiert, wenn er das mitbekommt.“





    Ich schluckte. Natürlich wusste ich, was für ein Risiko das alles für Annabelle bedeutete. Aber ich war mir sicher, dass es das wert war.
    „Ich sehe schon, dass du immer noch nicht überzeugt bist. Aber wir sind ja auch noch nicht fertig.“
    „Ich bin aber fertig. Ich will nichts mehr sehen.“ Ich wusste, dass ich wie ein bockiges Kind klang, aber es war mir egal. Ich wollte nicht mehr sehen, wie ausgeliefert Annabelle Robert war.
    „Wie ich schon sagte, du musst.“ Asaliah klang wieder wie Stahl.
    „Nein!“ Das konnte ich aber auch. Sie war schließlich auch nur ein Tod und hatte keinerlei Macht über mich.
    „Ich weiß, du willst nicht, aber ich verspreche dir, dass du die Beiden nicht mehr zusammen sehen wirst. Wenn es das ist was dich davon abhält.“ Sie sah mich zweifelnd an, doch ihr Blick bohrte sich in meinen, zwang mich sie anzusehen.
    „Ich möchte nicht mehr.“





    „Das verstehe ich, aber ich befürchte du musst. Es gibt noch zwei Sachen, die du dir ansehen musst. Und wie gesagt, Robert wird nicht mehr auftauchen.“ Sie sah mich weiter mit ihren eisblauen Augen an, doch es lag auch Wärme darin und auch ihre Stimme klang beschwörend.
    „Also schön“, gab ich mich geschlagen. „Wenn dir soviel daran liegt.“
    Sie lachte ein glockenhelles Lachen, das von Herzen kam. „Du Dummerchen, es geht hier nicht um mich, sondern um dich. Mir liegt nichts daran, dir weh zu tun. Aber manchmal braucht es ein wenig Schmerz, damit man wieder glücklich sein kann.“
    „Dann meinst du, Annabelle braucht die Schläge, damit sie ihr Glück findet?“
    „Wer weiß schon, was die Zukunft bringt.“ Asaliah stand auf und hielt mir ihre Hand entgegen.
    Ich erhob mich ebenfalls, sah auf Asaliahs ausgestreckte Hand und schluckte. Wollte ich wirklich noch mehr sehen? Ich schluckte und streckte ihr meine Handfläche entgegen. Ihre kühlen Finger umschlossen erneut meine Hand und die Zeit verschwamm wieder.





    Wir landeten nochmal in Annabelles und Roberts Wohnzimmer, aber diesmal war es nicht Annabelle, die mir sofort ins Auge fiel, sondern zwei kleine Kinder, die sich gegenseitig im Arm hielten. Das Feuer hinter ihnen knisterte und das Mädchen quietschte vor Vergnügen als ein Holzscheit mit einem Knacks zerbrach. Sie sah aus wie eine Miniversion von Annabelle, während der Junge Robert wie aus dem Gesicht geschnitten war.
    Asaliah drückte meine Hand fester. „Das ist was passiert, wenn du aufhörst dich in ihr Leben einzumischen. Diese beiden Kinder werden sie für alles versöhnen, was Robert ihr angetan hat. Die Beiden sind die Liebe und der Sinn ihres Lebens.“
    Ich schluckte beklommen und war dankbar für ihren Händedruck.
    Das Mädchen packte ihren Bruder an den Haaren und zog ihn mit sich auf den Fellteppich. Schon fing der Kleine an zu brüllen und ein perlendes Lachen erklang von der anderen Seite des Raums.





    Sofort ging mein Blick zu dem fröhlichen Geräusch. Sie saß vor dem Fenster, eine Stickerei auf dem Schoß und immer noch wunderschön. Aber das Leben hatte Spuren in ihrem Gesicht hinterlassen. Tiefe Falten zogen sich über die vorher noch so makellose Haut. Sie sah alt aus. Nur ihr Haar war immer noch tiefschwarz, nicht ein graues Haar versteckte sich in dem züchtigen Zopf, der sie strenger aber auch erwachsener aussehen ließ.
    „Hör auf deinen Bruder zu ärgern.“ Sie versuchte die Erheiterung aus ihrer Stimme herauszuhalten, aber es gelang ihr nicht ganz. Und so blieb die Schelte für das kleine Mädchen vollkommen wirkungslos, während der Junge weiter vor sich hin krähte.
    Annabelle erhob sich und legte ihren Stickrahmen auf den Schemel. Mit geübten Handgriffen schnappte sie sich das schreiende Kind und machte ein paar Grimassen für ihn. Sofort beruhigte sich der Junge und sie setzte ihn wieder neben seine Schwester.
    „Siehst du jetzt, wie glücklich sie sein kann trotz des Ehemanns?“ fragte Asaliah und brachte mich dazu den Blick von den Kindern zu nehmen.





    „Ja“, flüsterte ich beklommen. Es war als hätte sie mir mit einem Holzhammer vor den Kopf geschlagen und ich wollte nur noch weg von hier. „Können wir bitte gehen?“
    Asaliah nickte, drückte meine Hand aufmunternd und als nächstes waren wir wieder am Strand angelangt. Sie ließ meine Hand los und ich ging ein paar Schritte auf das Meer zu, versuchte das Gesehene zu verarbeiten. Doch es war einfach zu viel für mich. Ich schritt noch weiter auf das dunkle Wasser zu und starrte in den Nachthimmel.
    „Wird es wirklich so passieren?“
    „Ich weiß es nicht genau, aber das ist die wahrscheinlichste Möglichkeit. In fast allen Zukünften in denen ich war, gab es diese beiden Kinder und Annabelle war glücklich. In denen wo es die Zwillinge nicht gab...“
    „Nein, sprich bitte nicht weiter.“ Mir schnürte allein der Gedanke an eine Zukunft ohne das Strahlen in Annabelles Augen die Kehle zu.





    Asaliah schwieg und ich war ihr dankbar dafür. Ich wollte nichts mehr hören über Zukunftsvisionen. Ich wollte nur noch alleine mit meinen Gedanken sein, wollte das gerade Gesehene verarbeiten.
    Und so stand ich da am Meer, lauschte den Wellen und starrte auf den Mond.
    Eine ganze Unendlichkeit schien zu vergehen und doch verging die Zeit nicht weiter. Eine Welle nach der Nächsten schwappte ans Ufer, färbte den Sand schwarz.
    Und dann brach der Damm in mir und alles was ich noch spürte waren Asaliahs Arme die sich um meinen Körper schlangen.


    *Fortsetzung folgt*


  • I want to come home.
    It's been so long since I've been away
    And please, don't blame me 'cause I've tried
    I'll be coming home soon to your love to stay
    (Lynyrd Skynyrd – Coming Home)





    Ich warf mich in ihre Arme, ließ mich von ihr halten, während ich all meinen Kummer über die Situation heraus weinte. Und Asaliah hielt mich fest, solange wie die überaus peinliche Situation andauerte. Ich schämte mich meiner Tränen, aber ich konnte auch nichts dagegen tun. Asaliah verstand mich und sagte kein Wort.
    Nach einer Weile versiegte der Strom und ich löste mich verlegen von Asaliah.
    „Es tut mir Leid“, fing ich an mich heiser zu entschuldigen, aber sie winkte nur ab.
    „Keine Sorge, ich verstehe dich. Ich hoffe nur, dass du hieraus jetzt gelernt hast und dich in Zukunft von ihr fern hältst.“
    Ich nickte traurig. „Ja, es war sehr deutlich und ich werde mich von jetzt an von ihr fern halten. Es sei denn die Pflicht zwingt mich.“





    „Genau, die Pflicht ist alles dich noch zu ihr führen darf. Und ich hoffe für dich, dass es nicht so bald sein wird.“ Asaliah lächelte mich zufrieden an. „Versprich mir bitte, dass du dich daran hältst.“
    Ich nickte wieder. „Ich verspreche es. Ich habe eingesehen, dass ich Annabelle nicht gut tue und mich von ihr fern halten muss. Danke, dass du mir den richtigen Weg gezeigt hast.“
    „Gern geschehen. Aber jetzt wird es Zeit für dich wieder zu gehen.“
    Sie hatte Recht. Es war Zeit zu gehen und doch fiel es mir eigenartig schwer den Strand zu verlassen. „Es war schön dich kennen zu lernen und ich hoffe, wir sehen uns wieder.“
    „Mich hat es auch gefreut und ich hoffe inständig, dass wir uns das nächste Mal unter anderen Voraussetzungen wieder sehen.“ Sie zwinkerte mir zu.
    Ich sah sie noch ein Mal an, lächelte und verschwand dann ohne einen weiteren Abschiedsgruß.





    Ich hielt mich an mein Versprechen und die Sehnsucht nach Annabelle wurde immer weniger. Vielleicht, weil ich wusste, dass es die richtige Entscheidung gewesen war und der Gedanke daran, dass sie auch ohne mich glücklich werden konnte. Auf jeden Fall fiel es mir leicht, mich von ihr fern zu halten.
    Der Winter zog derweil ins Land und es wurde von heute auf morgen eisig kalt. Dann kam der Schnee und bedeckte die Welt mit weißen Flaum. Für mich war der Winter immer eine arbeitsreiche Zeit und so hatte ich auch kaum Zeit mich in meinen Gefühlen zu verwirren.





    Eines der ersten Opfer der Winterkälte war ein junger Mann, dem mitten in der Nacht das Feuer ausgegangen war. Er war einfach an dem Stein an dem er sich gelehnt hatte eingeschlafen und merkte noch nicht einmal, dass er vom Schlaf in den Tod hinüberdämmerte. So wie ihm erging es vielen Menschen in der Baronie. Die Armut zwang die Leute draußen zu übernachten und die bitterkalte Nacht holte viele Opfer. Einen nach dem Anderen holte ich in diesen Nächten.





    Aber nicht alles waren natürliche Tode in diesem Winter. Es gab auf Grund der fortschreitenden Armut im Land noch mehr Morde und nicht immer war es ein professioneller Mörder sondern der eigentlich nette Junge von Nebenan, der seinen Nachbarn für ein paar Geldstücke oder ein Stück Brot umbrachte. Ich machte keinen Unterschied. Es berührte mich nicht mehr, warum die Menschen taten was sie taten und begleitete sie alle in die Ewigkeit.





    Und wie immer traf der eisige Winter auch die alten und kranken Menschen. Sie hatten kein Feuerholz mehr, um sich in den windschiefen Hütten zu wärmen. Die alten Decken brachten kaum genug Wärme, um sie in den schlimmen Sturmnächten vor der Kälte zu schützen und so starben ebenfalls viele Menschen im Schlaf. Erst am Morgen fanden ihre Angehörigen sie erfroren im Bett liegend. Doch auch das war mir wieder egal geworden. Das Elend der Menschen spielte keine Rolle mehr für mich.





    Gegen Ende des harten Winters jedoch, wurde ich an einen Ort gerufen, den ich nie mehr wiedersehen wollte. Es war ein stürmischer Februartag und dicke Schneewolken hingen am Himmel, versprachen einen weiteren Schneesturm. Der Wind peitschte die schon vereinzelt fallenden Flocken wild durch die Gegend und überall türmten sich die Schneewehen.
    Der Turm stand wie ein Bollwerk in dem drohenden Sturm, als ich dort ankam. Ich fragte mich, warum ich an diesen Ort gerufen worden war. Hier lebte doch niemand, wie konnte es hier denn Tod geben?
    Ich wollte nicht hier sein, wollte nicht den Ort sehen, der mich mehr als alles andere an sie erinnerte, aber ich hatte keine Wahl. Meine Pflicht hatte mich hierher gerufen und hier musste ich sein.





    Als ich den Turm betrat, fand ich mich der Person gegenüber, die mich ebenfalls an Annabelle erinnerte: Hugh. Ich hatte ihn lange nicht mehr gesehen. Worüber ich froh war, denn ich hatte eigentlich gedacht, dass er der Einzige wäre, den ich öfter sehen würde auf Grund seines Berufes. Aber auch für ihn schien es ein harter Winter gewesen zu sein, mit nur wenigen Aufträgen. Einen flüchtigen Moment fragte ich mich, ob er wohl immer noch für Robert arbeitete, aber dann schob ich den Gedanken ganz weit weg und konzentrierte mich auf die Situation.
    Hugh war gerade dabei seinem Opfer den letzten Stoß zu geben, als ich mich langsam den Beiden näherte. Der fast schon tote Mann sagte mir nichts, sein Gesicht kam mir nicht bekannt vor und so machte ich mich daran seine Seele einzufangen, während sein Mörder seine Taschen leerte. Ich hatte die Essenz des Mannes gerade aufgenommen, als Hugh ziemlich obszön fluchte.





    Es war dann doch Neugier, die mich dazu bewogen hatte zu bleiben, obwohl ich hätte gehen sollen. Draußen tobte inzwischen der Sturm und ein eisiger Wind pfiff durch die undichten Fenster und die Tür. Hugh überlegte einen Moment und setzte sich dann an den Tisch an dem auch ich häufig gesessen hatte, während ich auf Annabelle wartete.
    Den Kopf in die Hände gestützt, mit finsterer Miene saß er da und ich konnte mich nicht zurück halten.
    „Was hast du denn gesucht?“ Ich wusste, er konnte mich nicht wirklich hören, aber ich spürte, dass er auf die Frage reagierte. Für ihn war es unbewusst, aber mir war klar, dass das Band zwischen uns noch immer existierte.
    „Er hätte das verfluchte Emblem bei sich haben müssen. Ich habe doch gesehen wie er es bekommen hat. Verdammte Schei*e, ich brauche das Ding.





    Dieser elendige Mistkerl wird verdammt wütend sein, wenn ich ihm sein Abzeichen nicht bringe.“ Hugh fluchte noch weiter und schlug mit der Hand auf den Tisch.
    „Er muss es irgendwo versteckt haben und ich habe es nicht mitbekommen. Ich werde langsam zu alt für diesen Scheiß. Vor zwanzig Jahren wäre mir so etwas definitiv nicht passiert.“
    „Vielleicht hat er das Teil ja doch bei sich.“ Es war seltsam wieder mit jemanden zu reden, auch wenn er mich nicht hören konnte. Und doch schien es wieder zu funktionieren. Hugh stand auf und durchsuchte die Leiche noch einmal. Und diesmal hatte er Erfolg, in einer versteckten Tasche im Mantel des Fremden fand er was er suchte und grinste zufrieden.
    „Den Göttern sei Dank oder wem auch immer. Jetzt kann ich mich doch wieder bei dem Mistkerl blicken lassen.“
    Er wollte gerade den Turm verlassen, als es an der Tür klopfte. Wir zuckten beide zusammen als eine Stimme durch den heulenden Sturm erklang.
    „Lucien! Bist du da? Bitte mach die Tür auf, es ist eisig kalt hier draußen.“





    Ich konnte mich nicht mehr rühren, alles an mir stand unter Schock. Doch Hugh reagierte mit der kühlen Gelassenheit seines Berufes. Er schnappte sich den Toten und trug ihn die morsche Treppe nach oben. Nachdem er wieder unten war, verwischte er die Spuren seines Werkes indem er die Flecken mit dem herein gewehten Laub überdeckte. Währenddessen klopfte Annabelle noch ein paar Mal an die Tür. Ich hatte einerseits Angst, dass sie wieder gehen würde und ich sie nun doch nicht sehen würde und andererseits Angst, dass sie nicht wieder gehen würde.
    Mit bangen Augen verfolgte ich alle Schritte von Hugh und als mir klar wurde, dass er ihr die Tür öffnen würde, kam wieder Bewegung in mich. Ich versteckte mich hinter der Tür, damit sie mich nicht gleich sah. Etwas anders fiel mir nicht ein, ich hatte keine Erklärung hierfür, aber ich konnte auch nicht einfach verschwinden und sie mit Hugh allein lassen.





    Mit einem leicht charmanten Lächeln öffnete Hugh die Tür. Der Sturm wirbelte Schnee hinein und hätte Hugh die Tür nicht festgehalten, wäre sie mir sicher ins Kreuz gekracht, so sehr drückte der Wind dagegen.
    Annabelle zögerte nicht lange und trat in den Raum, froh aus dem eisigen Wind heraus zu sein. Sie hatte kaum realisiert, dass nicht ich es war, der ihr die Tür geöffnet hatte. Sie schüttelte sich den Schnee aus den Haaren und drehte sich dann erst zu uns um.
    Einen Moment sah sie panisch aus, sie hatte Hugh ja noch nie bewusst gesehen und er war nicht gerade das, was man vertrauenerweckend nennt, aber dann sah sie mich in der Ecke stehen und ihr Blick wurde weicher.
    „Nun junge Frau, was kann ich für Euch tun?“ Hugh sah sie gespannt an, anscheinend nicht daran gewöhnt, dass junge Frauen an so entlegenen Orten mitten in einem Schneesturm auftauchten.





    „Darf ich mich setzen?“ Fragte Annabelle und Hugh nickte, während er sich vor ihr aufbaute. Und während Annabelle sich auf den einzigen Stuhl im Raum setzte, überwand auch ich meine Starre und ließ mich neben Hugh auf dem Boden nieder, in der Hoffnung, dass Annabelle die richtigen Worte fand, denn mir waren sie ausgegangen.
    „Ich suche jemanden“, antwortete sie auf die Frage.
    „Das ist offensichtlich.“ War Hughs trockener Kommentar. Daraufhin huschte ihr Blick zu mir, ehe sie den Assassinen wieder fixierte.
    „Er ist aber nicht hier.“
    „Das ist ebenfalls offensichtlich. Stellt sich mir nur die Frage, warum sucht Ihr jemanden in diesen von den Göttern verfluchten Wetter und an so einem entlegenen Ort.“
    „Weil er hier früher mal gewohnt hat.“ Ihr Ton war eisig und ich konnte nicht anders als verstohlen Lächeln, weil es diesmal nicht mich traf.





    „Hier wohnt schon seit Jahrzehnten niemand mehr.“ War Hughs nicht gerade sehr freundliche Antwort. „Ich schätze mal, er hat Euch nur was vorgespielt um einen ungestörten Ort für ein Stelldichein zu haben.“ Er grinste dreckig.
    „Ihr wisst nicht wovon Ihr redet“, fauchte sie ihn an.
    Mir wurde ganz mulmig zu mute, also stand ich auf und ging langsam auf Annabelle zu und schüttelte den Kopf in der Hoffnung, dass sie still sein würde.
    „So, so. Ich weiß also nicht wovon ich rede ja. Ihr kommt hier mitten in einem Sturm an, ruft nach Eurem Liebsten und ich sehe da einen Ring an Eurem Finger. Das heißt Ihr seid verheiratet und Euer Mann soll nichts davon wissen, also habt ihr euch immer hier getroffen. Ich schätze mal, das letzte Mal ist schon lange her und nun hat Euer Liebster euch versetzt.“ Während er redete ging Hugh in Richtung Tür und posierte sich davor.





    „Und jetzt seid Ihr hier, trefft einen völlig Fremden und versucht Eure Ehre zu verteidigen.“ Er sah sie an, aber nicht finster sondern mit einer Art Verständnis, die mich überraschte.
    Auch Annabelle schien das zu überraschen, denn sie antwortete ihm vollkommen ruhig. „Fast, ich brauche meine Ehre nicht zu verteidigen, denn da ist nichts passiert, wofür ich mich schämen müsste.“
    Hugh zog eine Augenbraue hoch, was ein wenig seltsam aussah mit seiner Augenklappe. „Warum glaube ich Euch das nur nicht.“
    Annabelle sah ihn einen Moment an, dann glitt ihr Blick zu mir. „Ihr habt Recht. Etwas gibt es für das ich mich schämen sollte.“


    *Fortsetzung folgt*

  • 25



    It's amazing how you can speak right to my heart
    Without saying a word you can light up the dark
    Try as I may I can never explain
    What I hear when you don't say a thing
    (Ronan Keating – When you say nothing at all)







    Stille. Ich hielt den Atem an. Gespannt wie Annabelle fortfahren wollte, sah ich sie an. Und auch Hugh neben mir wartete auf das was sie noch sagen wollte. Ich spürte die leichte Anspannung in seinem Körper, hörte seinen ruhigen Atemzüge, doch von Annabelle spürte ich nichts weiter als ihren Blick, der immer noch auf mich gerichtet war. Zum Glück dachte Hugh wohl, dass sie nur die Tür ansah, weil sie ihn nicht anschauen wollte.
    Es verging eine Minute, dann zwei. Doch Annabelle schwieg noch immer. Dann nach einer Ewigkeit seufzte sie leicht.
    „Ich habe den einzigen Menschen von mir gestoßen, der für mich da war. Und das nur weil ich Angst hatte.“ Sie schluckte, sah kurz nach unten, doch dann sah sie wieder zu mir und ihr Blick glühte vor Intensität.






    „Doch das ist jetzt vorbei. Ich bin es leid weiter allein zu sein. In einer Ehe, die mir nichts als Schmerzen und Leid gebracht hat. Ich brauche einen Freund und ich hatte gehofft ihn hier zu finden.“
    Schweigen. Doch dann hörte ich ein Lachen neben mir.
    „Mylady, hier findet ihr nichts weiter als Ratten und Dreck. Ihr solltet nicht hier sein und nach lange verschwundenen Menschen suchen. Reißt Euch zusammen und geht zu Eurem Mann zurück. Vielleicht hat er ja noch nicht herausgefunden, dass Ihr ihn betrügt.“
    Annabelle starrte den Assassinen finster an. „Ich betrüge ihn nicht. Ich sagte doch, dass ich einen alten Freund gesucht habe. Jemanden mit dem ich reden kann und nichts anderes.“
    „Redet Euch das nur ein. Aber ich kenne den Blick und ich kann eure Körpersprache lesen. Ihr sucht nicht nur einen Freund hier.“






    Annabelle starrte ihn noch ein paar Sekunden wütend an, aber dann senkte sie den Blick auf ihre Hände. Ich wagte kaum mich zu bewegen, zu gespannt war ich wozu der Assassine sie noch bringen würde zu zugeben.
    „Vielleicht habt Ihr recht, aber das gibt Euch nicht das Recht über mich zu richten. Ihr kennt weder mich, noch meine Situation.“
    Wieder lachte Hugh, aber diesmal freundlicher. „Ich richte nicht über Euch. Ich bin der Letzte, der dazu das Recht hat. Aber ich gebe Euch einen Rat: Geht nach Hause. Vergesst, dass Ihr hier wart. Vergesst diesen Mann und vergesst, dass Ihr Gefühle für ihn habt. Geht zu Eurem Mann zurück und macht weiter als wäre nie etwas anderes passiert. Alles andere wird nur übel für Euch ausgehen, glaubt mir.“







    Wieder herrschte Stille nach diesen Worten, selbst der Sturm hatte nachgelassen und der Wind heulte weniger stark durch die modrigen Fensterläden.
    „Ich weiß“, flüsterte Annabelle nach einer Weile. „Glaubt mir, ich weiß das. Darum habe ich Lucien ja auch weggestoßen. Weil ich das alles, was Ihr gerade gesagt habt, weiß. Aber es ist mir egal. Ich ertrage es nicht mehr, dass ich niemanden mehr habe mit dem ich reden kann. Ich ertrage die Einsamkeit nicht mehr.“ Die letzten Worte waren nur noch ein Hauch und am Liebsten wäre ich zu ihr gegangen, hätte sie in den Arm genommen und ihr gesagt, dass sie nie wieder einsam sein würde. Doch ich konnte nicht, nicht so lange Hugh da war.
    „Lernt damit zu Leben. Es ist gar nicht so schwer wie Ihr jetzt denkt. Mit der Zeit gewöhnt man sich an alles.“
    „Ich will mich aber nicht daran gewöhnen. Ich will nicht länger eine lebende Leiche sein. Ich will leben und das kann nicht in diesem Gefängnis von Ehe.“






    Mich hielt es nicht länger neben Hugh. Ich ging auf Annabelle zu und kniete mich vor ihr hin. „Ich verzeihe dir und ich werde dich nie wieder verlassen.“
    Die Worte waren heraus ehe ich über mögliche Konsequenzen nachdenken konnte. Doch Annabelle ließ sich nicht anmerken, dass ich mit ihr gesprochen hatte. Einzig lehnte sie sich ein wenig zur Seite, ganz so als würde sie sich Hugh zuwenden.
    „Ein Gefängnis kann auch Sicherheit bieten.“
    „Ich will keine Sicherheit mehr. Ich will das Abenteuer und alles was dazu gehört.“
    „Dann seid Ihr eine Närrin. Solche Abenteuer gehen nie gut aus.“
    „Ich weiß, aber wenigstens habe ich es dann gehabt und frage mich nicht mehr, was ich verpasst habe im Leben.“ Sie sah Hugh an, doch ihr Blick streifte auch mich.






    „Aber genug der Worte. Lucien ist nicht hier und werde jetzt gehen. Ich denke nicht, dass Ihr mich aufhalten werdet.“
    Hugh schüttelte den Kopf. „Ich halte Närrinnen nie auf. Ist mir zu gefährlich.“ Er zwinkerte ihr zu und trat von der Tür weg.
    Annabelle erhob sich und ich trat schnell Seite, damit sie mir nicht ausweichen musste. „Wenn du kannst komme morgen wieder her. Ich bin hier und warte auf dich.“
    Als Annabelle an mir vorbei ging, nickte sie mir so kurz zu, dass Hugh es unmöglich hätte sehen können.
    „Ich wünsche Euch viel Glück bei Eurem Abenteuer. Ich hoffe wirklich, dass Ihr es euch noch anders überlegt. Es wäre zu schade um Euch, wenn es schlimm ausgeht.“
    „Vielen Dank für Euren Rat.“ Annabelle trat hinaus in die Dunkelheit und verschwand aus meinem Sichtbereich, während Hugh ihr noch hinterher starrte.






    Nachdem Hugh die Tür geschlossen hatte, setzte er sich auf den Stuhl auf dem eben noch Annabelle gesessen hatte. Er fuhr sich durch die Haare und schüttelte den Kopf. „Wenn ich nur wüsste, woher ich das Gefühl habe das arme, verlorene Ding zu kennen.“
    Ich ignorierte ihn und starrte meinerseits die Tür an. Ich konnte es nicht glauben. Annabelle wollte mich wiedersehen und sie hatte zugegeben, dass sie Gefühle für mich hat. Und das alles vor einem Menschen, den sie weder kennt noch dem sie trauen sollte. Das war alles so kompliziert geworden, doch trotz allem schwebte ich wie auf einer Wolke. Vergessen war das Versprechen, dass ich mir und Asaliah gegeben hatte. Nur ein Wort von Annabelle und all meine guten Vorsätze waren wie weggeweht.







    Am nächsten Morgen war der Sturm des Vorabends komplett verschwunden und die Sonne schien. Der Schnee glitzerte in der kalten Wintersonne, doch das alles war nebensächlich geworden. Wie ich ihr versprochen hatte, wartete ich am Turm auf sie.
    Es dauerte auch nicht lange bis sie den Weg betrat. Ich war nervös, während sie scheinbar ruhig auf mich zu kam. Ich lächelte sie an, ich konnte nicht anders. Sie lächelte zurück.
    „Guten Morgen“, begrüßte sie mich fröhlicher als ich sie seit langem gehört hatte.
    „Guten Morgen. Ich hatte gehofft, dass du kommst.“ Das war noch untertrieben.
    „Ich sagte doch, dass ich es leid bin allein und vernünftig zu sein.“ Sie lachte gelöst. Sie war wirklich wie ausgewechselt, als würde sie wirklich hinter ihrer Entscheidung stehen.






    „Das freut mich wirklich und überrascht mich, ehrlich gesagt.“
    „Ich weiß, du hast jedes Recht wütend auf mich zu sein. Ich war echt unmöglich zu dir, aber ich hatte Angst. Angst vor mir selbst, weil ich noch nie das gefühlt habe, was ich fühle, wenn ich in deiner Nähe bin. Angst davor was es bedeutet, für mich, für dich und auch für meine Ehe. Angst vor der Zukunft, weil ich keine Ahnung habe wie es weiter geht. Einfach Angst vor allem.“ Sie holte kaum Luft zwischen den Sätzen.
    „Und jetzt hast du keine mehr?“
    „Nein, eigentlich nicht. Mir ist klar geworden, dass ich mich hiervor nicht verstecken kann. Denn egal was ich in den letzten Wochen gemacht habe, du warst immer in meinen Gedanken. Ich konnte nicht aufhören an dich zu denken und je mehr Zeit verstrich umso mehr wurde mir klar, dass der Fehler nicht war mich auf dich einzulassen, sondern dich gehen zu lassen.“







    Ich war sprachlos.
    „Ich weiß, dass ist jetzt alles zu viel auf einmal, aber ich schleppe diese Worte schon so lange mit mir herum. Sie mussten jetzt einfach raus.“ Sie lachte befreit und mein Herz machte einen riesigen Sprung.
    „Vielleicht können wir ein wenig spazieren gehen und darüber reden, wenn es dir recht ist?“
    Ich nickte und sie hakte sich bei mir unter. Mir fehlten immer noch die Worte, aber ihre warme Hand auf meiner, fühlte sich so richtig an.
    „Du musst auch gar nichts sagen, es genügt mir schon, dass du überhaupt da bist.“ Sie sah mich von der Seite aus an mit so viel Wärme in den Augen.
    „Mir genügt es auch“, brachte ich heiser hervor, zu überwältigt von der gesamten Situation.
    „Dann lass uns einfach eine Weile schweigend gehen.“






    Annabelle führte mich zu einem ihrer Lieblingsplätze. Wir hatten auf dem ganzen Weg dahin nicht ein Wort miteinander gesprochen. Doch das brauchten wir auch nicht. Ihre Hand lag in meiner und immer wieder trafen sich unsere Blicke. Ich fühlte mich lebendiger als jemals zuvor und ihr schien es genauso zu gehen. Es war als würde nach einer wirklich finsteren Nacht endlich wieder die Sonne scheinen und so war es ja auch.
    Der Sturm von gestern war vergessen und auch die Kälte zwischen Annabelle und mir war wie weggewischt.
    „Wir sind gleich da.“
    „Ich weiß. Es ist einer deiner liebsten Plätze hier.“
    „Woher weißt du das?“ Sie schien aber nicht sonderlich überrascht.
    „Ich hatte ein Auge auf dich, auch wenn du mich nicht mehr sehen wolltest.“
    „Du hast weiter auf mich geachtet, obwohl ich so ekelhaft zu dir war?“
    „Natürlich. Ich konnte nicht anders. Erst vor kurzem habe ich deine Entscheidung akzeptiert, dass du mich nicht mehr in deinem Leben willst. Und dann standest du plötzlich wieder vor mir...“







    Am Teich angekommen ließen wir uns in den Schnee nieder. Es war wirklich kalt, aber das spielte weder für sie noch für mich eine Rolle.
    „Es tut mir Leid“, fing Annabelle an, aber ich wollte ihre Entschuldigung nicht hören.
    „Das braucht es nicht. Es hat eine Weile gedauert, aber ich hatte deine Entscheidung verstanden.“
    „Aber ich habe dir weh getan und das war wirklich das Letzte was ich wollte.“
    „Das weiß ich jetzt und darum sollten wir nicht mehr darüber sprechen. Du sagtest gestern, dass du leben willst. Und das kannst du nur in der Zukunft und nicht in der Vergangenheit. Nur noch das Jetzt zählt.“
    Sie strahlte mich an. „Das möchte ich gerne glauben.“
    „Dann glaub es.“







    „Ich versuche es.“ Sie schaute in Richtung des gefrorenen Teichs. „Ich gebe mir Mühe es zu glauben.“
    Wir schwiegen wieder, aber es war ein angenehmes Schweigen. Und doch war da eine gewisse Spannung zwischen uns, wann immer unsere Blicke sich trafen. Und das taten sie oft.
    „Das hier hat mir gefehlt. Es war alles so düster und trist ohne dich. Selbst die Zeiten wo Robert weg war und ich meine Ruhe vor ihm hatte, wusste ich, das mir etwas fehlt.“
    „Mir hat es auf gefehlt und ich habe mich oft gefragt, wie es dir so geht.“
    „Wir wollten nicht mehr über die Vergangenheit sprechen.“
    „Du hast doch angefangen“, neckte ich sie und ich wurde mit einem perlenden Lachen belohnt.
    „Ich bin ja schon ruhig.“
    „So war es auch wieder nicht gemeint. Rede ruhig weiter. Ich habe deine Stimme so vermisst.“






    „Vielleicht sollten wir dann über die Zukunft reden, wenn die Vergangenheit Vergangenheit ist.“
    „Das wäre eine Möglichkeit ja. Wie stellst du dir denn die Zukunft so vor?“
    „Ich weiß es ehrlich gesagt gar nicht. Ich weiß ja, dass es alles so schwierig ist. Ich weiß nicht, wann ich mich davon schleichen kann und dich sehen kann. Und dann ist da noch die Sache, dass du ja ein Geist bist, was das alles noch schwieriger macht.“
    Ich nickte. „Das kann ich leider nicht ändern, so gerne wie ich das auch wollte.“
    Sie starrte auf das Wasser. „Warum kannst du nicht wirklich sein?“





    „Ich bin so wirklich wie ich sein kann.“ Mit den Worten erhob ich mich und reichte ihr meine Hand. Inzwischen hatte sich die Sonne verzogen und neuer Schnee fiel.
    Annabelle nahm meine Hand und zog sich hoch. Sie stand so nahe neben mir und ihre Hand war warm und weich in meiner. Ich sah ihr in die Augen und hob meine andere Hand an ihr Gesicht. Liebevoll strich ich über ihre von der Kälte gerötete Wange.
    „Ich bin wirklich.“


    *Fortsetzung folgt*

  • 26


    No one can take you away from me now
    Don't worry if they take me away
    No one can take you away from me now
    Don't matter how long we have to wait
    (Marillion – No one can)





    Es war so einfach geworden wieder mit ihr zusammen zu sein. Ich dachte nicht mehr an mein Versprechen Asaliah gegenüber. Um ehrlich zu sein, war es sogar komplett aus meinem Gedächtnis verschwunden. Verdrängt von dem Glück und der Liebe zu Annabelle. Verdrängt von dem wunderbaren Gefühl, dass Annabelle wieder zu mir gehörte und ich sie spüren konnte. Alles andere war wieder zur Nebensache geworden.
    Bis auf natürlich meine Aufgabe den Menschen auf die andere Seite zu helfen. Ich wusste, dass ich diese Pflicht wahrnehmen musste. Gerade damit die Höheren Mächte nicht aufmerksam auf mich wurden. Nicht jetzt und in der näheren Zeit.







    Ich wollte nur eines in meiner freien Zeit tun: mit Annabelle zusammen sein.
    Und zu meinem Glück wollte sie das Selbe. Wann immer wir konnten, trafen wir uns und damit es nicht auffiel, waren diese Treffen nicht immer am Turm. Wir entdeckten die Gegend und fanden immer mehr Plätze an denen wir uns ungesehen sehen konnten. Meistens wartete ich auf sie und da es noch immer kalt und ungemütlich war, versuchte ich alles damit sie die Kälte nicht spürte. Verlassene Lagerplätze im Wald boten genug Gelegenheit ein Feuer anzuzünden und das unwirtliche Wetter erträglich zu machen.
    Meistens war es schon fast Abend, wenn sie es endlich schaffte sich von Zuhause ungesehen wegzuschleichen, aber nie zeigte sie was es sie kostete. Denn wann immer sie mich sah, strahlte sie über das Ganze Gesicht.






    „Schön, dass du da bist.“ Ich versuchte nie ihr zu zeigen, wie viele Sorgen ich mir um sie machte. Schließlich war die Zeit, die wir miteinander hatten zu viel kostbar um sie mit Sorgen zu verbringen.
    „Ich konnte nicht früher. Tut mir Leid.“ Auch Annabelle vermied es von Robert oder den Problemen mit ihm zu sprechen.
    „Hauptsache ist doch, dass du hier bist.“ Ich zog sie in meine Arme und wie immer schmiegte sie sich an mich. Und wie immer war dieser wundervolle Moment viel zu kurz.
    Viel zu schnell löste sie sich von mir, aber wie immer lächelte sie mich dabei an und hielt meine Hand fest um mich mit sich zu ziehen.






    Wir setzen uns an Feuer, saugten die Wärme auf, die es spendete und genossen die Gegenwart des Anderen.
    „Ich hoffe, dass es bald Frühling und damit wärmer wird. Ich kann es kaum erwarten mit dir in der Sonne zu sitzen.“ Sie rieb sich die Hände und ich musste mich zusammenreißen sie nicht zu berühren.
    „Wärmer würde wohl schon reichen.“
    „Für es Erste ja. Aber trotzdem würde ich viel lieber mit dir in der Sonne sitzen, als hier im Halbdunkeln im Wald an einem Feuer.“
    „Und das wo ich mir so viel Mühe mit dem Ambiente gegeben habe. Ich dachte es gefällt dir.“ Ich seufzte übertrieben und sie stupste mich an.






    „Natürlich gefällt es mir. Es ist so gemütlich auf der kalten Erde.“ Sie sagte es mit einem Lachen, aber es erreichte nicht ganz die Augen.
    „Ich weiß“, meinte ich ernst. „Ich wäre auch viel lieber im Warmen, aber wir können uns nicht immer im Turm treffen.“
    „Nicht, dass es da gemütlicher wäre. Schließlich ist dein Turm nicht mehr der Jüngste.“
    „So wie ich meinst du wohl?“ Ich konnte es mir nicht verkneifen, sie ein wenig zu reizen.
    „Du bist nicht alt, du bist nur Tot.“
    „Au, das hat gesessen.“ Ich warf mich nach hinten, schloss die Augen und spielte tot.
    Annabelle lachte herzlich. Ich öffnete vorsichtig ein Auge und schielte zu ihr rüber. Sie war wirklich fröhlich diesmal, aber ich spürte, dass sie schon wieder gehen musste.





    Es war nur eine leichte Veränderung in ihrer Haltung, ihrer Stimme und ihren Augen. Sehr geringfügig, aber für mich leicht zu erkennen.
    „Du musst schon wieder gehen oder?“ Ich fragte, obwohl ich die Antwort schon kannte.
    Sie nickte und stand auf. Sie klopfte sich den Puderschnee vom Kleid und reichte mir die Hand. Ich stand ebenfalls auf und sie zog mich näher. Ich nahm sie in die Arme und diesmal ließ sie sich länger von mir festhalten. Wir sahen uns in die Augen und die Zeit blieb stehen.






    Ich wollte sie endlich wieder küssen, aber ich hielt mich zurück. Auch wenn ich mir sicher war, dass sie mich nicht wieder wegstoßen würde, wollte ich sie nicht zu etwas drängen.
    Doch sie war es leid zu warten, dass ich den ersten Schritt machte. Sie küsste mich und alles um uns herum wurde nebensächlich. Die Kälte, die nahende Dunkelheit, das Wissen, dass sie ihren Mann betrog. Ihre Lippen auf meinen und ihr Körper so nah an meinem, dass ich ihren Herzschlag spüren konnte. So schnell wie ein Vogel und doch so beständig.
    Ich wollte nicht, dass der Moment endete, aber er musste es leider. Annabelle löste sich von mir.
    „Ich muss jetzt wirklich gehen.“ Sie sah mich noch einmal an und machte sich dann auf den Weg. Kurz bevor sie zwischen den Bäumen verschwand, drehte sie sich noch mal zu mir um. „Wir sehen uns so bald es geht.“
    „Ich kann es kaum erwarten.“






    Ich war total verrückt danach mehr Zeit mit ihr zu verbringen. Es war die glücklichste Zeit in unser beider Existenz. Wann immer wir konnten, verbrachten wir Zeit zusammen. Es war nicht immer einfach einen Weg zu finden, aber wir fanden einen. Manchmal besuchte ich sie zu Hause, aber nur um ihr den Ort zu nennen an dem ich auf sie warten würde. Ich wollte nicht riskieren, dass Robert Wind davon bekam, dass seine Frau Zeit mit jemand anderen verbrachte.
    Die Zeit verging mal langsam und mal viel zu schnell. Der lange Winter ging langsam zu Ende und ein nasser, kühler Frühling folgte.






    Es war der erste schöne Frühlingstag in diesem Jahr. Es war warm und sonnig. Ich beschloss Annabelle zu besuchen, doch als ich bei ihr zu Hause ankam, war sie nicht da. Ich überlegte kurz und begab mich an den Fluss, an dem sie immer Wäsche wusch. Ich hatte Glück, mein Instinkt hatte mich richtig geleitet. Ich verließ mich immer mehr auf ihn, da ich mich weigerte meine Fähigkeiten einzusetzen, um sie aufzuspüren.
    „Einen wunderschönen sonnigen Tag hübsche Frau“, begrüßte ich sie mit einer leichten Verbeugung.
    Sie drehte sich zu mir um. In keinster Weise erschrocken darüber, dass ich da war. „Den wünsche ich Euch auch.“
    „Ich dachte, ich überrasche dich heute mal. Das Wetter ist zu schön, um es mit Arbeit zu verbringen.“
    „Da hast du ohne Zweifel Recht, aber ich muss leider die Wäsche machen. Aber danach habe ich sicher noch ein wenig Zeit.“
    „Ich habe das zwar noch nie gemacht, aber ich helfe dir gerne.“






    Es war seltsam, aber erstaunlicherweise machte ich die Wäsche nicht schmutziger als sie war. Eigentlich war ich sogar gut darin und schneller als erwartet waren Annabelle und ich fertig damit.
    Wir ließen den Korb am Ufer stehen und setzen uns ins frische Gras. Es war noch etwas feucht, aber es fühlte sich gut an nicht mehr auf gefrorenen Boden zu sitzen.
    „Vielen Dank für die Hilfe. Ohne dich wäre ich immer noch dabei.“
    „Du brauchst dich nicht zu bedanken. Ich habe es rein aus egoistischen Gründen gemacht. Jetzt habe ich dich für eine Weile länger nur für mich und muss dich nicht mit dreckigen Unterhosen teilen.“






    „Nun und was wirst du jetzt mit mir machen, wo du mich von diesen fiesen Wäscheteilen befreit hast?“
    Ich griff zu ihr rüber und zog sie an mich. „Erstmal nur hier mit dir liegen und die Sonne genießen. Das war es doch was du vor ein paar Wochen wolltest.“
    Sie kuschelte sich an mich und strich mit den Fingern sanft über meine Brust. „Ich dachte, du handelst aus egoistischen Gründen und jetzt sagst du, dass du es für mich gemacht hast. Ist das nicht ein Widerspruch?“
    „Ganz und gar nicht. In dem ich dich glücklich mache, bin ich glücklich.“
    „Dann bin ich auch ein Egoist.“ Sie lehnte den Kopf an meine Schulter und ich drückte einen leichten Kuss auf ihr Haar.






    Wir lagen schweigend im Gras, genossen die Nähe des Anderen. Die Sonne strahlte auf uns herab und entschädigte uns für die Kühle vom Boden. Mir machte die Kälte ja nichts aus, aber ich wusste, dass Annabelle trotz den wärmenden Strahlen bald anfangen würde zu frieren.
    „So schön es auch ist, wir sollten bald aufstehen“, meinte ich nach einer Weile.
    „Ich denke wir sollten noch liegen bleiben. Es ist so schön.“
    „Aber...“
    „Nein, kein Aber. Es ist wundervoll hier mit dir zu sein und die Sonne auf dem Gesicht zu spüren. Da macht die Kälte gar nicht so viel aus.“
    „Aber du musst doch frieren?“






    „Ein wenig“, gab sie zu.“
    „Vielleicht gibt es dafür eine Lösung.“ Mit den Worten zog ich sie halb auf mich. Sie lachte nur. „Und besser so?“
    „Geringfügig. Besonders warm bist du auch nicht.“
    Ich hatte vergessen, dass auch ich Kälte ausstrahlte. „Tut mir Leid.“
    „Braucht es nicht. Es stört mich nicht sonderlich. Es gehört halt zu dir.“ Sie schmiegte sich an mich, doch ich merkte das die Stimmung anfing zu kippen. Wenn das geschah, wusste ich, dass sie bald gehen würde. Aber diesmal wollte ich sie länger bei mir haben. Ich wollte noch nicht, dass sie ging. Ich wollte nicht wieder allein sein, mit nichts mehr als meiner Arbeit. Ich war eben doch ein größerer Egoist als sie.






    Doch natürlich konnte ich nicht riskieren, dass sie zu lange bei mir blieb. Schließlich wusste ich ja um ihren nicht so verständnisvollen Ehegatten. Also ließ ich zu, dass sie aufstand und sich langsam bereit machte, wieder zu gehen.
    „Ich wünschte es wäre nicht so. Ich wünschte, ich müsste nicht gehen. Aber...“
    „Ich weiß.“
    Sie nahm meine Hand und beugte sich vor, hauchte mir einen Kuss auf die Wange. „Damit du mich nicht vergisst.“
    „Das würde ich niemals.“ Ich drückte ihre Hand ein wenig fester und in dem Moment hörte ich ein Geräusch. Noch war es weit weg, aber ich erkannte die Schritte.
    Ich ließ ihre Hand los und zeigte ihr, dass sie still sein sollte.







    Sie verstand mich sofort. Ohne auch nur noch einmal zu mir zu sehen wandte sie sich wieder zu ihrem Wäschekorb zu. Und das nicht eine Sekunde zu früh. Ich hatte mich verschätzt. Robert war viel schneller gewesen als ich gedacht hatte.
    „Was brauchst du hier denn so lange?“ fuhr er sie an. „Ich warte schon seit Stunden darauf, dass du wieder kommst. Hatte ich dir nicht gesagt, dass du dich beeilen sollst?“
    „Es tut mir lei...“ versuchte Annabelle sich zu entschuldigen, aber Robert dachte nicht daran, sie ausreden zu lassen.
    „Wage es ja nicht dich noch einmal dich meinen Anordnungen zu widersetzen“, brüllte er sie an. „Ich will keine Entschuldigungen mehr von dir hören. Und jetzt komm gefälligst mit. Wir haben noch viel zu 'besprechen'.“


    *Fortsetzung folgt*

  • 27




    How do you love in a house without feelings?
    How do you turn what the savage tame?
    I've been looking for someone to believe in
    Love me, again and again
    (Razorlight – Wire to Wire)




    Es war wie ein Weckruf. Wir hatten uns zu sicher gefühlt. Robert konnte immer und überall auftauchen und es war sein Recht. Annabelle war seine Ehefrau und sie gehörte ihm.
    Wir konnten uns nur noch an wenigen Tagen sehen, denn Robert hatte seine Augen ständig auf sie gerichtet. Doch bei manchen Gelegenheiten war Annabelle alleine.
    Nun nicht ganz: sie hatte mich. Ich nutzte es immer aus, wenn sie Roberts Klauen entkommen konnte. So kam es auch, dass wir uns an ungewöhnlichen Orten trafen.
    An diesem Tag war es die Kirche. Ich wusste nicht, was Annabelle hier wollte, aber es war mir auch egal. Hauptsache ich konnte bei ihr sein.








    „Annabelle, was machen wir hier?“ Fragte ich sie, während sie den Weg zur Eingangstür der Kirche entlangging.
    „Das wirst du schon sehen.“ Kam ihre nicht sehr informative Antwort. Ich zuckte mit den Achseln und folgte ihr ergeben. Sie öffnete die schwere Kirchentür und betrat den nur leicht erleuchteten Vorraum, wo niemand zu sehen war.
    Ich war schon einmal hier gewesen, vor gar nicht allzu langer Zeit und erinnerte mich an den alten Priester, den ich auf die andere Seite begleitet hatte. Mir lief ein Schauer über den Rücken, vielleicht war es eine Vorahnung.








    Sie ging in die Kirche und setzte sich auf eine der vorderen Bänke. Wir waren die einzigen Besucher an dem Tag. Der große Raum war leer und strahlte Ruhe aus. Wir konnten diese Stille nicht durchbrechen, denn auch wenn keine Besucher da waren, konnten doch die Priester ganz in der Nähe sein.
    Und trotzdem war ich zufrieden damit mit ihr da zu sitzen. Ich versuchte ihre Stimmung zu lesen, aber alles was ich spürte war die ehrwürdige Atmosphäre, die der Raum ausstrahlte. Von ihr kam nichts. Sie sah mich auch nicht an, sondern hielt den Blick starr auf den Altar gerichtet. Ich wunderte mich immer mehr, was wir hier taten. Aber ich traute mich nicht, noch einmal zu fragen. Geduldig wartete ich auf eine Aufklärung.








    Ein wenig Zeit verging, dann öffnete sich eine der hinteren Türen und wir hörten Schritte auf uns zukommen.
    „Annabelle, wie schön Euch zu sehen. Ihr wart schon lange nicht mehr hier. Wir haben Euch vermisst.“ Der Geistliche schien sich wirklich über ihren Besuch zu freuen.
    „Ich war sehr beschäftigt in der letzten Zeit.“ Annabelle klang wirklich, als würde sie die Nachlässigkeit bedauern. Ich war überrascht, ich wusste nicht, dass sie sonst regelmäßig her kam.
    „Das haben wir uns schon gedacht. Aber Ihr wisst ja, der heilige Geist ist geduldig.“
    „Ja, das ist er wirklich.“ Annabelle lächelte den Priester an. „Ich bin hier, weil ich fragen wollte, ob ich den hinteren Friedhof besuchen darf? Ich weiß, ich bin lange nicht mehr hier gewesen, aber ich würde so gerne ein wenig Zeit dort verbringen.“








    „Aber natürlich. Ihr wisst doch, dass Ihr nur zu fragen braucht. Ich schließe Euch gleich die Tür auf.“ Der Geistliche machte sich sogleich daran, die hintere Tür der Kirche aufzuschließen. Annabelle folgte ihm und ich ihr. Verwundert darüber, warum ein Friedhof abgeschlossen war. Normalerweise waren diese Plätze der Öffentlichkeit immer zugänglich.
    „Vielen Dank.“
    „Gerne doch, nehmt Euch so viel Zeit wie Ihr braucht.“ Der Priester nickte ihr kurz zu und ließ sie dann alleine.
    Sie trat hinaus in das Sonnenlicht. Nach dem Halbdunkel der Kirche tat die Helligkeit schon fast in den Augen weh. Annabelle seufzte kaum das sie einen Schritt hinaus gemacht hatte.








    Sie ging durch den Rosenbogen direkt auf eines der Gräber zu. Der ganze Friedhof war gepflegt. Man sah, dass die Männer der Kirche sich liebevoll um dieses Stück kümmerten. Vor jeden Grab standen angezündete Kerzen und nicht ein Fitzelchen Unkraut wuchs auf den Gräbern.
    Ich fragte mich, was wir hier wollten und das Gefühl, das etwas Unerwartetes passieren würde, ließ mich nicht los.
    „Warum sind wir hier? Und was ist das hier für ein Platz, dass er abgeschlossen wird?“ Ich konnte meine Neugier nicht weiter unterdrücken.
    „Hier liegen die Menschen, deren Familien es sich leisten können, die besondere Pflege der Geistlichen zu bezahlen. Die Priester haben schon lange erkannt, dass die Kollekte nicht reicht, um alle Missstände der Baronie zu richten. Um den wirklich armen Menschen hier zu helfen, nehmen sie Geld von den trauernden Hinterbliebenen. Den Reichen, die niemals einfach so für die Armen Geld spenden würden.“








    „Hm“, meinte ich nur und sah mich um. Es war wirklich gepflegt hier und so friedvoll. Ich konnte verstehen, dass man diesen Platz hier den normalen Friedhöfen vorzog. Vorausgesetzt man konnte sich das Leisten. Das sah den Priestern ähnlich, sich diesen Dienst bezahlen zu lassen. In dieser Welt machte niemand etwas umsonst.
    „Ich weiß, moralisch gesehen ist es vielleicht auch nicht richtig. Aber sie machen es aus den richtigen Gründen. Sie helfen wirklich denen, die sich sonst nicht helfen können.“
    „Hm“, konnte ich nur wiederholen.
    „Ich komme gerne her. Hier ist so ruhig und man ist ungestört. Den meisten Menschen ist es nicht gestattet hier her zu kommen. Nur denjenigen, die hier Verwandte liegen haben, ist es jederzeit gestattet. Nur tun sie es nicht sonderlich oft, meistens an Feier- oder Todestagen.
    Mir ist gestattet her zu kommen, weil ich als Kind freiwillig bei den Gottesdiensten geholfen habe.“








    „Hm“, machte ich zum dritten Mal. Annabelle grinste und schlug mir spielerisch auf den Arm.
    „Warum setzen wir uns nicht auf die Bank und ich versuche zu erklären, warum ich mich heute mit dir hier treffen wollte.“
    „In Ordnung. Ich bin schon gespannt.“
    Die Bank war hart und kühl, aber der Ausblick machte das wieder wett.
    „Ich habe nachgedacht“, fing sie nach ein paar Minuten Schweigen an. „Über uns und unsere Situation. Es kann so nicht weitergehen. Wir haben in letzter Zeit sehr viel Glück gehabt, aber das kann nicht ewig anhalten. Ich will nicht sagen, dass ich dich nicht mehr sehen will. Die Götter mögen mich davor bewahren, diesen Fehler noch einmal zu machen.“ Sie lächelte mich an. „Aber es wird immer schwerer vor Robert zu verstecken, wie glücklich ich bin.“
    Ich sah sie an, sprachlos.








    „Hier ist ein Ort, an dem Robert mich nie vermuten würde. Daher dachte ich mir, hier ist der richtige Platz um wirklich ungestört zu sein.“
    „Ich weiß, wie schwer es für dich ist...“
    „Nein, das glaube ich nicht. Robert lässt mich kaum noch aus den Augen. Er bewacht mich, wie ein Hund seine Hütte. Ich weiß nicht warum er das tut. Was der Anlass dafür ist, aber ich vermute, dass es damit zu tun hat, dass ich in den letzten Wochen so ausgewechselt bin. Nicht, dass ich mich darüber beschweren will. Ich würde unsere gemeinsame Zeit um nichts in der Welt eintauschen. Aber leider macht es meine Situation zu Hause nicht einfacher.“
    „Aber was können wir tun? Ich weiß nicht, wie ich dir helfen soll. Ich kann nichts gegen Robert unternehmen.“
    „Das weiß ich doch und ich will auch gar nicht, dass du dich in meine Ehe einmischt. Das ist etwas womit ich alleine umgehen muss.“








    „Aber ich will mich einmischen. Ich kann es nicht ertragen, wie er dich behandelt. Auch wenn er angeblich jedes Recht dazu hat, weil er dich geheiratet hat.“
    „Danke dir, aber...“
    „Nein, ausnahmsweise akzeptiere ich diesmal kein Aber. Wir werden zusammen damit fertig werden.“
    Sie sah mich an, als würde sie mich zum ersten Mal sehen. „Vielleicht hast du Recht.“
    „Nicht nur vielleicht. Du hast es selbst gesagt: alleine kannst du nicht damit fertig werden.“
    „Ja, das habe ich gesagt, aber ich wollte nie, dass du in meine Probleme mit Robert reingezogen wirst. Ich dachte immer, ich könnte dich von diesem Teil in meinem Leben fernhalten. Damit ich wenigstens eines habe, was gut und richtig ist. Aber da war ich wohl einfach naiv.“
    „Vielleicht ein bisschen.“








    „Du bist dir sicher, dass du mir beistehen willst?“ Ihre Stimme war angespannt und ihr Blick glühte vor Intensität. Wie konnte ich da irgendetwas anderes als „Ja“ sagen. Sie nickte zufrieden.
    „Ich weiß noch nicht, wie ich es anstellen soll, aber Robert muss verschwinden. Ich glaube nicht, dass ich es noch lange mit ihm in einem Haus aushalte.“ Da war er wieder, der Stahl in ihrer Stimme. Ich konnte mir denken, an was für eine Lösung sie dachte und ich schauerte.
    „Was hast du vor?“
    „Noch bin ich mir nicht sicher, was die beste Lösung wäre. Es gibt trotz allem Hass ihm gegenüber immer noch so viel zu bedenken. Schließlich hat nur die vermaledeite Hochzeit mit ihm meinen Hof vor dem Verkauf bewahrt. Zuerst muss ich also eine Lösung finden, den Hof zu behalten und dann kann ich mich um das Problem Robert kümmern.“








    „Zuerst müssen wir uns um eine Lösung für den Hof kümmern und dann müssen wir eine Möglichkeit finden, mit Robert fertig zu werden“, korrigierte ich sie.
    Sie nahm meine Hand in ihre. „Verzeih, du hast Recht.“
    „Was können wir tun, damit du den Hof behalten kannst? Ich kenne mich mit den gerade herrschenden Gesetzen nicht aus.“
    „Die Gesetze haben damit wenig zu tun. Es liegt eher daran, dass sein Name unsere Gläubiger ruhig gestellt hat. Meine Mutter und ich konnten die Abgaben nicht mehr zahlen nach Vaters Tod und meine Heirat mit Robert hat die Meisten ruhig gestellt. Auch wenn er sein Vermögen verloren hat, hat er immer noch einen Namen.“
    „Aber jetzt ist es auch dein Name, reicht das nicht schon?“
    „Nein, nicht wenn Robert nicht mehr da ist. Dann bin ich ein Niemand.“
    „Du kannst niemals ein Niemand sein.“








    „Für dich vielleicht, aber für meine Gläubiger bin ich nur die Ehefrau von Robert und davor war ich nur die ledige Tochter. Eben ein Niemand. Ich brauche eine Lösung dafür.“
    „Würde das Problem nicht weggehen, wenn du die Gläubiger auszahlst?“
    „Wenn ich das könnte, hätte ich es schon längst getan. Aber weder Robert noch meine Mutter halten es für angebracht, dass ich mich um die Finanzen kümmere. Daher kann ich nichts tun, um das Geld vom Hof aus aufzutreiben.“
    „Das ist ein... da kommt jemand.“ Annabelle hörte sofort auf meine Hand zu halten und sah binnen eines Augenblicks für einen Außenstehenden so aus, als würde sie nur die Ruhe des Ortes genießen.
    „Meine Liebe, es wird langsam Zeit. Die Sonne wird bald untergehen und es ist nicht mehr so sicher wie früher auf den Straßen.“ Der Priester warf sie also raus.
    „Ihr habt Recht. Ich bin schon zu lange hier gewesen, aber es ist einfach zu schön hier.“ Annabelle stand auf.
    „Ihr könnt jederzeit wiederkommen. Für Euch ist die Tür immer offen.“








    „Vielen Dank. Ich weiß die Ehre wirklich zu schätzen.“ Der Geistliche begleitete sie zur Tür und ich folgte den Beiden.
    „Es wäre uns eine Freude, wenn Ihr diese Ehre öfter in Anspruch nehmen würdet.“
    „Wenn es meine Zeit erlaubt, werde ich sicher bald wieder her kommen.“
    Sie hatten die äußere Tür der Kirche erreicht.
    „Ich wünsche Euch einen sicheren Heimweg. Passt gut auf Euch auf.“
    „Danke und Euch noch einen angenehmen Abend.“ Annabelle reichte ihm die Hand zum Abschied. Der Händedruck war nur kurz und so bedeutungslos wie dieses Ritual immer war. Kaum hatte sich die schwere Kirchentür geschlossen,machte sie sich auf den Heimweg.
    „Wir sehen uns bald wieder. Ich muss jetzt wirklich heim.“ raunte sie mir noch zu und ging schnellen Schrittes auf den Torbogen zu.








    „Soll ich dich nicht besser begleiten? Der Kirchenmann hatte Recht, die Straßen sind wirklich nicht mehr so sicher, wie sie es einst waren.“
    „Nein, danke. Ich denke ich wäre jetzt lieber alleine. Ich muss nachdenken.“
    Sie ließ mich stehen und eine kalte Hand legte sich über mein Herz. Das ganze Gespräch heute hatte auch mich nachdenklich gemacht. Nicht darüber, wie man Robert stoppen konnte, sondern eher darüber was diese Möglichkeit aus Annabelle machen würde. Mir war klar, dass sie früher oder später planen würde, ihn endgültig aus dem Weg zu räumen. Und ich wusste, dass dieser Weg unsere Beziehung und sie für immer verändern würde.



    *Fortsetzung folgt*

  • 28



    I know who you are baby
    I know what they call you girl
    Never put you down baby
    I'm just like you baby, I'm on the hunt
    (Lynyrd Skynyrd – On the Hunt)






    Sie war nicht die Einzige, die nachdenken musste. Das ganze Gespräch auf dem Friedhof hatte auch mich dazu gebracht. Weder wollte ich, dass sie selbst Robert etwas antat noch wollte ich, dass sie jemand anderen dafür beauftragte. Denn das war es worauf es letztendlich hinauslaufen würde. Annabelle würde früher oder später versuchen den ungeliebten Ehemann für immer loszuwerden. Und das konnte ich nicht zulassen. Nicht ehe seine Zeit abgelaufen war.

    Während ich die wenigen Möglichkeiten, die ich hatte immer wieder durchspielte, machte ich meine Arbeit. Doch ich war nicht mit dem Herzen dabei. Die jahrhundertelange Routine half mir dabei, die Seelen sicher auf die andere Seite zu bringen, denn mein Kopf war mit möglichen Lösungen gefüllt, die alle nicht durchführbar waren.






    Die verschiedenen Leute, die auf die andere Seite brachte, spürten nichts von meinem Dilemma. Und weil ich auch nach Tagen nicht einen Schritt weiter war, versuchte ich mich mehr auf die Menschen zu konzentrieren. In der Hoffnung das mir deren Leben einen Weg eröffneten wie ich Annabelle helfen konnte und sie gleichzeitig davor bewahren konnte, ein Mensch zu werden, den sie irgendwann hassen würde.

    Ich hoffte nur, dass ich Zeit genug hatte. Schließlich musste sie erst das Problem mit dem Hof lösen, ehe sie sich um den Mistkerl kümmern konnte. Ich hatte ihr versprochen zu helfen und das wollte ich auch tun. Und wenn meine Hilfe nur daraus bestand, sie vor sich selbst zu schützen.






    Die Zeit verging und ich hatte keine Nachricht von Annabelle erhalten, wann und wo wir uns das nächste Mal sehen konnte. Wann immer ich kurz bei ihr erschien, schüttelte sie den Kopf. Robert war immer um sie herum, beobachtete sie und ließ sie nicht eine Sekunde allein. Es war frustrierend.

    An einem Abend holte ich einen noch relativ jungen Mann, der sich aus Versehen selbst vergiftet hatte. Die Armut hatte ihn dazu getrieben Pilze im Wald zu sammeln und leider hatte einen erwischt, der nicht so essbar war wie er gedacht hatte. Seine Seele wollte noch nicht aufgeben, doch er hatte keine Chance. Ich nahm ihn mit auf die andere Seite.
    Und doch hatte ich in dem Moment als ich seine Essenz in mir aufnahm, eine Idee, die vielleicht eine Lösung für meine Zwickmühle war.






    Alles was ich brauchte war ein wenig Geduld, dann würde sich schon die Gelegenheit ergeben, wie ich die Seele von Annabelle retten konnte. Es war schon ein wenig Ironie in dem Gedanken, dass ausgerechnet ich versuchen würde eine Seele auf der Seite des Lichts zu halten, anstatt sie auf die andere Seite zu bringen.
    Ich wartete in der lokalen Taverne. Ich wusste, dass ich früher oder später dort erfolgreich sein würde.
    „Und du denkst wirklich, dass Sir Georg sich darauf einlässt? Ich habe gehört, dass er sich immer mehr auf den Neuen verlässt und solange der nicht mitmacht, haben wir keine Chance.“
    „Was ist, wenn ich euch sage, dass er gerade auf den Weg hierher ist.“






    „Wie hast du das denn geschafft?“

    „Ich habe ihm nur ein paar Bier versprochen und nichts anderes.“
    Das Gespräch plätscherte an mir vorbei. Ich wusste zwar, dass es um den Rivalen von Robert ging und ich eigentlich dem Gerede mehr Aufmerksamkeit schenken sollte, aber ich konnte nicht. Meine gesamtes Augenmerk war auf die Tür gerichtet, wo ich jeden Moment mit denjenigen rechnete auf den ich wartete. Ich musste ihn hier abpassen, denn für das was ich vorhatte, musste ich ein wenig Zeit mit ihm verbringen.






    Es dauerte nicht lange, ehe Hugh erschien. Er betrat die fast leere Taverne und für einen Moment war es still in dem Raum. Die wenigen anderen Gäste schauten kurz zur Tür und nahmen dann ihre Gespräche wieder auf. Die Männer an vorderen Tisch allerdings nicht. Sie warteten darauf, dass sich der Assassine zu ihnen setzte. Ich wartete weiter an die Wand gelehnt, wartete darauf, wie das Gespräch verlaufen würde.

    „Nun, wo ist das Bier?“ War seine erste Frage und schon stand ein Krug vor ihm. Er nahm einen tiefen Schluck und stellte den Becher wieder vor sich hin. „Also, warum bin ich hier? Ihr könnt mir nicht erzählen, dass ihr mich nur zum Trinken einladen wolltet.“
    „Nein, natürlich nicht. Wir möchten Sir Georg etwas vorschlagen.“
    „Und warum macht ihr das dann nicht? Hält euch doch keiner von ab.“ Hugh nahm einen weiteren Zug aus dem Becher. Das war nicht gut. Ich brauchte ihn nüchtern.







    „Nun ja...“, stammelte der Mann neben ihm.

    „Nun spuckt schon aus. Was wollt ihr vom Boss?“ Ein weiterer Schluck.
    Einer der Männer auf der anderen Seite des Tisches mischte sich ein. „Es geht um die Patrouillen. Wir brauchen einen neuen Plan.“
    Hugh sah den Mann misstrauisch an. „Warum? Wollt ihr euer eigenes Ding drehen? Das ist keine gute Idee. Darauf lässt er sich niemals ein.“
    „Nein, nein. Darum geht es nicht. Wir wollen einfach nur die Nachtschicht, weil die Damen, die wir sehen nur Tagsüber frei sind.“
    Hugh lachte. „Ihr wollt die Nachtschicht, damit ihr eure kleinen Liebschaften weiter fortführen könnt. So eine beschissene Ausrede habe ich schon lange nicht mehr gehört.“
    „Das ist die Wahrheit. Wir wollen sonst auch nichts anderes. Ich schwöre.“






    Hugh nahm noch einen letzten Schluck aus dem fast leeren Krug und stand dann auf. „Vielen Dank für das Bier. Ihr könnt gerne versuchen mich nochmal zu bestechen, wenn ihr mit einer besseren Geschichte aufwarten könnt. Guten Abend die Herren.“

    „Wartet...“, rief ihm noch einer der Männer hinterher, aber Hugh blieb nicht stehen.
    Ich folgte ihm hinaus in die Nacht. Es hatte anscheinend geregnet, denn überall waren Pfützen auf dem Boden, doch der Himmel war schon wieder wolkenlos.
    Der Assassine verlangsamte seine Schritte nicht, obwohl ich mir sicher war, dass er meine Anwesenheit spürte. Ich folgte ihm den ganzen Weg bis zu seiner Hütte. Es überraschte mich ein wenig, dass er immer noch dahin zurückkehrte, obwohl er doch bei dem anderen Lord angestellt war.






    In seiner Kate angekommen schloss er die Tür ab und warf sich auf sein Bett. Er machte sich noch nicht mal mehr die Mühe Licht anzuzünden. Ich setzte mich ihm gegenüber.

    „Ich brauche deine Hilfe.“
    Hughs einzige Reaktion war eine leichtes Schaudern.
    „Ich habe ein Problem und ich fürchte, du bist der Einzige der mir helfen kann. Mal wieder.“
    Nichts, außer das er ein wenig auf der Bettdecke herumrutschte, um sich bequemer hinzusetzen.
    „Es tut mir Leid, dass ich jedes Mal zu dir komme, wenn ich nicht mehr weiterkomme. Aber du bist der Einzige, dem ich trauen kann.“
    Ein leichtes Zucken des Kopfes in meine Richtung.
    „Es geht um die junge Frau, der du gesagt hast, dass sie sich von mir fernhalten soll.“






    Er setzte sich ein wenig auf.

    „Ich muss sie davon abhalten, das zu tun worin du Meister bist.“
    Hugh drehte sich ein wenig in meine Richtung.
    „Daher muss ich dich bitten, dass du etwas tust, wovon ich nie gedacht habe, dass ich das einmal sagen werde.“
    Er zog die Beine an und lehnte sich gegen die Wand.
    „Ich möchte, dass du Robert vor ihr beschützt.“
    Sein Kopf drehte sich endgültig in meine Richtung.
    „Verstehe das nicht falsch. Ich hasse ihn mehr als alles andere. Ich will das alleine nur für sie und das ist die größte Ironie die es geben kann.“
    Er sah mich an und doch durch mich durch.
    „Niemals wäre mir in den Sinn gekommen, dass ich irgendwann einmal diesen Mistkerl schützen würde. Aber leider muss es sein.“






    Hugh stand auf und ging direkt an mir vorbei.

    „Seine Zeit ist noch nicht abgelaufen und ich kann nicht zulassen, dass jemand mit dem natürlichen Lauf der Dinge herumpfuscht.“
    Er stellte sich vor das Wasserfass und wusch sich die Hände.
    „Ich kann nicht riskieren, dass die Mächte auf diese vertrackte Situation aufmerksam werden.“
    Ich stellte mich neben ihn.
    „Ich kann nicht erlauben, dass ich Robert holen muss. Es darf nicht sein.“
    Er schüttelte sich die Hände trocken.
    „Vor allem darf Annabelle nicht diejenige sein, die seinen Tod verursacht.“






    „Du scheinst sie ja wirklich zu lieben.“

    Ich blinzelte und Hugh lachte. „Jetzt bist du wohl endlich ruhig. Ich gedenke nicht dir zu helfen und jetzt verschwinde.“
    „Du kannst mich hören und sehen?“ Ich war verwirrt.
    „Sehen? Nein. Hören? Ja, verdammt. Und jetzt nimm dein Gejammer und verschwinde. Ich brauche nicht noch mehr Liebesdrama in meinem Leben. Davon habe ich genug gehabt.“
    „Bist du denn gar nicht neugierig?“
    „Warum sollte ich neugierig sein? Neugier brachte noch nie etwas Gutes. Einige behaupten sogar, dass sie Katzen umbringt.“
    „Stellst du dir nicht die Frage, wer ich bin und warum du mich nicht sehen kannst, aber hören? Ist da nicht ein Funken Interesse?“ Ich wollte nicht aufgeben. Ich musste ihn dazu bringen mir zu helfen. Eine andere Möglichkeit hatte ich nicht.






    „Du bist Lucien. Das hast du doch gerade eben noch gesagt in deiner Tirade darüber wie du deiner Liebsten helfen kannst. Nein, warte, wie ich deiner Liebsten helfen kann.“ Er grinste. „Und warum ich dich nicht sehen kann, nun ich denke mal, dass du einfach nicht bereit bist, dich zu zeigen. Und nein, ich will mich nicht da mit reinziehen lassen. Ich habe schon genug eigene Probleme.“

    „Aber ein paar deiner Sorgen, haben ebenfalls mit Robert zu tun. Wäre das nicht ein Grund mir zu helfen?“
    Er stutzte. Ich konnte sehen, wie sein Verstand versuchte mein Argument zu entkräften.
    „Hm, vielleicht und sich sage nur vielleicht, ist da etwas dran. Mir ist auf jeden Fall gerade so einiges klar geworden. Ich wusste, dass Robert eine Frau hat, aber ich wusste nicht, wer sie ist. Vielen Dank für die Information.“






    „Ich bitte dich inständig: hilf mir und hilf ihr. Sie ist unschuldig und ich möchte wirklich, dass es so bleibt.“

    „Niemand ist unschuldig.“
    „Bitte. Ich möchte wirklich versuchen, dir zu erklären, warum du mir helfen sollst. Ich schwöre, du wirst es nicht bereuen und alles was es dich kostet ist ein wenig deiner Zeit.“ Ich sah ihn an während er überlegte, versuchte abzuwägen ob sich eine Zusammenarbeit lohnt. Ich konnte nur warten, wie seine Entscheidung ausfallen würde.
    „Also gut, erzähl. Ein wenig Zeit kann ich erübrigen.“ Er stellte sich mit verschränkten Armen vor mich, ohne zu wissen, dass ich vor ihm stand.
    Ich atmete noch einmal tief durch, traf eine Entscheidung und fing an zu erzählen.








    „Mein Name ist nicht Lucien. Um ehrlich zu sein, ich habe keinen Namen, denn ich bin der Tod und glaube mir oder nicht, du arbeitest schon dein ganzes Leben für mich ohne es zu wissen...“

    Die Sonne ging schon langsam auf, als ich fertig war mit der Geschichte. Ich ließ nur weniges aus. Ich brauchte Hugh und ich wusste, ich konnte ihn nur mit Ehrlichkeit überzeugen mit mir zu arbeiten.
    „...Und jetzt brauche ich deine Hilfe und ich bitte dich diesmal vollkommen offen darum. Wirst du mir helfen?“
    Stille, die ewig zu dauern schien. Er hatte sich nicht einmal bewegt.
    „Komm morgen wieder. Dann kann ich dir eine Antwort geben.“ Seine Stimme war belegt und ich hörte die Erschütterung über meine Enthüllung darin.
    „Das werde ich.“ Ich nickte ihm nochmal zu, obwohl er das nicht sehen konnte und dann verschwand ich.


    *Fortsetzung folgt*


    PS. Sollte noch jemand mitlesen, entschuldige ich mich für das unmögliche Format, aber dieses tolle Forum lässt mich es nicht vernünftig formatieren. X/

  • 29


    You get nothin' for nothin'

    Tell me who can you trust

    We got what you want

    And you got the lust

    (AD/DC – If you want blood)




    Es war einer der längsten Tage in meiner gesamten Existenz. Ich fragte mich die ganze Zeit, ob ich das Richtige getan hatte. Ich hatte diesem Mann alles erzählt, mein gesamtes Dasein vor ihm ausgebreitet und jetzt konnte ich nur noch abwarten, wie er sich entscheidet.

    Ich hatte in den letzten Monaten schon viele Fehler begangen und je länger dieser endlose Tag andauerte, umso mehr war ich davon überzeugt, dass dieser hier der Größte war.

    Was hatte ich mir nur dabei gedacht, dem Assassinen so viel von mir zu enthüllen. Er mochte vielleicht gar nicht so ein schlechter Mensch sein, trotz seines Berufes, aber eigentlich kannte ich ihn kaum. Vielleicht war er in dem Moment gerade auf dem zu Robert, um ihm alles über Annabelle und mich zu erzählen. Ich wusste ja nicht, wie weit seine bezahlte Loyalität ging.





    Und so machte ich mich Abends mit sehr gemischten Gefühlen auf den Weg zu Hugh. Ich betrat seine Hütte wie ich sie verlassen hatte: nicht durch die Haustür. Aber ich machte mich durch Räuspern bemerkbar.

    „Ich wusste auch so, dass du da bist“, wurde ich von ihm begrüßt. „Ich spüre, wenn jemand in meiner Nähe ist. Ein Leben wie meines und man entwickelt gewisse Fähigkeiten.“ Er lachte trocken.

    „Ich wollte nur höflich sein.“

    „Natürlich. Schließlich willst du ja auch etwas von mir. Setz dich, dann kann ich wenigstens so tun, dass wir uns wie normale Geschäftspartner unterhalten.“ Er deutete auf den Hocker vor ihm.

    Ich nahm das als ein gutes Zeichen und setzte mich ihm gegenüber.




    „Wir sind also Geschäftspartner?“ fragte ich mit echter Neugier in der Stimme.

    „Noch nicht, aber ich habe über deine Geschichte nachgedacht. Es erklärt einiges, was mir vorher noch nicht so klar gewesen ist.“

    „Dann glaubst du mir?“

    „Die wahnwitzige Enthüllung, dass du der Tod bist? Ich weiß nicht, aber du scheinst für vieles verantwortlich zu sein, was ich mir nicht erklären konnte. Warum ich zum Beispiel deine Liebste einmal umgebracht und ihr dann später einen sehr ernst gemeinten Rat gegeben habe. Wie mir scheint, hat sie ihn nicht befolgt. Dummes Kind.“

    „Ich weiß, es tut mir Leid, dass ich dich auf diese Weise benutzt habe. Aber damals hatte ich, wie heute auch, keine andere Wahl.“

    Er nickte. „Ja, du hast dich in eine ganz schöne Misere gebracht. Was soll ich dazu sagen, außer das Liebe aus uns allen nur Idioten macht.“





    Ich lächelte. „Da kann ich dir nur Recht geben.“

    „Aber gut, was vergangen ist, ist vergangen. Wie schon gesagt, ich habe über deine Situation nachgedacht und so schwer es mir auch fällt, muss ich zugeben, dass du Recht gehabt hast. Dein Problem mit Robert hat auch was mit mir zu tun. Wie du ja weißt, arbeite ich für das royale Schwein und ich war mir von Anfang an nicht sicher, ob mich das nicht meinen Kopf kosten könnte.“

    „Ja, ich kenne deine Bedenken ihm gegenüber.“

    „Weil du mich und... sie belauscht hast. Noch etwas worüber ich nicht sehr glücklich bin. Ich halte mein Privatleben gerne fern von allen anderen.“ Hugh funkelte mich an. „Doch am Ende wird abgerechnet, nicht wahr?“

    „Am Ende bekommt jeder das was er verdient.“

    Hugh lachte laut auf. „Das kann ich mir kaum vorstellen.“





    „Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass ich dir das große Geheimnis verrate, was nach dem Tod kommt.“ Ich konnte mir das Lachen auch nicht verkneifen.

    „Man kann es ja mal versuchen.“ Hugh grinste. „Aber gut, wo waren wir. Ach ja, Robert. Ich denke, ich kann dir helfen. Nicht, weil du mich dieses Mal so nett und ehrlich darum bittest, sondern aus rein egoistischen Gründen. Ich habe schon länger darüber nachgedacht, den nicht gerade sehr einträglichen Job von Robert hinzuwerfen. Meine Zeit ist mir viel zu wertvoll, um sie weiter mit dem lächerlichen Kleinkrieg zwischen ihm und dem anderen Mistkerl zu verschwenden.“

    „Das freut mich zu hören.“ War alles was ich sagen konnte, zu groß war die Erleichterung.

    „Glaube bloß nicht, dass ich mich jetzt bei dir bedanke, nur weil du mir einen Grund lieferst.“

    „Das erwarte ich auch nicht. Ich weiß, was ich dir angetan habe.“





    „Nichts, was schlimmer ist, als das was ich den meisten Menschen angetan habe. Ich bin kein guter Mensch, aber ich denke das weißt du, sonst hättest du nicht mich um Hilfe gebeten.“

    „In dir steckt mehr als man am Anfang erwartet und daher würde ich dich auch nicht als schlechten Menschen bezeichnen. Aber meinem Urteil kann man nicht trauen, dazu interessieren mich so Dinge wie gut und schlecht wenig. Am Ende nehme ich jeden mit.“

    „Drohungen ziehen bei mir nicht.“

    Ich lächelte. „Das sollte auch keine sein. Nur eine Tatsache. Wie sieht dein Plan aus? Ich gehe davon aus, dass du schon genau weißt, wie es weitergeht.“

    Hugh nickte. „Ich werde zuerst meine Anstellung bei dem Bastard Sir Georg beenden. Ich lege keinen Wert darauf noch weiter das Mädchen für alles für ihn zu sein. Der soll seinen Kram schön alleine machen.“

    „Und denkst du, das klappt ohne Probleme?“





    „Georg ist kein Problem. Ich weiß Dinge über ihn, die den bösen Wolf zu einem kleinen Welpen machen. Ich mache mir mehr Sorgen darüber, wie der feine Herr Sir Robert reagiert. Er hat mehr zu verlieren als Georg und könnte es nicht so einfach aufnehmen, dass ich ihm den Dienst verweigere.“

    „Was ich nicht verstehe ist, wie hilft es mir, wenn du den Dienst bei Robert aufgibst? Verzeih die Frage, aber alles was ich will, ist das Annabelle nicht zu einer Mörderin wird.“

    „Das habe ich nicht vergessen, keine Angst. Ich muss aufhören für ihn zu arbeiten, weil es sonst nicht so einfach für Annabelle ist, mich für die Ermordung ihres Gatten anzuheuern.“

    „Warum sollte sie dich anheuern? Ich will nicht, dass sie irgendjemanden anheuert.“ Ich war vollkommen verwirrt.

    „Du willst nicht, dass sie den Weg einschlägt, den sie bereit ist einzuschlagen. Das verstehe ich, aber im Endeffekt willst du doch verhindern, dass Robert stirbt um die natürliche Ordnung nicht zu zerstören. Und das kann ich dir ermöglichen. Ich kann nicht verhindern, dass Annabelle Schritte einleitet. Sie ist verzweifelt und das ist immer gefährlich. Aber ich kann so verhindern, dass Robert vor der Zeit stirbt.





    Zur Not kann ich es auch nur so aussehen lassen, das Robert tot ist. Aber das kommt mit einem Preis. Wie der aussieht, nun das können wir dann besprechen, wenn es soweit ist. Das ist alles was ich dir anbieten kann.“

    Es verschlug mir die Sprache. Das war mehr und zugleich weniger als ich erwartet hatte. Mehr, weil er zugesagt hatte mir zu helfen und weniger, weil er Annabelle nicht davon abbringen konnte, wirklich den Tod von Robert in Kauf zu nehmen.

    „Das wird genügen“, sagte ich und stand auf.

    Hugh tat es mir instinktiv gleich. Ich stellte mich vor ihn hin und ergriff seine Hand. Ich konnte seine Verwirrung spüren, als er fühlte wie etwas Unsichtbares nach ihm griff.





    „Dann ist es abgemacht. Ich werde die nötigen Schritte einleiten und du wirst deine Liebste so weit zurückpfeifen, dass sie nicht vorher eingreift, ehe ich nicht bereit bin.“

    „Ich gebe mein Bestes. Ich danke dir.“

    „Bedanke dich nicht zu früh. Am Ende wird abgerechnet.“

    „Wollen wir nur hoffen, dass das Ende nicht so bald kommt.“ Mit den Worten ließ ich ihn zurück. Ich spürte, dass ich hier mehr erreicht hatte, als ich zu hoffen gewagt hatte. Und seltsamerweise fühlte es sich so an als hätte ich so etwas wie einen Freund gewonnen. Mir war klar, dass der Assassine seine eigenen Gründe hatte, sich auf die Abmachung einzulassen, aber solange er tat, was er versprochen hatte, sollte mir das egal sein.





    Als ich die Hütte diesmal auf dem normalen Weg verlassen hatte, wurde mir erst richtig bewusst, was ich gerade erreicht hatte. Robert würde nicht so bald sterben, es sei denn ich bekam endlich den Auftrag von Oben für ihn und das lag noch in der Ferne.

    Eigentlich war es das was ich gewollt hatte, aber mir war auch klar, dass für Annabelle die Ehehölle noch weitergehen würde und vielleicht hatte ich es auch noch schlimmer gemacht. Wenn Robert seinen Verbündeten verlor, war er vielleicht verzweifelt und verzweifelte Menschen machten grausige Dinge.

    Aber nun war es zu spät, ich musste jetzt alles tun um Annabelle zu beschützen. Zu spät für Zweifel und auch zu spät um noch umzukehren.





    „Du bist also doch da. Ich hatte schon gedacht, dass ich diesen Gang alleine machen muss.“ Hughs Stimme war voller Sarkasmus, als ich ihm leicht verspätet zu dem Treffen mit Robert folgte.

    „Es ist für mich nicht immer einfach, bestimmte Orte auf Anhieb zu finden.“

    „Macht dir das nicht Probleme bei deiner Aufgabe die Toten zu holen?“

    „Nein, denn ich da kenne ich Ort und Zeit. Nur wenn ich Orte oder Menschen finden soll, die nicht auf meiner Liste stehen habe ich Schwierigkeiten.“

    „Gut zu Wissen. Und jetzt tu einfach das, was du sonst immer gemacht hast. Sei still und beobachte. Nicht, dass der abgehalfterte Lord noch Lunte riecht.“

    Hugh öffnete die Tür zu der alten Bauernkate, in der er sich immer mit Robert traf.





    „Das wurde auch langsam Zeit“, fauchte dieser Hugh an. „Ich habe euch schon vor Tagen eine Nachricht hinterlassen.“

    „Ich freue mich auch immer, Euch zu sehen Euer Durchlaucht.“ Hugh ließ sich nicht einschüchtern. Eine der Eigenschaften von ihm, die ich schon immer bewundert habe.

    „Spart Euch das. Was sollte das?“

    Hugh setzte sich erst einmal. „Was sollte was?“

    „Ihr wisst ganz genau was ich meine. Warum habt Ihr den Dienst bei Georg gekündigt? Das war nicht unsere Abmachung!“

    „Hugh nickte. „Das stimmt. Aber Ihr habt Euch ja auch nicht daran gehalten.“

    „Was soll das heißen?“ Robert starrte ihn finster an.

    "Eure letzte Zahlung ist ausgeblieben und ohne Geld, keine Leistung.“





    „Das kann doch nicht Euer ernst sein?“ Robert brüllte schon fast. „Wollt Ihr mir ernsthaft erzählen, dass Ihr so dringend Geld braucht? Ich habe Euch doch gesagt, dass Ihr das Geld bekommt und ich halte meine Versprechen immer.“

    „Ich auch. Denkt immer daran.“ Hughs Drohung war viel effektiver als Roberts.

    „Ihr habt mir versprochen, mich wieder dahin zu bringen, wo ich hin gehöre.“

    „Nein, ich habe einen Vertrag mit Euch geschlossen. Das ist was anderes als ein Versprechen. Verträge kann man brechen, Versprechen nicht.“

    „Was redet Ihr da für einen Unsinn?“ Robert klang fassungslos. „Ihr wollt unseren Vertrag brechen? Habt Ihr euch das auch gut überlegt?“

    „Eigentlich habt Ihr den Vertrag gebrochen. Meine Dienste für Euer Gold. Ich habe geliefert, Ihr nicht. Ein ganz eindeutiger Vertragsbruch.“





    „Ich werde Euch schon noch das Geld geben. Ich brauche nur noch mehr Zeit.“

    Hugh sah Robert einen Moment lang an, ehe er antwortet. „Ihr hattet mehr als genug Zeit. Und ganz ehrlich, ich glaube nicht, dass Ihr in nächster Zeit auch nur einen Pfennig habt, um ihn mir zu geben.“

    „Wie kommt Ihr auf den absurden Gedanken?“ Trotz der Worte klang Robert verunsichert.

    „Ich habe da so meine Quellen. Ich weiß, dass Ihr total abgebrannt seid und nicht einer Eurer Gläubiger sich mehr auf Euer Wort verlässt. Ich steige einfach nur aus, ehe Ihr noch mehr Schulden macht. Ihr solltet mir Dankbar sein.“

    „Euch dankbar sein? Ihr seid der größte Verräter, der mir je unter gekommen ist.“ Robert starrte den Assassinen eisig an, doch dieser war sich seiner Überlegenheit wohl bewusst.





    „Seht es wie Ihr wollt, aber ich bin raus. Ich werde mir für Euch nicht mehr die Hände schmutzig machen.“

    „Das werdet Ihr bereuen. Wenn ich wieder an der Macht bin, werde ich Euch finden und dann gnaden Euch die Götter. Ihr werdet qualvoll und elendig verrecken.“ Robert spuckte fast vor Hass.

    Hugh stand nur gelassen auf. „Macht besser keine Versprechen, die Ihr nicht halten könnt. Einen schönen Abend noch, Eure hochverehrte Durchlaucht.“

    „Verschwindet endlich und tretet mir nie wieder unter die Augen“, brüllte Robert Hugh noch hinterher, doch dieser war bereits in die Nacht verschwunden.



    *Fortsetzung folgt*

  • Huhu Zeddie,

    Ich bin auch erstaunt, dass ich wieder Motivation gefunden habe, hier endlich weiter zu machen. Ich habe ja sogar noch Teile fertig auf dem Rechner. Aber meine letzten Beiden Jahre waren aber auch ein wenig turbolent. Jetzt wo es bei mir in geordneten Bahnen alles läuft, hoffe ich, dass ich die Story auch regelmäßig weiter machen werde.

    Aber wie kommst du denn darauf, dass ich meine arme Hauptdarstellerin leiden lasse? Ich bin doch soooo lieb zu ihr. :saint::evil:

  • Mhmmmm, seeehr lieb :P

    Das wär echt toll! Ich war aber selbst verwundert, wie gut ich mich an alles erinnere, ich hab einfach weitergelesen ohne nochmal nachzulesen, was davor geschah :O Muss wohl daran liegen, dass mich die Story so fesselt :)


    (Ich weiß nicht, ob ich das schonmal gesagt hab, aber das Lied "Am schwarzen Hain" von Vogelfrey erinnert mich immer so sehr an deine FS... In meinem Kopf ist das quasi die Titelmelodie :D Kannst ja mal reinhören :) )

  • Danke! Das freut mich total!!! (Ja, in dem Fall sind Satzzeichen Rudelwesen.)
    Ich selbst musste sie mir noch mal durchlesen, weil ich keine Ahnung mehr hatte, was ich alles so geschrieben hatte. Aber ich schreibe sie ja auch, da sollten Logikfehler ja nicht vorkommen. *hust* ^^


    Das Lied kenn ich nicht. Muss ich mal reinhören. Obwohl ich es ja nicht so mit Deutschsprachiger Musik habe. ;)

  • 30



    You're the voice, try and understand it

    Make the noise and make it clear, oh, whoa

    We're not gonna sit in silence

    We're not gonna live with fear

    (John Farnham – You're the Voice)





    Es war getan. Der erste Schritt um ein noch größeres Unglück zu verhindern, als die schlimme Ehe mit dem royalen Mistkerl. Ich konnte wirklich nicht riskieren, dass ich Robert vor seiner Zeit holen muss. Natürlich wusste ich, dass auch Robert irgendwann sterben musste, aber der Zeitpunkt war noch in der Ferne.

    Es tat mir weh, dass sie leiden musste und ich nichts tun konnte, um den ungeliebten Mann aus Annabelles Leben verschwinden zu lassen. Auf jeden Fall nicht endgültig.

    Ich durfte auch nicht riskieren, dass Annabelle herausfand, wer ich wirklich bin. Es war mir klar, dass ich es nicht auf ewig verhindern konnte, dass sie mein Geheimnis herausfand, aber ich musste es so lange versuchen wie es ging.





    Doch zuerst musste ich dafür sorgen, dass der Plan aufging. Ich fing Annabelle auf dem Weg in den Stall ab. Ich wusste ja, dass Robert noch auf dem Weg nach Hause war und wir so ein wenig Zeit hatten. Nicht viel, aber hoffentlich genug.

    „Was machst du hier?“ Annabelle war nicht begeistert mich zu sehen, oder war es doch mehr Angst vorm dem Erwischt werden?

    „Keine Sorge, dein Mann ist noch eine Weile unterwegs.“ Ich versuchte sie zu beruhigen.

    „Woher weißt du das?“ Sie klang misstrauisch.

    „Vertrau mir.“ Ich lächelte sie an. „Setzen wir uns einen Moment, dann hast du den Weg im Blick, sollte er doch früher hier sein, als ich denke.“

    Wir setzten uns auf die Bank vor der Scheune und sofort stellte sich die Vertrautheit zwischen uns ein. Annabelles Anspannung legte sich und auch ich fühlte mich nicht mehr so unruhig.





    „Wie läuft es bei dir? Hast du schon eine Idee, wie du den Hof retten kannst?“ Ich war mehr als neugierig, denn während ich Vorbereitungen getroffen hatte, war sie sicher nicht untätig gewesen.

    „Nicht nur eine, sondern viele. Aber leider ist es nicht so einfach. Ich weiß noch nicht, wie ich es schaffen kann, dass die Gläubiger still halten. Es sind einfach so viele Schulden. Mein Vater hatte schon einen Haufen davon, aber seit Robert hier der Herr ist, sind sie geradezu explodiert. Er war ja noch nie sparsam, aber er wirft das Geld, was wir nicht haben, mit vollen Händen raus. Ich verstehe nicht, wo er das alles lässt, denn hier passiert einfach nichts. Das Stalltor fällt bald auseinander und das Dach ist auch undicht. Aber all das stört den Hausherrn ja nicht. Ich bin ja schuld, dass es kaputt ist, weil ich nicht besser auf die Sachen aufpasse.“ Sie seufzte und ich wollte nach ihrer Hand greifen, aber sie faltete die Hände und ich zog meine zurück.





    „Aber egal. Es spielt keine Rolle, was er mit dem Geld macht. Es würde ja auch nicht nichts nützen, wenn er das Geld für etwas Sinnvolles ausgeben würde. Solange wie er immer mehr Schulden macht, wird es fast unmöglich sein den Hof zu retten.“

    Ich sah sie an und hatte eine Idee. „Es hört sich vielleicht ein wenig abwegig an, aber was ist, wenn du den Hof aufgibst? Ich weiß, dass hört sich schlimm an, aber denk einmal darüber nach...“

    Sie sah mich an und ich wusste, dass ich einen Fehler gemacht hatte. „Bitte, es war nur eine Idee. Sei mir nicht böse, dass ich es vorgeschlagen habe.“





    „Nein, bin ich nicht. Ich habe selber schon daran gedacht. Aber ich kann mein Zuhause nicht aufgeben. Das kann ich einfach nicht. Ich liebe den Hof, die Tiere, den Garten, das Haus. Ohne das alles wäre ich nur noch ein halber Mensch.“ Sie sah mich eindringlich an.

    „Das verstehe ich.“ Ich gab ihr die Bestätigung, die sie brauchte. Auch wenn ich so die mir am Besten erscheinende Idee wieder verwerfen musste.

    „Hm“, machte ich dann. Ich musste ihr ja noch von dem Assassinen erzählen, doch die Worte waren schwer zu finden. Ich durfte jetzt keinen Fehler begehen. „Erinnerst du dich an den Tag, an dem du zum Turm gekommen bist um mich zu sehen?“

    „Ja, aber ich sehe nicht, warum du mich das jetzt gerade fragst.“ Sie sah mich fragend an und ich wurde nervös.

    „Nun ja, ich habe den Mann, den du da getroffen hast, ein wenig im Auge behalten. Schließlich hätte er eine Gefahr für dich sein können und womöglich Robert berichten können...“

    Sie nickte. „Ja. Darüber habe ich mir auch schon Gedanken gemacht. Gut, dass du dich darum gekümmert hast.“





    Mir wurde etwas leichter ums Herz. „Nun ja. Ich musste es einfach tun. Ich konnte ja nicht riskieren, dass du Ärger bekommst.“

    „Den bekomme ich doch immer, aber trotzdem danke für deine Besorgnis.“ Sie lächelte ihr bezauberndes Lächeln, was wie ich inzwischen wusste nur mir gehörte.

    „Es muss ein Ende haben.“ Ich sagte es mit fester Stimme, wohl wissend, dass ich im Moment nicht dazu beitrug.

    „Das wird es! Aber was ist jetzt mit dem Mann aus dem Turm? Du wolltest mir doch etwas über ihn erzählen.“

    „Stimmt, das wollte ich. Also hör zu...“, begann ich, aber dann wurde ich von Schritten unterbrochen. Gerade noch rechtzeitig warnte ich Annabelle vor ihrem Ehemann. Sie zuckte zusammen und tat nur eine Sekunde später so, als wäre sie allein.

    Nur nütze ihr das Nichts. Roberts schlechte Laune war sofort spürbar, kaum das er um die Hausecke gebogen kam. Er ging auf Annabelle zu und baute sich vor ihr auf.

    „Was treibst du hier draußen?“ Brüllte er sie an und sie nahm gleich eine Schutzhaltung ein.





    Aber es nützte nichts. Robert packte sie am Arm. Gab ihr noch nicht einmal Zeit zu antworten. „Du wirst gefälligst nicht hier in der Dunkelheit sitzen und nichts tun.“ Gewaltsam riss er sie von der Bank und sie konnte sich nicht wehren.

    „Ab ins Haus mit dir, du unnützes Stück.“ Wie eine Puppe schüttelte er sie und drängte sie in Richtung Haus. Annabelle stolperte über den Saum ihres Kleides und fiel zu Boden.

    „Du dumme Kuh. Kannst du noch nicht mal gehen oder was.“ Robert fluchte und trat noch einmal nach ihr, während sie noch am Boden lag.

    Hass wallte in mir auf, aber ich wusste, dass ich nicht eingreifen durfte. Ich konnte ihr nicht helfen.





    Das Einzige, was ich tun konnte, war zu gehen. Ich teleportierte mich weg und ließ sie allein. Ich musste es tun, aber es brach mir wieder einmal das Herz.

    Ich landete an einem einsamen Strand. Ich setzte mich in den klammen Sand und starrte auf das aufgewühlte Wasser. Die Brandung rauschte und das Wasser suchte sich seinen Weg über den Strand. Eine lange Weile tat ich nichts, als auf das Wasser zu sehen. Den Rhythmus der Wellen in mich aufzunehmen und meine Gedanken leer werden zu lassen. Ich durfte nicht darüber nachdenken, was ihr noch passieren würde, sonst würde ich verrückt werden.





    Die Nacht schritt voran und ich musste überlegen, was ich tun konnte. Mir war an diesem Abend so klar geworden, dass es so nicht weiter gehen konnte. Ich konnte zwar verhindern, dass Robert starb, aber ich musste dafür sorgen, dass er Annabelle nicht mehr weh tun konnte.

    Langsam formte sich eine Idee in meinem Kopf, aber dafür brauchte ich Hilfe. Ich selber konnte nichts tun, aber ich wusste, wenn ich fragen konnte.

    Ich stand auf und klopfte mir den Sand von der Kleidung. Es war schon sehr spät geworden. Selbst der Mond hatte sich schon so weit hinter den Horizont verzogen, dass er schon gar nicht mehr zu sehen war. Ich überlegte kurz und spielte ein wenig mit der Zeit herum. Nicht viel, nur bis zu dem Zeitpunkt als ich Annabelle verlassen hatte. Es erschien mir genug, dass Hugh inzwischen zu Hause sein müsste.





    Ich irrte mich nicht. Als ich seine Hütte betrat, war er gerade noch beschäftigt. Er hatte wohl selber ein wenig Wut im Bauch, so schnell wie er eine Liegestütz nach der anderen machte.

    „Habe ich heute nicht schon genug für dich getan.“ Selbst um mich vorwurfsvoll an zu schnauzen, hatte er noch genug Luft.

    „Es tut mir leid, aber wie du weißt, habe ich sonst niemanden an den ich mich wenden kann.“

    „Oh, der arme Tod. Keiner will mit ihm spielen.“ Er stieß sich noch einmal vom Boden ab und stand dann auf. Ein paar Schweißperlen glitzerten auf seiner Stirn, sonst sah man ihm die Anstrengung nicht an. Ich war ein wenig beeindruckt und nahm ihm deshalb seinen spöttischen Ton nicht übel. Er hatte ja Recht.





    „Na dann, schieße schon los. Was ist denn passiert, dass du mal wieder meine Hilfe brauchst?“ Verschwunden war der Spott von davor, verdrängt von Professionalität. Es wunderte mich ein wenig, wie schnell er bereit war mir Unterstützung anzubieten angesichts seines Berufes.

    Schnell erklärte ich ihm, was noch an dem Abend vorgefallen war. Ich verschwieg allerdings, dass ich ein wenig mit der Zeit gespielt hatte. Es war zwar nichts Schlimmes, aber ich wollte nicht noch mehr aufzeigen, wie anders ich war.

    „Ich habe ja Respekt vor dir, dass du dich so zurückhalten kannst, wenn es um deine Freundin geht. Ich könnte nicht einfach so dabeistehen, wenn ich an deiner Stelle wäre.“

    „Ich habe keine andere Wahl. Ich kann nicht eingreifen, weil es ihr dann noch mehr schaden würde. Das habe ich dir doch erklärt.“

    Er nickte. „Ja, ich habe es auch verstanden. Aber ganz ehrlich, mir wären alle Konsequenzen egal, wenn ich damit die Frau, die ich liebe, schützen kann.“





    „Dann bist du ein mutigerer Mann als ich.“

    Hugh lachte kurz auf und setze sich dann aufs Bett. Da er mich immer noch nicht sehen konnte, wusste er nicht immer in welche Richtung er schauen musste, wenn er mit mir sprach.

    „Also, du willst solche Übergriffe verhindern und doch dafür sorgen, dass Schweinepriester Robert überlebt.“

    Ich nickte. „Genauso habe ich es mir vorgestellt.“

    „Und ich soll mir jetzt eine Lösung ausdenken?“

    „Du hast mehr Erfahrung als ich in der Materie. Ich meine mit Menschen an sich. Ich existiere zwar schon sehr lange, aber ich kenne mich nur mit dem Tod aus und nicht mit dem Leben. In letzter Zeit habe ich mehr über sie gelernt als in den Jahrhunderten davor, aber ich weiß immer noch nicht genug über das tägliche Leben.“

    „Ich verstehe.“ Hugh gähnte und schnalzte dann mit der Zunge. „Ich werde versuchen mir etwas auszudenken. Versprechen kann ich nichts, aber denke darüber nach. Aber jetzt brauche ich erst einmal Schlaf.“





    Ich erkannte den Rauswurf und ließ den Assassinen alleine. Ich kehrte zum Turm zurück, weil ich mir dachte, dass Annabelle mich dort zuerst suchen würde. Ich hoffte, das mit ihr alles in Ordnung war und Robert die Grenzen nicht zu weit überschritten hatte.

    Es war ein langer Tag, denn ich traute mich nicht zu ihr zu gehen. Aus reiner Angst, dass Robert uns erwischen würde. Um nichts in der Welt wollte ich noch mehr Leid in ihrem Leben verursachen.

    Ich stand die ganze Zeit oben an den Zinnen und beobachtete den Weg. Mit jeder Minute, die verstrich, wurde ich nervöser. Mit jeder Stunde, die der Tag voranschritt, verschwand die Hoffnung immer mehr.

    Mit der Zeit fing ich an nervös auf und ab zu gehen, immer ein Auge auf den Streifen Stein zwischen dem Grün.





    Und als sie endlich den Weg entlang schritt, rannte ich ihr fast entgegen. Ich fasste sie zur Begrüßung nur leicht um die Hüften, vor Angst, dass ich ihr weh tun würde wenn ich sie zu fest umarmte. Sie spürte mein Zögern und lächelte ein schiefes Grinsen. „Es ist nicht so schlimm gewesen. Nachdem du gegangen bist, war es auch schon vorbei.“

    Kein Vorwurf, keine Beschwerde. „Ich musste gehen. Ich konnte es nicht mit ansehen. Es tut mir Leid.“

    Sie nickte. „Ich weiß. Ich kann nicht lange bleiben, ich wollte dich nur wissen lassen, dass ich in Ordnung bin.“

    „Danke!“ Ich war ihr wirklich Dankbar.

    „Und natürlich treibt mich die Neugier her. Du wolltest mir gestern doch noch was über den Mann erzählen, der hier war. Er ist doch jetzt nicht hier oder?“

    „Nein, ist er nicht. Wir sind allein.“





    Sie sah mich erwartungsvoll an und ich schluckte. „Dieser Mann heißt Hugh und er hat einen speziellen Beruf. Er ist ein bezahlter Mörder.“

    Stille.

    „Ich weiß, wie sich das anhört, aber ich bin mir sicher, dass er uns helfen kann.“

    Annabelle starrte mich an, als hätte ich plötzlich zwei Köpfe und ich konnte ihre entsetzen Gedanken fast hören, so sehr spiegelten sie sich in ihrem Gesicht wider. Doch dann verhärtete sich ihr Blick und ein Feuer begann in ihren Augen zu lodern.



    *Fortsetzung folgt*



    Aber ich habe noch ein kleines Beruhigungsbildchen für Euch:



  • Das war der Plan hinter dem Bild. Ich musste vorhin auch kräftig lachen, als ich das gesehen habe. Ich hatte diesen Teil ja schon vor der Pause fertig und hab mich nicht mehr daran erinnert, dass ich das Bild gemacht hatte. :D


    Naja, Robert darf ja nicht vor seiner Zeit sterben, sonst gibt es ganz üble Konsequenzen für Lucien bis hin zur Auslöschung, weil es ja indirekt auf seinem Mist gewachsen ist. Er darf sich halt nicht in den Lauf des Lebens einmischen. Das ist die oberste Regel für den Tod. ;)

    Und was den Plan angeht... davon mehr in der nächsten Folge. 8)

  • Naja, wenn es nur um Roberts Ableben ginge, würde er wohl auch in Erwähgung ziehen Robert um die Ecke zu bringen. Aber Annabelle würde ja alles verlieren, wenn Robert nicht mehr ist. Sie würde den Hof verlieren, vielleicht sogar wegen Steuerschulden im Gefängnis landen oder einfach nur der Straße als leichtes Mädchen. Und dann kann Lucien ja nicht zulassen. ;)