Forumspiel "Liebesgeschichte": Aufgaben

  • Liebes Tagebuch!


    Heute war ein schräger und verrückter Tag.
    Eigentlich war ich ja mit Nina verabredet. Wir wollten gemeinsam schick essen gehen.
    So bummelten wir mit Händchenhalten, wie zwei Teenagerfreundinnen, durch die Stadt.
    Ich habe keine Ahnung, ob uns manchmal ein paar Idioten komisch angeglotzt haben, aber Nina ist für mich eine Schwester.
    Ihr kann ich sogar in der kurzen Zeit, in der wir uns kennen, alles anvertrauen.



    Als wir dann vor dem Restaurant ankommen, fällt Nina sofort einen Typen um den Hals und kreischte: „Toni! Du hier? Ich hab dich ja schon ewig nicht mehr gesehen!“
    ’Toni’ hatte einen Freund dabei, denn ich sofort erkannte.

    Es war dieser leckere Mann im Anzug von Dianas Verlobungsparty – auch bekannt unter Preston.
    Während der Typ mit der Mütze Nina Sachen ins Ohr hauchte, die wahrscheinlich etwas ungezogen waren, machte Preston mir ein Kompliment, wie toll ich doch aussehe.
    Und nur eine Sekunde später meinte Nina: „Ich geh dann mal mit Toni weg… Wir haben uns schon so lange nicht gesehen. Mach doch was mit Preston?“
    Als ob sie nicht wüsste, dass ich ihn heiß finde! So ließ sie mich mit ihm alleine und marschierte einfach mit diesem Toni weg.



    Ich fühlte mich leicht hintergangen. „Na dann Schönheit! Wir wär’s mit einem Dinner?“, fragt er betont locker.
    „Ein Macho also...“, dachte ich sofort und meine Laune sank.
    Etwas widerwillig und noch immer sauer auf Nina nickte ich.
    Drinnen im Restaurant, wurden wir sofort zu einem hübschen 2er-Tisch geführt.
    Ich fragte mich sofort, warum so ein wundervoller Tisch noch nicht besetzt oder reserviert war, denn das Restaurant sehr voll.



    Ich starrte auf die Speisekarte. Da kannte ich ja gar nichts!
    Schließlich entschloss ich mich für einen schlichten Salat.
    Das Dressing war mir auch suspekt, aber wenigstens verstand ich die Hälfte von diesen französischen Worten.
    Preston nahm keine Karte. Er war wohl öfter hier als ich.
    Als die Kellnerin kam bestellte er zuerst. „Einmal die angebraten Shrimps à la Limette für mich….“ Ich öffnete bereits denn Mund, doch Preston unterbrach mich: „Und für die hübsche Dame das Gleiche.“
    Die Kellnerin nickte und verschwand.



    Etwas wütend legte ich die Speisekarte auf den Tisch. „Woher nehmen Sie sich die Freiheit für fremde Menschen zu bestellen?“, sagte ich mit leicht zickigen Unterton.
    „Es heißt ‚Woher nimmst du die Freiheit für fremde Menschen zu bestellen? ...“
    Ich zog die Augenbrauen hoch, worauf Preston sagte: „Vertrau mir… Ich weiß was gut ist!“ Eigentlich erinnerte ich mich nicht, dass ich ihm ‚du’ angeboten hatte…
    Ich war etwas nervös, als die Kellnerin mit dem Tablett ankam. Ich hatte noch nie Shrimps gegessen und konnte mir nicht vorstellen dazu noch eine Limette runter zu würgen.
    Doch nach den ersten zaghaften Bissen, war ich mehr als begeistert.
    „Das ist ja unglaublich!“, sagte ich und schloss kurz die Augen. Dann schenkte ich Preston das netteste und freundlichste Lächeln, das ich schaffe.
    „Ich sagte doch, ich weiß was gut ist…“, antwortete er und ließ wieder den Macho raushängen. Aber das war mir jetzt egal.



    Während des Essens redeten wir über Gott und die Welt.
    Ich mag seine Art zu Erzählen. Er ist so unheimlich witzig und charmant.
    Und als er dann noch das leckerste, weiße Schokomousse bestellte, dass ich jemals gegessen hatte, spielte ich mit den Gedanken, ihm einen spontanen Heiratsantrag zu machen. Der Abend war einfach wundervoll!
    Als ich denn letzte Portion meines Mousses verschlang, legte mir Preston eine Augenbinde um.
    Überrascht fragte ich: „Was soll das denn werden?“ Ich erhielt keine Antwort, sondern wurde nach draußen geführt. Ich bekam mit, dass ich in einen Aufzug geschleift wurde, aber ansonsten war ich blind wie ein Maulwurf.
    Dann nahm Preston mir die Augenbinde ab und drückte mir ein Champagnerglas in die Hand. „Willkommen auf Preston’s eigener kleiner Oase!“
    Ich staunte nicht schlecht. Der dunkle, sternenübersehten Himmel, der Whirlpool umringt von Pflanzen, Steinen und einen kleinen Springbrunnen und dann noch diese Aussicht über die Stadt.



    „Wo… Wo sind wir?“, stottere ich und blicke Preston mit großen Augen an.
    „Auf den Dach meines Apartments…“, erwiderte er stolz. „Wie wär’s mit dem Whirlpool?“
    Ich schüttelte lachend den Kopf. „Wie denn? Ich hab meinen Bikini nicht mit!“
    Plötzlich zog er meinen blauen Zweiteiler hinter seinen Rücken hervor.
    „Woher hast du den her?“, fragte ich und bekam ein wenig Angst. War er in mein Haus eingebrochen?
    Doch Preston grinste nur. „Von Nina…“
    Jetzt wurde mir alles klar. „Das war alles geplant!“, rief ich empört.
    Preston nickte und meinte: „Wenn du genaueres wissen willst, dann musst du wohl in den Whirlpool kommen…“ Er grinste verschmilzt.



    Ich schmollte, entschloss mich dann aber doch, in das blubbernde Wasser zu kommen.
    Es war irgendwie peinlich sich hinter Steinen umzuziehen, aber da Preston mir hoch und heilig versprochen hat, nicht zu spannen, habe ich es doch geschafft mich in den Bikini zu zwängen.
    „Na dann erzähl man…“, meinte ich noch etwas sauer, als ich im Pool saß.
    Preston legte seinen Arm um meine Schulter. „Naja… Als ich dich bei dieser Verlobungsparty gesehen habe, konnte ich dich nicht mehr aus meinen Kopf kriegen.
    Dann hab ich Diana nach deiner Nummer gefragt. Die kannte aber nur Ninas… So hab ich eben Nina angerufen und wir Beide haben ein romantisches Date geplant…“
    „Warum hast du Nina nicht einfach nach meiner Nummer gefragt?“, hake ich nach.
    Preston schenkte mir ein Lächeln. „Nun ja… So ist es doch viel spannender…“
    Ich musste ebenfalls lachen und mein letzter Ärger verschwand im nu.
    Wir tranken noch ein paar Gläser Champagner und unterhielten uns angeregt.
    Und dann geschah es. Kurz bevor ich ging.
    Ich war aus dem Pool ausgestiegen und wollte bereits mein Kleid anziehen.



    Wir schauten uns kurz in die Augen. Und dann zog Preston mich nah an sich und wir küssten uns. Es war der schönste Kuss meines Lebens.
    Ich wünschte, er würde nie enden.
    Ich kann es nicht erwarten ihn wieder zu sehen.
    Ich bin verliebt.

    Bis Morgen… Deine Paulina


  • Aufgabe 4



    "Klingel! KLINGEL ENDLICH!!!" Ich stand vor meinem Telefon und schrie es an. Mit jedem zusätzlichen Schrei, stieg meine Wut noch etwas mehr in mir hoch.
    "Ich rufe dich sehr bald an." Blablabla. Von wegen. Fast eine Woche war unser Date her. Unser Date, unsere Küsse, unsere klopfenden Herzen. Und seitdem herrscht absolute Funkstille.
    Ich warf dem Telefon einen missmutigen Blick zu und nahm es in die Hand. Es war Zeit Ben anzurufen. Es war sogar höchste Zeit.



    Er war natürlich binnen Minuten an Ort und Stelle und vollkommen meiner Meinung.
    "So ein Schuft. Dich nach so einem Abend so hängenzulassen. Typisch hetero. Homosexualität ist das Stichwort meine Liebe."
    "Nee lass mal. Ich versteh es nur einfach nicht. Alles war so... perfekt. Wie ein Band das uns zusammengehalten hat. Und jetzt so eine Katastrophe. Was soll das? Ich habe Gefühle und er misshandelt sie regelrecht."
    Ben sah mich seufzend an.
    "Kind, ich glaube du musst auf eine ordentliche Party. Und zwar noch heute abend. Ich hole dich um halb zehn ab und dann machen wir einen drauf, alles klar?"
    Party? Danach war mir ja mal gar nicht zumute. Ich schwieg einen Moment. Dann fügte ich mich und nickte. Ablenkung ist alles.



    Ben nahm mich in einen sehr angesagten Club mit. Ich fühlte mich wohl und ließ meinen Blick umherschweifen.
    "Bevor wir hier irgendetwas anstellen muss ich kurz für kleine Prinzen Schätzchen. Gleich wieder da."
    Und schon stand ich alleine auf weiter Flur. Ich entdeckte die Bar und nahm Platz. Neben mir saß ein dunkelhaariger Mann und lächelte mich an.
    "Hi. Ganz alleine hier?"
    "Nein, mein Freund ist gerade auf der Toilette."
    "Ah, dein Freund." Der Mann wendete sich wieder von mir ab.
    "Ja, also er ist schwul." Sofort hatte ich seine Aufmerksamkeit wieder ganz alleine. Er hieß Timo, war 29 und kam aus meiner Stadt. Netter Kerl. Wer zum Geier war nochmal Dean? Aus dem Augenwinkel sah ich, dass Ben mittlerweile aus der Toilette gekommen war und mir vorwurfsvolle Blicke zuwarf, die ich mit einem fragenden beantwortete.



    Daraufhin kam er auf uns zu und zog mich von meinem Stuhl.
    "Was tust du denn da? Gerade hat dir so einer das Herz gebrochen und du hast nichts anderes zu tun als dir den nächsten zu angeln?"
    "Ist doch nur so zum Spaß. Man darf sich ja wohl mal unterhalten."
    "Dass ich nicht lache. Du gefällst ihm und das ist ja wohl offensichtlich. Bitte beschwer dich nicht bei mir über Dean, wenn du dir zur "Ablenkung" direkt den nächsten an Land ziehen willst. Wenn dieser, zugegeben gutaussehende, Herr genau dasselbe mit dir anstellt, dann werde ich dich nicht mehr zur Ablenkung in einen Club schleifen. Ich wollte hier mit dir tanzen und was trinken meine Liebe."
    Das saß. Er hatte ja recht. Er nahm mich zum Tanzen mit um mich abzulenken und ich hatte nichts Besseres zu tun als mit dem Erstbesten rumzuflirten.



    Ich ging zu Timo, der uns schon die ganze Zeit beobachtet hatte, und warf ihm ein entschuldigendes Lächeln zu.
    "Also naja, ich will die Karten mal auf den Tisch legen. Ich habe kein Interesse an dir oder an irgendwas mit dir. Ich wollte mich einfach nur unterhalten und hatte nichts vor, was darüber hinausgeht. Und jetzt muss ich zurück zu Ben, denn er ist heute mit mir verabredet."
    Timo grinste mich an.
    "Nun, ich habe auch kein Interesse an dir, Süße. Ich hab eine Freundin die hier kellnert und ich wollte mich ebenfalls nur unterhalten."
    Lachend drehte er sich um und zog von dannen. Sind denn alle Männer komplette Vollidioten? Erst mit mir flirten und dann so eine Show abziehen.



    Ben hatte alles mit angehört und nahm kopfschüttelnd meine Hand.
    "Vergiss die Männer." Dann zeigte er auf die Tanzfläche, die gut besetzt war und ich nickte. Gerade lief meine Lieblingsmusikrichtung und ich tanzte mir die Seele aus dem Leib. Wofür brauchte Frau Männer? Schwule Männer sind das einzig Ertragbare. Ich grinste Ben an, dankbar für alles was er für mich machte. Er grinste zurück und verstand was ich ihm sagen wollte.
    Der Abend wurde noch sehr lang und sehr feuchtfröhlich.



    Als es hell wurde, stöckelte ich in meine Wohnung. Ich war ziemlich beschwipst. Ich riss mir die Schuhe von den Füßen und massierte diese kurz. Dabei fiel mein Blick wieder auf das stumme Telefon. Ich stellte mich davor.
    "Du blödes Ding brauchst gar nicht mehr zu klingeln. Ich pfeif auf dich und die ganzen Männer. Wenn Dean anruft, sag ihm, er brauch sich gar nicht mehr bei mir zu melden. Und jetzt hau ab! Verschwinde doch!"
    Ich machte eine Handbewegung die dem Telefon signalisieren sollte, dass es verschwinden soll. Als ich bemerkte was ich da machte, ließ ich meine Arme wieder sinken.
    Ich hatte ein Telefon angeschrien, es solle abhauen. Wieviel hatte ich eigentlich getrunken?


    EDIT: Ich seh grad, dass in 2 Bilder ein Stück von der Sprechblase reingerutscht ist. Sorry.

  • So, hier meine 2. Aufgabe:


    Liebes Tagebuch!


    Nun sitze ich hier in dieser gottverdammten Gegend am Ende der Welt, in sengender Hitze und der Schweiß rinnt mir den Nacken hinunter und versickert in meinem hochgeschlossenem Kragen. Trotz der herrschenden Temperaturen saß ich heute 8 Stunden in einem tiefgekühlten Konferenzraum, umgeben von immer lächelnden Japanern. Obwohl ich der Sprache mächtig bin und einen Dolmetscher zur Verfügung hatte, hörte sich sämtliches Geplapper nach geraumer Zeit nur noch nach einer ewig quakenden Entenschar an.


    Vor einer Woche hatte dieser Alptraum seinen Lauf genommen.
    Nach meiner Beförderung hatte sich mein ranghöchster Vorgesetzter eines Tages mit einem rhythmischen Hüftschwung, der seine Bandscheibengevorfällten Wirbel Lambada tanzen lies auf meine Schreibtischecke geschwungen, bedeutungsschwanger meine Personalakte in der Hand wedelnd. „Säääändi Schätzchen“ kam es kaugummikauend unter seinem überdimensionalen Matlock-Schnurrbart hervor – wären wir in Amiland würde er Südstaatenslang sprechen. „Du alter Glückskeks!“ „Wie bitte?!“ erwiderte ich. „Sändi Schätzen“ war ja noch im Rahmen, aber Alter Glückskeks wurde dann langsam doch etwas suspekt. Er schmunzelte: „Naja, ich hab gesehen du sprichst Japanisch. Wir brauchen jemanden der kompetent ist und sich nächste Woche um unserer Japanischen Gäste kümmert. Führ' sie durch die Konferenz, die auf dem Messegelände außerhalb stattfindet, zeig ihnen die Stadt, geh mit ihnen Essen, leier ihnen nen Transrapid aus den Rippen – du weist was du zutun hast. Du die nötigen Softskills!!“ (je erwähnt daß er Anglizismen liebt? Nie? Wirklich?!)



    Nachdem sich meine Augen von Eulengröße wieder auf ihr Normalmaß begeben hatten erläuterte er mir noch weitere Details. Ich sollte eben 4 Tage für unsere Gäste der Polizei der Partnerstadt Tazzumi den Clown spielen. Helfen würde mir dabei ein neuer Mitarbeiter aus der Ballistikabteilung, den ich bis dahin noch nicht kannte.


    Natürlich verging die Woche wie im Flug, und jetzt sitze ich hier. 2 verdammte Tage liegen hinter mir, 2 verdammte Tage liegen vor mir. Am ***** der Welt, bzw. besser gesagt der Stadt in einer Betonwüste von momentan leeren Messegelände und jeden Tag in einem Tweed Kostüm, das good old Margy [Margarete Thatcher, A.d.Red.] alle Ehre gemacht hätte, da Tätowierungen in dem Land der aufgehenden Sonne immer noch verpönt sind. Trotz allem coolen exportierten J-Rock, in Badeanstalten existieren immer noch die netten „Betrunkene und tätowierte dürfen nicht hinein“-Schilder. Und in manchen Köpfen der offiziellen Organe auch.


    Mein Kollege – er heißt Ranjid und ist indischer Abstammung – und ich hatten es heute geschafft uns einen freien Mittag ohne japanische Gäste zu verschaffen. Diese waren mit unserem Chef und dem Polizeipräsidenten zum Essen aufgebrochen. Um zurück in die Stadt zu fahren war die Zeit zu knapp, deshalb verbrachten wir den Nachmittag auf der Terrasse eines Kaffees auf dem Messegelände.



    Ich lehnte mich in meinem Stuhl zurück, ließ die wehen Füße aus den Slingpumps gleiten und beobachtete Ranjid, der an der Theke Nachschub an kalten Getränken holte ....

    und ließ meinen Gedanken freien Lauf: „Hm... irgendwie hat er fast Ähnlichkeit mit Hrithik Roshan, diesem heißen Bollywood Schauspieler... zumindest dieser Hintern. Ja, der hat was. Und auch das Gesicht mit diesen feinen Zügen und den seidigen braunen Haaren... definitiv ziemlich hübsch und ziemlich sexy, dieser Mann. .... Ob er wohl genauso heiße Tanzszenen hinlegen könnte wie Roshan? Muskulös und sportlich genug wäre er ja.“ Ich begann zu schmunzeln, als ich mir Ranjid, der inzwischen zu unserem Tisch zurück gekehrt war, tanzend und singend in einer typischen Bollywoodkulisse vorstellte. „.... obwohl, ich könnte mir noch ganz andere Szenen mit den Attributen „muskulös und heiß“ vorstellen....“


    „Sandy?“ fragte er und stellte die Coladosen ab. „Hmmmm, ja?“ „Von was genau sprichst du da?“
    NEIIIIINNNN!!!
    Verdammt!!! Ich hatte den letzten Satz tatsächlich laut ausgesprochen! Oh Gott oh Gott oh Gott! Wie peinlich! „äh, ja, ich meine.... ich dachte gerade über Bollywoodfilme nach. Und darüber dass es heute schon sehr heiß ist. Ja, genau. Bollywood und heiß. Davon, äh, spreche ich. Oh! Ja, du hast Cola mitgebracht, gut. Ist ja auch so heiß heute, nicht wahr?“ spann ich hektisch meine Geschichte zusammen. Zum Glück schien es funktioniert zu haben, das Gespräch blieb für den Rest der Pause beim Thema Bollywood und verlief wieder in normalen Bahnen, die nicht von heißen, verschwitzten Fantasien meinerseits gestört wurden.


    Auf dem Rückweg zu unseren bereits wartenden japanischen Freunden hielt Ranjid plötzlich kurz vor der Glastür des Konferenzraums an und drehte sich zu mir um und sah mir mit diesen unheimlich attraktiven braunen Samtaugen direkt in die Augen „Sag mal, um nochmal auf dein „heiß“ von vorhin zurückzukommen,“ - mir schoss das Blut in den Kopf - „Was hältst du davon wenn wir heute Abend, wenn es etwas abgekühlt hat zusammen essen gehen?“

    Er schien mein darauf folgendes „äääh“ als ja zu werten, erwiderte „Ok, wunderbar!“ und betrat den Konferenzraum.
    Muss ich erwähnen, dass die Konzentration für diesen Nachmittag dahin war?



  • Liebes Tagebuch!
    Als ich nach dem Meeting Zu hause ankam verfiel ich selbstverständlich NICHT in das gleiche wahnsinnige Potzedere das jede Frau vor einem Date abzieht.
    Ich übertraf es noch! Während der Fahrt nach Hause war ich zu dem Entschluss gekommen daß Ranjid eigentlich mein absoluter Traummann ist und ich heute Abend einfach unglaublich umwerfend aussehen musste. So umwerfend, daß meine glorreiche Erscheinung den ganzen Mist verzeihen würde, den ich mit beängstigender Sicherheit jedes mal von mir gebe, wenn mich jemand derart fasziniert.


    Ich zog nicht nur meine Haushälterin und beste Freundin Katharina zu Rate, die Gott sei Dank gerade noch am putzen – Verzeihung, im Begriff Parkettkosmetische Maßnahmen zu ergreifen – war, sondern auch meine Katze Skrolla. Katharina entpuppte sich als eine Art lebendiges Compendium aus Glamour und Cosmopolitan und war der Ansicht mein Outfit müsste ausstrahlen daß ich interessiert und paarungsbereit war, aber gleichzeitig mein anziehendes Desinteresse und meine stählerne Weiblichkeit im inneren repräsentieren. Auch sollte ich zeigen daß ich unter der Tweed-Uniform der letzten Tage einen Körper besaß mit dem man sämtliche Spielarten des Kamasutras durchhecheln konnte, allerdings sollte es weder zu nuttig noch zu dominant wirken.


    Die Mieze war der Ansicht, das wäre alles Quatsch und ich sollte nur mit ihr kuscheln.
    Hm – auch ne Möglichkeit!
    Allerdings bringt mich das wieder dem Katzenladyschicksal von den Simpsons näher.... lieber doch nicht.


    Ich lege etwas mehr Augenmakeup und ein kräftigeres Lippgloss auf und entschloss mich dazu meine Haare offen zu tragen. Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr so genau warum überhaupt – ich glaube aber Katharina hatte auch dafür eine Theorie.


    Um dreiviertel Neun stand Ranjid vor meiner Tür – in einem umwerfenden hellbeigen Leinenanzug der seinen dunklen Teint sehr schmeichelte – genauso wie der ebenso umwerfende beige Lexus SUV, in dem er vorgefahren war. Ich konnte vor Begeisterung kaum noch stehen.


    Kurze Zeit später trafen wir in dem Restaurant ein, das er ausgesucht hatte. Es war perfekt! Das Bonsai&Botanik war nicht nur eines der exklusivsten sondern auch definitiv eines der romantischsten Restaurants der ganzen Stadt. Die Atmosphäre die das sanfte Plätschern der Wasserlandschaft, die leise zwischternden Vögel in den Baumkronen, der Geruch der frischen Blumen und die gedämpfte Kerzenbeleuchtung schufen war einfach sensationell. Mir ging das Herz auf als Ranjid zielstrebig auf den hinteren Teil des Restaurants zuging, in dem hinter dem Teich die abgelegenen Zweiertische standen.


    Ich folgte ihm völlig trunken vor Glück darüber nach diesen elenden einsamen Monaten so einen tollen Mann kennengelernt zu haben, der sich offensichtlich auch sehr für mich erwärmen konnte, immerhin führte er mich in dieses Restaurant – bis wir um die Ecke bogen und plötzlich vor einem Tisch für 8 Personen standen.


    An diesem Tisch saßen bereits mehrere Gäste. Auf den ersten Blick war zu sehen daß es sich ebenfalls um Inder handelte, auf den zweiten Blick hätte ich das festgestellt was Ranjid mir vorwegnahm. „Mama!“ rief er und umarmte eine äußerst hübsche Frau Mitte 50 in einem lila gemusterten Sari. „Sieh mal, ich habe jemanden mitgebracht!“ Er wandte sich strahlend zu mir um „Wir essen hier jeden Mittwoch, ich dachte du magst das Restaurant!“ Und schon war ich vorgestellt und kurzerhand und zwischen seine Teenagercousine und seine jüngere Schwester gequetscht worden.


    Ich weiß ja daß ich zu enthusiastisch war und mich zu schnell in dieses Abendessen reingesteigert hatte – aber musste man mich wirklich mit dem Vorschlaghammer aufwecken??!! Ein romantisches Abendessen, ausgehend von Flirts mit deutlichen Anspielungen – und ich finde mich in einem wöchentlichen Familientreffen wieder? Wollte der Mann mich vergraulen? War ich ihm zu schrecklich und zu aufdringlich gewesen? War das seine Art mir zu sagen „du wirst sowieso nie hier reinpassen“?
    Mein sämtliches Selbstbewusstsein, die coole Sandy die Verbrecher jagt und atemberaubende Highheels trägt war wie weggeblasen. Ich sah mich langsam um. Jede der Frauen war in einen Sari oder ein ähnliches Gewand aus wundervollen Stoffen gehüllt die die weiche, dunkle Haut sanft umspielten, lange, seidige schwarze Haare und genau solche Wimpern, die die im Kerzenschein samtig dunkelbraun schimmernden Augen umrahmten. Mir jedem Augenblick fühlte ich mich mehr unzulänglich. Die Haut zu hell, die Tätowierungen zu viel, zu bunt, das Kleid zu kurz, zu modern, das Makeup zu geschmacklos und überhaupt definitiv zu westlich.


    Und das war nicht nur meine Ansicht, sie wurde offensichtlich vom Großteil der Familie geteilt. Ich wurde den ganzen Abend lang so gut wie möglich ignoriert, während Ranjid permanent von seiner Großmutter in ein Gespräch verwickelt wurde in dem es entweder darum ging daß er immer noch nicht standesgemäß verheiratet war oder daß diverse Töchter befreundeter Familien jetzt doch mit 18 langsam ins heiratsfähige Alter kommen würden. Ich befand mich in einem lebenden Alptraum, an dem auch das wundervolle indische Essen nichts ändern konnte.


    Selbst Ranjid schien bemerkt zu haben daß ich mich äußerst unwohl fühlte, weshalb wir uns von der Runde sobald es die Höflichkeit erlaubte mit den üblichen Ausflüchten „wir müssen morgen früh raus, die Arbeit....“ verabschiedeten. Doch die Stimmung zwischen uns blieb auf dem Tiefpunkt. Ich war bei seiner Familie mit Pauken und Trompeten durchgefallen, er hatte unser Date versaut, es war einfach alles katastrophal gelaufen. Ich verbrachte die Fahrt nach Hause damit aus dem Fenster zu sehen um ihn nicht ansehen zu müssen, während wir uns gegenseitig anschwiegen.


    Vor meinem Haus angekommen wollte ich mich so schnell wie möglich verabschieden um mich in meinen eigenen vier Wänden ausgiebig selbst zu bemitleiden (oder auch Wahlweise den Kopf an die Wand zu schlagen), doch Ranjid lies mich nicht so schnell davonkommen.
    „Hey, also... mh...“ Er seufzte laut. „Also, die Idee war wohl doch nicht so das Wahre, oder?“
    Ach nein, da war aber jemand ganz fix! Langsam doch ziemlich genervt gab ich zurück:
    „Nein Ranjid, war es nicht. Ich dachte wir verbringen einen netten Abend miteinander. Um ehrlich zu sein habe ich das sogar für ein Date gehalten. Aber du führst mich – obwohl ich noch nicht mal DICH richtig kenne – deiner versammelten Familie vor, die mich behandelt wie ein störendes Insekt. Wenn du mir zeigen wolltest daß ich es mit den perfekten Frauen in deiner Familie nicht einmal annähernd aufnehmen kann und ich in deiner Nähe absolut unerwünscht bin – das hast du geschafft! Vielen Dank auch! Wenn du das nächste Mal nicht interessiert bist sag es der Frau einfach, aber erspar ihr diese Peinlichkeit. Es gibt angenehmeres als sich den ganzen Abend wie ein dressierter Truthahn kurz vor dem tranchieren zu fühlen!“


    „Das denkst du? Sandy, ich bitte dich! Ich wollte dich nicht brüskieren, wirklich, das ist das letzte was ich wollte. Ich weiß auch nicht was in mich gefahren ist, oder, in sie. Ich hätte nie gedacht daß sie dir gegenüber so kalt sein würden. Und falls du dich meiner Familie gegenüber unzulänglich fühlst tut mir das Leid, aber glaub mir: Für mich bist du alles andere als unzulänglich. Für mich bist du perfekt.“


    Als hätte das alleine nicht schon gereicht um mich schweben zu lassen, zog er mich sanft an sich und küsste mich.
    Und dann schwebte ich wirklich.

  • Aufgabe 4



    Liebes Tagebuch,


    viereckig, schwarz und ich schleppe das olle Ding die ganze Zeit mit mir herum. Warum erlöst er mich nicht? Er hat gefragt , ob er mich noch mal anrufen dürfte... warum verdammt noch mal meldet er sich dann nicht? Das Telefon mein ständiger Begleiter. Ich trag es mit mir rum, damit ich so schnell wie möglich abheben kann. Ich hab sogar versucht den Auflauf nachzukochen.



    War ja klar, dass das schief ging. Ich dachte, ich bin ihm dann ein bisschen näher. Die letzten Tage waren die Hölle für mich. Dieses Warten macht mich fertig. Was denkt er sich dabei?


    Mein Finger ist wieder voll in Ordnung. Heute in der Probe habe ich sogar das einfachste Klaviersolo vergeigt. Nicht genug, dass mich der Dirigent vor allen anderen zusammengefaltet hat, nein noch schlimmer, ich durfte nach der Probe auch noch in seinem Büro antanzen.



    War ja klar, dass ich da den Rest kriegte. „Frau Riefenstein, was glauben Sie, vor was für einem Publikum Sie spielen werden? Das ist kein Kaffeekränzchen oder Kindergeburtstag. Gestern hab ich ja ein Auge zugedrückt, aber heute war das echt der Gipfel. Disziplin gleich null und die Konzentration reichte grad mal für den Ascheimer. Ich erwarte, dass Sie schnellstens zur Bestform auflaufen, sonst sind Sie schneller wieder an einem kleinen Theater, als Sie Piep sagen können. Ich hoffe, wir haben uns verstanden!“


    Und ob ich das verstanden habe. Anabelle hat mich im Flur in Empfang genommen und gut zugeredet. Ich sah in ihrem Gesicht, dass sie keine Ahnung hatte, wie sie mich wieder auf die Füße bekommen könnte.
    Ahhhh, was macht der Kerl aus mir... ein nervliches nicht mehr Klavier spielen könnendes Wrack. Ich starre jetzt schon wieder auf das olle Telefon. Der meldet sich doch nicht mehr und ich ende als Kneipenpianistin. Mein großer Traum, ich bin kurz davor ihn platzen zu lassen. Aus vorbei ... ich MUSS wieder einen klaren Kopf bekommen ...der will Bestform morgen ... ab ans Klavier...



    ... Mozart dreht immer noch Achterbahn in seinem Grab. Wie soll ich die Probe morgen überleben mit IHM im Kopf? Da ist kein Winkel mehr für etwas anderes. Dieses Lachen ... ich bekomme es nicht aus meinem Kopf. Ich muss es loswerden aber wie? Scheibenkleister, ich will es nicht loswerden ... ich will das er anruft!



    War ich ihm zu langweilig? Hab ich was Falsches gesagt? Hab ich mich zu dumm angestellt?



    Was, wenn ihm auf dem Heimweg doch etwas passiert ist? Ich hätte ihn doch fahren sollen. Mein Gott, vielleicht liegt er seit Tagen im Krankenhaus und ich sitze hier doof rum. Vielleicht sogar im Koma. Oder er hat beide Arme in Gips und überhaupt keine Chance an ein Telefon zu kommen. Und ich sitze hier jaulend zu Hause...


    Clarissa reiß dich zusammen, es bringt dir nichts und es bringt ihm nichts, wenn du einen Nervenzusammenbruch bekommst. Krankenhäuser anrufen...



    ... jetzt hab ich mit meinem Handy alle Krankenhäuser angerufen. Er ist in keinem. Mein Festnetztelefon rührt sich immer noch nicht. Was wenn er tot ist? STOP, jetzt gehe ich zu weit, daran will ich nicht denken. Was macht er aus mir? Genug! Bis hierher und nicht weiter. Ich verliere mich noch ganz.



    Wenn ich doch nur einmal seine Stimme hören könnte, nur ganz kurz, würde mir reichen. Nur ein kleines Lebenszeichen. Oder war das für ihn etwa nur Spaß? Ein netter Tag mit der durchgedrehten Pianistin ... habe ich mich denn wirklich so in ihm getäuscht ...


    Klingel doch bitte, bitte, bitte...

  • Liebes Tagebuch,


    Endlich, endlich, endlich!!!!
    Endlich hat er sich gemeldet.



    Ich muss sagen, dass ich über seinen Anruf ziemlich überrascht war. In den letzten Tagen habe ich es wirklich geschafft mich etwas abzulenken (dank Monas Hilfe).
    Als ich den Hörer abhob und ich seine Stimme hörte, war ich sprachlos. Meine Freude war natürlich riesengroß, doch Mona hat mir geraten, nicht direkt Freudensprünge zu machen, sondern ihn etwas zappeln lassen. Ich antwortete ihm knapp und etwas (mehr konnte ich nicht) unfreundlich. Er wollte sich unbedingt mit mir treffen. Ach ja jetzt auf einmal, hab ich mir gedacht. Er wollte sogar direkt vorbeikommen, doch ich sagte ihm, ich hätte keine Zeit. Das wollte er aber gar nicht hören und meinte es sei wichtig und er wäre sowieso schon auf dem Weg zu mir.
    Und dann legte er auch schon auf.
    Ich schaute ungläubig in den Hörer. Er war schon auf dem Weg zu mir? Unglaublich.



    Kaum hatte ich die Situation begriffen und mich etwas gefasst, klingelte er auch schon an meiner Tür.
    Ich öffnete wortlos die Tür und sah sein wunderschönes Lächeln. Doch er hatte mir in den letzten Tagen zu sehr wehgetan. Ich ging ins Wohnzimmer und setzte mich einfach aufs Sofa.
    Ich konnte ihm ansehen, dass er sich etwas unwohl fühlte. Recht so!
    Und dann fing er auch schon direkt an zu reden. Erstmal entschuldigte er sich. Ihm tue das alles furchtbar Leid, doch er musste seinem Freund helfen.
    Tja, danke. Schon am Anfang werden seine Freunde mir vorgezogen. Das wäre ja schon ein toller Anfang für eine Beziehung.
    Aber dann erzählte er mir die ganze Geschichte. Die Mutter seines Freundes Oliver sei völlig unerwartet an einer Gehirnblutung gestorben. Sie konnte nicht mehr operiert werden, da die Ärzte zusätzlich Leukämie bei ihr festgestellt haben.
    Oliver und er sind seit Geburt an beste Freunde und Daniel war sehr oft bei ihnen zu Hause. Für ihn war Olivers Mutter wie eine zweite Mutter gewesen. Vor fünf Jahren sind sie nach Spanien, Olivers Vaters Heimatland, gezogen. Deshalb war Daniel solange weg. Er wollte unbedingt dort bleiben um Oliver zu helfen. Und selber Abschied nehmen zu können. Ihm ging es richtig schlecht und deshalb wollte er mich nicht mit seiner Trauer anstecken.



    Scheiße, jetzt fühlte ich mich unwohl.
    Und dann liefen ihm sogar ein paar Tränen über seinem sonst so fröhlichen Gesicht. Ich stand auf und wischte sie ihm weg.
    Jetzt konnte ich unmöglich mehr sauer auf ihn sein. Er hielt meine Hand fest und zog mich an ihm ran. So umarmt standen wir bestimmt ein paar Minuten. Keiner von uns beiden wollte den anderen wegdrücken. Ich nicht, da ich den Beweis brauchte, dass er mich doch mag. Dass das alles wirklich passiert ist.
    Er brauchte einfach Trost. Die ganze Zeit musste er alle trösten. Und ich wollte ihn auch trösten.
    Ihn so leiden zu sehen, konnte ich nicht ertragen. Wenige Tage vorher habe ich noch gehofft, dass es ihm schlecht geht. Aber wegen dieser Situation? Niemals.



    Doch nun ist alles wieder gut. Er kommt nun (fast) jeden Tag zu mir und jeden Tag unternehmen wir etwas.
    Mal gehen wir spazieren. Mal gehen wir Essen. Mal sind wir einfach nur draußen.
    Und besonders oft bleiben wir einfach nur Zuhause.
    Warum auch nicht?
    Mir ist es egal wo ich bin. Hauptsache Daniel ist bei mir.



    Ich kann ihm wirklich alles erzählen. Ich habe sogar einmal darüber geredet, wie ich mich gefühlt hatte, als er mich solange in Unwissenheit zurück ließ.
    Ich wollte ihm natürlich kein schlechtes Gewissen (mehr) machen, aber ich wollte ihm einfach sagen, wie unglaublich wichtig er mir war. Über meine Gefühle zu ihm war er sehr gerührt.
    Und dann gestand er auch mir, dass seine Liebe zu mir noch größer geworden ist. Er hatte Angst mich verloren zu haben als er in Spanien war. Doch mit seiner Entschuldigung waren die Schmerzen völlig weggeblasen.
    Er nahm mich wieder in den Arm und gab mir einen so leidenschaftlichen Kuss wie bei unserem ersten Date. Ich schmolz förmlich in seinen Armen ihn.



    Ein paar Tage später wollte ich ihn überraschen. Ich weiß nicht warum, aber plötzlich hatte ich Lust ihn richtig zum Staunen zu bringen.
    Und dann kam mir eine völlig verrückte Idee. Ich wollte ihm einen Antrag machen.
    Warum auch nicht? Das wäre doch etwas völlig Überraschendes.
    Und wenn sich zwei Menschen so sehr lieben und alles füreinander tun würden, wieso sollte man dann nicht heiraten?
    Jetzt war ich völlig aus dem Häuschen. Das ist es! Das muss ich einfach tun.



    Direkt an dem Tag schlug ich Daniel vor in unserem Lieblingspark zu gehen. Den Park unseren ersten Dates. Wir waren zwar vor zwei Tagen erst da gewesen, doch von dem Park können wir beide nicht genug bekommen. Direkt war er einverstanden. Jedoch sagte ich ihm, dass er erst etwas später kommen kann, da ich etwas Wichtiges zu erledigen hatte. Wenn der wüsste!
    Ich flitze schnell zu meinem Wagen und fuhr in die Stadt zu meinem Lieblingsjuwelier. Kaum öffnete ich die Tür, strahlte Tim wie ein Honigkuchenpferd. Kein Wunder wenn eine so gute Kundin, die jederzeit neue Kunden anwirbt, den Laden betritt.
    Mit ihm kann man wirklich gut reden. Ständig quetscht er mich über Daniel aus. Als ich ihn nach wunderschönen Ringen fragte, wusste er direkt was ich vorhatte.
    Und dann überraschte er mich. Er hatte schon seit längeren die perfekten Ringe für mich aufbewahrt. Meine verwunderte Mimik schien ihn noch zu bestärken und dann zeigte er mit auch zwei unglaublich schöne Ringe. Ich brauchte gar nicht lange drüber nachdenken und kaufte ihn. Für mich gab es sogar einen kleinen Rabatt.
    Schnell fuhr ich nach Hause. Daniel wartete schon auf mich vor der Tür. Er sah etwas irritiert aus, was mich zum schmunzeln brachte.



    Ich verstaute den Ring schnell in meiner Hosentasche und lief zu Daniel. Ich war jetzt sogar schon aufgeregt. Er begrüßte mich mit einem langen Kuss und sah mich fragend an. Ich ging darauf aber gar nicht ein, sondern nahm ihn an die Hand und so gingen wir zum Park. Er konnte meine Vorfreude richtig spüren, denn er fragte mich ständig was denn los sei. Was ich natürlich (noch) nicht sagte.
    Als wir endlich an der Stelle unseres ersten Kusses ankamen, blieb ich stehen. Daniel wollte schon weitergehen, doch diesmal zog ich ihn an mich ran. Er wollte gerade etwas fragen als ich meinen Finger auf seine Lippen legte und ihn so zu verstehen gab, dass ich jetzt etwas sagen wollte. Sofort war er ruhig.
    Und dann ging ich in die Knie. Ich erzählte ihn von meinen ganzen Gefühlen. Von unseren Verabredungen und was ich dabei fühle. Was ich sowieso fühle, wenn er bei mir ist und wenn er es nicht ist. Ich hatte soviel zu erzählen, dass ich mich selbst bremsen musste.
    Nachdem ich sagte, dass er der Mann meiner Träume ist und das ich mit ihm mein ganzes Leben verbringen will, fragte ich ihm die Frage aller Fragen: Willst du mich heiraten?
    Und er antwortete……….: Ja!
    Ich hätte die ganze Welt umarmen können. Natürlich kann ich das immer noch. Ich sprang ihm in die Arme und hätte ewig so verharren können. Doch dann fiel mir ein, dass ich die Ringe noch in der Hosentasche hatte. Ich griff schnell in meine Tasche und öffnete das Kästchen.
    Mit beringten Fingern gingen wir dann Arm in Arm nach Hause.
    Ich kann es immer noch nicht glauben. Wir sind jetzt verlobt! So viele Jahre habe ich auf diesen Tag gewartet und ihn mir nie so schön vorgestellt.
    Daniel ist einfach der perfekte Mann für mich.

    Deine

    Michaela

    [CENTER][SIGPIC][/SIGPIC]
    [SIZE="3"][FONT="Palatino Linotype"][COLOR="LemonChiffon"]My name is Dean Winchester.
    I'm an Aquarius, I enjoy sunsets, long walks on the beach and frisky women.[/COLOR]
    [/FONT][/SIZE][/CENTER] [SIZE="3"][FONT="Palatino Linotype"][COLOR="LemonChiffon"][RIGHT]♥[/RIGHT][/COLOR][/FONT][/SIZE]

  • Aufgabe 4





    "Justin? Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder? Jetzt sag mir endlich warum Lestat sich nicht meldet! " schrie ich in den Hörer. " Tut mir leid Süße, ich habe ihm versprochen dir nichts zu sagen! Und er ist nunmal mein kleiner Bruder, da halte ich meine Versprechen." kam es von Justin zurück. " Das ist mir sowas von egal! Ich habe mich in diesen Typen verknallt und ziehe morgen früh um. Wehe du gibst ihm meine Adresse nicht!" ließ ich all meine Wut raus.


    Ja in den letzten 6 Tagen nach meinem traumhaften Date war viel passiert.
    Ich habe zum Beispiel meinen Job gekündigt. Sie wollten mich wiedereinmal in ein anderes Kaff versetzten, aber mir reichts. Ich möchte auch mal ihrgentwo säßhaft werden. Nicht andauernd von einer Stadt in die nächste ziehen müssen, dass hält ja niemand aus.Naja, leider muss ich dann auch aus meinem Haus raus, denn es ist für Angestellte des Polizeiamtes von Veronaville reserviert. Gott sei Dank habe ich schon ein neues Häuschen gefunden, in der Downtown. Es ist zwar kleiner...aber dafür wird alles mein Eigen sein, und mein Erspartes weg. Außerdem meldet Lestat sich seit unserem tollen Date nicht mehr. Und Justin? Ja der hält es nicht für nötig mir, seiner besten Freundin, zu sagen was los ist.




    Es hilft ja alles nichts. Justin hat meine Adresse und den Auftrag sie Lestat zu geben. Ich stehe jetzt hier, mit gepackten Koffern und Kisten und warte auf den Möbeltransporter. Ich muss die ganze Zeit an dieses Date denken. An Lestat. Warum meldet er sich denn nicht? Hat er kein Interesse mehr an mir? Dabei habe ich mich so in ihn verliebt und würde alles dafür tun, dass er sich meldet. Okay er ist noch Schüler, ja und? Dafür hat er dann einen besseren Abschluss als ich.Ich glaube wir beide hätten eine echte Chance auf eine endlose für-immer-und-ewig-Liebe. Wirklich...jetzt reißt mich erstmal der Transporter aus meinen Gedanken, schade eigentlich, ich denke so gerne an ihn. Hoffentlich meldet er sich bald.




    Jetzt wohne ich schon drei Tage in dem neuen Haus und er hat sich immernoch nicht gemeldet. Zu doof , dass mein Handy kaputt ist und ich noch kein Festnetz habe. Ich würde mich glatt selber bei ihm melden, auch wenn ich das sonst nie für einen Mann tuen würde. Aber ich glaube diesmal ist es ernst. Diese ganze Sache lässt mich einfach nicht los, ich kann nichtmal schlafen.




    Es ist sogar so schlimm, dass ich Nachts um 3 Uhr auf's Trimmrad steige nur um mich abzulenken. Denn eine gute Figur habe ich, davon bin ich überzeugt. Hoffe ich zumindestens. Ach Mensch...wohnt Lestat nicht sogar auch in der Downtown? Auch in einem von diesen Minihäuschen? Vielleicht sollte ich einfach mal durch die Gegend schlendern. Aber nein, das bringt auch nichts. Ihn hier in der Downtown zufällig zu treffen, ist wie eine Schlange in der Anarktis anzutreffen.





    Oh jeee... ihrgentwie sehe ich schlimm aus. Ob ich alt werde?
    Vielleicht sollte ich mal wieder zum Friseur gehen? Ja genau, dass ist sowieso die Idee um mich abzulenken. Ich genoß den Friseurbesuch so richtig. Zuerst wusste ich nicht was ich wollte, dann riet man mir dazu die Haare etwas heller zu machen und ein anderes Makeup zu benutzen. Ich fand es fantastisch. Am Ende kaufte ich mir noch eine Mütze, sie sollte den Look perfekt machen. Über das ganze hätte ich Lestat beinahe vergessen beinahe. Kann er nicht gleich einfach vor meiner Tür stehen? Bitte...



    Caj






  • Aufgabe 5




    Schon als ich aus dem Auto ausstieg hatte ich mal wieder dieses Gefühl. Ob es weibliche Intuition ist? Ich ging um die Ausfahrt herum, udn wer stand dort? Lestat! Ich hätte einen Freundensprung machen können. Aber das wäre nicht klug gewesen. Seine Entschuldigung wollte ich jetzt erstmal hören.
    Also bat ich ihn herein.




    Kaum saßen wir auf dem Sofa fing er an zu erzählen:
    "Caj? Es tut mir alles so leid. Ich wollte mich wirklich bei dir melden. Frag Justin! Aber...aber...aber... ich hatte Angst! Ich hatte einfach Angst. Ich habe mir soviele Gedanken gemacht über uns beide. Weil weisst du, ich...ich...habe mich unendlich in dich verliebt und mich nicht getraut es dir zu sagen. Weil du bist älter als ich und willst bestimmt nicht so einen Milchbubi wie mich als Freund. Außerdem geh ich noch zur Schule und wie uncool ist das denn bitte mal für dich?"
    Während er das alles mit zitteriger und ängstlicher Stimme sagte, wusste ich in mir drinnen schon , dass er mein Mr. Right ist. Sowas einfühlsames wie ihn habe ich ja noch nie gesehen.
    "Hey... Süßer... mach dir mal keinen Kopf um mich. Ich finde dich einfach süß und habe mich auch in dich verliebt.Und weisst du was? Ich finde es cool, dass du noch zur Schule gehst. Immerhin willst du mal groß rauskommen.!" sagte ich und nahm in den Arm. Von diesem Moment an war uns beiden klar, wir gehören zusammen wir sind ab jetzt ein Paar.




    In der nächsten Zeit sahen wir uns so oft wie möglich. Naja so oft seine Schule es zuließ, denn ich hatte immernoch keinen Job gefunden, obwohl ich eisern suchte. Er würde im Frühsommer fertig mit der Schule sein und dann? Ja das wusste er noch nicht genau, aber auf's College wollte auch er nicht. " Meinst du ich lass dich je wieder alleine? Neee, ich such mir eine gute Ausbildung! Das passt schon! Und du, du gehst ja auch bald wieder arbeiten!" Wir redeten so viel über uns und die Welt, und malten uns eine gemeinsame Zukunft aus. Wenn wir nicht redeten, hingen wir uns gegenseitig an den Lippen und benahmen uns wie 16 jährige. Wir nutzen wirkliche jede Gelegenheit zum knutschen und kuscheln.




    Eines Abends, ich hatte gekocht, redeten wir mal wieder über unsere gemeinsame Zukunft. Wir waren uns sicher, dass wir für immer ein glückliches Päärchen bleiben würden.
    " Sagmal mein Engel, würdest du mich später heiraten? Ich meine, wenn ich mit der Schule fertig bin?" fragte er mich. Ich musste überlegen. Eigentlich hatte ich mir immer vorgenommen niemals zu heiraten, da sich so viele Paare heute schnell wieder scheiden lassen. Aber bei ihm war ich mir sicher.
    Plötzlich hatte ich diese fixe Idee. Ich will ihm die Ringe zwar erst zum Abschluss schenken...aber warum nicht? Ich stand auf, ohne ihm eine Antwort zu geben. Ich ging in mein Schlafzimmer und holte die kleine Kiste mit den Ringen aus der Kommode. Jaa... so würde ich es machen.




    "Schatz? Komm mal her!" sagte ich zu ihm. Ich schaute ihm direkt in die Augen und war den Tränen doch sehr nahe: " Lass uns nicht länger reden. Ich möchte jetzt und hier, eine gemeinsame Zukunft mit dir anfangen. Ich möchte nicht länger nur deine Freundin sein, ich möchte für immer bei dir bleiben und dich lieben und immer für dich da sein. Wir werden das schaffen, egal was alle anderen sagen! Hörst du? Und deshalb frage ich dich: Willst du mich heiraten?" Jetzt war es raus...ich holte das Kistchen hervor, und gng auf die Knie bevor er antworten konnte. Ich hatte das Gefühl es würde eine Ewigkeit dauern bis er mir eine Antwrt gab: " Ja, ich will dich heiraten! Aber ganz bestimmt!"


  • Liebes Tagebuch!



    Der erste Gedanke der mir an diesem Samstagmorgen ungefiltert durch den Kopf schoss war „Aua!“.
    Der zweite war die Frage, ob mir jemand während meines Nickerchens einen Kopfschuss verpasst hatte. Das anhaltende Klopfen, das mich geweckt hatte hörte endlich auf. Gott sei dank. Ich drehte mich auf die Seite und versuchte weiterzuschlafen und zu ignorieren daß sich die Welt bei meiner Drehung mehrmals um mich zu drehen begann.
    Zu früh gefreut. Das Geräusch von einem Hausschlüssel der in sein Schlüsselloch findet, gefolgt von dem trippeln hoher Absätze auf meinem Steinboden, wiederum gefolgt von einem vernehmlichen
    „Ach du Scheiße.“
    Ich hob wagemutig mein linkes Augenlid, was natürlich sofort mit einem aus stechendem Schmerz, reslutierend aus dem garstigen grellen Licht bestraft wurde.
    Dafür konnte ich sehen wie Katharina einen der umherliegenden Becher nahm und daran roch. „Whiskey?“ sie schnüffelte weiter. „Ja, eindeutig Whiskey-Cola. Und ein Müllhaufen der vermuten lässt du hast dir das halbe Sortiment an Schokolade und Chips von Wal-Mart reingezogen. Kannst du mir mal verraten was du hier getrieben hast?“


    „Verrat du mir lieber wieso du solchen Lärm machst, immerhin hast du einen Schlüssel, den du sonst jeden Tag benutzt.“
    „Meine liebe liebe Sandy! Vielleicht erinnerst du dich daran daß ich dich eigentlich zum shoppen abholen wollte und nicht zum arbeiten hier bin!“ entgegnete sie ungehalten.
    „Oh, shoppen. Sorry, voll verplant. Hm, du siehst ganz anders aus, wenn du nicht dein Französisches-Zimmermädchen Outfit trägst, das du Arbeitskleidung nennst. Sieht gut aus.“ „Und du siehst beschissen aus! Geh rauf und dusch dich und zieh dir frische Sachen an. Solange mach ich hier klar Schiff. Und danach erzählst du mir was überhaupt passiert ist. Und bitte – Atme mich nicht an wenn du an mir vorbei gehst!“


    Ich trottete wie befohlen die Treppe hinauf ins Bad. Dort nahm ich mir eine Kopfschmerztablette aus dem Badezimmerschrank und spülte sie mit einem Zahnputzbecher voll kaltem Leitungswasser runter. Danach stolperte ich ich die Dusche, drehte das Wasser auf lauwarm und blieb für die nächsten fünf Minuten regungslos stehen, während ich mich an den Amaturen festhielt und spürte wie mir das Wasser hart auf den Rücken prasselte.
    „Sandy, lebst du noch?“ Drang es aus dem Erdgeschoss hoch.
    „Jaja, alles ok. Ich komm gleich, gib mir noch zehn Minuten“.
    Ich versuchte mich zusammenzunehmen, die Erinnerungen an gestern Abend sowie die ganze Woche zuvor zu verdrängen. Eins nach dem anderen. Minzduschgel, Haarshampoo, abtrocknen mit dem Lieblingshandtuch mit den rosa Streifen, die Kokosbodylotion. Die alte Lieblingsjeans, ein kühles Viskose-Shirt, hohe Schuhe für das Selbstbewusstsein.


    Der Duft wunderbaren Spaghetti mit Tomaten, Basilikum und Fleischbällchen zog durchs Haus, als ich wieder sauber und duftend als neuer Mensch unten ankam.
    „Ich dachte mir du solltest deine Jack Daniels Reste im Magen vielleicht mit etwas Nahrung verdünnen.“ grinste mich Katharina an.


    Ich setzte mich an den Tisch und begann zu essen, nach einigen Bissen entfaltete sich ein wohlig warmes Gefühl in meinem geschundenen Magen. Katharina beobachtete mich interessiert. Ich wusste, sie war nicht nur darauf bedacht daß ich das essen behielt und lobte, sondern wollte jetzt auch endlich wissen was letzte Nacht passiert war. Und wie konnte ich es ihr verdenken, nachdem sie mich so jämmerlich aufgefunden hatte.

    Ich drehte bedächtig zwei Nudeln auf meine Gabel.
    „Also.... gestern Nacht....ich war aus. Weg. Im Pascha. Ich dachte mir, ich geh einfach raus, ich mach richtig einen drauf.“ Ich schob mir die Gabel in den Mund und begann zu kauen. Ja, zugegeben, essen ist eine sehr gute Verzögerungstaktik.
    „Ich hab mich also in mein unseriöses Paris-Hilton Outfit geworfen“- Katharina stöhnte laut auf - „und bin losgezogen. Ich habe zwei bunte Cocktails getrunken, mit 'ner Menge Kerle getanzt und getan was man eben so tut wenn man Spaß haben will.


    Und dann, dann bin ich deprimiert nach Hause gefahren, hab Schnulzmusik eingelegt, mich mit dem Schlafanzug aufs Sofa gelegt und mich an Schokolade und Alkohol vergangen.“
    Ich schob meinen Teller von mir weg und warf die Gabel klirrend hinterher.


    „Ich werde einfach bald wahnsinnig. Ich gehe aus, ich gehe zur Arbeit, aber egal was ich tue ich krieg ihn einfach nicht aus meinem Kopf! Ich will nicht mehr! Ich mag dieses nervige, liebeskranke Mädel nicht, das ich bin. Ich bin anders, ich bin tough. Also gehe ich aus, lach mir nen Kerl an und fahr dann doch wieder heim und heul mir die Augen aus dem Kopf.


    Ich lasse mich in der Arbeit einem schweren Fall zuteilen aber alles an was ich denke ist „wenn er mich doch jetzt sehen könnte. Dann würde er sicher sehen wie gut ich in meiner Arbeit bin und wie toll ich das manage und er würde merken daß ich auch ohne seine Anwesenheit großartig bin. Und dann würde er sich sofort melden, weil er begreift wie toll ich bin“. Das ist so krank!


    Selbst bei den banalsten Dingen denke ich so. Ich stehe in der Küche und schäle Kartoffeln und habe das Gefühl er würde mich irgendwie beobachten. Als ob er anrufen würde wenn er nur sieht wie selbständig ich bin.


    Oder neulich, als ich mit Bekannten beim Essen war. Die dachten schon ich habe eine Blasenentzündung, dabei bin ich nur alle halbe Stunde aufs Klo gelaufen um mit meinem Blackberry zu checken ob ich neue Nachrichten habe.


    Neulich hab ich sogar schon meinen Chef gefragt ob er weiß wo sich Ranjid aufhält, unter dem Vorwand ich brauche ihn für eine Nachbearbeitung der Akten von unserem Besuch vorletzte Woche, aber er konnte mir auch nicht weiterhelfen. Und ich glaube sogar er hat mir das nicht so ganz abgenommen. TOLL! Jetzt steh ich sogar noch vor meinem Chef da wie ein liebeskranker Esel! Und das obwohl ich wirklich Top-Arbeit leiste. Wirklich großartig!!“


    Ich verschränkte genervt meine Arme vor mir und sah Katharina an, was ich die letzten Minuten meines Monologs vermieden hatte.


    „Weißt du, bei Präsidium fällt mir ein... ich habe letztens ein Stellenangebot von deinem Verein gelesen. Keine Polizeiarbeit oder sowas, Schreibkram im Archiv. Ich will nicht ewig putzen und ich denke das könnte ich wirklich gut. Und wir könnten zusammen Mittag essen. Uns irgendwie im Park Salat mit Diätjoghurtdressing zwischen die Kiemen schieben, wie so neurotische NY-City-Tussen. Was hältst du davon?“


    Ich starrte sie entgeistert an. War ich zwischendurch vielleicht irgendwie eingepennt?!
    „Katharina, hab ich was verpasst? Ich schütte dir mein Herz aus und du erzählst mir von dem Job? Hä?! Abgesehen davon finde ich es gut, ich würde mich freuen.“


    „Nein, aber siehst du, das will ich dir damit sagen. Es tut dir weh und du wirst fast wahnsinnig. Aber du bist nicht die einzige auf der Welt. Tausende Menschen machen in dieser Minute das gleiche durch wie du. Millionen haben es vor dir durchgemacht und genauso viele werden noch nach dir kommen. Und die haben es auch geschafft! Also reiß dich zusammen! Du hilfst niemanden wenn du dich so reinsteigerst, die Situation ändert sich dadurch nicht.“
    Katharina hatte mit einer sehr sanften und verständnissvollen Stimme gesprochen, und irgendwie schien es sogar einleuchtend was sie sagte.


    „Hör mal, ich muss langsam wieder los. In deiner Verfassung brauchen wir sowieso nicht zum shoppen losziehen, nicht daß du noch auf nen Kleiderständer kotzt. Ich werd' zu hause nochmal meine Bewerbung überarbeiten, ich wünsche mir wirklich daß das klappt. Kann ich dir die Unterlagen später mailen, damit du sie dir durchsiehst?“


    „Ja, klar.“ Ich begleitete sie noch zur Tür. Sie umarmte mich fest und drückte mich. „Sandy, lass dich nicht hängen. Du bist ne tolle Frau. Wenn er sich nicht meldet, dann höchstens weil ihm das mit seiner Familie immer noch peinlich ist. Du packst das! Denk immer dran: Cuck Norris hätte dem Typen nen ordentlichen Roundhousekick in den A*sch verpasst.“


    Ich verabschiedete mich von ihr und ging grinsend wieder zurück ins Haus.


    Den restlichen Abend verbrachte ich mit abspülen und damit, mein Chaos wieder zu beseitigen. Ich sang während dem Putzen zu Nek der im CD-Player spielte und versuchte mir Katharinas Worte ins Gedächtnis zu rufen.
    Das klappte auch alles wunderbar.... nur gen Abend waren sämtliche Putzeimer wieder weggeräumt und es gab nichts mehr zu tun.



    Die CD war längst verstummt und das einzige Geräusch das durch die Stille hallte war das stetige Ticken der Uhr, das mit jedem mal eine weitere Sekunde einläutete in der er nicht anrief.

  • So, Dank dämlicher Klausuren mein verspäteter Beitrag zum Forumspiel. (Ich arbeite auch gerade fieberhaft daran, meine Wintergeschichte zu beenden, also bitte keine Nachfragen bezüglich dieser! *g*)



    *****



    Dear Mr. Diary


    22. September 2007




    Dear Mr. Diary,


    lange habe ich dir nichts mehr erzählt, stelle ich fest. Mein Leben ist wohl zu chaotisch und hektisch, als dass ich noch Zeit dafür aufbringen kann, also entschuldige ich mich dafür. Tja... ich wollte das eigentlich nur gesagt haben, denn ich denke nicht, dass ich dir weiter berichten werde, was sich in meinem Leben so tut! Also dann: Goodbye! :-)



    Ich lehne mich zurück und runzle die Stirn, den Stift in meiner Hand auf und ab wippend. Schon verrückt, dass ich nach über einem Jahr noch einmal das Bedürfnis verspüre, mich von "Mr. Diary" zu verabschieden. Aber irgendwie... ich weiß nicht... wenn ich so durch die vielen Einträge blättere, dann habe ich das Gefühl, mich von einem Freund zu verabschieden...



    *****


    09. August 2005



    Dear Mr. Diary – lach nicht! Ich muss dich irgendwie nennen, sonst gebe ich es gleich auf, hier weiterzuschreiben! Und weil du einen Namen bekommen hast, verrate ich dir auch, wer ich bin: Georgia, noch keine dreißig, aber viel fehlt leider nicht mehr. Mein Schwesterherz Virginia hat dich mir zum Abschied geschenkt, damit ich mich als Dauer-Single nicht so alleine fühle in der Fremde (lies: schnarchlangweiliger Vorort von Chicago, der dir nichts sagen wird).




    Hmpf! Dabei kann ich unmöglich alleine in dieser Wohnung sein, denn als ich sie vorhin zum ersten Mal betreten habe, sah es hier aus, als hätten sich irgendwelche Hausbesetzer bereits vor Tagen niedergelassen! Unglaublich, was Papa so alles in den Möbelwagen gestopft hatte – ich schätze, zu Hause muss die Bude jetzt komplett leer stehen!
    Wie auch immer. Ich geh jetzt erst mal duschen und dann ins Bett. Gleich morgen früh beginnt nämlich mein erster Arbeitstag...




    10. August 2005




    Mr. Diary, ich will hier weg! Ich hatte heute meine ersten zwei Stunden Unterricht, und ich bin fix und fertig! Wenn ich gewusst hätte, wie unkontrollierbar eine Horde Teenager ist, dann... na ja, ehrlich gesagt hätte es mir mein Stolz dann trotzdem verboten, diesen Job nicht anzunehmen. Scheiße! Irgendwie muss ich schleunigst den Respekt von den Mädels gewinnen, sonst gehe ich unter.




    Hab vorhin dann wie eine Wilde aufgeräumt, um mich abzulenken, und jetzt sieht es hier immerhin nicht mehr wie gesprengt aus. Die Wohnung ist riesig für eine Person! Zumindest die Küche, die quasi die ganze untere Etage einnimmt. Zu schade, dass ich kein Partymensch bin, denn der Platz wäre mehr als ausreichend!
    Morgen werde ich dann oben das Schlafzimmer aufräumen und das Bad putzen (möchte nicht wissen, wann das das letzte Mal getan wurde). Aber ich glaube, ich leg mich erst mal ein Stündchen aufs Ohr. Bye bye.




    10. August (immer noch)




    Hey Mr. Diary,


    in der Pampa zu wohnen hat wohl doch seine Vorteile. Vorhin wurde ich von meinen beiden Nachbarinnen Lisa und Sheila (coole Haare, total hübsch!) aus dem Schlaf geklingelt, habe aber zur Versöhnung gleich Kuchen unter die Nase gehalten bekommen. Das wäre in Boston im Traum nicht passiert, dass sich irgendwelche Nachbarn freiwillig vorgestellt hätten!




    Es hat sich herausgestellt, dass beide auf dieselbe Mädchenschule gegangen sind, bei der ich nun meine Brötchen verdiene. Verrückt, dass sie nicht weggezogen sind – ich selbst bin mir jedenfalls ziemlich sicher, dass ich hier nicht für alle Ewigkeit bleiben werde!!
    Der Kuchen war jedenfalls sehr lecker, und die beiden haben mir tolle Tipps gegeben, wie sie ihre Lehrerinnen fertig gemacht haben und wie ich damit umgehen soll (und auch, wie ich mit der Radcliff am besten klarkomme, die wohl schon seit Saurier-Zeiten dort unterrichtet).




    Irgendwann sind wir natürlich auf mich zu sprechen gekommen, und auch, ob mein Freund oder Mann nachziehen würde. Musste leider zugeben, dass es weder den einen noch den anderen gab, und Sheila fand mein zerknirschtes Gesicht offenbar sehr amüsant. (Die beiden haben sich selber, wie ich schnell herausfand!)
    Lisa scheint die Nettere von beiden zu sein, denn sie hat mir angeboten, am Samstag mit zur Geburtstagsfeier ihres Bruders zu kommen, um die Leute aus der Gegend kennenzulernen. Habe aus Sehnsucht nach zwischenmenschlichen Kontakten gleich ohne zu Zögern angenommen und hoffe, es kam nicht zu verzweifelt rüber.




    Die beiden sind noch ziemlich lange geblieben und haben mir den gesamten Klatsch und Tratsch der Nachbarschaft berichtet. Auch vor möglichen Telefonanrufen haben sie mich netterweise gewarnt, denn anscheinend ziehen hier nicht so oft neue Leute her – ist wohl eher eine Gegend, wo Großeltern und Enkel noch immer in der Nachbarschaft leben. Werde definitiv nicht zu dieser Sorte gehören und wohl auch mein Telefon in den nächsten Tagen auf lautlos stellen.
    Nun ja, ich gehe mal besser ins Bett. Schlimm genug, dass ich so viel geschrieben habe. Werde doch hoffentlich nicht zum Teenager mutieren?! (ARG!) Nachti~



    **


    Gefallen? Morgen geht's weiter. *smile*

  • 13. August 2005




    Dear Mr. Diary,


    ich habe den halben Morgen vor dem Kleiderschrank verbracht, obwohl da so gut wie nichts Brauchbares drin war. Virginia hat vor meinem Umzug die Hälfte meiner alten Klamotten aussortiert, damit ich mir im neuen Leben auch mal was Neues zulege – keine dumme Idee, nur hatte ich bisher keine Zeit dazu, und nun habe ich nichts Gescheites zum Anziehen.
    Hab mich jetzt für mein braunes Sommerkleid entschieden und hoffe, dass es nicht zu veraltet ist. Werde jetzt mal mit Mama telefonieren, und dann muss ich nur noch auf die Mädels warten.




    14. August (aber erst seit knapp zwei Stunden)




    Mr. Diary,


    ich kann jetzt absolut nicht einschlafen!! Mein Herz schlägt immer noch wie ein Presslufthammer! Aber der Reihe nach: So gegen vier heute (bzw. gestern) Nachmittag bin ich mit Sheila und Lisa bei ihrem Bruder Lionel aufgeschlagen, und ich musste mich echt beherrschen, gegenüber allen neugierigen Gästen zuckernett zu bleiben. Manche waren echt total provinziell!




    Lionel und seine Frau Charlize waren allerdings sehr nett, und sie haben mir meine sarkastischen Bemerkungen über das Nicht-Stadtleben auch nicht zu übel genommen... hoffe ich jedenfalls (habe mich sehr zurückgehalten, wirklich!). Ich habe erfahren, dass sie auch lieber in der Stadt leben würden, denn die Nachbarn reden gerne mal über "die Weiße" (also Charlize). Aber sie haben dieses tolle Haus geerbt, und verkaufen wollen sie es wohl doch nicht.




    Bin allerdings nicht wie gehofft mit anderen potentiellen Freunden ins Gespräch gekommen und hab mich dann erst mal zum Buffett begeben, wo ich nebenbei Herzschmerzstories der lokalen Teenies mitanhören musste. (Irgendwie bin ich nie so gewesen...)
    Das Essen war ziemlich gut und auch einigermaßen figur-freundlich, dank Charlize, aber viel habe ich davon dann nicht mehr mitbekommen, denn ich habe IHN entdeckt! Er saß drinnen bei der Kegelbahn (die wird wohl fast jeden Abend vermietet, um die Kosten des Hauses tragen zu können) und hat ein Buch gelesen. Ich weiß nicht, was mich dazu bewogen hat, zu ihm zu gehen (ich mache so etwas nie!), aber ich hab's getan.




    Drinnen hab ich erst mal so getan, als würde ich die Kegelbahn anschauen, bevor ich ihn "ganz zufällig" entdeckt habe. Er schien aber nichts dagegen zu haben, denn er hat das Buch sofort beiseite gelegt und mich angesprochen.
    Man, sah der Typ gut aus! Er heißt Christopher (den Nachnamen hab ich vor lauter Herzklopfen irgendwie nicht mitbekommen) und kommt aus Chicago. Ich hab mich nach kurzem(?) Starren auch vorgestellt und wie immer gesagt "Ja ja, Georgia, wie der Bundesstaat", aber ich weiß nicht, ob es so sarkastisch klang, wie ich eigentlich wollte. Meine Zunge war irgendwie ein bisschen belegt.




    Wir haben uns eeeewig lange unterhalten. Es hat sich herausgestellt, dass er wirklich vor "der Meute" (so nannte er die Gäste) geflüchtet war, aber er schien sich an meiner Anwesenheit nicht zu stören. Dabei konnte ich in seinem Beisein kaum zwei zusammenhängende Sätze von mir geben – ist mir noch nie passiert!
    Christopher arbeitet als Reporter in Chicago (Neid!) und ist extra für Lionel in die Pampa gekommen, weil sie wohl beste Freunde seit dem Kindergarten sind. Hab schon wieder vergessen, was genau er im Verlag macht, obwohl ich wie blöde an seinen Lippen gehangen habe. (Ich hatte bisher auch nicht gewusst, wie sexy Glatzen sein können!)




    Erstaunlicherweise war er von mir nicht gelangweilt genug, denn er hat sich auch beim Abendbrot neben mich gesetzt und weiter mit mir unterhalten. Krass! Ich frage mich, was ich geantwortet habe, denn ich kann mich an rein gar nichts erinnern...
    Selbst, als die anderen dann am Feuer getanzt haben, hat er sich lieber mit mir unterhalten. (Vielleicht lag es auch daran, dass er kein Feuer mag? Ich weiß es ja nicht, aber ich hoffe mal, es lag an mir!!) Jedenfalls hatte ich trotz der warmen Sommerluft den ganzen Abend über eine Gänsehaut!




    Leider leider haben sich Sheila und Lisa irgendwann zu uns gesetzt und ihn in ein Gespräch verwickelt... die kennen Christopher anscheinend auch schon ziemlich lange, denn das waren fast alles Gespräche über ihre gemeinsame Jugendzeit. Es war schon irgendwie spannend, zuzuhören (Christopher kann toll erzählen, er ist voll lustig!), aber ich hätte mich viel lieber noch mit ihm alleine unterhalten.
    Er musste dann dummerweise schon kurz vor Mitternacht los, weil er morgen (also heute) einen wichtigen Termin hat. A-B-E-R: Er hat mir seine E-Mail-Adresse gegeben!!!! Gleich morgen früh muss ich ihm schreiben... aber jetzt will ich erst mal von ihm träumen. :-)


    Gute Nacht, Mr. Diary!

  • 26. August 2005




    Dear Mr. Diary,


    Chris und ich schreiben uns nun schon seit zwei Wochen E-Mails hin und her. Ich bin ganz verzaubert von ihm! Träume ich, oder gibt es solche Typen wie ihn tatsächlich jenseits der Hollywood-Welt?!? Jedenfalls hat er mich gerade gefragt, ob ich am Sonntag nach Chicago kommen möchte. Whee!! Ich glaube, ich habe ein DATE!




    28. August 2005 (aber nicht mehr lange)




    Mr. Diary, heute war echt der nervenaufreibendste Tag meines Lebens!!
    Als ich um zehn in Chicago angekommen bin (hatte mich für den Zug entschieden, um abends vielleicht was trinken zu können), hat Chris mich bereits am Bahnhof erwartet. Ich muss zugeben, dass ich bis zuletzt meine Zweifel hatte, ob ich nicht doch seit Wochen einfach nur tagträume, aber er war wirklich da! Und es sah auch wirklich so aus, als würde er sich freuen, mich zu sehen!!




    Unglaublich, wie heiß es in Chicago war – das Leben hier in der Pampa hat wohl doch einen Vorteil. Chris wollte mit mir aber nicht zum Michigansee, denn dort wimmelte es heute wohl von Freizeitsportlern und Touristen. Außerdem wollte er kein "gewöhnliches Sightseeing", wie er es nannte, machen, sondern mir seine Lieblingsplätze abseits der bekannten Touristenattraktionen zeigen. Das Hancock Center und so wollte er sich für zukünftige(!!!!) Besuche aufheben.




    Nachdem er mir seinen Lieblingspark gegenüber von seinem Büro gezeigt hatte, haben wir in der Nähe der Markthallen Mittag gegessen. Mir ist aufgefallen, dass Chris die gleiche Meise hat, die meine Schwester als Kind hatte: er sortiert sein Essen anscheinend nach Farben und Formen! Es fiel mir schon ein bisschen schwer, mir eine Bemerkung dazu zu verkneifen, denn bei einem erwachsenen Mann finde ich das schon ziemlich albern. Na ja... ich glaube aber, darüber kann ich hinwegsehen. (Ich sollte nur beim nächsten Mal aufhören, andauernd zu seiner Gabel zu starren.)




    Später am Nachmittag musste er dann noch was aus seinem Büro holen, und ich habe derweil die winzigen Leute unten auf der Straße beobachtet. Als er neben mich getreten ist und mich grinsend gefragt hatte, was es da wohl so Spannendes zu sehen gäbe, sind meine Knie ganz weich geworden!
    Er hat mich zwar nicht berührt, aber sein Arm war so nah an meinem, dass meine Finger wie elektrisiert waren! Kannst du dir das vorstellen, Mr. Diary? (Na ja, wohl eher nicht.) Am liebsten hätte ich mich gleich dort an ihn gelehnt, aber irgendwie hab ich mich nicht getraut, und dann hat uns leider auch schon der Portier wieder rausgeworfen.




    Es gab noch mehr solche Momente, aber keiner von uns hat irgendwann mal den ersten Schritt gemacht. Es war echt wie verhext!! Ich habe darauf gewartet, dass er mich an sich zieht und mich küsst, aber irgendwie tun das Männer im realen Leben wohl doch nicht so oft, wie ich dachte.
    Selbst, als wir abends Billard spielen waren, hat Chris keine Anstalten gemacht. Dabei sind wir andauernd aneinander gestoßen (zufällig?!) und jedes Mal war es wieder wie ein Blitzschlag für mich. Das war echt so frustrierend, dass ich haushoch verloren habe.




    Als wir dann später noch eine Kleinigkeit gegessen haben (er hat tatsächlich die Tomaten auf die rechte und die Salami auf die linke Seite seiner Pizzahälfte geschoben!), hab ich versucht, ein wenig auffälliger mit ihm zu flirten, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich dazu überhaupt fähig bin. Irgendwie fehlt mir total die Übung, habe ich festgestellt.
    Vielleicht hab ich mich auch total lächerlich dabei gemacht?! Er schien jedenfalls nicht abgeneigt oder so, aber er hat auch keine direkten Avancen gemacht. Das war soooo frustrierend!!




    Chris hat mich dann so gegen elf wieder zum Zug gebracht, und ich hab mich den ganzen Weg über gefragt, ob ich ihn wiedersehen würde oder ob er mich doch total langweilig fand... frage mich das ehrlich gesagt immer noch und werde heute Nacht sicherlich kein Auge zutun!
    Jedenfalls habe ich kurz vor Zugabfahrt all meinen Mut zusammengenommen und Chris einfach an mich gezogen und geküsst! Und er hat zurückgeküsst!! ... Aber dann bin ich in den Zug gesprungen, bevor er noch irgendwas sagen konnte. Und jetzt hab ich das Gefühl, ich hätte das lieber nicht tun sollen... was denkst du? :-(
    Ich hoffe, ich habe ihn nicht überrumpelt...

  • 29. August 2005




    Dear Mr. Diary,


    heute Vormittag in der Schule war ich total aufgekratzt und habe mich zum ersten Mal so richtig in die Gespräche meiner Kolleginnen eingemischt. Ich hatte das Gefühl, zum ersten Mal seit Langem so richtig wach zu sein... und gleichzeitig wie betäubt! War echt merkwürdig, und ich konnte es kaum abwarten, nach Hause zu können und Chris' nächste Mail zu lesen.




    Na ja, leider scheint er noch auf Arbeit zu sein, denn bisher hab ich nur Spam in meiner Mailbox gefunden, aber rein gar nichts von ihm. Aber er schreibt ja meistens nur abends, also muss ich mich wohl noch etwas gedulden, fürchte ich.
    Hab stattdessen endlich mal Virginia geschrieben und ihr alles erzählt... meine neugierige Schwester will nämlich immer alles wissen, was in meinem Leben so passiert – ich hoffe nur, sie bekommt DICH nie in die Hände. ;-)




    Danach habe ich mir etwas zu essen gemacht und eigentlich vorgehabt, die Schulaufsätze von heute zu kontrollieren, aber wie du siehst, Mr. Diary, schreibe ich gerade Tagebuch und habe die Aufsätze noch nicht einmal angerührt. Ich könnte mich darauf jetzt gar nicht konzentrieren.
    Ich wünschte, es wäre nicht erst halb fünf!! Und was, wenn er gar nicht schreibt, weil ich ihn gestern so überrumpelt habe?! Oh Gott... nein, das will ich lieber gar nicht erst denken! Außerdem ist er schriftlich eh besser als mit Worten, hab ich festgestellt – also würde er mir wahrscheinlich schreiben, wenn ihm das nicht gefallen hat... haben sollte... hoffe ich...




    30. August 2005




    Okay. Er hat nicht geschrieben, Mr. Diary. Gestern nicht, und bisher auch noch nicht. Es ist jetzt schon nach neun, aber bisher kein Sterbenswörtchen.
    Habe vorhin zwei Stunden lang ferngesehen, um mich auf andere Gedanken zu bringen, aber genützt hat es nicht viel (vielleicht war auch diese dämliche Programm dran Schuld). Was, wenn er doch sauer auf mich ist? Hab ich es vielleicht total verkackt?! Ich trau mich auch nicht, ihm zu schreiben... das wäre so anbiedernd, findest du nicht?
    Oh man, hoffentlich ist nachher eine Mail da. Ich guck gleich noch mal nach...




    31. August 2005




    Shit! Shit shit SHIT!!! Noch immer keine Nachricht von ihm. Ich glaube nicht, dass etwas passiert ist... ich glaube, ich hab's wirklich total verpatzt! Aber ich bin zu stolz? feige? beschämt? ihm selbst zu schreiben... oder ihn anzurufen. Ich hab zwar seine Handynummer (falls ich ihn in Chicago nicht gleich gefunden hätte), aber das wäre wie betteln, ihn jetzt anzurufen!
    Natürlich hat es passend zu meiner Laune den ganzen Tag lang geregnet. Wie gerne würde ich mit Sheila und Lisa reden und mich ablenken, aber die sind beide seit Montag im Urlaub und kommen erst am Samstag wieder. Ist doch alles Mist...




    02. September 2005




    Es ist Freitag! Natürlich noch immer keine Mail... so langsam gebe ich die Hoffnung echt auf.
    Virginia hat heute angerufen und gemeint, ich müsse mal rauskommen, und ich glaube, sie hat Recht! Die ganze letzte Woche bin ich nur zwischen Schule und PC gependelt...
    Werde jetzt gleich mal zu diesem Club gehen, der hier in der Nähe ist (der einzige, den es hier überhaupt gibt!). Aber ich bin nicht sicher, was ich da soll... ich war noch nie der große Ausgehmensch, bin auch gar nicht hübsch genug dafür! Allein meine riesigbreite Nase! Aber vielleicht kann ich mich irgendwie ein wenig ablenken...




    02. September 2005 (gleich Mitternacht...)




    Tja, Mr. Diary... wie du siehst, bin ich schon wieder zurück. Der Abend war ein totaler Reinfall! Ich frage mich, ob ich sozial vielleicht einfach unfähig bin und mir das Ganze mit Chris nur eingebildet habe (vielleicht hab ich ihn ja wirklich zu Tode gelangweilt). Ich meine, die letzte Woche habe ich am meisten mit DIR geredet... sagt das nicht alles?! (Bitte nicht beleidigt sein!)
    Jedenfalls war ich in diesem Club und hab ein wenig geflippert, natürlich ohne großen Erfolg. War aber total laut dort, das hat mich genervt... und außerdem haben mich die Geräusche vom Billardtisch ständig an das Wochenende mit Chris erinnert – hab also genau das Gegenteil erreicht.




    Irgendwann haben sich eine Handvoll Typen um mich gescharrt, weil ich so ziemlich die einzige Frau dort war. Hat das genervt! Entweder, sie haben schlaue Sprüche über meine Spiel"technik" abgelassen, oder sie haben total billig versucht, mich anzumachen. (Als ob ich's soooo nötig hätte...)
    Es war leider auch niemand da, den ich von Lionels Party kannte – wobei ich denjenigen dann vielleicht auch gar nicht erkannt hätte. Und überhaupt, das hätte mich dann ja wieder an Chris erinnert...
    Ach man! Ist doch alles Mist! Ich hab's einfach versaut, und wenn er sich nicht meldet, tu ich das ganz bestimmt nicht! Ich geh jetzt ins Bett und werde mein Kissen vollheulen...........

  • Forumspiel "Liebesgeschichte" Aufgabe 1: Aurelia Summers



    Als ich aus dem Taxi ausstieg und einen ersten Blick auf das Haus warf, in dem ich nun leben sollte, hatte ich das Gefühl dass mein Leben sich um 180 Grad drehen würde, und es bald nichts mehr so sein würde wie vorher. Ich war in England! Dieses Haus hatte ich zufällig bei einem Gewinnspiel gewonnen, und kurzerhand hatte ich beschlossen auch hierher zu ziehen. Es war wunderschö. Die langsam untergehende Sonne tauchte die Umgebung in ein rotes Licht und es sah aus als stünde die Welt in Flammen. Bei diesem Anblick wurde mir ganz warm im Bauch. So etwas sieht man nicht alle Tage! Ich sah wieder auf das Haus. Efeuranken wuchsen die Wand hinauf.



    In Internet stand, das es zwar vollständig möbeliert war, aber dennoch umeingerichtet gehörte. Es waren Fotos von allen Zimmern da gewesen. Ich hatte sie mir alle angesehen und beschlossen welche Zimmer ich komplett neu machen würde und welche nicht. Bleiben würden nur das Arbeitszimmer und die Küche so wie sie fertig eingerichtet waren. Seltsam aufgewühlt sah ich mir alles mal genauer an. Das erste Mal in meinem neuem Haus. "Mein Haus ...", diese Worte klangen für mich unrealistisch, nahezu unmöglich. Ich, die immer Angst haben musste ob ich die Miete überhaupt bezahlen konnte, war nun im Besitz eines eigenen Hauses. Die Vorstellung daran gefiel mir schon so gut, das merkte man, da ich das Wort "Haus" so oft benutzte.



    Das Arbeitszimmer. Esr war einer der wenigen Räume die in meinen Augen schön waren. Warum empfanden manche Leute diesen Raum als "hässlich" und manche als "schön"? Diese, und andere Fragen, die ich mir nicht erklären konnte, hatte ich mir schon oft gestellt. Ein Geruch von Staub hing in der Luft. Es gehörte dringen einmal gelüftet. Ich öffnete das Fenster und machte mich auf den Weg nach oben.



    Die Küche. Sie war in grün gehalten, mit vielen teuren Geräten ausgestattet. Ich fühlte mich sofort wohl. Die Küche verbreitete eine heimelige Stimmung, denn sie ähnelte meiner Alten in Wien nur zu gut. Ich sah mir der Reihe nach das Eszimmer, das Gästezimmer, das Bad und schließlich auch mein Zimmer an. Der Raum wirkte kahl, und hier war alles irgendwie frostig und abweisend. Es gefiel mir hier wahrlich nicht. Bald würde die Sonne hinter dem Horizont verschwunden sein.



    Ich sah aus dem Fenster. Plötzlich wünschte ich mir ich wäre wieder in meiner alten, leicht schäbigen Wohnung in Wien zurück. Dort war es viel gemütlicher, die Gegend war mir vertraut, und ich hatte auch Freunde. Warum hatte ich das denn nur gemacht? War ich verrückt geworden?? Jedenfalls konnte ich jetzt nicht mehr zurück, ich musste wohl oder übel das Beste daraus machen. Morgen würde ich gleich jemanden arrangieren der mir beim Umeinrichten helfen würde.

  • Forumspiel "Liebesgeschichte" Aufgabe 2: Aurelia Summers



    "Sind Sie mein 'Berater'", fragte ich überflüssigerweise den jungen Mann der sich als Josh Green vorgestellt hatte. Wer sonst würde mich besuchen! Mich kannte doch keiner! "Ja, der bin ich...", sagte er ein wenig gleichgültig. Ich hatte ihn gegen eine Bezahlung arrangiert um das Haus wohnlicher zu gestalten. Als ich in seine Augen sah, wusste ich aber sofort dass es um mich geschehen war. Die Schmetterlinge im Bauch, die puddingweiche Knie, dieses flaue Gefühl, das überall in mir herrschte, das alles waren Zeichen dafür. Verdammt!



    Es war mir plötzlich auch alles irgendwie peinlich. Mein Haus, wie es eingerichtet war, die dünne Staubschicht, die sich bereits gebildet hatte, und bei der ich einfach zu faul war um sie wegzuwischen. Okay, aber das wäre bei einem anderen Wohnungsberater wohl auch so gewesen. "Ziemlich ungemütlich hier.", Josh sagte diese Tatsache ohne zu berücksichtigen, dass dies ziemlich peinlich für mich war. Ich wollte am liebsten im Boden versinken.



    Trotzdem blieb sein Gesicht freundlich, und ich musste errötend feststellen, das seine silbernen Augen mich genauestens von oben bis unten musterten. Ein spöttisches Lächeln erschien auf seinem Gesicht, und leider wusste ich nicht warum. Ich hätte alles dafür gegeben um zu wissen was er jetzt gerade dachte. "Möchtest du... Möchten Sie etwas zu trinken? Kaffee vielleicht?", fragte ich höflich um meine Verlegenheit zu überspielen. "Du kannst mich gerne dutzen", sagte er frech, "und bei einem Kaffee sage ich nicht nein, dafür bin ich zu höflich, auch wenn ich eigentlich lieber Tee oder etwas anderes trinke" "Unverschämtheit!", dachte ich wütend.



    Wir besprachen schließlich noch wie meine Vorstellung einer perfekten Wohnung aussehen würde und welche Möglichkeiten nicht zu teuer wären, um alles hier viel hübscher zu machen. "Morgen nehme ich einen Katalog mit", sagte er schließlich noch beim Abschied, "Und dann sehen wir weiter" Als ich die Tür hinter ihm schloss war ich erleichtert und etwas traurig zugleich.

  • 03. September 2005




    Dear Mr. Diary,


    du wirst nicht glauben, was passiert ist! Heute morgen hat Sheila bei mir Sturm geklingelt, als ich gerade meinen ersten Kaffee inhalierte. Ich wollte sie, schlaftrunken wie ich war, natürlich erst mal gehörig zusammenstauchen, als sie mir ohne Begrüßung einen Brief unter die Nase hielt. "Von Christopher", sagte sie nur, woraufhin ich sie völlig perplex angestarrt haben muss.
    Ich dachte in dem Moment echt, das wär's gewesen! Wortgewandt, wie er ist, wollte er wohl per Brief mit mir Schluss machen (das heißt, waren wir überhaupt je zusammen gewesen?). Nur warum hatte er den Brief an Sheila und nicht an mich geschickt?




    Während Sheila mir berichtete, dass sie gerade erst vor einer halben Stunde aus San Fransisco zurückgekehrt waren und sie ganz dringend einen Kaffee brauchte (lies: sie wollte sich bei mir durchschnorren, weil Lisa erst mal ins Bett gefallen war), hab ich mich mit zittrigen Händen an den Tisch gesetzt und den Brief geöffnet. Ich kleb ihn einfach mal in dich rein:


    Liebe Georgia,
    du wirst dich wundern, warum ich dir nicht gemailt habe und du jetzt von Lisa einen Brief bekommst, aber ich habe erschrocken feststellen müssen, dass ich weder deinen Nachnamen noch deine Telefonnummer kenne, sodass dies der letzte Weg ist, dich zu erreichen. Ich sitze gerade am Tisch einer texanischen Ranch und schreibe an der Story meines Lebens, für die ich gleich nach unserem Date unerwartet abfliegen musste. Dummerweise gibt es hier kein Internet, womit ich überhaupt nicht gerechnet hatte. Ich melde mich also gleich nächsten Samstag bei dir, sowie ich vom Flughafen zurück bin! Dein Christopher


    Kannst du dir den Sprung vorstellen, den mein Herz getan hat, Mr. Diary?




    Drei Stunden später – keine Ahnung, wie ich die zugebracht habe – hat er dann bei mir geklingelt! Als ich aufgemacht habe, blickte er total schuldbewusst drein (Gott, sah das sexy aus!!) und gestand mir gleich, dass Lisa ihn gerade abgefangen und von ihrem Urlaub berichtet hatte. Er hat gedacht, ich hätte den Brief spätestens am Dienstag erhalten! Jetzt tut ihm die Sache natürlich wahnsinnig Leid, und zur Widergutmachung hat er diesmal MICH geküsst! So stürmisch, dass mir fast die Luft weggeblieben ist, und immer wieder!!
    Ich schwebe gerade im siebten Himmel, Mr. Diary!!! Er ist jetzt erst mal nach Hause gefahren, will aber heute Nachmittag zurück sein und den Abend ganz allein mit mir verbringen...
    (Und das Tollste? Er hat mit seiner Story über einen Goldfund in Texas tatsächlich einen riesigen Sprung in seiner Karriere gemacht, weil er durch den Freund eines Onkels – oder irgendwie so – als Erster davon erfahren und berichtet hatte.)




    17. September 2005




    Mr. Diary,


    ich hab dir ja schon lange nicht mehr geschrieben! Irgendwie vergeht die Zeit gerade wie im Flug, und zwei Wochen gehen so wahnsinnig schnell vorbei! Gestern Abend waren Chris und ich zusammen tanzen, und ich hab zum ersten Mal bei ihm übernachtet!! (Oh oh, Teenager-Modus...)
    Er war so unglaublich zärtlich zu mir! Ich bin tatsächlich bis über beide Ohren in ihn verliebt und habe Schmetterlinge im Bauch, sobald ich nur an ihn denke... wie soll ich nur diese schrecklich langen fünf Tage zwischen den Wochenenden aushalten? Ich wünschte, ich könnte in Chicago unterrichten!




    23. Oktober 2005




    Dear Mr. Diary,


    entgegen aller Wetterprognosen ist es an diesem Wochenende noch einmal so warm gewesen, als wäre der Sommer zurückgekehrt! Chris ist gleich am Samstagmorgen bei mir aufgetaucht und hat mich zu einem Picknick entführt. Gott, war das romantisch! Wir waren die einzigen Menschen im Wald, und es wirkte, als würde die Welt uns allein gehören. (Na ja, und den zwei Rehen, die zwischendurch ganz überraschend ihren Kopf aus dem Gebüsch gesteckt hatten.)
    Obwohl es erst Oktober ist, habe ich dann von ihm mein Weihnachts(!)geschenk erhalten: eine Woche Skifahren in Stowe, Vermont!! Ich kann's noch gar nicht fassen... ich war nicht mehr Skifahren, seit ich fünfzehn bin oder so – wahrscheinlich breche ich mir alle Knochen! Aber ich glaube, mit Chris würde ich sogar auf die Spitze eines aktiven Vulkans klettern...




    03. Januar 2006




    Dear Mr. Diary,


    ich habe ganz vergessen, dich mit in den Urlaub zu nehmen und hab dir nun soooo viel zu erzählen: Weihnachten ist schon längst vorbei, und ich kann mich auch nur noch schemenhaft daran erinnern. Ich war natürlich zu Hause bei meinen Eltern (Virginia war auch da und hat mich stundenlang über mein Liebesleben ausgefragt), aber so richtig genießen konnte ich die Zeit ohne Chris (der ebenfalls bei seinen Eltern war) nicht. Gott sei Dank ging's relativ schnell vorbei.
    Am 27. Dezember haben wir uns dann am Flughafen in Burlington getroffen, und von dort aus ging's mit einem Mietwagen (ein Riesending!) nach Stowe. Natürlich lag dort unglaublich viel Schnee, und bereits unterwegs haben wir zweimal angehalten und uns wie die Kinder in dieser unglaublich weißen Pracht gebalgt. Außerdem ist er der totale Loser, was Schneeballschlachten angeht! ;-)




    Das Skifahren hat unheimlich viel Spaß gemacht, aber die ersten zwei Tage konnte ich mich dann vor Muskelkater kaum bewegen, sodass wir am dritten einen Ausflug in die White Mountains gemacht haben. Gott, war das atemberaubend schön dort! Wir haben sogar Elche in der Ferne gesehen!
    Den Abend haben wir dann am Kamin ausklingen lassen... und du wirst nie erraten, was ich dann getan habe, Mr. Diary! Als wir da so saßen und ich Chris' Gesicht im Feuerschein betrachtete, wusste ich, dass ich ohne ihn nicht mehr leben wollte. Und dann habe ich ihm ohne nachzudenken einen Heiratsantrag gemacht!!! Meinen donnernden Herzschlag hat man bestimmt bis zur Westküste hören können...




    Er hat angenommen! (Hätte er nicht, würdest du wahrscheinlich nie wieder von mir gehört haben, Mr. Diary...) Er hatte ganz plötzlich Tränen in den Augen und hat nur genickt, und ich war auch plötzlich nicht mehr fähig, irgendwas zu sagen. Wir haben uns stumm angeschaut, und dann hat er mich in seine Arme genommen und geküsst wie nie zuvor!
    Und den Rest des Abends haben wir dann im Bett verbracht... du verstehst...





    ****


    Ich möchte mich entschuldigen, dass ich in die Verlobung nicht mit dem glitzerndem Ring in samtener Box darstellen konnte. Ich versuche seit einer Woche den Download ausfindig zu machen, der diese Aktion unterbindet (meine Sims sind beim Anklicken "Verloben" sofort verlobt, ohne die ganze Szene durchzuziehen *verzweifelt*). Es gibt auch keinen Ring am Finger, aber in der Beziehungsleiste steht trotzdem da, sie seien verlobt (siehe hier). Bei der Hochzeit passiert genau dasselbe (hier), aber da mein Spiel so an die 15 Minuten lädt, komme ich mit der Fehlersuche leider nur äußerst langsam voran. Sorry also, dass ich das alles nun einfach ohne diese Szenen dargestellt habe – meine Teilnahme am Spiel hatte sich dadurch eh schon so verzögert. :-(

  • 24. August 2006




    Dear Mr. Diary,


    gerade habe ich den letzten Eintrag vom Dezember gelesen – der letzte Satz (also das dort Geschriebene) hatte einige Auswirkungen, wie ich bald festgestellt habe... mein Sohn wurde wohl in dieser Nacht gezeugt, ob du's glaubst oder nicht! Noch hat er das Licht der Welt nicht erblickt, aber in weniger als fünf Wochen wird es wohl soweit sein. Kannst du dir meine Kreuzschmerzen vorstellen?!
    Und noch eine Neuigkeit: seit geschlagenen vier Tagen trage ich nicht mehr meinen Mädchennamen! :-) Chris hat es tatsächlich gewagt, mich trotz meiner walrossähnlichen Figur zu ehelichen, und er wollte es unbedingt an meinem Geburtstag tun. Ich bin soooo froh, dass Sheila mir geholfen hat, in mein Kleid zu kommen. Und dann hat sie mich auch noch total hübsch geschminkt! Das Ergebnis hat mich selbst am meisten überrascht! (Oh, und Sheila trug am Wochenende das erste Mal Kontaktlinsen! Sie hat blaugraue statt brauner Augen, ist mir vorher nie aufgefallen. Cool!)





    Lionel hatte uns seinen Garten für die Hochzeit angeboten, und er war wirklich perfekt für diesen Tag! Und obwohl wir eine ganz kleine Hochzeit gefeiert haben, hätte die Menge bei Weitem nicht in seine Wohnung gepasst! (Meine hab ich schon vor drei Wochen gekündigt; ich werde nach meinem Mutterschaftsurlaub in Chicago eine Stelle suchen.) Unsere Eltern waren da, und natürlich Sheila und Lisa sowie Lionel und seine Familie.
    Als Pfarrer durfte ja mein Vater uns trauen, sodass wir wirklich ganz unter uns waren und keine Fremden in das Geschehen mit einbeziehen mussten (schlimm genug, wie die Tante beim Standesamt andauernd auf meinen Bauch geschielt hat!). Wobei ich bei Chris' Anblick und seinen sanften Worten sowieso kaum etwas um mich herum wahrgenommen habe.




    Als er mich dann unendlich zärtlich geküsst hat, ist tatsächlich alles um mich herum verschwommen.
    Kann das alles wirklich wahr sein, Mr. Diary? Habe ich jetzt, mit dreißig Jahren, doch noch das große Glück gefunden? Ich hatte die Hoffnung ja schon aufgegeben... und nun bin ich gleich verheiratet! Was, wenn ich es doch überstürzt habe? Aber ein Leben ohne Chris ist für mich so schnell undenkbar geworden... ich bin sicher, dass ich mich richtig entschieden habe. Definitiv!





    Zum Mittag gab es – halt dich fest! – echten Hummer aus Vermont!! Das muss soooo wahnsinnig teuer gewesen sein! Aber Chris' Eltern haben wohl ein kleines Vermögen, wenn ich das richtig mitbekommen habe. (Ja ja, da habe ich mir wohl echt einen "Prinzen" geangelt.) Und alle haben sie mit Champagner auf unser Glück angestoßen – zu blöd, dass ich nicht mittrinken durfte! Dafür hat Virginia wohl ganz schön tief ins Glas geschaut, denn sie war noch aufgedrehter als sonst!
    Und es war schön, mal wieder mit meiner Familie zusammen zu sein, muss ich zugeben. Virginia hat mir alles von ihrem neuen Freund Derek berichtet und angedroht, dass es vielleicht bald wieder eine Hochzeit geben würde. Mama und ich glauben da nicht so dran, aber wir wollen ihr ja nicht die Hoffnung nehmen.




    Während des Essens habe ich immer wieder mit Chris geschäkert, so glücklich war ich. Nebenbei hat seine Mutter mir ganz viele peinliche Anekdoten aus seiner Jugendzeit erzählt, bis er mir bei jeder fiesen Bemerkung meinerseits ein Stück Kartoffel oder Gemüse in den Mund geschoben hat, damit ich damit aufhörte. Hat mich natürlich noch viel mehr angestachelt...
    Siehst du, Mr. Diary... selbst ein so langweiliges Leben wie meines kann so tolle Höhepunkte haben. Ich bin sicher, diesen Tag werde ich niemals vergessen!




    Am Ende haben wir uns alle für ein Hochzeitsfoto versammeln, was gar nicht so einfach war, weil die meisten von uns (natürlich außer mir, hrmpf!) viel zu angeheitert waren. Beim einzigen halbwegs vernünftigen Foto, was am Ende rausgekommen ist, gucke [u]ich[/i] nun nicht in die Kamera! Aber na ja, ich habe ja noch die Brautfotos – und irgendwie mag ich das Gruppenbild total gerne. Ich klebe dir auch einen Abzug rein, Mr. Diary.
    Vorne sind natürlich Chris und ich und unser Sohnemann in meinem Walrossbauch. Neben mir stehen Virginia (das heißt, sie schwankte eher!) und meine Eltern, und neben Chris seine. Hinten links sind Lisa und Sheila, und daneben Lionel und seine Familie (und der Hund, dessen Namen ich schon wieder vergessen habe).


    Eine tolle Hochzeit, Mr. Diary!





    *****


    Tja... mehr Einträge hatte ich nicht mehr gemacht. Als Sam auf die Welt kam, war ich viel zu beschäftigt, um noch einen Gedanken an Mr. Diary zu verschwenden. Und jetzt habe ich ja Chris, dem ich alles erzählen kann.
    Aber ich bereue es nicht, dass ich damals alles aufgeschrieben habe. Würde ich mich sonst wirklich noch an jedes Detail erinnern? So viele neue schöne Dinge sind seitdem passiert – ich glaube, da geht das ein oder andere schon mal unter. Deswegen habe ich ja auch angefangen, für Sam ein Scrapbook anzulegen, um keine Minute seines Lebens zu verpassen.




    Nachdem ich Mr. Diary ins Regal zurückgestellt habe, nehme ich den nach mir schreienden Sam auf den Arm. Er hat es schon jetzt faustdick hinter den Ohren, und wenn er seinen Dackelblick aufsetzt, kann ich ihm genauso wenig abschlagen wie meinem Mann.
    Lionel arbeitet nur noch drei Tage die Woche, sodass Sam zwei Tage die Woche allein mit ihm verbringt und sich allen möglichen Unsinn abschaut. Ich habe eine Stelle als Grundschullehrerin ganz in der Nähe gefunden und kann die meisten Nachmittage mit ihnen gemeinsam verbringen. Noch sieben Monate, dann werde ich erneut in den Mutterschaftsurlaub gehen.


    Ich bin so unendlich glücklich...



    ~ Happy End ~

  • Liebes Tagebuch!

    Ich kann es nicht fassen! Wieso? Wieso ruft er nicht an?!
    Ich hab jetzt schon eine Ewigkeit gewartet und dieser Idiot hält es nicht nötig mich anzurufen…!
    Was soll das? War der Kuss sooo schlecht? Ich bekomme richtige Minderwertigkeitskomplexe wegen ihm.
    Nun sitze ich hier, gegenüber vom Telefon und warte. Fehlt nur noch diese Westernmusik, kurz vor einer Schießerei.
    Ich hör sie schon! Jetzt beginne ich schon zu halluzinieren!
    Vielleicht läuten Telefone nicht, wenn sie sich beobachtet fühlen…?



    Nächster Tag

    Heute will mich Nina auf andere Gedanken bringen. Oder es wenigstens versuchen.
    Ich kann mir nicht vorstellen, wie das klappen soll, aber na gut.
    Sie hat mich zu einer Freundin von ihr eingeladen. Sie heißt Marcia.
    Auch dabei ist eine gewisse Lilian, die gegenüber von mir wohnt.
    Bis jetzt habe ich sie noch nie so kennen gelernt.
    Marcia spendiert uns gerade einen Drink und es dauert natürlich nicht lange, bis die Frage: „Und, wie sieht’s denn mit deinen Liebestatus so aus?“ gestellt wird.



    Weil ich sowieso ein ehrlicher Mensch bin, kläre ich den anwesenden Damen, über die kurze „Beziehung“ (für mich fühlt es sich so an) mit Preston auf.
    Darüber, dass ich ihn auf der Verlobungsparty von Ninas Schwester kennen gelernt habe, über unser erstes ungeplantes Date und darüber, dass er nicht anruft.
    Diese finden dieses Thema wohl sehr interessant, denn sie beginnen gleich zu spekulieren.
    Lilian lächelt. „Naja… Wenn sich dieser Preston nicht meldet, hat es möglicherweise einen verrückten Grund. Vielleicht ist er krank oder liegt im Krankenhaus… Was weiß ich?“





    Marcia unterbricht Lilian: „Oder er hat eine Andere…“
    Entsetzt blicke ich in Marcias Richtung. „Naja… Aber wieso nur ein Date? Wollte er nie mehr als einen Kuss von mir?“

    Marcia schnauft. „Wenn du schon beim ersten Date zulässt, dass er dich küsst, dann bist du selber Schuld…“
    Nina wirft einen ermahnenden Blick zu ihrer so genannten Freundin. „Marcia…?“
    „Stimmt doch…“, fährt diese fort. „Vielleicht hält er dich für ein Flittchen…“
    Angsterfüllt verziehe ich mein Gesicht. Was ist wenn diese Marcia tatsächlich Recht hat?!
    “Aber… aber… es war doch so romantisch… die Lichter… der Whirlpool…“, versuche ich mich zu verteidigen, aber prompt redet Marcia wieder dazwischen:
    „Whirlpool? Aber Schätzchen! Wenn er dich gleich beim 1. Date fast nackt sieht, dann brauchst du dich nicht zu wundern, dass er dich nicht mehr anruft…“



    Ich stehe den Tränen nahe und Nina, die Gute, nimmt mich an der Hand und zieht mich raus.
    Vorher murmelt sie noch etwas von einem dringenden Termin oder so etwas.
    Als wir endlich von dieser Marcia geflohen sind, bringt mich Nina nach Hause. „Tut mir Leid, dass es so gelaufen ist…“, entschuldigt sie sich noch einmal.
    „Du kannst ja auch nichts dafür…“, antworte ich und gehe ins Haus.
    Ich will jetzt einfach nur alleine sein. Einfach alleine sein. Ich lege mich auf die Couch und schlafe sofort ein.

    22:00

    Ich wache auf und habe endgültig den Tiefpunkt erreicht. Auf den Knien bete ich das Telefon an, endlich zu läuten.
    Aber es will nicht. Und ich weine…



    Ich glaube, ich liebe ihn. Ich weiß nicht, wie das in so einer kurzen Zeit geht, aber ich hab das Gefühl, wenn ich Preston nie wieder sehe, frisst mich mein Schmerz von innen auf.

  • Liebes Tagebuch,


    ich bin dir untreu geworden. Es ist seit meinem letzten Eintrag so unendlich viel passiert. Adrian hatte mich fünf Tage vor meinem Telefon sitzen lassen. Als ich am sechsten Tag nach meiner Probe nach Hause kam, war der Weg zu meiner Haustür mit einem Meer von Rosen bestückt. Als ich mich endlich zur Tür durchgeschlängelt hatte, lag vor meiner Tür ein großer Umschlag. Der Inhalt war hart und als ich ihn öffnete, sprang mir gleich ein Diktiergerät entgegen. Konnte ja nur von Adrian sein. Ich hatte mich vor die Tür gesetzt und ernsthaft überlegt, ob ich es überhaupt abspielen sollte. Er hatte mich tagelang wie eine Verrückte vor dem Telefon hocken lassen. Mein Job war auf Messerschneide, noch mal wollte ich die Nerven meines Dirigenten nicht reizen. Der Duft der Rosen stieg mir in die Nase und ich stellte mir vor, wie er sie hier aufgestellt hatte. Warum er sich nicht gemeldet hatte ... die Antwort war aufs Diktiergerät gebannt. Schrecklich, wenn man so neugierig ist, klar hab ich das abgehört...



    „Liebe Clarissa, du bist sicher unheimlich wütend und enttäuscht, dass ich mich nicht gemeldet habe. Zu Recht, wäre ich an deiner Stelle auch ...“


    Ach nee ernsthaft, wärst du das? Nee mein Lieber, ich war halb krank vor Sorge.


    „... Ich habe meinem Bruder versprochen mit ihm zu seiner Hütte in den Bergen zu fahren. Sollten nur 2 Tage sein doch leider fing es da oben heftig an zu schneien. Mein Handy hatte eh keinen Empfang und die Leitung der Hütte hielt dem Schnee nicht stand. Die Straße runter ins Tal war unbefahrbar...“


    Na bravo, so macht ein Kurztrip Spaß. Und jetzt soll ich dir einfach verzeihen?


    „ ... wir saßen 5 Tage da oben fest. Ich hatte dich jede Sekunde in meinem Herzen. Und meine Gedanken waren ständig bei dir. Ich hab dich vermisst, so sehr, wie ich noch keinen Menschen vermisst habe...“


    Süüüüß! Mehr bitte!


    „ ... Ich hoffe, du nimmst meine kleine Entschuldigung in Form von Rosen an. Ich möchte dich sehr bald wiedersehen und zähle die Sekunden bis zu deinem Anruf. Ich hoffe du verzeihst mir, dein Adrian ... ähm meine Nummer...“


    Ja, die wurde auch gleich im Handy abgespeichert und in drei Adressbüchern verewigt.
    War ja klar, dass ich ihn noch am selben Tag angerufen hatte. Wir hatten uns auch gleich für den Abend verabredet. Diesmal hab ich ihn aber nicht einfach so gehen lassen. Sicher war sicher!


    Wir sind ab heute 4 Monate zusammen und es kommt mir vor, als wäre es eine Ewigkeit. Wenn ich ein Konzert habe weiter außerhalb, telefonieren wir mindestens 2 mal am Tag. Wenn wir zusammen sind und unsere Arbeitszeiten sich überschneiden, sprechen wir uns kleine Nachrichten aufs Diktiergerät. Eigentlich haben wir vereinbart, dass wir die Bänder überspielen, wenn sie voll sind. Aber ich tausche die Bänder in meiner Wohnung regelmäßig (und das in seiner, wenn ich dran komme) heimlich aus. Wenn er wüsste, dass ich extra eine Kiste dafür angelegt habe, aber sie sind mir zum Löschen zu schade.


    Tagebüchlein, kannst du dir vorstellen, dass man sich nach 4 Monaten sicher ist? Dass man den Mann fürs Leben getroffen hat, mein ich. Ich denke, ich bin mir sicher. Er ist der Richtige! Und gestern habe ich mich endlich getraut. Ich hab ihn eingepackt und bin mit ihm in die Berge. Zur Hütte seines Bruders, wollte ich immer schon mal hin, um zu gucken, wo er eingeschneit war. Den Schlüssel hatte ich vom Bruder vorgestern schon geholt. Und den Kofferraum mit Überraschungen bestückt. War gar nicht so einfach Adrian ins Auto zu bekommen. Aber ich hab es geschafft Mr. Perfect zu überraschen, ist nicht einfach, er will ja immer alles bis ins kleinste Detail geplant haben. „Diesmal nicht, mein Lieber“, habe ich mir gedacht „diesmal erwischt es dich unvorbereitet“.








    Es war herrliches Wetter und kein Schnee in Sicht. Wir machten einen herrlichen Spaziergang und genossen die Abendsonne. Abends zauberte ich Adrians Lieblingsgericht und entführte ihn mit Sekt vor den Kamin.







    Mein Herz klopfte bis zum Hals, als ich ihn fragte, ob er sich den Rest seines Lebens mit mir vorstellen könnte und drückte ihm den Verlobungsring in die Hand. Er sollte wissen, dass es mir ernst war und sehen konnte er ihn ja nicht. Er saß einem Moment still da. Die Stille machte mir Angst, war es für ihn vielleicht doch zu früh? Er begann zu schmunzeln und ich fing innerlich an zu beten. „Bist du sicher, dass du es so lange mit mir aushältst?“ Und ob ich sicher war!







    „Und wo ist der andere?“ und hielt mir seine andere Hand entgegen. Ich legte ihm den anderen Ring in die Hand. Er lächelte mich an und steckte erst mir den Ring auf den Finger und dann sich seinen. „Du bist das Beste, was mir je passieren konnte.“ Dann küsste er mich... gewagt und den Hauptpreis gewonnen.







    Wir tanzten fast die Nacht durch, ich schwebte vor Glück und wir machten Pläne für unsere gemeinsame Zukunft. Ich wäre gerne noch länger mit ihm auf der Hütte geblieben. Leider aber kein Schnee und das nächste Konzert rückte auch immer näher. Aber unser nächstes gemeinsames Ziel fest im Auge: Zusammenziehen! Wird es leichter für mich die Bänder auszutauschen, wovon er nichts ahnt. Ich freu mich drauf!!!

  • Aufgabe 5



    Die Tage gingen ins Land und mittlerweile hatte ich mich damit abgefunden dass Dean sich nicht meldete. Wahrscheinlich hatte er in der Zeit schon fünf andere Frauen an seinen tollen Privatsee geschleppt und ihnen vorgespielt, dass sie ja so toll wären und er ja so verliebt sei. Verdammter Schuft, wie konnte er mir das eigentlich antun?
    Ja gut, soviel zu ich habe mich damit abgefunden.
    Ich lenkte mich ab, unter anderem mit Gartenarbeit. Die armen kleinen Pflanzen. Ich goss also mal wieder mit Hingabe meine Fähnchen als ich eine Stimme dicht hinter mir vernahm.
    "Hey Gartenfee, wie gehts dir?"



    Mein Körper versteifte sich augenblicklich und ich wusste ohne hinsehen zu müssen, wer da hinter mir stand.
    Ruckartig drehte ich mich um und wusste nicht ob ich vor Freude lachen oder vor Wut auf ihn einprügeln sollte. Ich entschied mich, stehenzubleiben wo ich war.
    "Na, hat dich die Erde wieder ausgespuckt nachdem sie dich fast zwei Wochen lang verschluckt hatte?"
    "Kate es tut mir leid. Bitte lass es mich dir erklären."
    "Ich wüsste nichts was dies entschuldigen würde. Hast du überhaupt eine Ahnung wie es mir in den letzten Tagen ging? Verdammt nochmal Dean, ich hab geglaubt das mit uns könnte etwas werden."
    "Und ich glaube es immernoch, denn du bedeutest mir viel. Bitte, lass uns reden."
    Missmutig schaute ich ihn an. Die Neugier überwog klar gegenüber dem Stolz und somit stellte ich die Gießkanne zur Seite und bat ihn ins Haus.



    Dean fing ohne zu zögern an zu erzählen. Und sein Grund entschuldigte alles.
    "Hör zu, es fällt mir äußerst schwer darüber zu reden. Außer dir weiß es momentan nur meine Mutter und engste Freunde und das wird erstmal auch so bleiben. Es war vor etwa zwei Wochen. Ich hatte früher Feierabend und beschloss meinen Vater im Büro zu besuchen. Wir mussten noch ein paar Dinge abklären die relevant für seine Firma waren. Ich fuhr also zu ihm und lief zu seinem Büro. Schon als ich dem Büro näherkam konnte ich seltsame Geräusche hören. Jemand der röchelte und versuchte zu schreien."
    Deans Augen füllten sich mit Tränen und ich nahm instinktiv seine Hand.
    "Ich stand also vor seine Tür und öffnete sie vorsichtig. Das erste was ich sah war Blut. Eine ganze Menge davon. Ich trat ins Zimmer - auf alles gefasst - und entdeckte meinen Vater. Blut überall, er mittendrin mit einer klaffenden Wunde am Hals. Ich rief sofort einen Krankenwagen aber er kam zu spät."
    Mittlerweile liefen ihm dicke Tränen über die Wangen und ich hatte das Bedürfnis sie ihm wegzuküssen, ließ es aber sein.
    "Später stellte sich heraus, dass mein Vater einen riesigen Berg Spielschulden bei einem Mafiaboss in Italien hatte. Du musst wissen, mein Vater war ein hochgestellter Mann und kam viel herum. Wie auch immer, diese Mafiadrecksau ließ ihn umbringen und ich hab ihn gefunden. Ich musste es erstmal verarbeiten."
    Ich fühlte mich so schlecht wie noch nie. Ich nahm Dean fest in die Arme und wollte ihn einfach nie mehr loslassen.
    "Vergiss was ich gesagt habe. Es tut mir so leid. Ich liebe dich."



    Ab diesem Tag an waren Dean und ich ein Herz und eine Seele. Genauso wie es immer sein sollte. Unser Glück wurde zwar von dem Drama mit seinem Vater überschattet, aber ich versuchte so gut es ging, ihm dabei zu helfen, das Geschehene zu verarbeiten.
    Dean gab sich viel Mühe und es wurde mit der Zeit immer besser. Die Monate vergingen und wir wurden von Mal zu Mal glücklicher. Noch nie hatte ich so etwas gefühlt.
    Wir hatten viel Spaß zusammen, machten alberne Dinge wie Fotos im Automaten die aussahen als wären wir auf Drogen, schauten uns morgens um vier Boxen an, gingen zusammen feiern und machten einen drauf.



    Doch im Vordergrund stand die Romantik und das Gefühl des Zusammenseins. Dean verhielt sich wunderbar und wir genossen jede einzelne Sekunde unseres Glücks. Er war der Mann meines Lebens und ich wollte ihn nie mehr missen. Zugegeben, insgeheim keimte in mir der Wunsch auf, den Rest meines Lebens mit ihm zu verbringen. Ich konnte mir einfach keinen anderen Mann an meiner Seite vorstellen. Neben jemand anderem aufzuwachen und einzuschlafen? Unmöglich.
    Ich beschloss die Initiative zu ergreifen und diesen großen Schritt zu wagen. Alles andere als ein "Ja" wäre ein Weltwunder, dessen war ich mir sicher. Hoffentlich nicht zu sicher.



    Es war der perfekte Tag, das spürte ich schon beim Aufstehen. Wir wollten in einen Park fahren, ein bisschen den See angucken, Enten fütten und so weiter. Das wollte er. Ich hatte ganz andere Sachen im Kopf und war furchtbar aufgeregt. In einem unbeobachteten Moment ließ ich den Ring in meine Tasche gleiten und wir machten uns auf den Weg in den Park.
    Dort wartete ich auf den richtigen Moment und als Dean vor einem großen Baum stand und diesen bestaunte (ich wusste nicht mal ob es ein Laub- oder ein Nadel- oder ein Sonstwasbaum war) beschloss ich es jetzt zu tun.
    "Dean..."
    Er drehte sich zu mir und da kniete ich schon vor ihm und fummelte das Kästchen aus meiner Tasche. Er schnappte hörbar nach Luft.
    "Dean, du bist mein Ein und Alles. Ich wusste es bereits als du mir wegen meinen Einkäufen hinterhergerannt bist und ich liebe dich über alles. Bitte bleib für immer bei mir. Heirate mich."
    Er dachte keine Sekunde nach und grinste mich an. Dann nahm er den Ring aus dem Kästchen und steckte ihn sich an den Finger.



    Meine Gefühle überwältigten mich und ich fiel ihm in die Arme. Ich drückte ihn so fest wie möglich, erfüllt von lauter Liebe und Glück.
    Ich konnte es nicht fassen. Ich - Kate Fox - würde heiraten. Aaaaaaah! Es schüttelte mich förmlich.
    Dean sah mich zärtlich an.
    "Ich liebe dich meine Süße."
    Dann küsste er mich vorsichtig und meine Lippen fingen Feuer, genau wie bei unserem ersten Kuss.