[Fotostory] Die Nacht, als die Titanic sank

  • Zwar nicht viel Text - aber die Bilder sind einfach sensationell. So mag ich es auch. Alles passt perfekt von den Skins bis zur Dekoration. Da hast du ja eine Menge Zeit für die neuen Schiffsräume investiert.


    Livia ich drücke dir ganz fest die Daumen dass du bald Zeit für Fortsetzungen findest. Ich hoffe doch, denn jetzt hast du ja eine Menge "Kulissen".


    Bis bald und LG
    MARF

  • Danke MARF für den sehr netten Kommentar :).



    Doch das wohl eindrucksvollste aller Räume war das vordere Treppenhaus. Man hatte tatsächlich das Gefühl, man würde in einem Schloss stehen.
    Auf dieser Treppe konnten bestimmt zehn Leute nebeneinander gehen.



    Wenn man an den vergoldeten und geschnitzten Geländern vorbeiging, kam man bei einer halbnackten Statue einer Frau an. Mrs Daniels mochte diese Art von Kunst nicht, doch sie verkniff sich einen Kommentar.



    „Das ist alles sehr beeindruckend, findest du nicht auch?“
    Ruth schob die Unterlippe vor. „Ich weiß nicht recht. Mir ist das alles zu prunkvoll. Immerhin ist es doch ein Schiff und kein schwimmendes Schloss. Wie viele Waisenhäuser könnte man wohl bauen allein von diesem Treppenhaus?“
    Mrs Daniels lächelte etwas gönnerhaft. „Das hätte dein Vater auch gesagt, glaube ich. Ist es nicht ein Jammer, dass er nicht bei uns ist? Was hätte ihm das gut getan, aus diesem fürchterlichem Klima herauszukommen und die gute englische Seeluft zu atmen! Komm, lass uns an Deck gehen! Wir werden bald ablegen, und das wird bestimmt auch sehr beeindruckend sein.“


  • Die vielen Decks der Titanic waren gut gefüllt, als der Augenblick der Abfahrt näher rückte. Alle Passagiere standen an der Reling und alle Besatzungsmitglieder, die nicht zur Mittagsschicht eingeteilt waren.



    Die Gangways waren schon eingezogen. Nur der letzte, der für die Besatzung bestimmt war, berührte noch den Kai, als sechs Heizer darauf zugerannt kamen.
    Ein Offizier vertrat ihnen den Weg. Sie redeten wild gestikulierend auf ihn ein, wohl um ihr Zuspätkommen zu erklären, aber er schnitt mit einer hochmütigen Handbewegung das Wort ab, drehte sich um und gab Befehl, die Gangway einzuziehen.



    Ben und Eddie standen auf dem hinteren Welldeck und beobachteten die Szene.
    „Hast du das gesehen, Kleiner?“ Eddie schlug Ben vor Begeisterung auf die Schulter. „Ha, ha, Jungs, ihr kommt zu spät! Euer Posten ist schon vergeben, ich kenne wen, der hat euch abgehängt! Das kommt davon, wenn man nicht pünktlich ist! Was glaubst du, was die sich ärgern, Kleiner!“
    „Da haben sie ja auch allen Grund!“, sagte Ben. „Wenn ich mir vorstelle, ich würde jetzt da unten stehen und du und zig andere würden mit der Titanic davonfahren und ich würde denken, ich könnte dabei sein, wenn ich bloß rechtzeitig da gewesen wäre, ich würde mir ein Loch in den Bauch beißen vor Wut.“




    Die Titanic ließ ihre dreistimmige Dampfpfeife ertönen, die meilenweit zu hören war. Die Maschinen begannen zu arbeiten, ein Zittern lief durch den Rumpf.



    Langsam setzte sich die Titanic in Bewegung. Wieder ertönte die Dampfpfeife.



    Die Kais waren schwarz von Menschen, die riefen und winkten und Taschentücher und Schirme schwenkten.



    „Ich muss gestehen, ich bin ein bisschen enttäuscht.“, sagte der Herr, der neben Ruth an der Reling stand. „Irgendwie habe ich mir den Beginn der Jungfernfahrt eines so ungewöhnlichen Schiffes feierlicher vorgestellt.“
    Ruth sah zur Seite. Das war der nette Herr, der ihr eben im Gymnastikraum so freundlich geholfen hatte Marion und Richard auf das elektrische Kamel zu setzen. Er hatte sich als Mr Beesley, Lehrer am Dalwich College in London, vorgestellt.



    „Ich habe noch nie eine Jungfernfahrt mitgemacht“, sagte Ruth. „Alle Schiffe, auf denen wir bisher gefahren sind, waren schon ziemlich alt.“


  • Mr Beesley lachte. „Dann haben Sie mir ja einiges voraus, mein kleines Fräulein. Das ist nämlich meine albererste Schiffsreise. Ich habe also überhaupt keine Erfahrung. Aber ich habe mir vorgestellt, dass alle Schiffe im Hafen ihre Hörner und Sirene blasen würden und dass Musikkapellen am Ufer ständen und spielten und dass Fahnen geschwenkt und Glocken geläutet würden. Wahrscheinlich ist das alles beim Stapellauf in Belfast geschehen und die Fahrt heute wird einfach als Beginn einer normalen Reise gesehen.“



    Die Titanic fuhr an einigen ankernden Schiffen vorbei. Plötzlich knallten Pistolenschüsse, die Menschen am Kai schrieen und rannten in Panik auseinander.

  • Hallo Livia!


    Deine Bilder werden mit jeder Fortsetzung besser, habe ich das Gefühl. Wenig Text, deshalb kann man das recht gut lesen und man kann nichts vergessen. Schade, dass die Fortsetzungen immer so kurz sind. Aber die Kleider gefallen mir am Besten. Bin gespannt, wie du den Untergang inszenierst. Die neue Fortsetzung endet ziemlich gemein. Hoffentlich machst du bald weiter.

    [SIZE="1"][COLOR="black"][CENTER]Man hat halt oft so eine Sehnsucht in sich -- aber dann kehrt man zurück mit gebrochenen Flügeln und das Leben geht weiter, als wär man nie dabei gewesen --
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  • Auf dem Welldeck sagte Eddie gerade zu Ben: „Sieh mal, da liegt mein altes Schiff, die Oceanic, gleich neben der New York. Ich hätte nie geglaubt, dass ich sie mal für klein halten würde, aber wenn man so auf die runterschaut, kommt sie einem vor wie ein Themsekahn und nicht wie ein Ozeandampfer. Hey, was ist das? Das klingt ja wie Schüsse? Mein Gott! Die New York treibt auf uns zu!“



    Einige Stockwerke tiefer stand Chris an einem Tisch in der großen Bäckerei. Er spürte das Zittern, das durch den mächtigen Körper lief, er hörte das gleichmäßige Dröhnen, das aus den Kesselräumen tief unter ihnen pochte. Sie fuhren! Die Titanic legte ab! Wenn sich hier unten in der Bäckerei allein die Bewegung schon aufregend anfühlte, wie mochte es dann erst auf den Decks sein, wo man sehen konnte, wie sich ein Streifen Wasser zwischen Schiff und Land schob, der immer breiter wurde? Ob eine Kapelle spielte? Ob alle anderen Schiffe ihre Sirenen gellen ließen?



    Er versuchte, einen Blick durch ein Fenster zu erhaschen. Dicht gedrängt standen die Menschen am Ufer. Die würden jetzt bestimmt alle „Hurra!“ schreien oder „Auf Wiedersehen!“ und „Gute Fahrt!“. Und sie würden sich bestimmt alle wünschen, dass sie auch an Bord sein könnten, an Bord dieses schönsten und größten Schiffes, das je gebaut worden war. Ein schwimmendes Luxushotel war die Titanic, ein gigantischer Palast, der aus eigener Kraft den Atlantik überqueren und über 2000 Menschen nach New York bringen würde. Und er, Christopher Harding aus dem Londoner Stadtteil Lambeth, in dem es weiß Gott mehr arme als reiche Leute gab, war einer von ihnen.



    Bis vor zwei Stunden, als er über die Planke gegangen war, die in den Bauch des Schiffes führte, hatte er sein Glück nicht glauben wollen. Fast sicher war er gewesen, dass noch etwas dazwischenkommen würde.



    Er würde ausrutschen und sich einen Arm oder Bein brechen.



    Chefbäcker Jones würde erklären, dass ein 15-jähriger Bäckerjunge zu jung wäre, und lieber einen Älteren mit abgeschlossener Lehre nehmen.



    Mutter würde es nicht fertig bringen, ihn gehen zu lassen.



    Die halbe Nacht hatte er sich immer neue Hindernisse ausgemalt und vor Aufregung nicht schlafen können.

  • Eine suppppppperrrrrrrrgeiiiiiilllleeeeeeeeeeee Fotostory!!!
    Beste von allen!!!!!
    p.s. und die titanic sieht auch hammergeil aus...
    wie hast du das nur hinbekommen?
    Großes LOB!!!!!
    LG
    penalty-kick

  • Soo Livia..

    hab mich jetzt rangesetzt und die ganze FS gelesen.
    Der Titel hat mich schon sehr angesprochen und da dachte ich mir: Les ich sie einfach mal ;)...
    Ja, muss sagen, es spricht mich einfach vom optischen und vom Schreibstil alles an! Machst du toll, die Titanic ist super gebaut, die Kleider, die Figuren sind einfach klasse!

    Werd jetzt auch immer schön gespannt sein und brav weiterlesen :)


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    [center] I can't do the talks, like the talk on the TV
    And I can't do a love song, like the way it's meant to be.
    I can't do everything, but I'll do anything for you,
    I can't do anything, except be in love with you![/center]


  • Aber er war in Southampton aus dem Zug gestiegen und die Titanic hatte dagelegen, groß und gewaltig wie ein Berg, und ein Uniformierter hatte gebrüllt: „Personal nach achtern! Personal nach achtern!“


    Achtern hieß hinten, das wusste Chris schon, und die Spitze des Schiffes nannte man Bug und das Ende Heck.



    Zwei junge Männer mit einem Seesack hatten sich in Bewegung gesetzt.




    Seine Mutter war die einzige Frau und ein paar Dutzend Schritte lang hatte Chris gefürchtet, sie würde in Tränen ausbrechen und ihn bitten zu bleiben.



    Aber sie war auf einmal stehen geblieben und hatte mit heiserer Stimme gesagt: „Geh weiter, Chris! Geh einfach weiter und sieh dich nicht um! In zwei Wochen habe ich dich ja wieder. Geh mit Gott, mein Junge!“



    Sie hatte ihm einen Stups gegeben, so dass er mit den anderen weiterlaufen musste, und da stand auch schon ein anderer, grimmig ausschauender, Uniformierter mit einer Liste in der Hand, dem sie ihre Namen sagen mussten.



    „Chris Harding, Bäckerjunge.“



    „Henry Pinnock, Bäckerjunge.“



    „Tony Richards, Liftboy.“


    Das ist jetzt mit den Seesäcken nicht wirklich gut gelaufen, aber es ging leider nicht anders.

  • WOW tolle fotostory wen ich schon daran wen denke wie lange du dafür brauchst fon 3.8.05 bis zum 30.8.06 über 1 jahr bis jetz respekt

    Eko fresh getto schef junge den es muss sein köln kalk hartz4 komm in meiner hood reinm komm und guck was es heist im block hier zu wohnen wo man leben muss von drogen oder prostiotzun ______________________________________________ Alle meine schreibfehler siend gewolt und dienen nur zur unterhaltung:D
    PS ICH BIN EXODIAXXL HAB NUR MEIN PASSWORT FERGESSEN UND MEIN PASSWORT FÜR MIENE E-MAIL AUF GMX




  • Auf der PS2 dürfte das etwas schwieriger sein, schon weil man da nur ebenerdig bauen kann. Für eine Titanic brauchst du ja mehrere Stockwerke.
    Wenn du das Sims2 für die PS2 hast, dann weisst du ja vielleicht, das man in einem Level auch auf einem Boot lebt.


  • Nachdem der Uniformierte seine Hacken gemacht hatte, gingen sie über die Gangway.
    Chris schaute noch ein letztes Mal zurück.



    Seine Mutter stand mit einem lächelnden Gesicht da, nur eine große Träne lag auf ihrer Wange. Er winkte ihr ein letztes Mal besänftigend zu, bevor er in die Titanic trat. Die Titanic! Er hatte es geschafft! Nichts und niemand würde ihn da jetzt runterbringen.



    Er ging träumend durch die nicht enden wollenden Gänge des Schiffes. Es roch nach frischer Farbe.
    Als Henry und er in ihrer Achterkabine angekommen waren, hatten sie kaum Zeit, ihre Seesäcke zu verstauen, denn schon ging es in den Raum, wo die Arbeitskleidungen verteilt wurden. Chris und Henry bekamen ein weißes Küchengehilfen-Gewand.
    Dann hasteten sie auch schon in die Bäckerei, denn sie waren für die Mittagsschicht eingeteilt worden.



    Dort stellten sich die Arbeiter nach Wichtigkeit ihrer Position auf. Henry und Chris standen am Ende. Chefbäcker Jones schritt die Reihe ab und musterte jeden kritisch.



    „Mach dir die Hosenbeine und die Ärmel kürzer!“, sagte er zu Henry.



    „Und du lässt überall die Säume heraus, Langer! Oder geh nach der Schicht zurück und lass dir größere Sachen geben!“
    „Das wollte der Purser nicht“, erklärte Chris. „Er sagte, die sind mir so zu weit, dass ich aussehe wie eine Vogelscheuche.“
    „Da kann er Recht haben“, sagte der Chefbäcker trocken.
    Die Belegschaft grinste.
    „Hol sie trotzdem! Am besten schaffst du dir schnellstens einen Bauch an so wie ich. Und bis du so weit bist, bindest du einen Gürtel um die Hose und machst die Schürze enger. Taylor, die beiden gehören zu dir.“



    Taylor war ein Bäcker, der kein Freund vieler Wort zu sein schien, denn er zeigte bloß auf einen abgedeckten Korb und sagte: „Schälen. Jeder fünf Kilo. Dann hacken. Der eine grob, der andere fein.“
    In dem Korb waren Mandeln. Chris musste selber herausfinden, wo die Waagen, die Töpfe und die Messer waren. Er schaute Henry an. Deshalb war also bei der Auswahl der Küchenjungen besonderer Wert auf Fixigkeit und Anstelligkeit gelegt worden.
    Während Chris seine Arbeit machte, merkte er, wie die Titanic ablegte. Ob Mutter wohl immer noch am Pier stand? Ob sie noch weinte? Er spähte durch das kleine Fenster, doch bei der Menge an Leuten konnte er seine Mutter nicht rausfiltern. Chris wunderte sich, wie er sie hatte verlassen können und dabei nicht einmal ein schlechtes Gewissen hatte. Aber er war einfach so glücklich, auf der Titanic zu sein, dass jedes Gefühl davon überstrahlt wurde.



    Er spürte einen Schuh auf seinem Fuß.
    Henry murmelte: „Hör auf zu träumen! Der Alte hat dich im Visier.“
    Chris wendete sich wieder seiner Arbeit zu.


    Plötzlich hörte er wieder die helle Stimme von Henry.


  • „Da!“, schrie er und zeigte auf die Fenster. „Da!“ Mitten im Schreien brach seine Stimme um und endete in einem Kiekser, doch niemand lachte, denn alle guckten aus den Fenstern.
    Was man da sah, ließ Chris Atem stocken.


    Ein viel kleineres Schiff trieb auf die Titanic zu. Man konnte die angsterfüllten Gesichter auf dem anderen Deck sehen. Die Menschen klammerten sich an der Reling fest und kamen immer näher.
    In der Bäckerei herrschte Totenstille. Das Schiff kam immer näher und als es nur noch eine Armlänge entfernt war, drehte es sich zur Seite und schrammte schwach an der Titanic vorbei.



    Die Bäcker sahen die schreienden Gesichter unmittelbar vor ihnen und dann vergrößerte sich der Abstand zwischen ihnen und dem anderen Schiff.
    Ein einstimmiges Ausatmen war zu hören.



    „Bei Gott, war das knapp“, sagte Mr Jones und starrte hinter dem Schiff her. „Ich dachte, jetzt rammt sie uns ihr Heck zwischen die Töpfe. Na, Glück muss der Mensch haben. An die Arbeit, Leute!“




    Chris beugte sich eifrig wieder über den Korb, um den Deckel abzunehmen, den er vorher draufgelegt hatte, damit die Mandeln nicht durch den ganzen Raum flogen, falls es einen Zusammenstoß gegeben hätte. Er konnte ganz schön pfiffig sein in solchen Fällen, auch wenn er Todesangst hat.
    Chris hätte Henry jetzt zu gern gefragt, ob der Chef das etwa ernst meinen könnte. Ein Schiff sollte fähig sein, die Bordwand der Titanic zu zerstoßen und mit seinem Heck in die Bäckerei einzudringen? Das konnte doch wohl nur ein Witz sein!


  • Bei Ruth, auf dem Deck der zweiten Klasse, sah der Vorfall bei weitem nicht so schlimm aus.
    Als die Schüsse ertönten und die Menschen auf dem Ufer auseinander rannten, hatte Mrs Daniels sofort eine Erklärung:
    „Das kann nur ein Wahnsinniger sein. Jemand ist aus dem Irrenhaus entsprungen und schießt in die Menge.“



    Mr Beesley jedoch beobachtete die Sache im Hafenbecken skeptisch.
    „Verzeihen Sie, bitte, dass ich Ihnen widerspreche, Madam, aber ich glaube, Sie irren sich. Da, sehen Sie, die New York hat sich gelöst und treibt auf uns zu. Das waren keine Schüssen sondern die stählernen Haltetrossen. Sie sind gerissen und auf den Kai geschlagen. Man kann nur hoffen, dass niemand verletzt worden ist, denn sie müssen wirken wie riesige, eiserne Peitschen.“
    „Die Halterossen sind gerissen? Aber wieso denn?“
    „Ich glaube, daran ist die Titanic schuld. Sie ist so gewaltig, dass sie gewissermaßen einen Sog erzeugt, der die anderen Schiffe anzieht wie ein Magnet. Sehen Sie, die New York kommt immer näher.“



    „Nun, ich muss sagen, ich bin heilfroh, dass wir auf der Titanic sind. Hier oben fühlt man sich wirklich sicher, so turmhoch über allen anderen Schiffen. Wenn ich bedenke, dass wir ursprünglich auf der New York gebucht hatten – ja, aber warum schreien diese Menschen denn so? Sind sie etwa in Gefahr?“
    „Das kann ich nicht beurteilen, fürchte ich.“, antwortete Mr Beesley und beobachtete irritiert, wie rasch die New York sich näherte. „Man sollte wohl meinen, dass dieses Problem der Sogwirkung der Schiffsleitung bekannt ist, denn es ist ja eine relativ simple, physikalische Tatsache. Es wird bestimmt eine Methode geben, wie man dem begegnen kann.“



    „Wir fahren rückwärts“, sagte Ruth plötzlich. „Oder wir bleiben stehen.“
    „Tatsächlich. Irgendwie hat sich die Richtung geändert.“
    „Aber wieso rückwärts?“, fragte Mrs Daniels erstaunt. „Wir sind doch gerade erst abgefahren. Ob der Kapitän etwas vergessen hat?“
    Ruth verdrehte innerlich die Augen. Ihre Stiefmutter dachte, Dummheit wär ein Zeichen mädchenhafter Naivität. Aber Mr Beesley konnte sie damit nicht beeindrucken, er war Lehrer für Physik und Biologie.
    Sie erhielt auch keine Antwort auf ihre Frage, denn Marion quietschte.



    „Guck nur, Ruth, jetzt stößt sie mit uns zusammen!“
    Tatsächlich war die New York der Titanic bedrohlich nah gekommen.



    Richard beugte sich weit aus seinem Kinderwagen und guckte über die Reling.
    „Kann auf sie runterspucken“, verkündete er stolz.
    Mrs Daniels hörte diese Bemerkung zum Glück nicht, denn die Leute auf dem Deck fingen alle an, durcheinander zu reden.


    In letzter Sekunde drehte die New York sich in eine andere Richtung und fuhr an der Titanic vorbei.