Forumspiel "Liebesgeschichte": Aufgaben

  • Aufgabe 6


    Liebes Tagebuch,

    ich hab dich endlich wieder!!! Es hat mir gefehlt, dich mit meinen Erinnerungen zu füttern. Mal sehen, ob ich sie alle behalten habe...

    Adrian wollte nicht mehr lange warten mit dem Heiraten. Also machten wir einen Termin fest. Ich war soooo aufgeregt. Ich nervte Anabelle fast zu Tode glaube ich. Allein das Aussuchen des Brautkleides, da hat sie bestimmt die meisten verloren. Aber finde mal das PERFEKTE Kleid! Ich weiß nicht, in wie vielen Geschäften wir waren, bis wir ES endlich hatten. Ich wollte unbedingt in einer bestimmten kleinen Kapelle heiraten. Ich hab mich sofort in sie verliebt, als ich meine ersten Streifzüge durch Roseville gemacht hatte. Den Saal mieten, die Deko bestimmen und die Einladungen aussuchen und verschicken. Anabelle war immer dabei. Sie ist so lieb, ich glaube ohne sie hätte es noch viel länger gedauert.

    Dann war es soweit, der große Tag war da. Aufregung pur! Anabelles Wagen wollte erst nicht anspringen. Ich dachte ich muss sterben. Das Brautkleid auf dem Rücksitz, der wartende Bräutigam vor dem Altar... ein Segen, nur eine Horrorvorstellung, denn dann sprang der Wagen doch an. Dann saß die Frisur nicht! Die Haare rutschten ständig wieder aus dem Knoten. Dann der Anruf meiner Eltern, dass der Flug Verspätung hatte und sie hoffen noch rechtzeitig anzukommen. Je mehr schief ging, desto nervöser wurde ich. Hätte ich Anabelle nicht gehabt, ich wäre gestorben. Dann im letzten Moment auch noch DAS, mein Absatz brach ab. Das war das Ende! Ich konnte doch nicht barfuss zum Altar.







    In dem Moment kam Mira rein, sie hatte mit Jan den weiten Weg von Ravensea extra für meine Hochzeit auf sich genommen. Wir hatten uns ewig nicht gesehen. Sie wollte wissen, wann wir fertig sind, der Pastor würde mich vermissen. „Gar nicht, wenn das SO weitergeht!“, habe ich geantwortet und hielt ihr den abgebrochenen Absatz entgegen. „Ich geh nicht barfuss auf meine Hochzeit!“ hab ich ziemlich hysterisch geschrieen. „Nee, du nicht! Das wäre ja auch was! Gib mir mal den Zweiten...“ Mira widersprechen? Unmöglich, also hielt ich ihr den Zweiten hin und zack war der Absatz auch ab. Mein Gesicht muss einmalig gewesen sein. „So meine Süße, die nehme ich jetzt und du nimmst meine weißen mit Absatz. Ist doch praktisch, wenn die Freundin die gleiche Schuhgröße hat, oder?“





    Ab da ging es wieder aufwärts: Meine Eltern trafen im letzten Moment ein. Anabelle hatte meine Frisur mit 88 Haarnadeln in den Griff bekommen, wenn es Gewitter gegeben hätte... der Blitz wäre bei mir gelandet. Nein, die Sonne schien und wir machten uns auf in die Kapelle. Mein Vater führte mich zum Altar. Da stand mein süßer Adrian schon und wartete brav, denn durch die Frisur- und Schuhaktion ging es erst 20 Minuten später los. Was er wohl gedacht hatte? Hätte ja auch sein können, dass ich unterwegs Reißaus nehme...





    In dem Moment, als ich neben ihm stand, waren alle Pannen vergessen und meine Nervosität wie weggeblasen. Mein Vater übergab mich an Adrian mit den Worten: „Jeder sieht ein Stückchen Welt, gemeinsam seht Ihr die Ganze. Möget Ihr die hellen Fußstapfen des Glücks finden und ihnen auf dem ganzen Weg folgen.“ Das sind die kleinen, einzigartigen, unplanbaren Highlights des Tages, die man nie vergisst.






    Die Party danach war einmalig schön. Jan und Mira hatten mir gefehlt und wir versprachen uns, nicht wieder so lange zu warten mit dem Wiedersehen. Sie waren begeistert von Adrian und unterhielten sich lange mit ihm.







    Der DJ hatte super Musik und wir tanzten bis zum Morgen durch. Miras Schuhe waren super bequem. Es war ein toller Abend, an den ich gerne zurück denke.






    Auf dem Hochzeitsfoto sieht man mir die Anspannung vor der Trauung nicht mehr an. Ich schaue mir gerne die Fotos an. Adrian hat sich seine eigene Erinnerungskiste zusammengestellt. Darin sind z. B. der kaputte Absatz, einige meiner Haarnadeln, der Korken der ersten Sektflasche des Abends, das Brautpaar vom Hochzeitskuchen und ein Tonband von seinem Bruder, mit Mitschnitten der Trauung und der Party.







    Wir sitzen ab und an zusammen und holen alle Erinnerungen aus den Schränken und tauschen uns aus. Ich beschreibe ihm die Fotos und lass meine Erinnerungen dazu schweifen und er anhand der gesammelten Dinge, seine.

    Umgezogen sind wir auch, das Haus wurde für unsere Pläne zu klein. Und dabei gingst du leider verschütt. Aber jetzt hab ich dich ja wieder. War ja klar, dass du in einer der letzten Kisten versteckt warst...

    [FONT=&quot]... für unsere Pläne zu klein, ja da war ich stehen geblieben. Ich spiele noch mit Anabelle im Orchester, einziger Unterschied, dass ich nur noch die Zweitbesetzung bin. So bin ich mehr in der Stadt und nicht mehr so viel unterwegs. Adrian wollte nicht, dass ich mit dem Spielen aufhöre. Aber Ende des Jahres läuft der Vertrag aus und ich bin nicht sicher, ob ich ihn verlängere. Anabelle, Pascal unser Cellist und ich haben da eine verrückte Idee. Ein eigenes Musikzentrum! Ob das etwas wird, steht noch in den Sternen. Adrian ist weiter bei Wellnessa.



    Aber unser größtes Glück ist Claire. Sie hat Adrians Augen und meine dunkle Haarfarbe. Ich fände es nicht schlecht, wenn sie bald ein Geschwisterchen bekäme... [/FONT]

  • Liebes Tagebuch!


    „Was hältst du davon wenn wir nochmal ins Wasser gehen?“


    Ranjids Stimme drang in mein Bewusstsein, das gerade dabei war ins Reich der Träume abzudriften. Ich streckte und räkelte meinen verschwitzten Körper auf dem Liegestuhl und bohrte meine aufgeheizten Füße in den kühlen Sand. Am strahlend blauen Himmel zogen ein paar Möwen kreischend über die Küste hinweg.
    „Hmmm, ja, wär' schon 'ne Idee. Aber eigentlich ist es doch viel zu viel Aufwand aufzustehen und vor zu laufen.“
    „Ha! Nix da!“ rief er, zog mich hoch und schleifte mich ans Meer.
    Es folgte ein kurzer, spielerischer Kampf, bis wir dann beide in die kühlen Fluten sprangen und ein Stück hinaus schwammen.


    Wir waren schon fünf Tage hier und verbrachten unsere Ferien am Strand von - -. Das Haus gehörte Bekannten von mir, die es uns freundlicherweise überlassen hatten und somit waren wir völlig ungestört von irgendwelchen Touristen oder Hotelpersonal. Wir verbrachten unsere Zeit mit Sonnenbaden, Grillen, Wasserschlachten und Sandburgenbau, stundenlangen Gesprächen auf der wunderschönen Terrasse am Strand ....


    und hatten auch nach Sonnenuntergang noch viel Spaß.


    Ranjid hatte sich letztendlich doch gemeldet, vier Tage nach meinem letzten Tagebucheintrag. Er hatte sich wortreich entschuldigt, mir Rosen geschickt und mir bei einem wunderschönen Candellightdinner (diesmal wirklich alleine!) erklärt, daß er die Zeit gebraucht hatte um sich darüber klar zu werden, wie es mit seiner Beziehung zu mir und der zu seiner Familie weitergehen sollte. Denn diese hatte ihm noch einmal klar gemacht, was schon bei diesem katastrophalen Abendessen abzusehen war: Ich war als künftige Partnerin ihres Sohns absolut inaktzeptabel. Da er weder mit seiner Familie brechen noch den Kontakt zu mir abbrechen wollte, blieb uns nichts anderes übrig als unsere Beziehung mit viel Bedacht in den Alltag zu integrieren und vorsichtig um seine Familie herumzuarbeiten, ohne daß die etwas davon mitbekamen.


    Naja, komische Geschichte. Man sollte meinen es würde dem ganzen etwas verbotenes, verruchtes geben, als würde man sich wieder wie 16 fühlen, aber letztendlich war es auf Dauer doch nur sehr anstrengend.
    Anstrengend war auch, daß Katharina tatsächlich den Job im Archiv der Polizei bekommen hatte und wir jetzt alle drei den gleichen Arbeitsplatz hatten. Natürlich war es lustig miteinander die Mittagspause zu verbringen und spontan nach der Arbeit noch zusammen Abendessen zu gehen, aber zwischen Katharina und Ranjid schien sich keine richtige Freundschaft zu entwickeln. Ein ums andere Mal kam ich mir vor, wie die einzige Person in unserer kleinen Dreiergruppe, die sich um ein harmonisches Miteinander zu bemühen versuchte, während die anderen beiden sich immer mehr aus dem Weg gingen. Dabei hätte ich mir so sehr gewünscht, daß sich mein Freund und meine beste Freundin gut miteinander verstehen.


    Nach unseren Ausflug in die wilden Fluten war ich in die Küche geschlendert um etwas Obstsalat als leichtes Mittagessen zuzubereiten. Auf dem Weg zurück zur Terrasse sah ich im Vorbeigehen durch das Fenster Ranjid und stutzte.


    Das Bild das sich mir bot wollte nicht so in die Stimmung passen, die sich durch unsere Ferienwoche gezogen hatte. Ranjid saß grübelnd, die Stirn in Falten gelegt am Strand und blickte hinaus aufs Meer.


    Ich überlegte kurz, entschloss mich aber, nachdem er beim Essen wieder wie gewohnt war, ihn nicht darauf anzusprechen. Einerseits weil ich wusste daß er früher oder später sowieso damit zu mir kommen würde, andererseits weil ich respektierte, daß er jetzt nicht mit mir darüber sprechen wollte.



    Als wir jedoch am Abend wie immer im Wohnzimmer vor dem offenen Kamin auf der riesigen Sofalandschaft zusammengekuschelt lagen, überkam es mich doch. Der Gedanke hatte mich den ganzen Nachmittag nicht mehr losgelassen und auch jetzt wirkte er weniger ausgelassen und mehr abwesend als sonst. Ich kuschelte mich ein wenige tiefer in seine Armbeuge und zog die Beine an „Sag mal, Schatz, was war eigentlich heute Mittag? Ich hab dich durchs Küchenfenster bei deiner Grübel-Meditation beobachtet. Was ist mit dir los? Und sag jetzt nicht „nix“!“ Es verstrich einige Zeit, und ich wollte ihn schon fragen ob er mir überhaupt zugehört hatte da er immer noch ins Feuer sah, als er mir endlich antwortete:


    „Weißt du, Sandy“ begann er, ohne den Blick von den Flammen zu wenden „ich genieße diesen Urlaub...“
    „Ja, aber....“
    „Nein, lass mich ausreden. Ich genieße diesen Urlaub sehr. Die gemeinsame Zeit mit dir, den ganzen Tag zusammensein und so kleine Alltagsrituale wie zusammen kochen, einkaufen, abends nebeneinander sitzen und lesen.... das sind so einfache Dinge. Aber jede einzelne Minute davon macht mich glücklicher als es jedes Candellightdinner könnte. Ich bin dieses ewige Davonlaufen, diese ewigen Lügen vor meiner Familie so müde. Ich will mich nicht länger den Regeln einer Kultur beugen, die nicht meine ist. Mit der mich nicht mehr verbindet als meine Hautfarbe und mein Name. Das ist nicht mein Leben. Du bist es. Du bist das schönste in meinem Leben. Und das will ich nicht länger verstecken wie ein schmutziges Geheimnis.“


    Endlich sah er mich an, und ich sah das Feuer in seinen Augen glitzern.
    Und dann tat ich, was mich selbst überraschte:
    „Heirate mich. Heirate mich, Ranjid. Ich liebe dich so sehr, und ich will mehr als eine Woche Urlaub mit dir zusammen. Fünf Tage sind ein halbes Leben zu kurz.“



    Ihn hingegen schien es nicht überrascht zu haben, denn er kniete sich vor mich hin, zog einen wunderschönen Brilliantring aus seiner Tasche und sagte
    „Ja, Sandy, ich will dich heiraten!“


    Ich strahlte ihn und den Ring abwechselnd an, vollkommen paralysiert vor Glück und Überraschung. Doch ich erwachte schnell aus meiner Trance, als er mich zu sich hinabzog, sacht eine Strähne aus meinem Gesicht strich, über meine Wange und durch mein Haar strich und mich dann küsste, und küsste, und küsste und küsste .....

  • Weiter unten im Text wird das Lied "Out of this world" von Bush angesprochen. Wer möchte kann es sich hier http://www.youtube.com/ watch?v=yH9kyC79XC4 (ohne Leerzeichen) anhören. Das verlinkte Video hat nichts mit der Geschichte zutun, es geht nur um den Song!


    Liebes Tagebuch!


    Endlich war es soweit. Ein wunderschöner Sommertag, der Tag an dem ich Ranjids Frau werden sollte und Ranjid mein Mann, der schönste Tag in meinem Leben, so zumindest die Theorie.


    Die Praxis sah so aus, daß es bis hier her ein einziger Kampf war. Wie bereits erwartet hatte sich Ranjids Familie gegen die Hochzeit mit mir gestellt. Die Wochen vor der Hochzeit waren ein einziges Gerangel, ein ewiges hin und her, begleitet von nächtlichen Drohanrufen der Großmutter, tränenreichen Entschuldigungen von Ranjid und seiner Schwester Kajol, die neben ihrer jungen Tochter wohl die einzige der Familie war, die mir keine Seuchen und Wundfieber an den Hals wünschte.


    Und nicht nur seine Familie übte sich in Unmut, nein, auch meine Eltern, bzw. meine Mutter. Sie war äußerst ungehalten darüber, daß sie erst eine Woche vor der Hochzeit anreisen konnte und ich bereits mit Katharina mein Hochzeitskleid ausgesucht hatte.
    „Ein Hochzeitskleid das nicht von Vera Wang ist, verdient diese Bezeichnung eigentlich gar nicht!“ war ihre Ansicht.
    Außerdem bestand sie darauf daß ich einen bodenlangen Schleier trug („um die ganzen bunten Tätowierungen zu kaschieren“) und die Perlen meiner Großmutter an den Ohren. Für das Braut-make-up hatte sie sich mehrere Skizzen eines MAC-Make-up artists aus London schicken lassen.



    Und obwohl sie es schaffte, außer bei dem Kleid mir ihren gesammelten Vorschläge aufzudrängen, stand sie am Hochzeitsmorgen in meinem Schlafzimmer prüfend vor mir und schüttelte den Kopf.
    „Nein, also wirklich, wenigstens eine Schärpe. Oder Abendhandschuhe.“
    Sie seufzte. „Ich geh nach unten und hol die Manolos, die ich für dich besorgt habe. Wenigstens ein wenig Stil solltest du an deinem großen Tag haben.“


    Ich sah meinen Vater verzweifelt an, der auf einem Hocker hinter mir saß.
    „Ich krieg eh schon kalte Füße. Aber sie verwandelt sie zu Eisbein und reicht Sauerkraut dazu! Ich fühle mich schrecklich.“ Er lächelte mich aufmunternd an und klopfte mir auf die Schulter.
    „Du siehst wundervoll aus, mein Schatz. Denk dir nichts, du weißt wie Elaine ist.“


    Das war wahr. Ich wusste wieso meine Mutter so war.
    Elaine war die klassische Tochter reicher Großstädter. Privatschule, Perlenkette, Country Clubs, das war ihre Welt. Bis sie Pete kennenlernte und sich unsterblich in ihn verliebte.


    Mein Vater war und ist Tätowierer und hatte mit einer kleinen aber exklusiven Ladenkette, einem Großhandel für Piercingschmuck sowie revolutionären Fortschritten im Bereich Hygiene, Cuting und Implantaten den Namen „Wildcat“ zu einer unvergleichlichen Größe der Szene gemacht (www.wildcat.de) . Er zog mit ihr in die Wüste nach Merkwürdighausen und die ersten Jahre verliefen auch prächtig. Doch meine Mutter war eben tief in ihrem Inneren eine Großstadtpflanze und so wurde ihr immer noch schönes, klassisches Gesicht immer härter, während sie versuchte die Wüstenbewohner von Country Clubs und Lauchpastetchen zu überzeugen.


    Das waren meine Eltern. Der coole Pete, immer in Flip Flops, langhaarig und volltätowiert und die kühle, zugeknöpfte Elaine, die Pete dennoch abgöttisch liebte. Und so wurde aus mir ein Kind mit übermäßig vielen Tätowierungen, einem gesunden Interesse für Verbrechen und einer Vorliebe für viel zu teure Schuhe von Cloè.
    Ganz ehrlich: Meine Eltern waren zwar merkwürdig, aber sie waren es, die mir jeden Tag die Hoffnung gaben, dieses Drama durchzustehen.


    Die Trauung fand auf einer mit Blumen übersäten Wiese gegenüber meines Hauses statt. Es war wunderschön.
    Überall Blumen, ein kleiner Teich, die Stühle der Gäste waren mit einem weißen, fließenden Baldachin aus Gaze überspannt und der Hochzeitsbogen mit weißen Rosen stand auf einem erhöhten Podest unter einer alten Weide.


    Als ich von dort aus verstohlen während der Zeremonie die Gäste überblickte, meine Freunde, Kollegen und Verwandten, Katharina, meine Trauzeugin (die merkwürdigerweise ein doch sehr tief ausgeschnittenes Kleid trug) Ranjid, neben mir in einem tollen Leinenanzug.... endlich waren alle versammelt. Ich stand hier, in einem Wahnsinnskleid inmitten dieser Blumenpracht und die warme Sommersonne, die durch die Weide Lichterspiele auf meine nackten Schultern zauberte, neben mir der Mann den ich über alles liebte.... , nun wusste ich was das Wort „Glückseligkeit“ bedeutete.


    Ich war glücklich. So sehr, daß ich tanzen und lachen und dabei Ranjid an der Hand und in den Arm nehmen wollte. Endlich war alles so, wie es sein sollte. Endlich war alles gut.


    Nach der Trauung begann ein lockerer Umtrunk auf dem selben Gelände und ich wurde von so vielen Bekannten in Beschlag genommen, daß ich Ranjid irgendwann aus den Augen verloren hatte.


    Ich nahm mir vor ihn suchen zu gehen und mir vorher noch schnell ein Blasenpflaster aus dem Bad zu holen. Mamas Schuhe waren zwar toll, aber leider sehr unbequem. Ich hüpfte barfuß und leise singend die Holztreppe hoch und ging auf das Badezimmer im ersten Stock zu.


    Ich war fast an der Badezimmertür angelangt, als ich sie sah. Ich weiß noch, wie oft Ranjid die Glastür im Bad bemängelt hatte.... Meine Wahrnehmung war seltsam verzerrt. Zuerst dachte ich „oh, da ist er ja“.


    Und dann registrierte mein Bewusstsein, daß etwas an dieser Szene falsch war. Ranjid stand lachend im Bad und in seinen Armen war Katharina. Sie trug nichts als Unterwäsche und High-Heels. Ich weiß noch daß mein erster Gedanke absurderweise war „ich hoffe sie ist nicht in diesen Schuhen übers Parkett im Schlafzimmer gelaufen“. Das ganze dauerte nur zwei Sekunden, doch es kam mir vor wie eine Ewigkeit. Es war, als hätte jemand sämtliche Geräusche abgedreht und mich in ein Vakuum gesetzt, als wäre die Luft plötzlich viel dünner geworden. Ich versuchte mich zu bewegen, doch meine Beine wollten mir nicht mehr gehorchen.


    Ich musste all meine Kraft aufwenden um mich von der Glastür abzuwenden und stieg wie in Trance wieder die Treppe hinunter, Gänsehaut überzog meine Arme und meine Wangen. Plötzlich hatte ich einen sauren Geschmack im Mund. Ich rannte zur Haustür hinaus und erbrach mich direkt in der Einfahrt neben meinem Pickup. Ich zog mich hoch, auf den Fahrersitz und atmete tief durch. Mein Blick fiel auf den Schlüssel des Strandferienhauses, der immer noch in der Mittelkonsole lag. Ich musste hier weg, sofort. So weit wie möglich. Und dort würde mich so schnell niemand vermuten. Denn ich wollte niemanden sehen, ich wollte mit niemanden sprechen. Einfach weg, raus, denn vielleicht würden dann meine Hände aufhören zu zittern.


    Ich kam gegen fünf Uhr Abends am Strandhaus an. Mit Sicherheit war meine Abwesenheit mittlerweile bemerkt worden, aber ich hatte mein Handy und das Backberry ausgeschalten, ich wollte mit keinem sprechen. Ich fühlte mich im Augenblick so, als könnte ich überhaupt nie mehr mit jemanden sprechen.


    Ich trug immer noch das Brautkleid, nur den Kopfschmuck und den Schleier hatte ich unterwegs abgelegt. Die Vakuumblase bestand immer noch, mein Zeitgefühl war völlig verschwunden. Ich ging barfuß zum Strand und sah aufs Meer hinaus.


    Das Meer sollte ja immer eine beruhigende und heilende Wirkung haben, vielleicht würde es mir helfen. Der einzige Gedanke der immer und immer wieder, wie auf einer kaputten Schallplatte durch meinen Kopf ging war „Am Tag meiner Hochzeit vögelt er meine beste Freundin. Deshalb waren sie so distanziert. Denn mein Mann und meine beste Freundin haben eine Affäre. In meinem Haus. Vor meinen Augen.“


    Mir war bewusst daß ich weinen sollte, daß ich laut aller Liebesromane die ich je gelesen hatte, schluchzend zusammenbrechen sollte. Oder zumindest laut schreien und schimpfen.Vorallem da ich jetzt ungefähr an genau der Stelle stand, an der Ranjid saß als er beschloss mich zu heiraten. Doch ich fühlte mich nur leer, ich sah nur immer diese Szene vor mir und konnte einfach nicht begreifen. Und ich wusste nicht, ob ich es überhaupt wollte.


    Abends, als ich immer noch frierend und zitternd vor dem knisterndem Kamin saß, klingelte mehrfach das Festnetztelefon in die Stille hinein. Um das ewig monotone
    Geräusch zu übertönen ging ich an die Stereoanlage und schob eine beliebige CD in den Player. Und während Bushs Out of this World durch die Räume hallte, traf es mich. Die Erkenntnis kam und traf mich mit voller Wucht, als würde mir ein Baseballschläge mitten ins Gesicht geschlagen. Es war wirklich so. Es war wirklich da. Es würde nie jemand kommen und mir sagen, daß alles wieder gut werden könnte.


    Nichts auf der Welt konnte es jemals wieder gut machen.
    Mir liefen heiße Tränen über das Gesicht und den Hals, ich legte den Kopf in den Nacken und versuchte Luft zu bekommen und schluchze nur noch verzweifelter. Es war alles weg. Er meine Liebe zu ihm verraten, mir meine Freundin genommen. Mich vor jedem der mir etwas bedeutet hatte bloßgestellt. Mein Zuhause beschmutzt und es für mich unmöglich gemacht wieder an meinen Arbeitsplatz zurückzukehren. Ich hatte monatelang gekämpft. Um ihn, um Anerkennung, um mein Leben in dieser neuen Stadt. Ich hatte nichts mehr, absolut nichts. Nichts woran ich mich hätte festhalten könnte, irgendetwas, was mich daran hindern könnte zu fallen. Es war nichts mehr übrig, außer mir selbst.


    Und als die Musik aus war, hörte ich durch mein weinen hindurch ein Geräusch inmitten der Stille der Nacht. Es war sehr leise, und doch übertönte es alles. Es hörte sich an, als würde man sehr dünnes Eis zerbrechen. Es fühlte sich an, als würden feine Glassplitter in meinem Herzen stecken.
    Es war vorbei.

  • Liebes Tagebuch,


    der große Tag kam immer näher. Jeden Tag, jede Minute und jede Sekunde machten mich nervöser. Schließlich habe ich als kleines Mädchen schon immer von einer wunderschönen und einmaligen Hochzeit geträumt. Und jetzt könnte mein Traum endlich wahr werden.
    Jedoch musste vorher noch viel organisiert werden. Aber da habe ich tatkräftige Hilfe von meinen zukünftigen Mann, meinen Eltern, meinen Schwiegereltern und meinen Freunden bekommen. Um alles alleine zu organisieren, hatte ich keine Nerven. Es sollte doch alles toll werden und wie ich mich kenne, kann es da schon mal vorkommen, dass ich irgendetwas vergesse. Vielleicht nichts weltbewegendes, aber etwas das mir dann doch ein Dorn im Auge sein könnte.



    Aber wofür hat man schließlich Verwandte und Freunde? Besonders der weibliche Teil unserer Gäste war begierig darauf, mir irgendwo zu helfen. Diese Hilfe nahm ich natürlich dankend an.
    Und dann kam endlich unser großer Tag. Ich lag fast die ganze Nacht wach. Die Zeit zog sich sehr langsam hin. Kaum war ich eingenickt, wachte ich auch schon wieder auf und schaute auf die Uhr. Es waren keine fünf Minuten vergangen. Wann war es denn endlich Zeit aufzustehen?
    Ich stand früher auf als gewohnt. Viel früher als gewohnt. Aber es klingelte auch schon an der Tür und der ganze Trupp an Helferinnen strömte herein. Ein Großteil von ihnen hatte auch kaum Schlaf abbekommen. Aber ihnen sah man das (zum Glück) eher an als mir.
    Und dann legten sie auch schon los. Meine Schwiegermami ist Friseuse und somit wollte sie unbedingt meine Frisur machen. Das ließ ich nur allzu gern zu. Sie ist wirklich eine Meisterin in ihrem Gebiet. Davon hatte Daniel schon so oft geschwärmt.
    Meine Mädels hatten wirklich an alles gedacht. So musste ich mir keine Sorgen machen.



    Wir beide hatten uns entschieden, den Ort unserer Hochzeit nach unserer persönlichen Wichtigkeit zu wählen. Das erste und wichtigste was uns einfiel war der Park. Am Ende des Parks gab es extra einen Ort für solche Anlässe. Wir mussten nicht lange überlegen und nahmen es sofort.
    Und jetzt stand ich wieder im Park. Aufgeregter als jemals zuvor in meinem Leben.
    Doch als ich Daniel am Bogen stehen sah, schwand mein Lampenfieber vor unseren Gästen. Ich ging zielsicher (und ohne diesmal zu stolpern, was mir vor einer so großen Menschenansammlung immer passierte) zu Daniel.
    Ich denke, Daniel war jetzt wieder danach zumute an seinen Nägel zu kauen. Doch das hat er sich mir zuliebe abgewöhnt. Obwohl ich ihn jetzt wieder mit seinen Fingern zucken sah.
    Erst jetzt bemerkte ich, wie gut er in seinem Anzug aussah. Ich liebe ja Männer in Anzügen, aber dieser Anblick übertraf alles und jedem. Ich hätte stundenlang nur so stehen und ihn anschauen können.



    Doch schließlich konnte ich mich von seinem Anblick abwenden und dann ging alles auch schon so schnell. Aber Mona hat daran gedacht ihre Videokamera mitzubringen und alles aufzuzeichnen. Damit wir uns es wieder, und wieder, und wieder anschauen können. Hätte ich meine treuen Helferinnen nicht, hätte ich dies vermutlich vergessen.
    So lange saß ich an meiner kleinen Rede für Daniel. Ich hatte so viele Ideen und Geschichten, die in meiner Rede vorkommen sollten. Ich hätte Daniel ein ganzes Buch schreiben können, doch ich schaffte es schließlich die richtigen Worte zu finden, ohne einen ganzen Roman zu schreiben.
    Daniel hatte auch eine kleine Rede für mich geschrieben und dann kamen mir auch schon ein paar Tränen.
    Dass jemand das gleiche empfindet wie ich, habe ich noch nie erlebt.
    Diesmal war auch ich dran mit „Ja, ich will“. Es sind nur drei kleine Worte, die aber das Leben sehr verändern.
    Unsere ausgesuchten Ringe sind wunderschön. Ich konnte es kaum abwarten sie endlich zu tragen.
    Und dann küsste Daniel mich. Genauso schön, genauso leidenschaftlich und genauso atemberaubend wie bei unserem ersten Kuss. Wenn nicht sogar nicht besser.



    Kurz darauf hörte ich unsere Gäste auch jubeln und erst jetzt erinnerte ich mich wieder daran, dass wir ja gar nicht allein waren.
    Als ich vorne stand, gab es für mich nur Daniel und mich. Und vielleicht den Pastor.
    Glücklich wie nie und lachend gingen wir beide Hand in Hand (und nun erneut beringt) durch die Menge. Ich konnte hier und da ein paar Taschentücher und ein paar Tränen glitzern sehen.
    Das war wirklich der glücklichste Tag meines Lebens. „Bis jetzt“ würde Homer wahrscheinlich sagen.



    Und dann kamen wir zu dem entspannten Teil des Abends. Unserer großen Hochzeitsfeier.
    Selbst bei dem Anschneiden unserer Hochzeitstorte konnte ich nicht aufhören zu lächeln. So ein Dauergrinsen, das auch aufrichtig gemeint war, hatte ich noch nie.
    Und das schöne daran war, dass es Daniel genauso ging.
    Wir konnten nicht aufhören zu grinsen oder rumzualbern. Damit haben wir vermutlich die kleineren Gäste angesteckt, denn zum Schluss hatten sie eine kleine Tortenschlacht. Hätte ich nicht ein so schönes Kleid angehabt, wäre ich dabei gewesen.
    Jetzt verging die Zeit sehr schnell. Zu schnell.
    Monas Kamera war überall. Zu jener Zeit.
    Doch schließlich muss jeder Tag zu Ende gehen. Auch wenn er noch so schön war. Was er bei unserer Hochzeit auf jeden Fall war.
    Wir feierten noch spät in die Nacht hinein, doch wir freuten uns auch schon auf Zuhause. Und einer ganz speziellen Nacht. Unsere Hochzeitsnacht. Was da passiert ist, kannst du dir ja vermutlich denken.



    Am nächsten Tag kamen die restliche Sachen von Daniel an. Wir hatten beschlossen in meinem kleinen Häuschen zu wohnen. Daniel wohnte nur zu Miete in einer Wohnung. Er hätte locker das Geld für ein Häuschen gehabt, wollte aber auf die Richtige warten. Auf mich.
    Göttlich. Ich kann immer noch nicht fassen, wie viel Glück ich hab.
    Er hatte sich auch von Anfang an in mein Haus verliebt. Dass es mir gehörte, fand er sogar noch anziehender.
    Kurze Zeit später war mir morgens immer übel. Zuerst dachte ich nichts dabei, doch als die Anzeichen immer deutlicher wurden, ging ich zum Arzt. Und meine Hoffnungen bestätigten sich.
    Ich war schwanger.
    Ich konnte es kaum erwarten, Daniel die freudige Botschaft zu überbringen. Zuhause angekommen, brach es auch direkt aus mir heraus. Den ersten Satz den ich zustande brachte, war „Wir sind schwanger.“ Direkt danach verbesserte ich mich in „Ich bin schwanger“ und „Wir werden Eltern“.
    Daniel konnte es kaum glauben. Sein Mund stand erstmal ein paar Minuten offen. Doch dann schloss er mich in seine Arme und wirbelte mich herum. Schließlich rief ich lachend „Stopp“. Er solle doch ans Baby denken und direkt setzte er mich ab.
    Ab sofort behandelte er mich wie eine Schwerkranke. Ich sollte mich nicht anstrengen und mich nicht unnötig aufregen. Tja, zuerst konnte ich ihn noch zurückschrauben, doch als langsam mein Bauch zu wachsen anfing, durfte ich mich kaum bewegen. So schlecht war das gar nicht. Ich konnte ausschlafen, essen was ich will und wie viel ich will und total relaxen. Daniel hat mir einfach jeden Wunsch von den Lippen abgelesen. Eine Schwangerschaft ist etwas Einzigartiges. Etwas einzigartig Tolles. Was jede Frau mindestens einmal in ihrem Leben erleben sollte.
    Schon bei unserem nächsten Arzttermin gab es eine noch größere Überraschung. Wir sollten nicht nur ein Kind bekommen. Nein, wir erwarteten Zwillinge.
    In meinem ganzen Leben habe ich mir immer gewünscht, wenn ich jemals Kinder haben sollte, wäre ein großer Wunsch von mir, Zwillinge zu bekommen. Und auch dieser Wunsch erfüllte sich jetzt.
    Wir rechneten auch den genauen Tag des Schwangerschaftsanfangs aus. Wir beide und auch der Arzt kamen auf unsere Hochzeitsnacht.
    Wir wollten uns mit dem Geschlecht der Kinder überraschen lassen. Da wir es aber kaum abwarten konnten, etwas für die Kinder zu kaufen, entschieden wir uns einfach alles, sowohl für Mädchen als auch für Jungs zu kaufen.
    Der nächste große Tag meines Lebens rückte immer näher. Und schließlich war es soweit. Morgens setzten die Wehen ein. Eigentlich musste Daniel arbeiten, doch er ließ alles stehen und liegen, rannte (mit mir auf dem Arm) zum Auto und brauste los.
    Die Geburt war schmerzhafter als ich es mir je vorgestellt hab. Jedoch hat es sich mehr als gelohnt.
    Endlich wussten wir ob wir zwei Mädchen oder zwei Jungs oder ein Mädchen und einen Jungen bekommen sollten.



    Zu unserer Freude haben wir ein Mädchen und einen Jungen bekommen. Namen zu finden war gar nicht so einfach. Wir hatten soviele Bücher durchgewälzt, Freunde gefragt und Internetseiten durchgewühlt, dass wir uns schließlich auf René und Emma einigten.
    Daniel verließ mein Zimmer kaum. Wenige Tage später konnten wir auch schon wieder nach Hause.
    Wir hatten, wie das Schicksal es wollte, ja beides eingekauft. Für Jungen und für Mädchen. Die Möbel standen schon bereit, nur das Zimmer musste noch richtig gestaltet werden. Innerhalb weniger Tages- und Nachtaktionen war das Zimmer fertig. Jetzt konnten die beiden auch in ihrem Zimmer schlafen. Es ist halb so und halb so eingerichtet. Sowohl für Mädchen als auch für Jungen.
    Das Zimmer liegt neben unserem Schlafzimmer, sodass wir sie gut hören können und direkt bei ihnen sind.



    Die Beiden sind ein kleines Wunder. Ich hab nie gedacht, dass ich jemals so viel Glück haben könnte. Ich habe nun eine Familie. Meinen Mann, meine beiden Babys und wir haben sogar einen Hund adoptiert. Eine Hündin namens Belle. Meine beiden Engel verstehen sich wunderbar mit Belle. Und sie liebt die beiden auch. Sie ist ihre Beschützerin und bewacht sie rund um die Uhr.
    Ich genieße jeden Tag. Noch sind die beiden klein, aber irgendwann bekommen sie noch ein Geschwisterchen. Vielleicht fängt es wieder an unserem Hochzeitstag an…


    Deine
    Michaela Jones

    [CENTER][SIGPIC][/SIGPIC]
    [SIZE="3"][FONT="Palatino Linotype"][COLOR="LemonChiffon"]My name is Dean Winchester.
    I'm an Aquarius, I enjoy sunsets, long walks on the beach and frisky women.[/COLOR]
    [/FONT][/SIZE][/CENTER] [SIZE="3"][FONT="Palatino Linotype"][COLOR="LemonChiffon"][RIGHT]♥[/RIGHT][/COLOR][/FONT][/SIZE]

  • 6. Aufgabe



    Unser großer Tag war da. Endlich!
    Dean hatte den perfekten Platz gefunden. Wir heirateten auf einer großen Wiese mit einem kleinen See und es war einfach alles perfekt. Meine Eltern und unsere Freunde waren gekommen um mit uns zu feiern.
    Es wurde ein großer Blumenbogen aufgestellt unter dem wir uns vermählten. Als ich Dean den Ring an seinen Finger steckte, war ich die glücklichste Frau der Welt. Er war mein Traummann, darin bestand einfach kein Zweifel.



    Als Dean mich nach dem Ringetausch in seine Arme nahm und mir den Hochzeitskuss gab, hörte ich den Applaus unserer Gäste und ein Anflug von Stolz erfüllte mich. Ich hatte so einen tollen Mann bekommen, und ich konnte ihn von nun an der ganzen Welt als mein Ehemann vorstellen. Ist das nicht toll? Es war wundervoll. Ich war so stolz auf ihn, auf mich, auf uns.



    Nach der Trauung kam das obligatorische Kuchenanschneiden. Dean legte seine Hand auf meine und wir führten das Messer gemeinsam. Es zog einen sanften Schnitt durch den süßen Blätterteig der verschiedenen Schichten und Deans Griff wurde fester, blieb aber dennoch zärtlich. Ich lächelte ihn über meine Schulter hinweg an.
    Das erste Stück galt mir und ich beschloss mich ein bisschen zu rächen. Ich erinnerte mich nämlich an unser erstes Date und daran, dass Dean mir immer etwas von meinem Teller geklaut hatte.
    "Komm Schatz, ich füttere dich."
    Ich stach ein extra großes Stück mit der Gabel ab und ehe sich Dean versah, hatte er das halbe Kuchenstück im Mund.
    Ich brach in schallendes Gelächter aus als Dean mir sein cremeverschmiertes Gesicht zuwand und die Gäste stimmten mit ein.



    Unsere Hochzeitsgesellschaft war recht klein. Wir waren gerade mal acht Leute. Da war meine Freundin Patrizia und ihr Mann Terry, Deans Freundin Marie, meine Eltern und natürlich Ben. Deans Mutter bedauerte es sehr dass sie nicht kommen konnte, aber ihr war nicht nach feiern zumute, was wir sehr gut verstanden. Auch wenn ich sie noch immer nicht kennengelernt hatte. Aber Dean versprach mir, dies nachzuholen, sobald wir aus den Flitterwochen zurückwaren.
    Oh unsere Flitterwochen. Er hatte Hawaii ausgesucht. Ich meine, Hawaii, was traumhafteres (und klischeehafteres) für eine Hochzeitsreise gab es wohl kaum.



    Unsere Feier war wirklich toll. Terry machte uns den DJ und legte wirklich super auf. Privat war er öfter bei Partys als DJ tätig und man merkte es. Er feuerte einen Hit nach dem anderen raus.
    Wir tanzten alle ausgiebig und hatten eine Menge Spaß. Während ich mit Dean tanzte, bemerkte ich plötzlich wie sein Blick starr wurde und er zielgerichtet an mir vorbeiblickte. Ich drehte mich um, konnte in der Dunkelheit aber nichts erkennen.
    "Dean? Was ist denn da?"
    Dean zuckte zusammen.
    "Was? Ach, da ist nichts. Du ich muss mal kurz aufs Klo. Gleich tanzen wir weiter meine sexy Braut."
    Dabei kniff er mir frecherweise in den Po und ich lachte und dachte mir nichts weiter als Dean verschwand. Stattdessen wendete ich mich Patrizia zu und wir legten einen flotten Tanz hin.



    Nach einer Weile war Dean immernoch nicht zurückgekehrt. Wo steckte er bloß?
    "Ich bin gleich wieder da", teilte ich Patrizia mit und verließ die Tanzfläche. Ich lief und rief nach Dean. Die Musik hinter mir wurde immer leiser. Ich kam am Buffet und an der angeschnittenen Torte vorbei, ignorierte das dreckige Geschirr und die geöffnete Champagnerflasche. Es zog mich in Richtung dieses Waldstückes, welches unmittelbar vor mir lag.
    Platsch - es regnete. Verdammt, es regnete ausgerechnet bei meiner Hochzeit unter freiem Himmel.
    "Dean? Dean, wo bist du? Hallo?"
    Ich lief weiter, und lauschte in die Stille hinein.



    Ich näherte mich dem Waldstück und erkannte einen Körper, der auf dem Boden lag. Oh mein Gott...
    "DEAN!"
    Ich rannte so schnell ich konnte. Mein Kleid wurde durch den Dreck geschleift, es war mir egal. Ich blieb an einem Strauch hängen und er zerriss mir den Saum, doch es war mir egal. Alles war egal. Wieso lag Dean hier?
    Ich schüttelte ihn und schrie doch er antwortete nichtl. Er war tot. Wir waren nicht mal einen halben Tag verheiratet und er war tot.
    Dann nahm ich einen Zettel wahr, der zerknüllt in seiner Hand lag. Ich nahm ihn und las den einzigen Satz:
    "Dachtest du, wir hätten die Schulden deines Vaters vergessen?"
    Oh mein Gott. Wie konnten wir annehmen, sie hätten sich mit der Ermordung seines Vater zufrieden gegeben. Ich warf den Zettel achtlos zur Seite. Dann küsste ich meinen Mann. Seine Lippen waren noch warm und ich fühlte mich wie Julia, die ihren Romeo küsste, kurz nachdem er sich vergiftet hatte.



    Zitternd und so gut es meine Beine zuließen, erhob ich mich. Tausend Gedanken schossen mir durch den Kopf. Was war nur passiert? Wieso ist es passiert? Wir hatten einen gemeinsamen Traum. Wir wollten Kinder, ein großes Haus mit Hunden und Katzen, wir wollten zusammen alt werden. Und jetzt? Unser Traum war zerstört, alles war kaputt.
    Mein leises Weinen entwickelte sich zu einem verzweifelten Schluchzen. Ich weinte und weinte und meine fließenden Tränen mischten sich mit dem Regen, der mir ins Gesicht tropfte.

  • Aufgabe 6


    Huhu, sagt mir bitte, bitte, dass heute letzter Abgabetag ist und nicht gestern. Hier trotzdem mal meine letzte Aufgabe!





    Liebes Tagebuch,


    ich habe dich gerade mal wieder aus dem Bücherregal hevor geholt und frage mich, warum ich dich niemals Tagebuch genannt habe. Ich weiss es nicht.
    Aber es tut mir schrecklich leid, dass du in den letzten Wochen so in Vergessenheit geraten bist. Ich hab das letzte habe Jahr, soviele tolle Momente mit dir geteilt. Jetzt werde ich die letzten auch noch nachholen.





    Ja wir haben geheiratet, an einem super schönen Frühlingstag.
    Er hatte gerade sein Abi bestanden, da wollten wir unser Glück noch etwas mehr besiegeln.
    Und weil wir ja so kitschig sind...



    Mussten wir natürlich auhc Bild von unserem Hochzeitskuss machen lassen.
    Wir haben nicht mit vielen Gästen gefeiert. Es sollte nur für uns sein.
    Ein ganz besonderer Tag.




    Natürlich sind wir auch auf Hochzeitsreise gefahren, wobei wir das geld hätten sparen können. Vor lauter Verliebtheit sind wir kaum aus dem Zimmer gekommen. Haben uns Morgens,Mittags und Abends das Essen bringen lassen. Da fahren wir extra auf eine tolle Insel und waren nicht einmal am Strand...aber wir fahren bestimtm bald wieder...




    Wir hatten uns dort ein richtiges kleines Nest gebaut. Soooo schön.
    Eigentlich hätte ich für immer dort bleiben können.
    Aber eines Abends rief die Hundsitterin an: " Hallo? I.was stimmt mit ihrer Hündin nicht. Ich glaube sie bekommt Junge!"
    Lestat und ich fielen aus allen Wolken. Lestat hatte seine Hündin Candy mitgebracht als wir zusammen zogen, wir wollten sie im Sommer stereliesieren lassen, und hatten Jimi und sie extra nicht zusammen gelassen, während sie heiß war.




    Wir packten sofort unsere Koffer, denn unsere Hunde sind und heilig.
    Wir kamen mitten in der Nacht an. Und was fanden wir vor?
    Einen kleinen Jimi und eine kleine Candy. Wir tauften die beiden Kaito und Kiki, mal sehen was aus ihnen wird.




    Bevor ich es vergesse, hatte ich erwähnt, dass wir im Urlaub zu Saunafreunden geworden sind? Diese Hitze, stieg uns das ein oder andere Mal zu Kopf.



    Naja seid dem Urlaub sind 6 Wochen vergangen und meine Regel bleibt nun schon zum 2ten Male aus, wahrscheinlich habe ich mir da ein Urlaubssouvenir mitgebracht. Für nächste Woche habe ich einen Termin beim Frauenarzt. Ich würde mir so sehr ein Baby mit Lestat wünschen.


    Ich werde dir weiterhin schreiben, liebes Tagebuch...


    Deine Caj Mikkola!