Die spanische Braut

  • Die FS haben mir toll gefallen, Nerychan!


    Wirklich gut gelungen ist Dir auch das Kloster und auch die Angst, die Catalina empfunden hat, als sie die schützenden Mauern hat verlassen müssen!


    Oh, ich sehe gerade beim Schreiben, dass Du eine weitere FS gepostet hast, die ich noch gar nicht gelesen habe :rollauge


    Mein Kommi daraufhin kommt dann später!

  • Love is in the air.... *träller*


    Oi, wenn das nicht mal Schwierigkeiten gibt.. Ohja. So ohne Grund gibts ja keinen Fluch und keine Geschichte und und und...


    Das arme Ding kann einem wirklich leid tun. Wird da regelrecht verschachert, aber das war ja damals gang und gäbe und ist es zum teil ja heute noch. Eine schreckliche Vorstellung für jemanden, der aus der heutigen Zeit stammt und ich denke die Frauen haben es damals eben einfach hingenommen weil sie sich ja nicht alleine durchbringen konnten, oder nur sehr, sehr schwer.


    Nun warte ich mal auf die nächste FS und bestimmt platzt nun Stanley (wie ich den Namen hasse) herein...


    LG, Lenya

  • Hallo Nery,

    ist der Bruder;), also der Schwager und ich vermute mal hier beginnt schon das ganze Drama. Die leuchteten Augen mit der William Catalina betrachtet - das sagt schon sehr viel aus.

    Sein Bruder ist also der versprochene und der hat wohl sehr wenig Lust auf seine Braut. Ein Lebemensch der sich für andere Frauen, Politik und Macht mehr interessiert, als auf seine spanische Braut mal zu schauen und sie zu umsorgen.

    Ein Blick von mir in die Zukunft, Williams ist unsterblich in Catalina verliebt und er kann seinen Gefühlen nicht mehr wiederstehen, sein Bruder kommt dahiner, auch wenn er keine großes Interesse an Catalina hat, ist sie doch sein Besitz. Kommt es daruch zu dem Fluch und der ganzen dramatik rund um die Familie??

    Catalina, hat in William die einizge Stütze in dem fremden Land. Auch wenn ihre Mutter Engländerin war, für sie ist alles neu. Das Land, die Leute und auch die Lebensweise. Wird sie ihr Herz William öffnen??

    Ich hinde die Fs sehr schön und spannend, deine Bilder begeistern mich jedesmal aufs neue - so wunderbar umgesetzt - man fühlt sich in die Zeit hineingezogen:applaus:applaus

  • Hallo alle zusammen!
    Ich hoffe, ihr hattet alle eine schöne Woche, und seid nun gespannt auf die nächste Fortsetzung.


    Zunächst ein liebes Dankeschön an Euch fleißigen Schreiberlinge. Es ist schön, Eure Kommentare zu lesen und macht die Zeit, die man so mit Bauen und Einrichten verbringt immer wieder lohnenswert. Vielen, vielen Dank!



    @gotti: richtig, es ist der Bruder des Verlobten, der zukünftige Schwager. Und ja, hier beginnt das Drama, gewissermaßen. Warum genau es nun zu dem Fluch kommt, werde ich natürlich jetzt noch nicht verraten, aber es hat schon etwas damit zu tun, was sich da zwischen Catalina und William abspielt. Und das hat gerade erst begonnen. Danke für dein liebes Kompliment. Ich gebe mir Mühe!:)



      Lenya: *mitträller* Catalina wurde tatsächlich so erzogen, dass sie die Entscheidung ihres Vaters nicht wirklich in Frage stellte. Zudem hatte er sein Wort verpfändet, und die Ehre war damals einfach das wichtigste Gut, das man besaß. Das allein hätte schon genügt, um zu tun, was man von ihr erwartete. Und nein. NOCH platzt Stanley nicht herein. Abwarten!;)



      Innad: ich fürchte, ich bin mal wieder schneller. Sorry. Aber dann hast du eben mehr zu lesen. Macht auch nichts. Danke für das Lob. Und ich freu mich dann auf den Kommi zu dieser FS hier. :rollauge



      Rheasylvia: ein Kompliment von dir als gewissermaßen Fachfrau bedeutet mir viel, das weißt du ja. Die Liebe hat ja, wie die Geschichte beweist, schon immer für die besten Dramen gesorgt, und ich denke, das wird sich auch hier mal wieder bewahrheiten. Auf jeden Fall hat Catalina durchaus Temperament, selbst wenn es im Augenblick noch nicht den Anschein hat. Aber das kommt noch!;)



      Llynya: ich mag Lady Alice auch. Sie ist zwar eine typische Vertreterin des damaligen Adels, aber sie hat trotzdem das Herz auf dem rechten Fleck. Und ja, sie hat ihren Mann geliebt, wie er sie. In ihren Augen müssen sich Liebe und ein passender Stand nicht ausschließen. Sie ist das beste Beispiel dafür.
    Das mit dem Fernhalten sagt sich so leicht. Sie ist so einsam, da greift man nach jedem Strohhalm, selbst wenn die Gefahr groß ist, dass er Feuer fängt. Und solange Stanley nicht zurück ist.... Schon manche Unglückliche hat den einen geheiratet, obwohl sie den andern liebte. Wie das nun hier wird, verrate ich noch nicht.
    Und nun hoffe ich, du kannst dich auch in Zukunft weiter an meinen Bildern nicht satt sehen. Vielen Dank für das Kompliment, von einem Detailfreak zum andern.:)



      Jane Eyre: lass dir ruhig Zeit, alles in Ruhe zu lesen und anzusehen. Dafür steckt man ja soviel Arbeit hinein, damit man viel zu schauen hat.
    Die Gründe für Marys Wunsch (Nochkönigin stimmt) werden noch erklärt, keine Sorge, da hast du nichts verpasst. Ich bin leider auch ein Häppchenfreak und hoffe, das stört dich nicht.
    Mit Patrick hast du, wie man gleich sehen wird, durchaus recht, aber vielleicht hätte er seine Großtante ja doch etwas ernster nehmen müssen. Womöglich zahlt er einen hohen Preis dafür.
    Jedes Mädchen hat irgendwo romantische Vorstellungen von einer möglichen Ehe. Ihre eigenen Eltern haben es Catalina vorgelebt, dass es Liebe geben kann. Und irgendwo hofft man dann, das gleiche zu erleben. Es wird sich zeigen, inwieweit sich dieser Wunsch erfüllt oder nicht. Auch an dich ein herzliches Dankeschön für dein Lob. Ich reiche es dann gleich mal weiter an Julsfels, die an den tollen Bildern dank ihrer Kreation einigen Anteil hat.



      Julsfels: *LOB an dich weiterreich* Es ist so schön, deine Sachen einzubauen. Und? Lass ich mir genug Zeit? Kein Sorry von dir bitte, wenn du den Kommi nicht schaffst. Deine "BESCHÄFTIGUNG" ist mir sehr, sehr wichtig. :anbet
    Und du hast das "Stöffchen" schon richtig verstanden. Absolut. Ich hoffe doch, dass das 19. Jahrhundert dem hohen Anspruch gerecht werden kann. Das kannst du ja jetzt gleich mal überprüfen.



    So, nun will ich aber mal zusehen, dass ich meine FS noch online bekomme, bevor ich arbeiten muss. Ich wünsche euch, wie immer, viel Spaß beim Lesen und Informationensammeln.

  • *





    Noch bevor der Lakai vom Kutschbock hatte springen können, war Patrick aus dem Wagen gestiegen
    und auf die andere Seite gegangen, um Lady Alice behilflich zu sein. Das Wetter war mild, im Grunde
    zu mild für die Jahreszeit, und so hatten sie die Fahrt im offenen Wagen von der Bahnstation hierher
    genossen. Gewiss, sie hätten auch eine der eigenen Kutschen für die gesamte Fahrt nehmen können.
    Aber die Eisenbahn sparte ihnen erheblich Zeit, trotz dass einige der ewig Gestrigen sie immer noch für
    ein Hölleninstrument hielten, das mit seiner im Gegensatz zur Kutsche halsbrecherischen Geschwindigkeit
    nur zu einer Katastrophe führen konnte.Seit fast 30 Jahren warteten sie nun schon darauf, vergeblich.
    [FONT=&quot]Patrick dagegen steckte eine Menge seines Kapitals in die sich immer mehr ausbauenden Strecken, mit Erfolg.[/FONT]








    Dass er diese Investitionen in Zukunft etwas zurückdrehen musste, gefiel ihm gar nicht. Aber es war
    unumgänglich, das machte ihm schon der erste Blick auf Ravensdale Hall, dem Stammschloss der Herzöge
    klar. Dabei hatte er gehofft, die Berichte wären, wie üblich etwas übertrieben gewesen. Doch davon
    konnte wahrlich keine Rede sein.Die Hecken waren verwildert, der Rasen an vielen Stellen
    geschädigt, an anderen wieder übermäßig in die Höhe geschossen, überall sprossen Unkraut und
    Wildblumen. Seine Mutter schnaufte hinter ihm entsetzt:
    „Wenn das hier schon so aussieht, wage ich mir gar nicht vorzustellen,
    in welchem Zustand der eigentliche Garten ist. Das wieder in Ordnung zu bringen, wird eine
    Armee von Gärtnern eine lange Zeit beschäftigen!“






    „Das ist dein Resort, Mamà!“ erwiderte Patrick. „Du hast genau das richtige Händchen dafür,
    das sieht man ja an Langley Park, um den Garten beneiden dich alle.“ Lady Alice lächelte für einen Moment
    ob dieser kleinen Schmeichelei, fuhr aber gleich darauf erschrocken auf, als Patrick über die Hecke sprang,
    durch das hohe Grass marschierte und mit einem Stock an einem Springbrunnen herumkratzte.
    „Um Himmelswillen, was machst du denn da, Patrick? Du ruinierst dir ja den Anzug!“
    „Die Fontäne ist viel zu klein, kein Wunder, alles verstopft mit alten Blättern, der Stein ist grün und
    das Wasser riecht... einfach nur übel. Muss ewig her sein, dass es gereinigt wurde.“
    Lady Alice schüttelte sich und bestand darauf, dass er augenblicklich wieder zurück kam. Immerhin
    [FONT=&quot]stand der Butler bereits wartend in der geöffneten Tür, um die neue Herrschaft zu willkommen zu heißen.[/FONT]








    Allerdings schien die von dem, was sie nun zu sehen bekam, genauso wenig begeistert zu sein wie
    von der Wildnis, die sich Einfahrt nannte. Schon die große Haupthalle bereitete ihnen einen frostigen
    Empfang. Während Patrick sich fragte, wie lange es wohl dauern mochte, bis Parkettboden derart
    abstumpfte, ließ seine Mutter den Blick über die hellen Wände gleiten, die auch schon bessere Tage
    gesehen haben mochten und stellte schließlich nach einem Blick in den Kamin unwirsch fest:
    „Kein Feuer in diesem Eispalast. Ob uns das etwas sagen soll? Was meinst du?“
    Patrick nickte. „Ja, dass hier eine ziemliche Schlamperei herrscht, aber das wird nun aufhören!“






    „Richtig. Und zuallererst solltest du diese Staubfänger entfernen!“ meinte Lady Alice, während sie mit
    den Fingerspitzen über das Metall glitt und sie dann leicht angewidert mit ihrem Spitzentuch abwischte.
    „Ich habe zwar nichts dagegen, seine militärische Vergangenheit zu präsentieren, aber das ist doch keine
    Waffenkammer hier! Als müssten sie sich selbst von ihrer glorreichen Vergangenheit überzeugen.
    Ziemlich ungemütlich! Überhaupt...“sie drehte sich zu Patrick um, der gerade ein paar durch Bilder
    versteckte Schäden in der Vertäfelung entdeckt hatte. „wo sind die ganzen Möbel abgeblieben?
    Ich habe noch nie eine Halle gesehen, die so dermaßen .... leer war! Abgesehen von
    diesen nicht wirklich dekorativen Blechhaufen! Bleibt zu hoffen, das wenigstens unsere
    Zimmer hergerichtet wurden.“






    „Gewiss Mylady, bestätigte der hinzugetretene Butler nach einer tiefen Verneigung. „Alles nötige wurde veranlasst
    nach dem Eintreffen der Nachricht. Die Gemächer für Euer Ladyschaft und Seine Gnaden sind bereit.“
    Sie nickte erleichtert und musterte den drahtig wirkenden Mann, der sich trotz seines Alters sehr gerade hielt.
    Langjähriger Armeedienst vermutete sie. „Und wo sind nun die Möbel abgeblieben?“ wiederholte sie ihre Frage.
    „Der veräußerliche Teil wurde verkauft, der Rest befindet sich größtenteils auf dem Speicher, Mylady!“
    „Auf dem Speicher? Was sollen sie denn da?“ Sie wechselte einen erstaunten Blick mit ihrem Sohn.
    „Seine Gnaden, ich meine Seine verstorbene Gnaden brachte sie damit gewissermaßen in Sicherheit.“
    Ihre Augen wurden noch größer. „In Sicherheit? Ich verstehe nicht.“
    „Es steht mir nicht zu, schlecht über die Toten zu sprechen, Mylady. Wenn ich nun vorausgehen darf?“
    „Wenn Sie eine Erklärung für den erbärmlichen Zustand des Hauses haben, dann möchte ich sie hören,“
    erklärte Patrick, während er ihm gemeinsam mit seiner Mutter folgte. Der alte Mann seufzte geräuschvoll.
    „Nun, Euer Gnaden, lassen Sie es mich so ausdrücken, Lord James war der Ansicht, dass er.... bereits zu
    [FONT=&quot]Lebzeiten seines Vaters frei über sein zukünftiges Erbe verfügen konnte.“[/FONT]






    +++++++++++++++++++++++++
    geht noch weiter

  • *






    Der Butler führte sie die große Treppe hinauf ins obere Stockwerk und erzählte dabei weiter.
    „Seine Lordschaft war ein leidenschaftler Spieler, bedauerlicherweise aber auch ein recht glückloser.
    Seine Schulden waren immens. Sein Vater, der Herzog musste größte Anstrengungen unternehmen,
    um sie zu begleichen, damit es keinen Skandal gab. Leider wurde ihm das nicht gelohnt.
    Seine Lordschaft spielte weiter und weiter. Und als die Barmittel aufgebraucht waren und
    alles verkauft worden war, was nicht zum Fideikomiss* gehörte, da...“ er räusperte sich verlegen.
    „Da begann Seine Lordschaft, auch diese Sachen fortzuschaffen. Seine Gnaden überraschte ihn
    eines Tages in der Silberkammer, wo er gerade zwei kleinere Tafelaufsätze in einer Tasche verstaute,
    zwei Wochen später fehlten verschiedene Tabatieren** aus der Sammlung des vorherigen Herzogs.“
    [FONT=&quot]„Gütiger Himmel!“ entfuhr es Lady Alice. Der Butler öffnete eine Tür.[/FONT]


    [FONT=&quot]


    [/FONT]

    [FONT=&quot][/FONT]


    [FONT=&quot]
    [/FONT]

    „Diese Suite ist einer der wenigen Räume, die noch völlig unverändert geblieben sind. Seine Gnaden
    bewahrte den Schlüssel bis zu seinem Tod persönlich auf. Es waren die Gemächer der verstorbenen
    Herzogin. Ich habe es für Euer Ladyschaft herrichten lassen und hoffe, es sagt Euch zu.“
    „Sie ist sehr früh gestorben, soweit ich weiß,“ meinte Lady Alice, während sie sich umsah.
    „Ja!“ bestätigte der Butler. „Seine Lordschaft war gerade mal zehn Jahre alt.
    Seine Gnaden hat ihren Tod nie verwunden, und so ließ er die Räume abschließen und kam
    nur selten, und wenn, dann allein hierher.“ In der Tat schien das dem Raum sehr bekommen zu sein,
    denn im Gegensatz zum Rest machte dieser einen sauberen, durchaus gediegenen Eindruck. Und
    [FONT=&quot]hier brannte auch bereits ein lustiges Feuer im Kamin.[/FONT]


    [FONT=&quot]
    [/FONT]

    [FONT=&quot][/FONT]



    „Du wirst dich hier sicher wohlfühlen, nicht wahr, Mamà?“ erkundigte sich Patrick und wandte sich,
    nach ihrem Nicken erneut dem Butler zu. „Dann zeigen Sie mir jetzt bitte meine Räume. Sie wurden
    doch ebenfalls hergerichtet, nachdem...“ Er brach ab, doch der Butler verstand auch so.
    „Selbstverständlich, Euer Gnaden. Die Räume wurden gründlich gereinigt und gelüftet.“
    Lady Alice fuhr herum. “Oh Patrick, du willst doch nicht wirklich ausgerechnet in dem Zimmer schlafen!“
    „Warum nicht? Es ist das Schlafzimmer des Hausherrn, also absolut passend!“
    Der Butler verneigte sich und öffnete, geräuschvoll mit dem Schlüssel klirrend die kleine Verbindungs-
    [FONT=&quot]tür, die in der Vertäfelung vorher nicht sichtbar gewesen war.[/FONT]


    [FONT=&quot]


    [/FONT]

    [FONT=&quot][/FONT]



    „Bist du dir wirklich sicher, dass du das tun willst?“ fragte Lady Alice nur wenig später sehr leise, nachdem
    sie das alte Herrenschlafzimmer wieder verlassen hatten und die lange Galerie entlang zurück zur Treppe gingen..
    „Er ist in dem Zimmer gestorben, und das vor nicht einmal einer Woche. Vielleicht solltest du, aus Pietät
    doch noch ein wenig warten, oder aber zumindest solange, bis du ein paar Veränderungen vorgenommen
    hast und es nicht mehr so düster ist. Man hat fast den Eindruck, dass der Tod noch immer in der Luft liegt.“
    „Bist du plötzlich doch abergläubisch, Mamà? erkundigte sich Patrick mit einem Lächeln, das jedoch sofort
    verschwand, als er die kleinen Staubfahnen an seinem Rock bemerkte. Ärgerlich schnippte er sie weg.
    „Meine Güte, man erstickt hier noch im Staub.“






    „Wie viele Diener sind zur Zeit im Schloss beschäftigt?“ verlangte er, leicht gereizt von dem Butler zu wissen.
    „Drei, Euer Gnaden. Dazu die Köchin und Mrs Cramden, die Haushälterin.“ Patrick starrte ihn an.
    „Drei?“ wiederholte er ungläubig. „Für dieses riesige Haus?“ Der alte Mann nickte.
    „Mehr.... konnte Seine Gnaden nicht bezahlen, und auch die nur... mit großer Mühe. Ich selbst bin erst
    seit zwei Monaten wieder hier. Ich hatte mich bereits zur Ruhe gesetzt, aber nachdem Seine Gnaden herausfand,
    dass mein Nachfolger sich an den Diebstählen Seiner Lordschaft beteiligte, hat er ihn entlassen und mich gebeten,
    vorübergehend wieder die Leitung des Hauses zu übernehmen, bis ein Ersatz gefunden wäre. Es tut mir leid,
    Euer Gnaden das Anwesen nicht in einem besseren Zustand übergeben zu können.“
    Patrick winkte ab. „Schon gut. Ich verstehe das Problem. Ich bin sicher; Sie haben Ihr Möglichstes getan.“
    Der Butler verneigte sich erleichtert und Lady Alice schenkte ihrem Sohn ein aufmunterndes Lächeln.
    [FONT=&quot]Halb so schlimm, wir schaffen das, sagte es. Und er nickte seufzend.[/FONT]


    [FONT=&quot]




    * Fideikomiss - das gesamte Erbe eines Titelinhabers, einschließlich Häuser, Güter, Möbel, Gemälde, Schmuck, das er nicht verkaufen darf, sondern an seinen Erben weitergeben muss, und wenn ihm das Wasser bis zum Hals steht.
    **Tabatieren - Tabaksdosen


    [/FONT]

    [FONT=&quot] +++++++++++++++++++[/FONT]
    [FONT=&quot] geht noch weiter[/FONT]

  • *






    „Ich beneide dich nicht um dein Leben!“ sagte Patrick leise, als er nach einer ausführlichen Hausbesichtigung
    in die Familiengruft der hiesigen Morgans hinabgestiegen war, um zumindest seinem Vorgänger die letzte Ehre
    zu erweisen. Man hatte ihn, gemeinsam mit dessen Sohn vor zwei Tagen hier an der Seite seiner Gemahlin
    zur Ruhe gebettet, nur im Beisein der wenigen Diener. „Reichlich würdelos“ hatte Patrick gebrummt, nachdem
    der Anwalt ihm dies auf seine Anfrage hin mitgeteilt hatte. Dank einer Unachtsamkeit der Kanzlei war ihm das
    Datum zu spät mitgeteilt worden, was ihn angesichts der desolaten Verhältnisse zu der Frage veranlasste,
    welche Fehler sie wohl noch gemacht hatten, in der Vertretung ihres Klienten. Die Bücher, die der Verwalter
    [FONT=&quot]ihm vorgelegt hatten, waren ein einziges Chaos. Und doch war es nicht das, was ihn hier festhielt.[/FONT]


    [FONT=&quot]


    [/FONT]

    [FONT=&quot][/FONT]



    „Was machst du denn so lange hier unten, Patrick?“ fragte Lady Alice leise, als befürchte sie, die
    Toten mit einem lauten Wort zu wecken. Erstaunt sah er sie an. „Lange?“
    „Allerdings, du bist schon über eine halbe Stunde hier unten.“ Eine halbe Stunde? Es war ihm höchstens
    wie ein paar Minuten vorgekommen. „ Komm nach oben, Patrick,“ bat Lady Alice. „Das Dinner wird
    jeden Moment serviert und ich gestehe, nach dem anstrengenden Tag hab ich tatsächlich Hunger.
    Dieser .... Ort... ist in meinen Augen nicht gerade appetitfördernd.“
    Er lächelte schief, wurde aber gleich wieder ernst. „Irgendwie tut er mir leid, weißt du?“
    „Wer?“ Sie folgte seinem Blick zum Sarg. „Du meinst Georg Morgan? Weil er so einsam gestorben ist
    oder weil er so einen missratenen Sohn hatte?“






    „Beides, denke ich!“ meinte Patrick und wandte sich ab. „Er scheint von seinem Leben nicht allzu viel
    gehabt zu haben, nach allem, was wir erfahren haben. Seine Frau so früh zu verlieren, zuzusehen, wie alles,
    was er geschaffen hat, von seinem Sohn verschleudert wurde, ein Wunder, dass er überhaupt so lange
    durchgehalten hat. Vielleicht das einzige Glück in seinem Leben, dass es ihm erspart blieb, in dem Wissen zu
    sterben, dass er der letzte Herzog seiner Linie wäre. Gerechnet hat er damit sicher nicht. Sieh ma!“
    Er deutete auf ein freies Gewölbe. „Das war wohl für seinen Sohn und dessen Familie reserviert. Nun wird
    man mich wohl hier begraben. Dabei hatte ich mir schon ein ruhiges Plätzchen in Langley Park ausgesucht.“
    Alice musterte ihn ein wenig besorgt, diese Melancholie passte so gar nicht zu ihrem Sohn.
    „Du hast noch sehr viel Zeit, dir das zu überlegen, sehr viel.“
    [FONT=&quot]„Nicht, wenn das, was Tante Liz gesagt hat, die Wahrheit ist.“[/FONT]


    [FONT=&quot]


    [/FONT]

    [FONT=&quot][/FONT]



    Alarmiert drehte sie ihn zu sich herum. „Du wirst doch diesen Unsinn nicht glauben, Patrick! Ich habe
    keine Ahnung, was in Elizabeth gefahren ist, uns dieses Schauermärchen aufzutischen. Aber du bist ein
    junger Mann, strotzt vor Gesundheit und gehst normalerweise keine größeren Risiken ein. Also was bitte
    sollte dich so schnell hierher bringen! Außerdem ist Georg Morgan auch nicht als junger Mann gestorben!“
    „Sein Sohn aber schon. Am gleichen Tag, zur gleichen Zeit, das ist schon ein... sehr ungewöhnlicher Zufall!“
    „Solche Zufälle passieren. Sie sind selten, aber sie passieren. Glaub mir, alles was du hier brauchst, ist
    Geduld und Ausdauer, um das Anwesen wieder zu dem zu machen, was es einmal war. Auf keinen Fall
    hilfreich sind Gedanken an Flüche oder dein baldiges Ableben, verstanden?“
    [FONT=&quot]Ihr entschiedener Ton ließ ihn wieder lächeln. So energisch erlebte er seine Mutter höchst selten.[/FONT]


    [FONT=&quot]


    [/FONT]

    [FONT=&quot][/FONT]



    Und sie schien auch wild entschlossen zu sein, ihm jeden trüben Gedanken aus dem Kopf zu treiben.
    Beim Dinner entwickelte sie bereits Pläne, wie man das Haus wieder zu neuem Leben erwecken konnte,
    und wie immer konnte Patrick nicht umhin, ihren Tatendrang zu bewundern. Nun, vor dem Zubettgehen
    hatte er sich eine Liste der Dinge angelegt, die sie besprochen hatten und ab morgen angehen wollten.
    Darauf standen neue Dienstboten, die man zunächst aus dem Dorf holen würde. So mancher dort hatte
    schon früher im Schloss gearbeitet, war aber aus Geldmangel entlassen worden. Zeit, sie wieder zurück
    zu holen und sich die Höfe seiner Pächter anzusehen, die nach dem Berichten von Butler und Verwalter
    [FONT=&quot]in einem ähnlich bedauernswerten Zustand waren, wie das ganze Haus.[/FONT]


    [FONT=&quot]


    [/FONT]

    [FONT=&quot][/FONT]



    Nun. Das werde ich ja morgen sehen, dachte Patrick auf dem Weg zum Bett. Er hatte sich, seiner Mutter zuliebe,
    gegen das Herrenschalfzimmer entschieden und sich stattdessen eines der Gästezimmer notdürftig herrichten lassen.
    Noch etwas, das er am nächsten Tag unbedingt in Angriff nehmen musste. Aber erst nach den Pächtern. Im Stall
    dürfte sich ja ja noch zumindest ein Reitpferd befinden, sodass er sich im Dorf bei dessen Bewohnern über die am
    dringendsten notwendigen Maßnahmen informieren konnte. Viel Zeit blieb ihnen nicht, wenn sie nicht die Ernte für
    dieses Jahr verlieren wollten. Ihm schmerzte der Kopf, wenn er nur daran dachte, was ihnen da alles noch bevor
    stand. Und er war froh, dass seine Mutter sich entschlossen hatte, mitzukommen und ihm zu helfen.
    Womöglich hatte sie ja doch recht und es wurde Zeit, dass er sich nach einer Ehefrau umsah. Es war nicht recht,
    ihr nun auch noch die Pflichten der Hausherrin von Ravensdale aufzubürden. Seufzend stieg er ins Bett,
    die Ballsaison stand bevor, die beste Gelegenheit also.






    Und während im ganzen Haus nun die Lichter verloschen, erschien in einer der in tiefem Dunkel
    liegenden Galerien eine Gestalt. Ein Schatten zunächst nur, schien sie das durch die Fenster dringende
    Mondlicht regelrecht anzuziehen und wurde so zunehmend sichtbar. Langsam glitt sie über den
    Boden, ohne dass ihre Füße ihn berührten. Vor dem Porträt eines ernst blickenden Mannes blieb sie stehen
    und sah zu ihm auf. „Hast du gesehen, wir haben wieder Besuch bekommen“, flüsterte eine Stimme,
    [FONT=&quot]von der man nicht sagen konnte, ob sie wirklich ihr gehörte. „Doch diesmal wird es der letzte sein.“[/FONT]


    [FONT=&quot]



    [/FONT]

    [FONT=&quot] ++++++++++++++++++++++++[/FONT]
    Das war es dann wieder für heute. Freue mich wie jedes Mal auf eure Meinung, Wünsche usw. Eine schöne Restwoche euch allen.
    LG
    Nery

  • Zitat

    „Hast du gesehen, wir haben wieder Besuch bekommen“, flüsterte eine Stimme,
    von der man nicht sagen konnte, ob sie wirklich ihr gehörte. „Doch diesmal wird es der letzte sein.“



    Ach Du meine Güte!! :erschreck
    Welche verstaubte, alte mordlüsterne Else schleicht denn da noch durch die Gänge???
    Tot scheint sie zumindest nicht zu sein, eher lebendig und wahrscheinlich nicht sehr über den Besuch erfreut.

    Sorry, dass ich erst jetzt wieder kommentiere. Bin vorher gar nicht zum lesen gekommen.

    Aber wenn meine Schwester hier schon anfängt zu singen :lachen , muss ich mich auch mal wieder zu Wort melden.

    Die Bilder isnd wieder einmal fantastisch, Dein Schreibstil sowieso. Neben dieser Story kommt mir meine eigene so mickrig und klein und unbedeutend vor.
    Klasse fand ich auch, dass man genau erkannt hat, wann es in der späteren Zeit weiter ging. Anhand der Kleidung und Häuser ist das super ekennbar. Vielen Dank für diese Mühe, die Du Dir da machst.

    Ich freue mich schon auf das nächste Kapitel.
    Darauf ob es zu einer Spanisch-Englischen Romanze kommen wird, die nicht sein dürfte und ob die Frau sich noch zeigen wird oder im Dunkel versteckt bleibt.

    LG Rivendell

  • Huhu Nerychan!


    Also, ich habe nun beide FS gelesen! Zur ersten muss ich sagen, dass Catalina mir wirklich leid tut, auch ihr Vater. Es muss hart sein, das einzige Kind so weit weg zu geben, es nicht den Familiensitz erben lassen zu können, nur weil man es als Baby einem anderen versprochen hat. Wie gut, dass die Menschen heute aus sowas gelernt haben und so einen Mist zumindest in unseren gefilden nicht mehr machen!


    Catalina fühlte sich in England natürlich sehr, sehr einsam. Und da sind zarte Bande zwischen dem Bruder ihres Mannes und ihr erwacht. Das schreit ja förmlich nach Problematik. Was die Frage angeht, wer auf den britischen Thron kommt, das wissen wir ja. Es wurde Elizabeth, eine der berühmtesten Königinnen der Weltgeschichte. MIr ist nur noch nicht so ganz klar, was das mit Catalina zu tun hat. Zwar führte Spanien in der elisabethanischen Zeit einen Krieg gegen England, aber ob das da irgendwie zusammen hängt? Wer weiß. Die Andeutungen aus dem ersten Kapitel lassen ja zumindest vermuten, dass es da irgendwelche Komplotte gibt, die durchaus auch direkt mit dem Königshaus zu tun haben.


    Nun einmal zum letzten Kapitel. Das war richtig schaurig. Schon als die Alice und Patrick nach Ravensdale kamen, überlief es mich beim Lesen kalt. Brr, was für ein unschöner Ort.


    Ich habe ja befürchtet, dass sie nicht auf ihre Tante hören werden :( Und dabei habe ich das Gefühl, dass Patrick ihr gar nicht so wenig Glauben schenkt, sondern vielmehr seine Mutter. Auch weil Patrick so seltsam redet, als er in der Gruft unten ist. Es tat mir beim Lesen richtig weh, als er davon sprach, sich "zu Hause" in Langley schon sein Plätzchen, wo er seine letzte Ruhe fände, aussuchte, und nun hier landen würde. Und auch dass er darüber sprach, dass all das keine ZUfälle waren. Ob ihn da wohl Alice in die Richtung gedrückt hat, das Erbe ja auch anzunehmen und nicht auf Liz zu hören? :( Das wird sie sich vielleicht noch schwerstens vorwerfen...


    Ich denke übrigens, der "Hausgeist" ist Catalina selbst. Erstens schaut das letzte Bild so aus, und zweitens könnte ich mir jetzt vorstellen, dass in jener Zeit ein großes Unglück geschah und die Seele der "spanischen Braut" eben nicht ruhen kann und sich geschworen hat, alle Ravendales, die jemals auf dieses Grundstück kommen werden, dafür büßen zu lassen, was sie mitgemacht hat. Brr, wie schaurig!


    Und darum auch ganz großes Kino, Nerychan! Echt, jetzt! Ich bin so begeistert von dieser FS, ich kann´s gar nicht sagen. Sie gefällt mir offen gestanden sogar noch besser als "Celia", warum weiß ich auch nicht, vielleicht weil sie durch den historischen bezug und die fehlende "Fantasy"-Seite (nicht Fantasie! :D ) irgendwie authentischer wirkt. Dabei find ich Celia auch schon klasse!


    Mir gefallen übrigens auch Deine Bilder hier etwas besser. Sie wirken nicht so bunt und überladen wie teils bei Celia, obwohl das da natürlich dazugehört und auch gut ist! :) Ach, ich will damit nur sagen, ich finde, DU hast Dich seither nochmal deutlich weiter entwickelt und Deine Story zählt für mich zu den besten, die ich je gelesen habe! Ich freu mich arg auf die FS und bin schon gespannt, ob wir im 18. Jhd. bleiben oder wieder zurück ins Mittelalter huschen werden!

  • Nun sind Patrick und Lady Alice auf Ravensdell Hall eingetroffen. Der erste Blick, zeigt direkt den schlechten zustand des Anwesens.

    Mal zwischendurch schnell Fragen muss, wie lange hast du auf den Gundstück gespielt bis du den herrlich verwahrlosten Garten hattest??
    Sieht super aus, die ganzen verwucherten Sträucher und das viele Unkraut.

    Patrick sieht wohl schon so einige Unsummen von seinen Geld verschwinden, um diesen Garten wieder auf Vordermann zu bringen.

    Aber das ist ja noch nicht alles, auch im Inneren sieht es nicht besser aus. Alt, kalt, teilweise verwahrlost, man fühlt sich nicht sehr willkommen wenn man diese große leere Halle betritt und nur von vielen Rüstungen begrüßt wird.

    Kann Lady Alice voll verstehen das sie diesen riesen Dinger nicht mehr hier haben will*gg* - würde die auch schnellsten im Keller verstecken.

    Hm, was der Butler so alles erzählt ist ja nicht gerade ermutigend für Patrick, da kommt sehr viel Arbeit auf ihn zu. Nicht nur das Anwesen wieder bewohnbar machen, auch Personal muß wieder her, die Pächter versorgt und beaufsichtigt werden.

    Aber in Patrick steckt soviel Energie, das er das sicher schaffen kann, wenn,...


    Ja wenn da nicht der Geist dieser Frau wäre. Und ich mich hier Innad anschliesse, man sieht sie zwar nur von hinten, aber das ist vom Gefühl her, für mich, "Catalina" und mit wem spricht sie, vielleicht William???

    Also eines ist klar, sie wollen hier niemanden haben, egal wer und mit welchen Absichten sie da sind.

    Klasse Fortsetzung und wieder super schöne Bilder. Auch ein dickes Lob an die Ersteller der wunderschönen Kleider und den vielen Objecten die man braucht um solche FS umzusetzen und sich dadurch in der früheren Zeit wie zu Hause fühlt.

    Hm gefällt mir die Story besser als Celia:think2, ich würde die beiden nicht miteinandner vergleichen, den es sind zwei verschiedene Storys in ganz anderen Welten und Celia habe ich besonders in mein Herz geschlossen, denn durch diese Story habe ich angefangen die FS zu lesen.:herzlichs

    Einmal editiert, zuletzt von gotti1836 ()

  • :applaushu, ich habe jetzt noch Gänsehaut, wenn ich an das letzte Bild denke. Was für ein Geheimnis trägt diese Gestalt mit sich herum und mit wem spricht sie? Ich würde auch denken, dass sie Catalina ähnelt. Vielleicht hat diese nach unglücklichem Ausgang ihrer Liebe zu Williams geschworen sich und ihn zu rächen alle Nachfahren verflucht? Aber warum kann sie sagen, dass das der letzte Besuch ist. Die neue Linie ist doch gerade erst dabei einzuziehen. Wie zu erwarten, glaubt Patricks Mutter nicht an Spukgeschichten.:confused: Hoffentlich bereut sie nicht eines Tages, ihn dahin gedrängt zu haben. Ich bin schon ganz gespannt. Dabei vergisst man völlig zu sagen, dass die Fotos wieder in wunderbarer Weise die Geschichte unterstreichen. Die Vorstellung der Umgebung und der geschilderten Situationen wird viel nachhaltiger und plastischer, vor allem, wenn so aufwendig und liebevoll die Details eingaarbeitet sind. Ein großes Lob der Kreativität.:D

  • Hallö Nery, :)


    Was für eine Ankunft... Gleich von so einem verwahrlosten Garten "begrüßt" zu werden trägt sicher nicht dazu bei, sich gleich auf dem neuen Herrensitz wohl zu fühlen. Mit ein wenig Unordnung hätte man ja rechnen können, denn schließlich war ja niemand mehr anwesend, der die Angelegenheiten so in Angriff hätte nehmen können und dafür hätte sorgen können, dass sich darum gekümmert wird. Obwohl ja die Finanzen des Herzogtum ja nicht zum Besten stehen... ;)
    Man merkt deutlich, dass es ein sehr düsterer Haushalt ist, an dem nicht viel Freude geherrscht haben kann, auch wenn die Dienerschaft darüber mehr oder weniger schweigt. Und wie so häufig war der Tod einer geliebten Person daran Schuld, dass die Freude verschwunden ist. Und selbst jetzt greift diese düstere Stimmung noch um sich, wie man ja deutlich bei Patrick merkt als er in der Gruft seiner Vorfahren steht. Sonst kam er gar nicht so düster und grüblerisch rüber. Er schien eher der Lebemann zu sein, der sich gerne amüsiert, aber dabei doch die Grenzen nicht überschreitet.
    Also was mag es sein, was da so düster über das Anwesen schwebt? Was genau hat es mit dem von Elisabeth erwähnten Fluch auf sich und wer ist die ominöse Person, die am Ende auftaucht? Ist es wirklich Catalina, die sich rächen will für das was ihr angetan wurde?


    Zu den Bildern sag ich wieder, dass die total klasse geworden sind. Von so einem Bilderfreak zum Anderen. :D
    Ich freu mich, mehr von diesen tollen Bildern zu sehen und natürlich auf mehr Rätsel. :)
    Ganz liebe Grüße
    Llyn

    You are never more alive than when you're about to lose your pants!



    FS: Sunrise Update: 04.06.19

  • Hallo zusammen,


    eine Woche ist um, und ich habe.... *acker, acker* es geschafft, die nächste Fortsetzung fertigzustellen, obwohl mein Spiel mal wieder der Meinung war, mir einen kleinen Herzkasper verpassen zu müssen, indem es nicht mehr anspringen wollte.
    Wie jedesmal ein ganz besonders liebes Dankeschön an Euch Kommischreiber. Es ist immer wieder ein Vergnügen, Eure Gedanken zu lesen.
    Und ich hoffe, allen stillen Lesern gefällt es immer noch genauso.



    Rivendell: "verstaubte, alte mordlüsterne Else"???? Auweia, na ich hoffe, das hat sie nicht mitbekommen. Da ist sie, soweit ich weiß, doch ein wenig empfindlich. Über das Tot- bzw. Nichttotsein wirst du dir dein eigenes Urteil fällen müssen, zumindest ist sie eine durchaus reale Erscheinung.
    Danke, für dein Kompliment. Ich versuche, es so authentisch wie irgend möglich zu machen, auch wenn es oft nicht ganz so einfach ist. Um so schöner, wenn es sich dann lohnt und euch gefällt.
    Wer weiß, warum dir die hier besser gefällt, vielleicht merkt man, dass ich ein Geschichtsfreak bin? NEIN.... gaaaaaaaaanz bestimmt nicht! ;)



    Innad: es ist hart für den Federico, sie wegzugeben und das nicht nur, weil sie sein einziges noch verbliebenes Kind ist. Dazu kommen wir später noch einmal.
    Der politische Wirrwarr zu dieser Zeit ist nicht ganz einfach. NOCH gibt es keinen Krieg zwischen Spanien und England, denn beider Könige sind miteinander verheiratet (Mary I. Tudor von England und Philipp II. von Spanien). Aber da das Land gewaltsam in den Katholizismus zurückgezwungen wurde, und Philipp nicht gerade beliebt ist in England, gab es schon Bestrebungen, anstelle von Mary deren Schwester Elizabeth vorzeitig auf den Thron zu setzen. In einer dieser Verschwörungen steckt auch Stanley. Was genau das nun mit Catalina zu tun hat, wird sich noch zeigen. Auf jeden Fall stecken sie alle mitten drin in der großen Weltgeschichte, die einen bewusst, die andern ahnungslos. :)
    Gedrängt hat Alice ihren Sohn nicht wirklich, die beiden sind sich im Grunde schon einig, aber Patrick hatte schon immer eine gewisse versteckte Neigung zur Schwermut. Mit dem Bereuen könntest du allerdings recht haben.
    Ob der "Hausgeist" Catalina oder jemand anderes ist, werde ich, natürlich, jetzt noch nicht verraten. Auch nicht, was es mit dem Fluch auf sich hat. Nur dass er existiert, das geb ich gerne zu.:rollauge
    Ein wenig Fantasy, ist also, wie ich ja anfangs schon sagte, trotzdem noch immer enthalten. Auch wenn ich genau das versuche, was du sagst, die Geschichte authentischer zu machen. Vielen Dank für das Riesenkompliment. Es hat mich echt beflügelt bei den nächsten beiden Fortsetzungen. Ich hoffe, sie gefallen dir genauso gut.




    @gotti: es waren 3 Tage Schnelldurchlauf, dazu noch ein paar zusätzliche Gräser überall, fertig. :) Und ja, Patrick braucht eine Menge Geld, nicht nur für den Garten.... da hat er eine Weile zu tun... wenn man ihn lässt, ganz recht.
    Interessant ist, dass du eine sehr entscheidende Frage stellst, nämlich mit wem der "Geist" da eigentlich redet. Aber du kennst mich ja, die Antwort gibts erst später.
    Und dein Lob reiche ich wie immer gern weiter... an die Ersteller und Kreateure....
    Und es stimmt, die beiden Geschichten sind völlig verschieden und ich liebe jede gleichermaßen. Danke. Ich bin froh, dass du immer so treu dabei bist.



    Rheasylvia: noch so eine gute Frage. Warum spricht sie vom letzten Besuch? Aber heh, du erwartest jetzt nicht wirklich, dass ich dir darauf JETZT eine Antwort gebe, oder? :eek:
    Und sie glauben beide nicht wirklich an Spukgeschichten. Patrick hält sich für einen gebildeten, eher rationalen Menschen, der für alles eine logische Erklärung finden will, uns gar nicht so unähnlich. Aber wie heißt es so schön, man verleugnet es solange, bis es einem selbst widerfährt.
    Auch dir ein Dankeschön für das Lob. Da du ja schon einen kleinen Einblick in die Szenerien der nächsten beiden FS bekommen hast, weißt du ja, was da an Arbeit drin steckt. Na und wo ich meine Kreativität her habe, weißt du doch! :applaus



    Llynya: ja, da wartet ein riesiger Berg Arbeit auf den armen Patrick. Er hat übrigens kein richtiges Herzogtum mehr geerbt, sondern nur noch den Titel und einige damit verbundene wichtige Ämter im Königreich und in der entsprechenden Grafschaft.
    So wirklich als Lebemann kann man Patrick auch nicht bezeichnen. Er hat das, was ihm seine Stellung an Vorteilen brachte, natürlich genossen, aber die damit verbundene Verantwortung ebenso wahrgenommen. Ein wenig schwermütig war er auch schon immer und viel zu ernst für Lady Alice' Geschmack. Aber auch das hat... in gewisser Weise seine Ursache... wie man noch sehen wird.
    Du wolltest noch mehr Bilder, ok, kannst du haben!




    Diesmal sind es einfach so viele Bilder geworden, bei denen ich mich einfach nicht entscheiden konnte. Und da das Verhältnis zum Text halbwegs ausgewogen bleiben soll, hab ich mich doch dazu entschlossen, sie zu teilen. :)
    Auch diesmal ist ein Teil eine Rückblende, wie immer kenntlich durch den Rahmen.


    Viel Vergnügen!

  • *





    Prüfend betrachtete Patrick sein Spiegelbild. Eines musste man seinem Kammerdiener
    wirklich lassen, er verstand es, das Krawattentuch wirklich tadellos zu binden, symmetrisch,
    gerade, mit einem perfekten Knoten!
    Er nickte zufrieden und schenkte dem neben ihm wartenden Mann ein kleines Lächeln.
    Viel Grund dazu hatte er in den letzten zweieinhalb Wochen nicht gehabt. Arbeit, Arbeit,
    nichts als Arbeit. Sich durch eine Flut von Papieren, nicht bezahlter Rechnungen für Schloss
    und Gut zu kämpfen, hatte ihn manchmal fast an den Rand der Verzweiflung gebracht und
    [FONT=&quot]seine Stimmung auf den Nullpunkt sinken lassen. [/FONT]


    [FONT=&quot]


    [/FONT]

    [FONT=&quot][/FONT]


    Mehr denn je war er dankbar für die Anwesenheit seiner Mutter, die ihn in allem in ihrer
    ruhigen Art unaufdringlich unterstützte, inbesondere bei den vielen notwendigen Besuchen
    auf den Pächtershöfen. Patrick hielt nicht viel davon, sich lediglich auf die Berichte des
    Verwalters zu verlassen. Zuviel schien hier in den vergangenen Jahren vernachlässigt worden
    zu sein. Er überlegte ernsthaft, ob er den Mann nicht lieber entlassen sollte. Auch bei dieser
    Entscheidung sollten ihm die Besuche bei seinen Pächtern helfen, die immerhin am meisten
    von dessen Arbeit abhänging waren.





    Er bewunderte die Geduld, mit der seine Mutter den vielfältigen Klagen zuhörte, die man,
    nachdem die erste Scheu vor der neuen Herrschaft verschwunden war, vorbrachte. Natürlich
    beschwerte sich niemand über den alten Herzog, im Gegenteil. Er schien sehr beliebt gewesen
    zu sein und jederman bedauerte sein schweres Schicksal. Aber wenn die Abnahme der
    Lebensmittel, die man ins Schloss lieferte, stetig sank, und auch für diese kaum mehr etwas
    bezahlt wurde, Reparaturen an den Häusern nicht mehr durchgeführt werden konnten,
    Missernten selbst das wenige auffraßen, was ihnen noch geblieben war, wunderte es
    [FONT=&quot]niemanden, dass die Angst vor dem Armenhaus im Dorf umging.[/FONT]


    [FONT=&quot]


    [/FONT]

    [FONT=&quot][/FONT]


    [FONT=&quot]
    [/FONT]

    Lady Alice ging von Haus zu Haus, hörte zu, sah sich um, schüttelte hier und da unmerklich
    den Kopf und diktierte dem immer verduzter aussehenden Sekretär ihres Sohnes einen Punkt
    nach dem andern auf einer Liste von Maßnahmen, die am besten schon gestern erledigt
    worden wären. Nebenbei verpflichtete sie eine ganze Reihe Pächterstöchter für den Dienst im
    Schloss, was vor allem deshalb schon auf Begeisterung stieß, da sie jedem neuen Angestellten
    einen Vorschuss auf den ersten Monatslohn auszahlen ließ.





    [FONT=&quot]
    [/FONT]

    Während seine Mutter sich mit den Frauen des Dorfes unterhielt, sah sich Patrick gemeinsam
    mit dem Verwalter auf den Feldern um und stattete schließlich der kleinen Kirche noch einen
    Besuch ab, wo er von dem Ehrenwerten Reverend John Collins begrüßt wurde. Er erwies sich
    als ein freundlicher aber von Sorgen gezeichneter Mann, der seine Freude kaum verhehlen
    konnte, nunmehr einen etwas vermögenderen Patron zu bekommen. Er habe zwar versucht,
    soviel wie möglich mit seiner Familie selbst instand zu halten, was man auch deutlich sehen
    konnte, aber das Kirchendach müsse dringend neu gedeckt, etliche Pfeifen der Orgel ersetzt
    [FONT=&quot]werden und im Hilfsfond der Gemeinde für die Bedürftigen herrsche gähnende Leere. [/FONT]


    [FONT=&quot]


    [/FONT]

    [FONT=&quot][/FONT]


    Er wolle natürlich nicht undankbar erscheinen, immerhin habe Seine verstorbene Gnaden ja
    getan, was ihm möglich gewesen sei. Gerade zwei Monate vor seinem Tod habe er die
    kaputten Kirchenfenster reparieren lassen, was in Anbetracht der... leider bedauernswerten
    Verhältnisse auf Ravensdale Hall außerordentlich großzügig gewesen war. Der Reverend
    musste gar nicht weitersprechen. Patrick wusste auch so inzwischen, dass dies alles nur ein
    Tropfen auf dem heißen Stein gewesen sein konnte. Und so hatte er dem unfähigen Verwalter
    die Papiere in die Hand gedrückt und seinen eigenen von Langley Park nach Ravensdale
    beordert, um mit ihm einen Plan zu entwickeln, der nicht nur die dringendsten Probleme
    [FONT=&quot]lösen, sondern auch auf lange Sicht das Gut wieder in Schwung bringen sollte.[/FONT]


    [FONT=&quot]




    [/FONT]

    [FONT=&quot]++++++++++++++++[/FONT]
    [FONT=&quot]geht noch weiter[/FONT]

  • *





    Jeden Tag ritt er über die Felder, durchstreifte die umliegenden Wälder, froh, dass er nicht
    auch noch die obligatorischen Antrittsbesuche bei den Nachbarn machen musste, da die ihm
    an nächsten wohnenden Herrschaften bereits nach London gefahren waren, zum
    bevorstehenden Start der neuen Saison. Und auf einem dieser Ausritte hatte er an einem
    Spätnachmittag diesen kleinen verwunschenen Platz entdeckt, eine alte Klosteranlage, die
    man verlassen hatte, um jene weitaus größere Abtei zu errichten, auf deren Mauern sich nun
    [FONT=&quot]Ravensdale Hall erhob. [/FONT]


    [FONT=&quot]


    [/FONT]

    [FONT=&quot][/FONT]


    Patrick genoss die himmlische Ruhe, die hier herrschte. Wo immer er hinkam, fand er rege
    Betriebsamkeit, im Schloss schrubbten und wienerten die Dienstmädchen die Böden, klopften
    die eingestaubten Teppiche, holten die Diener die kostbaren Möbel vom Speicher, luden die
    Sachen ab, die er von seinen anderen Häusern hatte kommen lassen. Die Männer im Dorf
    arbeiteten bis spät in die Nacht, um ihre Behausungen instandzusetzen, nachdem Patrick
    ihnen endlich die nötigen Mittel dafür zur Verfügung gestellt hatte. Überall hörte er hämmern,
    sägen, rufen, lachen.... nur hier war es still. Niemand verirrte sich hierher, in den hintersten
    Teil des Landschaftsparks, der sich direkt an den eigentlichen Schlossgarten anschloss, ohne
    sich im Augenblick groß von diesem zu unterscheiden. Und so konnte er sich in Ruhe
    umsehen, Luft holen und dem Flüstern des Windes in den alten Bäumen lauschen.






    Er ließ das Pferd frei umherlaufen und legte sich ins Gras, lächelnd bei dem Gedanken an das
    schockierte Gesicht seiner Mutter, die in solchen Moment eher an die Flecken dachte, die man
    sich dabei unweigerlich zuzog, als an das herrlich entspannende Gefühl.
    Wer weiß, dachte er dann, wer weiß wozu das alles gut ist. So ungern er gekommen war, um
    dieses Erbe anzutreten, er wurde hier gebraucht. Was nützte es, im Oberhaus große Reden zu
    schwingen über den schlechten Zustand der englischen Landwirtschaft, wenn niemand etwas
    dagegen tat. Und das Ravensdale’sche Gut war ideal, aufgrund seiner Größe noch besser als
    Langley geeignet, all die Veränderungen durchzuführen, von denen sein Verwalter ihm schon
    immer vorgeschwärmt hatte.






    Er hatte in all seinen Überlegungen gar nicht gemerkt, wie die Zeit verging, auf einmal war es
    dunkel geworden, Wolken zogen in rascher Folge über den Himmel, verdeckten immer
    wieder den Mond, noch war kaum ein Stern sichtbar. Himmel, dachte er, langsam sollte er
    sich sputen, bevor Lady Alice noch Suchmannschaften nach ihm ausschickte, weil er nicht
    zum Dinner erschien.
    Und dann passierte es auf einmal, noch während er wie früher als Kind in den bleichen
    Formationen irgendwelche Figuren zu erkennen suchte. Ein eigenartig dicker Nebel, der
    langsam über den Boden kroch, begann ihn einzuhüllen. Ein Schatten tauchte neben ihm auf,
    den er nicht einordnen konnte, dunkel, aber... aus irgendeinem Grund nicht bedrohlich. Eine
    Weile verharrte er direkt vor seinem Kopf, regungslos, dass er schon meinte, sich das alles
    nur einzubilden.





    Doch dann beugte er sich zu ihm hinunter, die Konturen wurden deutlicher, menschlicher, ein
    Arm schien sich hervorzustrecken, etwas kaltes berührte seine Wange, das ihm Schauer durch
    den Körper jagte und ihn förmlich auf dem Boden festfror, unfähig sich zu rühren.
    Und als ob das nicht reichte, wurde das Flüstern des Windes plötzlich stärker und lauter, bis
    er ganz deutlich klare Worte darin zu vernehmen glaubte.
    „Warum bist du nur hierhergekommen?“ flüsterte der Wind, oder kam es doch von diesem
    [FONT=&quot]Schatten, der da neben ihm kniete?[/FONT]


    [FONT=&quot]


    [/FONT]

    [FONT=&quot][/FONT]


    Noch bevor er sich darüber klar zu werden vermochte, war er auch schon wieder
    verschwunden und mit ihm der seltsame Nebel, die Starre löste sich und Patrick fuhr hoch.
    Was zur Hölle war das?? Litt er jetzt schon an Halluzinationen? Oder lag das einfach daran,
    dass ihn der Gedanke an das, was ihm seine Großtante erzählt hatte, nicht mehr losließ? Für
    einen Moment war er tatsächlich versucht zu glauben, etwas stimme nicht mit diesem Ort.
    Aber dann schüttelte er sich. So ein Unsinn! Seine Fantasie spielte ihm einen Streich. Der
    einzige Fluch, der auf dem Haus hier lag, war der Fluch der Armut gewesen, der Unfähigkeit
    seiner Bewohner bzw. deren Vertrauten. Und diesen Fluch gedachte er zu brechen. Wenn die
    [FONT=&quot]Saison zuende ging, würde man weder das Schloss noch die Umgebung wieder erkennen![/FONT]


    [FONT=&quot]


    [/FONT]

    [FONT=&quot][/FONT]


    Patricks Gedanken kehrten in die Gegenwart zurück, als er hörte, wie der Kammerdiener den
    Hausmantel wegräumte und sich aus dem Raum zurückzog. Er konnte es nicht leugnen, es
    passierte immer wieder, dass er an dieses seltsame Erlebnis zurückdachte. Und von mal zu
    mal wurde er unsicherer, ob es nun wirklich geschehen war, oder nicht. Er straffte die
    Schultern. Noch ein letzter Blick in den Spiegel. Warum tat er sich das nur an? Ein
    Seitenblick aus dem Fenster zeigte ihm, dass die Kutsche bereits vorgefahren war. Es war erst
    später Nachmittag, dennoch ging die Dämmerung bereits in Dunkelheit über. Wenn es nur
    bald Sommer wurde. Aber bis dahin würde er noch eine Menge dieser ach so begehrten
    [FONT=&quot]Veranstaltungen über sich ergehen lassen müssen.[/FONT]


    [FONT=&quot]


    [/FONT]

    [FONT=&quot][/FONT]


    Patrick seufzte, drehte sich um und machte sich auf den Weg nach unten. Zu spät im Almacks
    zu erscheinen, das konnte sich auch ein Herzog wie er nicht erlauben. Noch heute erzählte
    man sich die Geschichte, wie die gefürchtete Lady Jersey sogar den Duke of Wellington*
    ungerührt hatte abweisen lassen, nachdem er den Einlass verpasst hatte. Und einen solchen
    Skandal würde ihm Lady Alice wohl nicht so leicht verzeihen. Nein, er musste da nun durch,
    selbst wenn ihm im Augenblick Ravensdale Hall mit all seinen Problemen bei weitem lieber
    gewesen wäre. Denn da war ja auch noch die leidige Frage seiner zukünftigen Gattin zu
    klären.



    * Der Duke of Wellington - siegreicher Führer der Britischen Truppen während der Napoleonischen Kriege Anfang des 19. Jahrhunderts


    ++++++++++++++++++
    geht noch weiter


  • *





    Bisher war er sich nur über eines sicher, die wenn auch durchaus vermögende Lady
    Gwendolyne Argyle, die er schon im Foyer in ihrem typischen Debütantinnenkleid neben
    Vater und Schwester stehen sah, würde es auf keinen Fall sein. Sie war gewiss liebenswert,
    aber viel zu schüchtern, und zu wenig an der Welt interessiert für seinen Geschmack. Lady
    Alice schüttelte lächelnd den Kopf, als sie seinen Blick bemerkte.
    „Nun zieh nicht so ein Gesicht, sonst denkt Lady Jersey noch, du wärst nicht gern hier!“
    [FONT=&quot]flüsterte sie und Patrick räusperte sich und sah die Treppe hinauf. [/FONT]


    [FONT=&quot]


    [/FONT]

    [FONT=&quot][/FONT]


    Da oben stand sie, bereit, die Gäste willkommen zu heißen. Lady Sarah Villiers, Countess of
    Jersey, die wichtigste Patronesse von Almacks, von manchen respektvoll, von anderen
    ironisch Queen Sarah genannt. Vor knapp einem Monat hatte sie ihren 73. Geburtstag
    gefeiert, was sie nicht davon abhielt, noch immer das modische Vorbild von ganz London zu
    sein.






    „Meine liebe Alice!“ begrüßte die Countess Patricks Mutter mit einem Lächeln. „Wie schön,
    dass Sie den Saisonauftakt nicht verpassen.“ Patrick unterdrückte mühsam ein Grinsen. Als
    ob Lady Sarah auch nur im entferntesten geglaubt hätte, sie würden nicht rechtzeitig zurück
    sein. Niemand ließ die Karten freiwillig verfallen. Selbst wenn er es ungern zugab, tief im
    Innern bewunderte er die alte Dame. Sie besaß eine scharfe Zunge, die durchaus verletzen
    konnte, aber ihre Offenheit war ihm tausendmal lieber als die scheinheilige Freundlichkeit so
    mancher seiner Standesgenossen. Wenn es nur nicht gerade Almacks wäre......Er befürchtete
    Schlimmes!





    „Mylord Ravensdale!“ Sie streckte ihm die Hand entgegen und er beugte sich höflich darüber.
    „Lady Jersey!“
    „Meinen Glückwunsch zu Ihrer Rangerhöhung.“ Sie blitzte ihn vergnügt an. „Wir waren so
    frei, Ihren Namen auf die Tanzkarten einiger sorgfältig ausgewählter Damen zu setzen. Sie
    werden sie doch nicht enttäuschen, nicht wahr?“ Das hieß soviel wie, er solle die Patronessen
    nicht enttäuschen, die es sich natürlich nun zur Aufgabe gemacht hatten, dem neuen Herzog
    eine würdige Herzogin zu verschaffen. Patrick ließ sich nicht anmerken, dass er am liebsten
    auf der Stelle wieder umgekehrt wäre. Stattdessen deutete er eine knappe Verneigung an und
    schaffte es sogar, der resoluten Dame ein Lächeln zu schenken.
    „Ich werde mich bemühen, Mylady.“





    „Ich werde mich bemühen?“ wiederholte Lady Alice nur wenig später vor den Türen des
    Ballsaales, als sie, natürlich, noch einen Blick in den Spiegel werfen musste. „Aber Patrick,
    das ist immer noch ein Ball, und du sollst dich amüsieren.“
    „Von einer Debütantin zur nächsten gereicht zu werden, betrachte ich wirklich nicht
    unbedingt als Vergnügen, Mamà.“
    „Ich weiß, aber glaub mir, den meisten Mädchen geht es nicht anders. Aber...“ sie
    seufzte...“es ist nun mal eine der besten Gelegenheiten. Und dass es durchaus funktioniert
    siehst du doch an deinem Vater und mir. Bei unserm ersten Tanz brachte ich kein Wort heraus
    [FONT=&quot]und er trat mir zweimal auf die Füße. Dennoch... werde ich diesen Abend nie vergessen.“[/FONT]


    [FONT=&quot]


    [/FONT]

    [FONT=&quot][/FONT]


    „Ihr beide wart eben etwas Besonderes, Mamà...“ Patrick wurde von einem jungen Mann
    unterbrochen, der freudestrahlend auf sie zueilte, sich mit einem Lächeln vor Lady Alice
    verneigte und ihrem Sohn zuzwinkerte.
    „Willst du mich deiner bezaubernden Begleiterin nicht vorstellen, Patrick?“
    „Sie sind und bleiben ein Schmeichler, Mr Fenton!“ erwiderte Lady Alice an Stelle ihres
    Sohnes lachend und reichte dem jungen Mann mit einer leisen Röte auf den Wangen die Hand
    zum Kuss.
    „Ich sage nur die Wahrheit, Mylady.“ wehrte er sich mit einem übermütigen Funkeln in den
    Augen gegen den Vorwurf.
    „Du hast meiner Mutter jetzt genug den Hof gemacht, Percy!“ ermahnte Patrick seinen
    Freund schon in deutlich besserer Stimmung. „Lass uns lieber die Höhle des Löwen betreten
    [FONT=&quot]und hoffen, dass wir sie unbeschadet wieder verlassen.“ [/FONT]


    [FONT=&quot]




    [/FONT]

    [FONT=&quot]+++++++++++++++++++++++++++++++++[/FONT]


    Das war es zumindest für diesen Teil. Der eigentliche Ball erwartet euch dann in der nächsten. Mal sehen, vielleicht findet Patrick ja doch eine kleine süße Debütantin für sich und seine Herzogskrone.
    Bis dahin eine schöne Woche euch allen und liebe Grüße
    Nery

  • Hallo Nery,

    da wird ja schon fleissig gearbeitet, man merkt das mit Patrick jetzt ein Herr da ist, der das Land, die Leute auch mag und respektiert und nicht nur Geld und sonstiges von ihnen will.

    Das er den Verwalter entlassen hat, ist sicher eine sehr gute Idee - den der dürfte nicht so wirklich Freude an seinen Beruf gehabt haben.

    Lady Alice, ist eine riesen Hilfe, eine resolute Frau - da sieht man mit Freude zu wie sie alles erledigt, für ein jeden ein offenes Ohr hat.

    Auch die Kirche wurde vernachlässigt, es scheint als würde es kein Plätzchen geben das wirklich in einen guten Zustand ist. Durch die Spielsucht des verstorbenen jungen Fürsten, ist wohl so ziemlich alles auf der Strecke gebleiben.

    Was für einen verstecktes Plätzchen hat er da gefunden?? Die alte Klosteranlage, hm war das ein Liebingsort von Catalina, vielleicht auch für sie errichtet damit sie sich damals mehr wie zu Hause fühlte?? Vielleicht kamen auch damals die eine oder ander Nonne zu ihr aus den fernen Spanien??

    Was mir diesmal deutlich aufgefallen ist, ist die Ähnlichkeit Patricks mit William, derselbe Mund, die Nase, die Augen nur durch die Frisur und den Bart unterscheiden sie sich.

    Wenn hat Patrick da gespürt???, den Geist von Catalina?? Die in Patrick William sieht??

    Ein Ball, alle herausgeputzt und darum bemüht ein gutes Bild abzugeben.

    Wunderschöne Roben und elegant gekleidete Herren. Da soll der neue Fürst wohl verkuppelt werden. Patrick dürfte jetzt eine sehr gute Partie abgeben, da werden sich die jungen Damen um ihn gerne streiten.

    Aber Patrick will sich seine Dame des Herzens sicher selbst wählen und ist eher der Romantiker, mal vermute:D Also an keiner Heirat interessiert, die andere vielleicht gerne sehen würden.

    Tolle Fortsetzung, bin begeistert von den ganzen Bildern mit den Höfen, den Menschen dort und die Kleider der Damen beim Ball ein Hammer:applaus:applaus

  • Hallö Nery, :)


    Ich kann verstehen warum du dich so schwer entscheiden konntest mit den Bildern, die sind alle Traumhaft geworden. :seelove
    Die Darstellung der Pächterhöfe hat mir da besonders gut gefallen, aber ich steh ja eh auf Dörfer und viel grün. *g*


    Ich kann mir lebhaft vorstellen, wieviel Arbeit darin steckt das Landgut zu verwalten. Gerade wo so viel liegen geblieben ist und das alte Personal auf Grund von mangeldem Einsatz und Bezahlung, da nicht viel gemacht hat. Für Patrick ist es sicher ein Segen, dass seine Mutter sich bereit erklärt hat ihm zu helfen. Man sollte das Fingerspitzengefühl einer Frau einfach nicht unterschätzen und Lady Alice scheint eine Menge davon zu besitzen. Für die Menschen dort sind Patrick und seine Mutter sicher die Rettung vor der Armut und ich denke, dass sie sich schnell an die neuen Herrschaften gewöhnen können.


    Das Patrick Ruhe vor dem ganzen Lärm sucht, ja das ist auch nachvollziehbar. Wer hört schon gerne über Wochen Handwerkern bei der Arbeit zu. Da kriegt man doch nen Vogel bei. ^^
    Er hat sich da einen hübschen Ort zum entspannen ausgesucht. Dort scheint ja alles ruhig zu sein und alte Gemäuer strahlen ja meist Ruhe aus. Trotzdem ist der Ort nicht ganz so verlassen wie Patrick geglaubt hat. Die Erscheinung, die auch schon im Herrenhaus gespukt hat, kann sich also auf dem ganzen Gut bewegen. Nun, ich bin gespannt, was sie mit Patrick vorhat. Bisher war sie ja noch mehr oder weniger freundlich zu ihm, aber ich frage mich, ob das so bleibt oder ob sie noch mehr mit ihm vorhat. Er scheint ja so langsam doch noch an Flüche zu glauben, auf jeden Fall überdenkt er noch einmal Elisabeths Geschichte von Ravensdale Hall.


    Aber nun bekommt er ja Ablenkung von den ganzen Sorgen. Auch wenn er nicht so begeistert von der Aussicht ist, den ganzen Ball über mit den Debütantinnen zu tanzen und zu schäkern. *g*
    Aber die Gesellschaft zwingt ihn ja dazu, sich doch eine Gemahlin zu suchen. Auf jeden Fall sind alle darauf aus, den gut aussehenden jungen Herzog so bald wie möglich zu vermählen. Ich bin gespannt, wie es auf dem Ball so weitergeht und vielleicht trifft Patrick ja doch eine Dame seines Geschmacks. ;)


    Ganz liebe Grüße
    Llyn

    You are never more alive than when you're about to lose your pants!



    FS: Sunrise Update: 04.06.19

  • Oh, Nery, was für traumhafte Bilder du uns wieder gezaubert hast! :applaus Ich kann gar keine Worte finden, welche diesen Prachtbildern gerecht werden könnten!


    Die Verwahrlosung in Ravensdale's Gärten, dann die Räume, welche doch einen grossen Prunk vermuten lassen, obwohl sie leer und staubig sind!


    Da gibt es ja jede Menge zu tun für Patrick und seine Mama. Bisher habe ich Lady Alice nicht so wirklich einschätzen können, aber jetzt wird sie mir immer sympathischer. Sie ist keineswegs die etwas hochnäsige Dame, deren einzige Interessen darin bestehen, ihr Näschen zu pudern und stolz auf ihren wohlgeratenen Sohn zu sein. Oh nein, sie kümmert sich tatkräftig darum, die Situation zu verbessern und zwar sowohl in Ravensdale selber wie auch bei den Pächtern. Bestimmt hat sie sich damit schon jede Menge Pluspunkte bei den Bauersleuten geholt.


    Patrick wird ja ziemlich nachdenklich, als er da bei der Gruft des verstorbenen Herzogs steht und es wird ihm auch mulmig beim Gedanken an den Fluch. Er scheint ein sensibler, ernsthafter junger Mann zu sein. Vielleicht sogar zu ernst für sein junges Alter. Auch die Bälle scheinen ihm ja keine grosse Freude zu machen, was ziemlich ungewöhnlich ist. Aber vielleicht ist er auch einfach sehr wählerisch betreffend seiner zukünftigen Braut. Wer weiss, vielleicht wird SIE eine Reinkarnation von Catalina sein?
    Aber nein, denn diese - wie ich vermute ! - geistert als unruhige Seele noch immer durch Ravensdale. Sie hat ihre Ruhe nicht gefunden. Wurde sie damals gar ermordet? Durch ihren Ehegatten vielleicht, als er herausgefunden hatte, dass sie mehr empfindet für seinen Bruder?
    Ich denke, dass sie es auch war, welcher Patrick im verlassenen Kloster begegnet ist. Vielleicht war sie früher oft dort, weil es sie an ihre Heimat, das spanische Kloster, in dem sie aufgewachsen ist, erinnert hat?


    Es wird da auf jeden Fall immer spannender und auf den Ball bin ich soooo gespannt. Und natürlich auch auf Patricks Geschmack, was die Frauenwelt betrifft.:D


    Liebe Grüsse
    Jane